ANSBACHER RESIDENZ UND HOFGARTEN

Romantik trifft Rokoko und Moderne

Mitten im romantischen Frankenland an der Burgenstraße, zwischen sanften Hügeln, Wiesen und Wäldern liegt die ehemalige Hohenzollernresidenz der Markgrafen von Brandenburg-Ansbach. Die Kleinstadt Ansbach – heute Regierungshauptstadt von Mittelfranken – gilt als Stadt des fränkischen Rokoko mit barocken Fassaden und versteckten Innenhöfen.

Wohl berühmtestes Bauwerk der mittelfränkischen Kleinstadt ist die prachtvolle Residenz der Markgrafen mit prunkvollem Hofgarten. Noch heute ist der heitere Stil der Epoche an vielen Stellen zu erkennen.

Brunnen Ansbacchantin vor der Residenz © Bayerische Schlösserverwaltung, Foto: Michaela Trapp

Marktgräfliche Residenz Ansbach

Aus einem spätmittelalterlichen Stiftshof außerhalb der Stadtmauern entwickelte sich zu Zeiten des Kurfürsten Friedrich I. von Brandenburg um 1400  eine Wasserburg, deren Überreste im nordwestlichen Flügel der heutigen Residenz erhalten geblieben sind. Unter dem Markgraf Georg Friedrich dem Älteren entstand zwischen 1565 und 1575 ein anspruchsvoller Residenzbau im Renaissancestil.

Um 1700 wurde die Residenz dann im Barockstil umgebaut. Sehenswert sind nicht nur die „Gotische Halle“, einem langen Raum mit Kreuzrippengewölbe, und der Festsaal mit Deckenfresko, sondern auch die Sammlung Meißner Porzellans im Spiegelkabinett. Eine Führung in der markgräflichen Residenz ist ein absolutes Muss bei einem Besuch in Ansbach.

Residenz Ansbach © Bayerische Schlösserverwaltung, Foto: Michaela Trapp

Führungen

  • Dauer: rund 50 Minuten
  • stündlich

Eintrittspreise

  • Erwachsene: 4,50 Euro
  • Kinder und Jugendliche: frei

Öffnungszeiten

  • April bis September: 9:00 bis 18:00 Uhr
  • Oktober bis März: 10:00 bis 16:00 Uhr
  • montags geschlossen

Innenhof der Residenz Ansbach © Bayerische Schlösserverwaltung, Foto: Michaela Trapp

Das Ende der Markgrafen

Als der letzte Markgraf schließlich nach seinem Ableben 1791 die Residenz Ansbach an die Preußen vermachte, interessierte sich niemand mehr wirklich für die mondänen Räumlichkeiten. Da die preußischen Könige bereits üppig mit ihren Schlössern in Berlin und Potsdam ausgestattet waren, wurde die Residenz in Ansbach nicht mehr als Herrschersitz verwendet. Ungenutzt und fast ein wenig in Vergessenheit geraten gab es natürlich auch niemanden mehr, der in der Residenz irgendetwas veränderte.

Bis heute blieb das meiste so, wie es der letzte Markgraf hinterlassen hat: 27 Prunkräume, die man der äußerlich schlichten Residenz auf den ersten Blick gar nicht zutrauen mag. Tapeten, Vorhänge, Möbel, modischem Schnickschnack der damaligen Zeit, Kristalllüster und Porzellan – nahezu alles noch im Original erhalten. Und natürlich Deckengemälde und Wandverzierungen der Extraklasse.

Hofgarten Residenz Ansbach

Plan Hofgarten und Residenz Ansbach © Bayerische Schlösserverwaltung, Foto: Michaela Trapp

Überquert man die Straße, liegt gegenüber der Residenz Ansbach der Hofgarten mit Orangerie. Der Eingang liegt etwas versteckt in einem Eck hinter dem letzten Haus.

Hier im Ansbacher Hofgarten gelang es einem Hofgärtner im Jahr 1627 zum ersten Mal, eine Agave nördlich der Alpen zum Blühen zu bringen. Nicht zuletzt deshalb hat die Kultur südländischer Kübelpflanzen hier im Hofgarten Ansbach eine lange Tradition. Über den Sommer schmücken über 150 Zitronen-, Orangen-, Feigen-, Granatapfel- und Lorbeerbäume den weiten Platz vor der Orangerie.

Gefüllt blühender Granatapfel – Orangerie © Bayerische Schlösserverwaltung, Foto: Michaela Trapp

Nach den Eisheiligen Mitte Mai dürfen die kälteempfindlichen Kübelpflanzen aus mediterranen Gefilden ins Freiland. Sie alle wachsen in den sogenannten Versailler Kübeln, stahlgefassten Pflanzgefäßen, deren Wände aus Holz ausgetauscht werden können.

Orangerie mit mediterranen Kübelpflanzen © Bayerische Schlösserverwaltung, Foto: Michaela Trapp

Öffnungszeiten

  • März: 7:15 bis 20:00 Uhr
  • April bis August: 7:15 bis 22:00 Uhr
  • September und Oktober: 7:15 bis 20:00 Uhr
  • November bis Februar: 7:15 bis 18:00 Uhr
  • Eintritt frei

Hofgarten mit Orangerie Ansbach © Bayerische Schlösserverwaltung, Foto: Michaela Trapp

Orangerie – mehr als nur ein schnödes Gewächshaus

Ganze 150 Meter liegen zwischen der Residenz Ansbach und dem weitläufigen Hofgarten. Das ist für die damaligen Grundsätze sehr ungewöhnlich. Und auch sonst geht es dort etwas anders zu als in anderen Barockgärten.

Der Hofgarten ist in jeder Hinsicht etwas ganz besonderes – und einzigartig. Zum einen ist nicht das Schloss Ausgangspunkt des geometrisch angelegten Gartens. Das hat einen einfachen Grund, denn bereits zu Erbauung im 18. Jahrhundert war schlichtweg nicht genügend Platz neben der Residenz, um dort einen Hofgarten zu errichten.

Ausblick von der Orangerie © Bayerische Schlösserverwaltung, Foto: Michaela Trapp

Bereits bei der Errichtung gab es eine bauliche Trennung der beiden Anlagen. Und auch heute noch trennen die Promenade und alte Häuser den Hofgarten von der Residenz.

Mangels Alternativen baute man kurzerhand eine Orangerie als zentrales Element in den Hofgarten. Aber nicht irgendeine Orangerie, sondern eine pompöse, schlossähnliche Variante, die fortan nicht nur geometrischer Ausgangspunkt für alle Sichtachsen war, sondern auch als Gewächshaus und Lustschloss für illustre Gesellschaften diente.

Hauptachse mit zwei doppelreihigen Lindenhochhecken © Bayerische Schlösserverwaltung, Foto: Michaela Trapp

Während die Nordseite der Orangerie den Kolonnaden des Louvre nachempfunden ist, stand der Südseite der Grand Trianon in Versailles Pate. Zur gleichen Zeit wurde auch der Hofgarten im barocken Stil umgestaltet, der bereits seit 1535 bestand.

Gartenpavillon im Osten des Hofgartens © Bayerische Schlösserverwaltung, Foto: Michaela Trapp

Heute beherbergt die Orangerie nicht nur ein Café und Restaurant, sondern ist auch Konzert- und Tagungsstätte in historischem Ambiente.

Orangerie Café

  • Öffnungszeiten: 11:00 bis 18:00 Uhr (Montag Ruhetag)
  • Mittagstisch: 11:00 bis 14:00 Uhr

Barocker Hofgarten

Im Garten vor der Orangerie fehlen die typischen Buchsbaumhecken, die sonst einer der wichtigsten Bestandteile eines Hofgartens im französischen Stil sind. Stattdessen schmücken ornamentale Rasen- und Kiesflächen den Vorplatz, gesäumt von schmalen Blumenrabatten in leuchtenden Farben.

Um die Rabatten zu bepflanzen, werden in der Hofgärtnerei jährlich rund 10.000 Blumen von 31 Arten und Sorten kultiviert. Die Bepflanzung ist einem zeitgenössischen französischen Gartenbuch nachempfunden, das die damals verwendeten Blumen auflistet. Alle 2,4 Meter wiederholen sich die Muster. Nach je 30 Zentimetern wechselt die Art und Farbe der Blumen im Beet.

Hofgarten Residenz Ansbach, Westteil – © Bayerische Schlösserverwaltung, Foto: Michaela Trapp

Der Hofgarten und die Orangerie entstanden in den Jahren zwischen 1723 und 1750. Die schlossähnliche Orangerie diente fortan sowohl als Gewächshaus als auch Lustschloss für illustre Gesellschaften. Im Zweiten Weltkrieg wurden Garten und Orangerie vollständig zerstört und im Anschluss im Stil des Klassizismus wieder neu aufgebaut.

Kunstausstellung im Kräutergarten © Bayerische Schlösserverwaltung, Foto: Michaela Trapp

Kräutergarten

Wer kennt sie nicht: die hübschen Fuchsien, die im Sommer mit ihren außergewöhnlichen Blüten unsere Balkone und Terrassen schmücken. Aber wer kennt schon ihren Namensgeber? Der Franziskanermönch Charles Plumier entdeckte die Pflanze 1696 auf dem heutigen Haiti und widmete sie einem von ihm hochgeschätzten Arzt und Pflanzenkundler. Sein Name ist Leonhart Fuchs – Botaniker und Leibarzt. Zu seinem Gedenken ist eine farbenprächtige Fuchsie vor dem Reliefbild des Botanikers in der Mauer aufgestellt.

Kräutergarten Residenz Ansbach © Bayerische Schlösserverwaltung, Foto: Michaela Trapp

Leonhart Fuchs

Es gibt viele Gründe, sich an Leonhart Fuchs zu erinnern. Ansbach hat einen ganz besonderen. Denn zwischen 1528 und 1535 war der Botaniker für den Markgrafen in Ansbach als Leibarzt tätig. Hier begann Fuchs auch damit, sein berühmtes Heilpflanzenbuch „New Kreütuerbuch“ zu schreiben.

Der Kräutergarten wurde erst im Jahr 2001 anlässlich des 500. Geburtstags des Leibarztes und Kräuterkundigen angelegt. Während auf die Verwendung von Beeteinfassungen aus Buchsbaum bei der Orangerie bewusst verzichtet wurde, bildet der immergrüne Busch im Kräutergarten ein zentrales Element zur Gestaltung der Beete.

Lauchpflanzen (Allium) im Kräutergarten © Bayerische Schlösserverwaltung, Foto: Michaela Trapp

Als Inspiration des klassischen Kräutergartens diente ein Kräuterbuch, in dem Fuchs zahlreiche Pflanzen mitsamt ihrer gesundheitlichen Wirkung festgehalten hatte. Leonhart Fuchs gilt als „Vater der Botanik“, im 16. Jahrhundert war der Botaniker als Leibarzt für den Markgrafen tägig.

Mit seinen Forschungen wollte Fuchs seinerzeit den Arabern den Rang in der Medizin und Arzneikunde streitig machen. Zum ersten Mal in der Geschichte führte Fuchs die wissenschaftliche Benennung der Pflanzen ein. Da seine Studien für Apotheker und Ärzte vorgesehen waren, wählte er die gebräuchliche lateinische Sprache.

Residenz Ansbach, Gärtnerei im Kräutergarten © Bayerische Schlösserverwaltung, Foto: M. Trapp

In den Beeten entlang der niedrigen Umfassungsmauern der ehemaligen Gärtnerei des Hofgartens sind einige der rund 500 Pflanzen, die Leonhart Fuchs damals in seinem Buch beschrieben hat, zu finden. Jede der zahlreichen Kräuterpflanzen, von denen wir noch heute viele als Gemüse und Gewürze kennen, ist mit einem Steckschild versehen. Auf ihm steht sowohl der botanische Name als auch die geläufige Bezeichnung der Pflanze. Außerdem ist noch in altdeutscher Sprache eine Wirkung festgehalten. Die eine oder andere Beschreibung klingt recht amüsant. Etwa beim Schnittlauch steht: „Er reytzt zur Unkeuschheyt.“

Weichhaariger Stechapfel im Kräutergarten © Bayerische Schlösserverwaltung, Foto: Michaela Trapp

Infos

Residenz und Hofgarten Ansbach

Promenade 27
91522 Ansbach

Homepage: schloesser.bayern.de


Fotos: Mit freundlicher Genehmigung der Bayerischen Verwaltung für staatliche Schlösser, Gärten und Seen


Tipp:

Direkt neben der Residenz Ansbach liegt die teils gut erhaltene Altstadt Ansbachs. Heute befindet sich hier die Fußgängerzone mit Geschäften und Cafés. Viele der alten Häuser sind in hervorragendem Zustand erhalten geblieben. Ein Besuch lohnt immer – auch wenn ihr nicht shoppen möchtet.


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