WANDERN MIT KINDERN

Raus in die Natur – Mit Kindern wandern

In einer Zeit, die Kindern kein Leben in einer auch nur annähernd natürlichen Umgebung ermöglicht, gewinnt eine Wanderung mit Kindern in der Natur eine ganz grundsätzliche Bedeutung. Bei  dieser Art Abenteuer ist es wie bei sonst kaum einer anderen Freizeitbeschäftigung möglich, mit Kindern zum Teil noch unberührte Natur zu erleben und gleichzeitig das Bewusstsein für etwas zu wecken, das schützenswert ist.

Kinder wandern anders

Tatsächlich ist für Kinder – ganz im Gegensatz zu den meisten Erwachsenen – das Ziel völlige Nebensache. Kinder interessieren sich für den Weg und alles, was am Wegesrand so kreucht und fleucht. Sie brauchen keinen Gipfel, sie suchen sich ihre spannenden Abenteuer und jede Menge Geheimnisvolles auf dem Weg: Begegnungen mit Tieren, Pflanzen und besonders Wasser lädt immer wieder zum Spielen ein. Und sehr viel Eindruck kann auch eine Übernachtung in einer einfachen Hütte in den Bergen oder am See sein.

Tourenplanung mit Kindern

Wer mit Kindern zum Wandern in die Natur aufbricht, sollte bereits bei der Planung der Tour sehr sorgfältig vorgehen. Ideen und Wünsche der Kinder dürfen dabei unbedingt mit einfließen! Gute Karten sowie zusätzliche Informationen über die aktuellen Verhältnisse auf der Strecke und das Wetter sind nützlich, um auf der Tour keine unliebsamen Überraschungen zu erleben.

Beachte bei der Planung nicht nur die Länge der Wandertour, sondern auch ihren Schwierigkeitsgrad. Damit sind sowohl Steigungen als auch schwer begehbare Abschnitte gemeint. Als schwer begehbar sind beispielsweise schmale Grate an steilen Abhängen, Kletterpartien oder auch Wege mit steinigem Geröll zu bezeichnen, auf denen kleinere oder unerfahrene Kinder an der Hand geführt werden sollten.

 

 


Es kann losgehen!

Die Idee ist geboren, jetzt kann es losgehen! Das Startzeichen ist gegeben, der Augenblick höchster Konzentration und Spannung ist gekommen, an dem sich alle Aufmerksamkeit nur noch dem Erlebnis und dem Abenteuer widmet.

Und genau darum geht es: Den Moment des Aufbruchs so gut wie möglich vorauszudenken und zu planen. Damit dann, wenn es wirklich auf die Reise geht, Raum und Zeit fürs Erleben bleibt. Denn ohne Planung, ohne Wissen, ohne Erfahrung und eine gute Portion Geschick ist schon so manche gut gemeinte Wanderung zu einer Tortur für alle geworden. Nicht schlechter Wille, sondern mangelnde Erfahrung und Einfühlungsvermögen sind oftmals ein nicht zu unterschätzendes Handikap.

Wir möchten euch deshalb mit einem kleinen Grundstock an Wissen ausstatten, der dabei helfen soll, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Zwar können diese Informationen eure eigenen Erfahrungen nicht ersetzen, trotzdem können sie eine gute Stütze sein, einzigartige Natur, kulturelle Eindrücke und neue Erfahrungen zu sammeln.

Ihr könnt diese Schönheit aber nur dann entdecken, wenn ihr euch auf den Weg macht – und zwar mit all euren Sinnen!

Umdenken ist angesagt – Zwei Wege zum Ziel

Es gibt immer zwei Wege zum Ziel. Und bevor nicht klar ist, welcher bestritten werden soll, fällt es schwer, etwas zum Thema „Wandern mit Kindern“ zu schreiben.

Der erste Weg

führt in erster Linie den Erwachsenen in die Natur. Sie wollen Touren unternehmen, möglichst viel sehen und herumfahren. Und die Kinder sollen, wollen oder müssen mit …

Vielleicht kennst du solche Situationen oder kannst dir zumindest ausmalen, wie sie verlaufen. So manch einem Kind ist auf diese Weise auch noch die letzte Lust auf einen Ausflug in der Natur genommen worden. Lange, schweißtreibende Wanderungen, nicht enden wollende Fahrten im Auto, womöglich noch unter Zeitdruck, weil das Tempo nie der vorherigen Planung entsprach, wurden zum Alptraum und strapazierten die Nerven von jedermann.

Der Zwang, in bestimmter Zeit irgendwo ankommen zu müssen und die schlechte Laune der Erwachsenen, wenn es mal wieder nicht geklappt hat und selbst keine Zeit für ein gemütliches Picknick mehr blieb, töteten den Funken und die Begeisterung für eine positive gemeinsame Zeit in der Natur – zumindest bei den Kindern.

Der zweite Weg

widmet sich in erster Linie den Kindern. Er stellt vor allem sie in den Mittelpunkt des Wander- und Naturerlebnisses. Sie sind die Hauptakteure jeder Unternehmung und bestimmen die Planung der Erwachsenen in erheblichem Maße. Und dabei ist es völlig egal, ob sie noch in der Rückentrage sitzen oder sich bereits in der Pubertät befinden. Für diesen Weg gehört auf seiten der Erwachsenen Einfühlungsvermögen dazu – und die Bereitschaft, eigene Ziele (und sei es nur vorübergehend) hinten anzustellen.

Der Erfolg für eine unvergesslich schöne gemeinsame Wandertour ist nicht sicher, aber zumindest wahrscheinlicher als auf dem ersten Weg, bei dem die Kinder nur die „Anhängsel“ sind. Naturgemäß decken sich die Bedürfnisse von Erwachsenen nicht immer mit denen der lieben Kleinen. Mit etwas Fantasie und ein paar Absprachen (mit älteren Kindern und Jugendlichen) lassen sich in der Regel oft für alle Familienmitglieder interessante und zufriedenstellende Konstellationen ausarbeiten.

 

Gemeinsam planen – gemeinsam Spaß haben

Es ist nicht nur sinnvoll und möglich, sondern auch erforderlich, dass die Tourenplanung für eine Wanderung gemeinsam mit den Kindern erfolgt und sie bei den Vorbereitungen mit einbezogen werden. Denk einfach mal anders: Wir fahren nicht mit in die Berge, nach Bayern …, sondern unsere Kinder nehmen uns mit. Wer einmal diesen Wechsel in der Blickrichtung wagt, der kann wirklich etwas gemeinsam in der Natur erleben.

Da Kinder mit völlig anderen körperlichen und geistigen Voraussetzungen an die Sache gehen als wir, ist es manchmal notwendig, radikal umzudenken. Aber keine Angst! Die Aufgabe ist lösbar und kann für alle Beteiligten zu einem außergewöhnlichen Erlebnis werden. Wer glaubt, Kinder wüssten nicht, was sie wollen, wird schnell eines besseren belehrt. Und spannend wird es für uns Erwachsene allemal, wenn wir uns auf das Gespür, die Fantasie und die Wahrnehmung von Kindern einlassen.

Zeitrahmen

Über vieles entscheidet die zur Verfügung stehende Zeit. Soll eine Wanderung von mehreren Tagen oder nur wenigen Stunden geplant werden? Damit scheiden dann im einen oder anderen Fall große Distanzen aus, und zwar solche Wandertouren, bei denen man eben mal „kurz aus dem Auto springt“. Sich Zeit lassen zu können, ist eine der wichtigsten Voraussetzungen,  gerade, wenn du mit Kindern unterwegs bist.

Ideen berücksichtigen

Kinder stecken voller Ideen. Sie haben Wünsche und Fantasien, die bei neuen Aktivitäten –  wie dem Wandern in der Natur – auch bei der Planung einfließen sollten. Durch gezieltes Nachfragen lässt sich so einiges herausfinden. Sie wollen zum Beispiel zu den Elefanten oder zu den Felsen. Den Erwachsenen fällt nun die nicht immer einfache Aufgabe zu, aus diesen Wünschen die richtige Tourenplanung zu kreieren.

Oft stecken hinter den Wünschen der Kinder noch weitere, nicht gleich erkennbare Fantasien. Deshalb ist Nachfragen im Sinne von „Was  gefällt dir denn so an den Felsen“ für die Planung vorteilhaft. Vielleicht kommt durch das Nachfragen heraus, dass es das Klettern auf den Felsen war. Vielleicht ist es aber auch die Erinnerung an ein erlebnisreiches Picknick oder die Begegnung mit einer Heuschrecke oder einem Salamander auf den Felsen. Auf jeden Fall empfiehlt es sich, solche Vorstellungen der Kinder auf der Tourenplanung mit einzubeziehen.

Planungshilfen

Manchmal bietet es sich an, eine mehrtägige Tour oder auch nur eine einzelne Wanderung unter ein ganz bestimmtes Motto zu stellen. Eine „Forschungswanderung zur Düne“ oder auch eine „Expedition ins Tierreich“ entsprechen dem kindlichen Entdeckerdrang besonders gut. Viele Gebiete auf der Erde, sei es Nordamerika, Afrika oder auch Deutschland bieten durch ihre teilweise noch ursprüngliche Natur, aber auch durch ihre vielfältige und eindrucksvolle Kultur für solche Entdeckerreisen nahezu ideale Voraussetzungen. Das bedeutet aber auch, dass der Gipfel des Berges vor allem für junge Kinder eine nur untergeordnete Rolle spielt und sein Erreichen nicht der Kernpunkt der Wanderung sein darf.


Tipp: Bei der Vorbereitung von Tagesaktivitäten kann eine Ideensammlung am Vorabend oder noch am Morgen gute Dienste leisten. Die Zeit reicht dann immer noch, um entsprechend zu planen und vorzubereiten.


Bei einer mehrtägigen Wanderung oder Touren in unbekannte Gebiete sind im Vorfeld umfangreiche Planungen notwendig. Eine genaue Gebietserkundung mittels Karten, Reiseführern und Bildinformation muss unbedingt rechtzeitig erfolgen, damit nicht auf der Reise plötzlich Überraschungen auftreten.

Gliederung der Tour

Beim Wandern mit Kindern sollte auch der Zeitfaktor berücksichtigt werden. Die Zeitwahrnehmung von Kindern unterscheidet sich nämlich erheblich von dem Zeitgefühl erwachsener Personen. Ein ganzer Tag kann für ein Kind ein sehr langer Zeitraum sein, der erst für Vorschulkinder ungefähr einschätzbar wird.

Für Kinder ist es deshalb eine große Hilfe, wenn die Tage auf der Tour in verschiedene Abschnitte gegliedert wird. Die Festlegung bestimmter Stationen und die Kenntnis der Abfolge von verschiedenen Aktivitäten erleichtern dem Kind die Einschätzung enorm. Solche Absprachen helfen Kindern außerdem, Ängste vor dem Ungewissen abzubauen oder eine mehrstündige Autofahrt besser zu überwinden, weil sie sich auf das tolle Picknick auf dem Felsen freuen.

Eine Vorausplanung der Wanderung und womöglich der Anreise mit Einbezug der Kinder ist gleichzeitig eine Vorausschau auf die neuen Erlebnisse und hilft, die Fülle neuer Eindrücke eines Tages zu verarbeiten. Bei kleinen Kindern erübrigt sich eine Stundenangabe bei einer solchen Vorausschau.

Wanderungen mit Kindern flexibel planen

Straßenverhältnisse, Witterungseinflüsse und nicht zuletzt die Tagesform machen eine flexible Tagesplanung besonders auf einer Wanderung mit Kindern zur absoluten Notwendigkeit. Das bedeutet, dass womöglich einmal eine Planung völlig über den Haufen geworfen und flexibel reagiert werden muss. Vor allem der vermehrte Bedarf an Ruhepausen oder ein insgesamt höherer Zeitbedarf für bestimmte Wegabschnitte sollte von vorneherein mit einkalkuliert werden.

Grundsätzlich ist es daher entspannter, zunächst nur kurze Tagesetappen anzustreben und viel Freizeit einzuplanen, die dann individuell nach Geschmack und Tagesform mit Aktivitäten gefüllt werden kann. Deshalb solltest du im Vorfeld daher immer feststellen, welcher Zeitbedarf für eine bestimmte Route notwendig ist und verzichtest im Notfall auf eine weit entfernte Lokalität, die du zwar gerne besichtigen möchtest, die den enormen Zeitaufwand und den damit verbundenen Stress und Anstrengung nicht rechtfertigen würde.


Und nicht zu vergessen: 

bequeme und festes Schuhwerk.

Meine leichten Stiefel sind bei gutem Wetter immer mit dabei!


Highlights statt Stecke

Beschränke dich vielmehr darauf, besonders interessante und (landschaftlich) reizvolle Punkte auf der Route aufzunehmen, die dem Bewegungs- und Erlebnisdrang der Kinder besonders entgegenkommen. Dass hierbei beispielsweise in Bergregionen oder Moorlandschaften überall auftretenden Gefahren Beachtung geschenkt wird, muss vorausgesetzt werden. Vor allem der Gefahr durch Hitze, Kälte, Regen und Sturzgefahr verdient dabei besondere Beachtung.

Wird die Routenführung so gewählt, dass interessante Geländeformen, abwechslungsreiche Teilstrecken und kindgerechte Höhepunkte wie etwa Tierbeobachtungen oder besonders geformte Felsen von Anfang an mit eingeplant, kann eigentlich nicht allzu viel schiefgehen. Allerdings sollte bei Touren durch spärlich besiedelte Regionen ausreichend Verpflegung und vor allem Getränke mitgenommen werden. Für ein Picknick eignen sich ein paar ganz besondere Leckereien, auf die sich die Kinder schon im Vorfeld freuen können.

Mit Kraxenkindern unterwegs

Vor allem für Mütter oder Väter mit Kindern bis zum vierten Lebensjahr ist das Tragegestell ein wichtiger Begleiter auf der Tour. In einer solchen Kraxe kann ein Kind bereits auf eine Wanderung mitgenommen werden, sobald es ausdauernd sitzen kann. Eine solche Trage stellt nicht nur eine erhebliche konditionelle Belastung dar, sondern fordert aber auch große Anforderungen an den Gleichgewichtssinn im unwegsamen Gelände.


Tipp: Sobald die Kinder selbst laufen können, sollte sie auch an ein selbstständiges Gehen gewöhnt werden und bei der Tour von Zeit zu Zeit Laufpausen einlegen.


Fazit

Eine Wanderung kann nur dann zum vollen Erfolg werden, wenn sie allen Spaß macht. Deshalb ist es wichtig, sich die Bedürfnisse aller genau anzusehen und nach Möglichkeit mit in die Wandertour einzuplanen. Wer klein anfängt und viel Zeit für andere Dinge zulässt, die mit dem eigentlichen Wandern nichts zu tun haben, kann nichts falsch machen. Denn nur dann, wenn die Wanderung ein echtes Erlebnis und Abenteuer war, werden die Kinder beim nächsten Mal gerne wieder mitmachen!


Das könnte dich auch interessieren:

Wie lese ich eine Wanderkarte richtig?


Welche Informationen findet man auf Wanderkarten?


Wie ermittle ich Entfernungen auf einer Wanderkarte?


Wie kann ich mich im Gelände orientieren?


1 thought on “WANDERN MIT KINDERN”

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.