Welche Regeln gibt es in Naturschutzgebieten?

Bei schönem Wetter drängt es uns nach draußen in die Natur. Natürlich auch in die zahlreichen Naturschutzgebiete hier in unserer Heimat. Für den Natur- und Artenschutz können Besuchermassen jedoch problematisch sein. Deshalb ist es wichtig, sich an bestimmte Regeln zu halten. Aber wie verhalte ich mich in einem Schutzgebiet richtig? Was ist hier erlaubt und was verboten?

naturschutzgebiet ansbach scheerweiher regeln verboten erlaubt
Damit die Schönheit der Natur erhalten bleibt, ist Umsicht nötig

Was bedeutet eigentlich Naturschutzgebiet?

Natürlich weiß jeder, dass ein Areal oder eine Landschaft, die als Naturschutzgebiet ausgewiesen ist, unter besonderem Schutz steht. Dabei können entweder einzelne Teile oder auch die komplette Natur in ihrer Gesamtheit unter Schutz gestellt werden. Mit diesem Schutzstatus sollen Lebensräume bestimmter Tiere und Pflanzen erhalten werden.

Oft sind die örtlichen Gegebenheiten speziell und selten, manchmal auch besonders schön, deshalb ist es wichtig, dass die Bedingungen ideal sind, damit sie nicht als Lebensraum oder auch aus wissenschaftlichen oder landeskundlichen Gründen unwiderruflich verloren gehen.

Wenn ein Gebiet bestimmte Voraussetzungen erfüllt, wird es per Erlass von der Höheren Naturschutzbehörde zum Naturschutzgebiet erklärt. In der Verordnung muss insbesondere explizit erläutert werden, welchen konkreten Schutzzweck es erfüllen soll.

cropped Mit Mama nach Wandern Ausflug Nationalpark Berchtesgaden Natur Deutschland Koenigssee Ausblick
Nationalpark Berchtesgaden – Königssee

Wie erkenne ich ein Naturschutzgebiet?

Jedes Naturschutzgebiet ist durch ein entsprechendes Hinweisschild gekennzeichnet. Leider gibt es in Deutschland keine einheitliche Gestaltung dieser Beschilderung. Das liegt daran, dass Naturschutz Ländersache ist. Je nachdem, in welchem Bundesland ihr unterwegs seid, können euch eine Reihe von Schildern begegnen, die auf ein Naturschutzgebiet hinweisen:

  • Seeadler in grünem Dreieck: Baden-Württemberg, Bayern, Hamburg, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Saarland
  • Kretschmann-Eule im gelben Fünfeck: Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Schleswig-Holstein, Thüringen
  • Kretschmann-Eule auf weißem Grund: Sachsen-Anhalt
  • Eulenlogo in grünem Dreieck: Bremen, Niedersachsen
  • Kretschmann-Eule in grünem Dreieck: Berlin
naturschutzgebiet regeln regelungen verbot schilder

Wenn ihr euch fragen solltet, was eine Kretschmann-Eule ist: Sie hat ihren Namen von ihrem Gestalter erhalten, dem Naturschützer Kurt Kretschmann, der als Kapazität und Initiator des Naturschutzgedankens in der DDR gilt. Bei der Eule handelt es sich um eine schwarze Waldohreule, die bereits im Jahr 1954 zum rechtsgültigen Logo für Natur- und Landschaftsschutzgebiete der Deutschen Demokratischen Republik erklärt wurde.

Raus in die Natur – aber mit Umsicht

In manchen Gebieten sind Besucher zwar gern gesehen, allerdings nur dann, wenn sie sich an bestimmte Verhaltensregeln halten. Das gilt vor allem für die Nationalparks in Deutschland. Hier gelten die strengsten Bestimmungen. Gleich danach kommen die zahlreichen Naturschutzgebiete. Viele Besucher wissen einfach nicht, wie man sich in geschützten Gebieten verhalten soll. Man sieht sie auf gesperrten Flächen picknicken, hübsche Blumen pflücken oder sie lassen ihre Hunde frei im Wald herumstromern.

Vor allem in der Brutzeit von bodenbrütenden Vögeln ist besondere Umsicht nötig, denn Feldlerche, Kiebitz und Co. geben ihre Nester auf, wenn sie dauernd aufgescheucht werden. Zur gleichen Zeit im Frühjahr sprießen viele Pflanzen aus der Erde, darunter seltene Arten, die leicht zertreten werden.

tropfsteinhoehle hoehle schauhoehle bayern altmuehltal kelheim essing schulerloch becherstalagmit
Manche Schätze verbergen sich auch unter der Erde, wie in einer ropfsteinhöhle

Betreten erbeten oder untersagt?

Neben der Beschilderung, dass es sich um ein Naturschutzgebiet handelt, gibt es Informationen auf dem Schild oder einem separaten darüber, welche Nutzungsmöglichkeiten es gibt. Einer der wichtigsten Hinweise ist, ob ihr das Gebiet überhaupt als Spaziergänger oder Wanderer betreten dürft oder eben nicht. In manchen Fällen ist das Betreten nur zu bestimmten Zeiten erlaubt.

wandern fraenkische schweiz mittelfranken bayern petershoehle hartenstein velden innenraum hoehle

Oft fallen diese Zeiten mit der Brutzeit geschützter Vogelarten im Frühjahr bis in den Sommer zusammen. Bei Höhlen gilt in der Regel ein Betretungsverbot von Oktober bis Ende März, weil diese in den kalten Monaten von Fledermäusen als Winterquartier genutzt werden. Generell gilt in allen Naturschutzgebieten, dass ihr auf den gekennzeichneten Wegen bleiben müsst.

So verhältst du dich richtig

Dass ein Biotop oder eine Landschaft unter Naturschutz steht, bedeutet nicht zwangsweise, dass es von Spaziergängern und Wanderern nicht betreten werden darf. Im Gegenteil. Das Gesetz erlaubt ausdrücklich, dass Naturschutzgebiete der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden können, insofern es der Zweck des Schutzes zulässt.

Ist das Schutzgebiet für die Öffentlichkeit freigegeben, darf also von der Allgemeinheit betreten werden, gibt es bestimmte Verhaltensregeln, die im Einzelnen von Schutzgebiet zu Schutzgebiet abweichen können.

naturschutzgebiet eule schild beschilderung regeln

Für alle Naturschutzgebiete gelten folgende Verhaltensregeln

  • immer auf den gekennzeichneten Wegen bleiben
  • keine Pflanzen und Pilze pflücken oder ausgraben
  • keine Tiere stören
  • Müll wieder mit nach Hause nehmen
  • nirgendwo außerhalb von gekennzeichneten Plätzen rasten oder picknicken
  • nicht mit dem Auto, Moped, Quad etc. in das Naturschutzgebiet hineinfahren
  • nicht in Gewässern baden, tauchen oder mit dem Boot fahren
Rothenburg Lotosgarten Libelle blau
Mit etwas Geduld lassen sich oft tolle Entdeckungen machen

Hunde in Naturschutzgebieten

Grundsätzlich dürfen Hunde in ein Gebiet, das unter Naturschutz steht, mitgenommen werden, wenn dies für die Öffentlichkeit freigegeben ist. Allerdings müssen die Vierbeiner an der kurzen Leine gehalten werden, damit sie keine Tiere aufscheuchen oder diese bei der Brut oder Aufzucht der Jungen stören. Nur in wenigen Naturschutzgebieten ist das Mitführen von Hunden gänzlich untersagt. Deshalb achtet bitte unbedingt auf die Ausschilderungen vor Ort. Und: Sammelt auch die Hinterlassenschaften eures Hundes in einem Kotbeutel und entsorgt ihn in der Mülltonne.

wandern sielmanns naturpark niederlausitzer landruecken luckau sielmanns natur erlebniszentrum wanninchen
Schafe und Pferde halten Trockenrasen frei von jungen Bäumen in Schutzgebieten

Und was ist dann noch erlaubt?

Man könnte vor lauter Verboten meinen, dass sich Wanderer und Spaziergänger nur noch schweigend und auf Zehenspitzen bewegen dürften. Aber stört es Reh, Specht oder Biber wirklich, wenn Menschen Krach machen?

Die meisten Geräusche, die vom Menschen selbst verursacht werden, wie lautes Trampeln, Lachen, Singen oder intensive Unterhaltungen, sind ja nicht gleich im ganzen Wald zu hören, sondern kommen nur aus einer Richtung. Das signalisiert den Tieren, dass die Menschen eigentlich keine Gefahr darstellen, da sich ihre Fressfeinde auf Beutezug leise verhalten.

wandern im frankenwald landkreis hof hoellental naila hoelle aussichtspunkt oberfranken
Oft krönt eine Bank oder ein Picknickplatz eine besonders schöne Aussicht

Natürlich dürfen auch Kinder ihren Spaß haben und herumtollen, allerdings solltet ihr unbedingt darauf achten, dass sie den Weg nicht verlassen und nicht laut schreiend hinter Vögeln und anderen Tieren herlaufen. Wenn sie natürlich Tiere beobachten möchten, sollten sie sich ruhig verhalten, denn sonst machen sie sich schnell aus dem Staub.

Wenn ihr euch ein wenig ausruhen oder ein kleines Picknick veranstalten möchtet, geht das auch. Allerdings nicht einfach irgendwo auf der Wiese. Genau deshalb sind auf den meisten Wanderwegen in regelmäßigen Abständen Bänke aufgestellt, häufig auch wirklich schön gelegene Picknickbereiche mit Tischen und Bänken.

regeln in naturschutzgebieten nationalpark naturpark biosphaerenreservat schutzgebiet natur
Auf Felsen siedeln sich ganz spezielle Tiere und Pflanzen an

Unterschiede zwischen den verschiedenen Schutzgebieten

In Deutschland gibt es jede Menge verschiedener Schutzgebiete. Den strengsten Regelungen sind Nationalparks und Naturschutzgebiete (NSG) unterworfen. Diese Verbote gelten jedoch nicht gleichermaßen für alle unter Schutz gestellten Gebiete. Die Besonderheiten sind manchmal nicht ganz so geläufig, deshalb in aller Kürze ein paar Worte zu den einzelnen Naturschutzgebieten hier bei uns:

wanderung oberpfalz stiftland tirschenreuther teiche tierwelt zauneidechse
Eidechsen können schon kleinste Erschütterungen über den Boden wahrnehmen

Nationalparks

Dem strengsten Schutzstatus unterliegen die Nationalparks. Auf den meisten Flächen in Nationalparks darf der Mensch überhaupt nicht eingreifen. Damit soll sichergestellt werden, dass sich die Natur nach ihren ganz eigenen Gesetzen und Dynamiken entwickeln kann. Tieren und Pflanzen stehen großflächige Rückzugsgebiete zur Verfügung, was die natürliche Artenvielfalt fördert. In den Kernzonen ist auch immer das Betreten verboten. Bitte haltet euch unbedingt an diese Regelungen!

Naturschutzgebiete

Neben den Nationalparks unterliegen Naturschutzgebiete den striktesten Bestimmungen. Jegliche Veränderung, die den Lebensraum von wildlebenden Pflanzen und Tieren angeht, ist strengstens untersagt. Eine Nutzung ist nur dann erlaubt, wenn sie das Schutzziel nicht gefährdet.

Naturparks und Landschaftsschutzgebiete (LSG)

Im Gegensatz zu den anderen Schutzgebieten ist in Naturparks und Landschaftsschutzgebieten eine Nutzung durch die Landwirtschaft oder auch durch den Tourismus nicht nur möglich, sondern in vielen Fällen auch bewusst gewollt. Denn sie bewahren und entwickeln Kulturlandschaften und dienen der Erholung. In dieser großen Naturschutzgebietsklasse ist es das Ziel, Tourismus und Naturschutz in Einklang zu bringen.

Flora-Fauna-Habitate und Vogelschutzgebiete

Beide Schutzgebiete gehören zum europäischen Schutzprojekt Natura 2000, sind somit länderübergreifende Schutzgebiete. Wenn es die lokalen Regelungen zulassen, dürfen sich Menschen in ihnen aufhalten und diese nutzen. Was im Einzelnen erlaubt ist, erklärt euch die Beschilderung. Generell gelten aber oben genannte Regeln.

Biosphärenreservate

Auch für Biosphärenreservate gelten neben den nationalen auch internationale Verordnungen. Biosphärenreservate gelten als Modellregionen für das Zusammenleben zwischen Mensch und Natur. Unter Schutz stehen hier vor allem Kulturlandschaften und solche Arten- und Biotopevielfalten, die durch den Menschen geprägt oder gar durch sein Dazutun entstanden sind.

Es gilt, ein ausgewogenes Verhältnis zwischen den natürlichen und den gesellschaftlichen Prozessen und Nachhaltigkeit zu schaffen. Über die einzelnen Gebote und Verbote im jeweiligen Biosphärenreservat informieren die lokalen Hinweisschilder.

2 Gedanken zu „Welche Regeln gibt es in Naturschutzgebieten?“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.