MIT KINDERN IN DEN WALD

Lebensraum, Ökosystem und Grüne Lunge:  Wälder

Wälder üben eine magische Anziehungskraft aus. Wald, das bedeutet für viele von uns Wildnis, Abenteuer, Geheimnis. Aber er lehrt uns auch Ehrfurcht. Ehrfurcht vor der Natur, vor dem Leben. Doch echten Urwald, in dem sich die Natur völlig ungestört – ohne Eingreifen des Menschen – entwickeln kann, gibt es in Deutschland nicht mehr.

Wälder sind der ideale Erlebnisraum für Kinder. Weder das iPad noch ein Freizeitpark können diese Art von Abenteuer und Erlebnis ersetzen. Der Wald, er weckt den Wissensdurst in Kindern – und stillt einen Teil von ihm auch, wenn wir uns als Eltern darauf einlassen.

Fangt am besten so früh wie möglich an, mit euren Kindern in den Wald zu gehen. Je jünger das Kind, umso einfacher ist es für die vielen wunderbaren Dinge zu begeistern.

Grüner Frieden

Viele von uns fühlen sich mit dem Wald tief verbunden. Doch unser Verhältnis zum Wald ist widersprüchlich und in stetigem Wandel. Während im Mittelalter große Teile des Waldes in Europa gerodet wurden und damit die Waldfläche dramatisch schrumpfte, wurden im 20. Jahrhundert riesige Flächen mit schnellwachsenden Kiefern und Fichten bepflanzt, um möglichst hohe Profite zu  erzielen. Allerdings haben sich die öden Einheitswälder als besonders anfällig für Krankheiten und auch die Klimaveränderung erwiesen. Heute pflanzt man deshalb wieder vermehrt klimataugliche Laubbäume.

Die meisten Wälder in Deutschland werden regelmäßig durchforstet und wirken dadurch wie aufgeräumt. Wir finden in ihnen nahezu keine alten Baumriesen, kaum Totholz, geschweige denn echte Wildnis. Während die dunklen Wälder früher bei den Menschen ein Gefühl der Furcht und zahlreiche Mythen und Sagen hervorgebracht haben, finden heute viele Menschen gerade dieses Chaos in den Urwäldern faszinierend. Trotzdem ist es doch etwas verwunderlich, dass wir den Schutz der tropischen Regenwälder einklagen und unseren eigenen Wäldern in Deutschland nicht einmal annähernd die Chance lassen, alt zu werden und sich zu entfalten.

Wälder erzählen spannende Geschichten

Nirgends lässt sich in der Natur der ewige Kreislauf von Leben und Sterben so gut beobachten wie in einem wilden, unbewirtschafteten Wald. Eichen, Buchen und andere Bäume wachsen zu wahren Baumriesen heran und bilden dichte Kronen, durch die im Sommer nur feines Streulicht den Waldboden berührt. Die raue, aufgeplatzte Borke, Äste und Wurzeln bieten Vögeln und unzähligen anderen Tieren Lebensräume.

Waldspielplatz zum Anfassen und Mitmachen

Irgendwann im Alter stürzen sie dann in einem Sturm um. Damit schlagen sie das nächste Kapitel im Kreislauf Wald auf. Denn über das Totholz machen sich zahllose Pilze, Mikroorganismen oder auch Insekten her, zerlegen es in seine Bestandteile und schaffen damit wieder die Grundlage für neues Leben. Ein endloses Leben und Sterben, fressen und gefressen werden. Und auf der frei gewordenen Fläche wachsen auf nährstoffreichem Boden wieder neue Bäume zum Himmel empor.

Mit Kindern in den Wald

Der Wald ist mehr als nur ein Lieferant von Holz und Nahrung. Er ist ein riesiges Ökosystem, Lebensraum für Pflanzen und Tiere, ein Kunstwerk der Natur. Ein Spaziergang in den Wald ist weckt den Entdecker- und Abenteuersinn in Kindern. Während für die meisten Kinder gerade, breite Wege furchtbar langweilig sind, gibt es auf verschlungenen, schmalen Pfaden im Wald überall etwas zu erforschen. Alleine schon deshalb, weil man nicht weiß, was einen nach der nächsten Wegbiegung alles so erwartet …

Nicht nur im Herbst gibt es jede Menge spannender Dinge zu entdecken

Abenteuer Waldspaziergang

Der Wald ist ein Abenteuer für die Sinne – nicht nur für Kinder. Man muss sich nur darauf einlassen. Diese Vielfalt an Farben, Formen, Gerüchen und Räumen kann mit Kindern auf spielerische Weise entdeckt werden. Die klare Luft riechen, Tannenzapfen befühlen, Vögel beobachten und die vielen Geräusche im Wald in sich aufnehmen. War das da hinten ein Hase, der da hinterm Baum verschwindet? Einheimische Tiere kennenlernen, Spuren zu lesen – ein faszinierendes Erlebnis für Groß und Klein!

Leider haben die meisten Kinder viel zu selten die Gelegenheit, ihre Umgebung zu erforschen. Dabei warten hier doch so viele Geheimnisse darauf, entdeckt zu werden. Aber Wald ist nicht gleich Wald. Ein Spaziergang durch einen Nadelwald ist etwas völlig anderes als eine Wanderung durch einen Laubwald. Kinder lernen nicht nur die verschiedenen Bauarten kennen, sondern auch anhand von gefällten Exemplaren das Alter über die Jahresringe bestimmen.

Überall krabbeln Ameisen herum, die ein Vielfaches ihres eigenen Körpergewichtes tragen können. Wenn du dich selbst nicht so besonders gut auskennst, gibt es vielerorts auch geführte Wanderungen. Ich empfehle ein gutes Buch über Tiere und Pflanzen im Wald, wo ihr schnell einmal nachschauen könnt, wenn ihr etwas nicht kennt.


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Wenn ihr euch ruhig verhaltet, lassen sich auch sicherlich ein paar Tiere beobachten. Schnell fliegt ein Specht zu seiner Bruthöhle im Baum, um seine Jungen zu füttern oder ein Eichhörnchen klettert behände auf einen hohen Baum.

Verhaltensregeln für den Besuch im Wald

Ein Spaziergang an der frischen Luft macht hungrig. Was gibt es schöneres, als ein Picknick auf einem großen Stein oder umgefallenen Baumstamm. Schließlich brauchen wir noch genügend Kraft für den Nachhauseweg. Dass wir unseren Müll wieder einpacken und mit nach Hause nehmen, sollte selbstverständlich sein. Auf keinen Fall lassen wir etwas im Wald liegen.

Raus an die frische Luft – rein in den Wald: Erholung, Abenteuer und Bewegung in einem!

Genauso wichtig ist es, schon bei Kindern das Bewusstsein zu schaffen, dass wir als Menschen nur Gäste im Wald sind. Deshalb verhalten wir uns umsichtig. Die ganze Zeit herumzuschreien und alles niederzutrampeln ist tabu, schließlich dürfen wir die Tiere nicht verschrecken. Ein normales Gespräch, der eine oder andere Freudenschrei oder auch ein fröhliches Liedchen stören niemanden – schon gar nicht die Tiere.

Natürlich gilt es nicht nur die Tiere im Wald zu schützen, sondern auch alle Arten von Pflanzen und Bäumen. Deshalb reißen wir keine Pflanzen aus, brechen Äste ab oder trampeln ganze Areale von empfindlichen oder geschützten Pflanzen nieder. Da vor allem Jungs gerne Schwerter und andere Waffen aus Ästen basteln, könnt ihr auch ein Taschenmesser mitnehmen, um ein paar Äste zu bearbeiten. Aber bitte verwendet dazu nur bereits abgestorbenes Material. Um die empfindliche Natur so wenig wie möglich zu belasten, solltet ihr in Schutzgebieten immer auf den Wanderpfaden und Waldwegen bleiben.

Beeren und Früchte im Wald

Und eine wichtige weitere Regel lautet: Es wird nichts abgepflückt oder genascht, ohne dass ein Erwachsener dies vorher genau betrachtet hat. Auch wenn die Beeren oder Früchte noch so verlockend erscheinen, denn es gibt nicht nur essbare Früchte, sondern auch eine Vielzahl giftiger Beeren. Deshalb lieber zweimal hinsehen oder im Buch nachschlagen, wenn du unsicher bist.

Auch Blaubeeren nehmt ihr am besten zuerst mit nach Hause, um sie gründlich zu waschen. Denn nur so kann eine Infektion mit dem Fuchsbandwurm vermieden werden. Walderdbeeren, Brombeeren und Himbeeren sind in der Regel kein Problem. Schließlich wäre es ja auch langweilig, wenn man gar nichts direkt vom Strauch essen dürfte. Aber denkt daran, dass sich in den Sträuchern gerne Zecken aufhalten.

Was gibt es sonst noch zu beachten?

  • kein Feuer machen (für die Eltern: auch nicht rauchen)
  • den Hund an der Leine führen
  • keine Tiere fangen oder verletzen, geschweige denn töten
  • keine Tiere füttern
  • wegen der Zeckengefahr am besten Kopfbedeckung und lange Kleidung tragen
  • bei Sturm und Gewitter schnellstmöglich den Wald verlassen
  • keinen unnötigen Lärm machen
  • niemals unbekannte Früchte und Pilze essen

Nicht alle Beeren, die toll aussehen, kann man auch gefahrlos essen

Ausrüstung für eine längere Tour

Natürlich benötigt ihr für einen Waldspaziergang keine professionelle Wanderausrüstung oder dergleichen. Festes Schuhwerk, lange Kleidung und ein Rucksack sind aber immer notwendig. In den Rucksack könnt ihr nicht nur etwas zu trinken oder ein paar Sachen für ein tolles Picknick packen, sondern am besten auch einen Tier- und Pflanzenführer. So könnt ihr direkt vor Ort nachschlagen, wenn ihr mal nicht sofort wisst, was das für eine Pflanze oder Tier ist, das ihr so spannend findet. Wir haben es uns außerdem angewöhnt, ein paar Feuchttücher einzupacken, damit die klebrigen Finger abgewischt werden können, wenn gerade kein Bach zum Händewaschen in der Nähe ist.

Ein kleines Picknick im Wald 

Wer mit Kindern unterwegs ist, sollte natürlich auch immer eine kleine Box für Fundstücke einpacken, in die Federn, leere Schneckenhäuser oder der eine oder andere Glitzerstein gelegt wird. Ein Baumwollbeutel ist der perfekte Behälter für Blätter, Kastanien, Eicheln oder Tannenzapfen. Und es schadet auch nicht, ein Taschenmesser dabei zu haben. Am besten nehmt ihr auch eine Tüte für eure Abfälle mit, damit ihr die Reste eurer Mahlzeiten nicht einfach so in den Rucksack werfen müsst.

Langeweile ade!

Die Zeit für den Waldspaziergang solltest du immer an das Alter deines Kindes anpassen. Bei kleinen Kindern reicht etwa eine Stunde in der Regel aus. Natürlich kommt es immer auf das einzelne Kind an. Während die einen schon mit vier stundenlang Ameisen beobachten können, sind andere bereits nach kürzerer Zeit nicht mehr bei der Sache. Grundschulkinder hingegen können ohne Weiteres schon fünf bis zehn Kilometer wandern, wenn die Zeit gut eingeteilt ist und genügend Pausen integriert sind. Am besten sind landschaftlich abwechslungsreiche Wälder mit dem einen oder anderen Highlight wie ein paar Felsen oder einem kleinen Bach. An einem Bach können selbstgebaute Schiffchen um die Wette fahren. Richtig spannend wird es für die meisten Kinder auch, wenn es etwas zu klettern gibt.

Fazit

Im Wald gibt es immer etwas zu entdecken. Jeder Spaziergang – egal ob mit kleinen oder größeren Kindern – birgt ganz besondere Erlebnisse in sich. Wir wünschen dir viel Freude dabei, diese gemeinsam mit deinem Nachwuchs zu erkunden.

 


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