Fernwandern für Einsteiger

Das erste Mal auf einem Fernwanderweg – was gibt es alles zu beachten?

Wer einmal damit angefangen hat, kann schwer nur wieder aufhören. Die Rede ist vom Wandern. Ich kann mir inzwischen gar nicht mehr vorstellen, meine Wochenenden und jede sich bietende Gelegenheit wahrzunehmen und auf eine Tour zu gehen. Kaum etwas kommt diesem Abenteuer gleich – mit der Wanderkarte in der Hand in unbekannte Gefilde vorzustoßen und überall etwas Neues zu entdecken. Mitten drin in der Natur, statt nur Abenteuerserien im Fernsehen anzugucken.

Nichtsdestotrotz wagen sich nur wenige – vor allem als Frau alleine oder mit Kind – auf einen Fernwanderweg. Mir ist es da nicht anders ergangen. Dabei gibt es so viele wunderschöne Fernwanderwege in Deutschland.

Auf vielen Wanderwege geht es über Stock und Stein – deshalb sind gute Schuhe wichtig

Eine gute Vorbereitung ist wichtig

Sich als völlig ungeübter Wanderer gleich eine mehrwöchige Überquerung der Alpen vorzunehmen oder alleine im Dschungel von Brasilien herumzustapfen, ist mehr als gewagt – und das Unheil bereits vorprogrammiert. Deshalb: Lasst es langsam angehen. Sucht euch für die erste Tour eine einfache Wanderung aus, die keine übermäßigen Steigungen und extrem lange Tagesmärsche erfordert.

Hilfreich ist es außerdem, wenn ihr gelegentlich durch ein paar Dörfer kommt, in denen ihr notfalls Halt machen könnt. Für den Anfang reichen bereits relativ kurze Touren, damit ihr euch eine Vorstellung machen könnt, was euch auf einer richtigen Fernwanderung erwartet und welche Probleme auftauchen können. So seid ihr für die richtig langen Strecken besser gerüstet.

Überall auf der Welt gibt es Weitwanderwege – berühmte und wenig bekannte

Fernwanderwege wandern – als Anfänger langsam starten

Eingefleischte Outdoorfans werden mich jetzt vielleicht etwas belächeln. Meine erste Tour bestand aus nur zwei Etappen, insgesamt knapp über 30 Kilometer. Wenn man mal ehrlich ist, nicht einmal ein  richtiger Fernwanderweg. Doch der Unterschied zwischen einer normalen Tageswanderung und dem richtigen Trecking ist gewaltig und will gut geplant sein.

Es geht nicht nur darum, jeden Tag eine ordentliche Strecke zurückzulegen. Zwischenzeitlich abbrechen, weil du nicht mehr kannst oder magst, ist auf vielen Fernwanderwegen schlichtweg unmöglich, da sie irgendwo in der Einöde verlaufen. Wer es nicht gewohnt ist, jeden Tag gut 15, 20 oder gar 30 Kilometer zu laufen, merkt spätestens ab dem dritten Tag die Anstrengung in den Knochen.

Und  letztendlich kannst du auch nicht alles mitnehmen, was du auf einer mehrtägigen Tour womöglich alles so brauchen könntest. Du solltest immer daran denken, dass du die ganzen Sachen dann auch mit dir herumschleppen musst.

Startet am besten einfach mit einer kurzen Mehrtagestour. Zwei oder drei Tage reichen zum Testen bereits aus. Auf diese Weise geht ihr kein Risiko ein und bekommt einen guten Überblick, was ihr alles nicht bedacht habt und beim nächsten Mal besser machen könnt. Meine erste Tour war der Wacholderwanderweg in der Oberpfalz. Nur 31 Kilometer Gesamtstrecke, zwei Übernachtungen, kaum Gepäck notwendig. Es ist auch nicht verwerflich – und ihr müsst euch dafür auch nicht schämen – nur ein paar einfache Etappen auf einem längeren Fernwanderweg zu laufen. Überall durch Deutschland verlaufen erprobte und gut frequentierte Weitwanderwege.

 

 

Und viele, viele mehr. Ich bin überzeugt, dass auch direkt vor deiner Haustüre der eine oder andere Weitwanderweg vorbeiführt, sodass du prinzipiell direkt von zu Hause aus loswandern kannst.

Eine tolle Aussicht entlohnt für die Mühen des Aufstieges – und ist perfekt für ein kleines Picknick

Das A und O: gute Karten

Der/die eine oder andere mag Karten in Papierformat für völlig überholt ansehen. Schließlich gibt es doch GPS oder Smartphone-Apps! Bei all den vielen Vor- und Nachteilen der unterschiedlichen Systeme schwöre ich auf die Kombination aus gedruckter und digitaler Karte, um eine bestmögliche Übersicht über das jeweilige Gebiet und die Strecke zu erhalten.

Tipp: Eine Wanderkarte in Papierformat nützt natürlich nur dann, wenn man sie auch lesen kann. Wer noch nie nach Karte gewandert ist, sollte sich deshalb im Vorfeld unbedingt ein paar Grundkenntnisse im Kartenlesen aneignen.

Essen – und vor allem Trinken auf der Tour

Lauft am besten erst gar nicht los, ohne vorher etwas gegessen zu haben. Damit der Körper nicht zusätzlich durch die Verdauung belastet wird. Ein Müsli oder eine Schiebe Vollkornbrot sind ideal. Sie enthalten Kohlenhydrate, die langsam verwertet werden und dabei leicht verdaulich sind.

Und ob ihr es glaubt oder nicht, eine ordentliche Wanderung – ihr müsst dabei nicht mal auf einen Berg kraxeln – verbrennt ordentlich Energie. Deshalb ist es wichtig, die Reserven immer wieder aufzufüllen. Auch  hier eignet sich eine Scheibe Brot (mit Belag nach Geschmack, am besten auch aus Vollkorn), Studentenfutter oder Nüsse, etwas Obst und auch ein Schokoriegel. Am besten esst ihr alle zwei Stunden jeweils eine Kleinigkeit.

Je höher die Temperaturen und anstrengender die Wanderung, umso mehr Flüssigkeit verlierst du beim Wandern. Auch wenn du sonst eher sparsam trinkst, beim Trecking solltest du pro Stunde mindestens einen halben Liter Flüssigkeit zu dir nehmen. Aber möglichst nicht auf einmal, sondern vorzugsweise auf zwei bis vier Portionen in der Stunde verteilt. Energiedrinks oder pure Fruchtsäfte sind auf einer Wanderung die falsche Entscheidung. Besser für den Elektrolythaushalt im Körper sind isotonische Getränke. Die lassen sich auch ganz einfach selbst herstellen.

  • Fruchtschorle (Saft plus Wasser im Verhältnis von etwa 1 + 3)
  • normales Wasser (mit oder ohne Kohlensäure)
  • Früchte- oder Kräutertee

Ich persönlich mische bei sehr heißem Wetter oder anstrengenden Abschnitten immer etwas Magnesium, Kalium und Kalzium als Pulvergemisch in mein Wasser. Viele unerfahrene Wanderer vergessen, häufig zu trinken. Macht ihr diesen Fehler am besten erst gar nicht.

Vor allem in den Bergen kann es schnell zu einem Wetterumschwung kommen

Behaltet das Wetter im Auge

Natürlich sollte euch ein leichter Schauer oder Nieselregen genauso wenig vom Wandern abhalten, wie ein grauer Himmel. Denn schließlich heißt es ja: Es gibt kein schlechtes Wetter, sondern nur schlechte Kleidung. Das stimmt beim Wandern natürlich so nicht ganz. Deshalb ist die Information wichtig, ob ihr bei strahlendem Sonnenschein womöglich mit einem plötzlichen Wetterumschwung rechnen müsst. Bei der Ankündigung eines Gewitters oder Schnee solltet ihr womöglich gar nicht erst losgehen. Gerade in den Bergen, aber auch im Wald oder an unzugänglichen Stellen ist es wichtig, auf das Wetter zu achten. Sollte euch ein Gewitter überraschen, sucht nach Möglichkeit eine geschützte Unterkunft auf.


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Hinein ins Abenteuer

Wie vielleicht viele von euch, war ich absolut unerfahren bei meiner ersten Mehrtagestour. 15 bis 20 Kilometer am Tag sind in nur leicht hügeligem Gelände problemlos zu schaffen, schließlich habe ich genügend Zeit. Die Herausforderung lag vor allem im Gepäck. Da mein Rücken etwas schwächelt, kann ich keinen überdimensionalen Rucksack mit 15 kg Gewicht mit mir herumschleppen. Klamotten für zwei Tage sind gerade noch drin. Ich beschränke mich also wirklich auf das Nötigste: kein Make-up oder Ersatzschuhe!

  • Kamera mit Ladekabel (Ersatzakku und SD-Karten)
  • GPS-Gerät mit Ersatzbatterien
  • Unterwäsche
  • spezielle Wandersocken
  • zwei Ersatz-T-Shirts
  • Regenjacke
  • Zahnbürste, Zahnpasta
  • Bürste
  • Shampoo (in einer Miniflasche, auch zum Duschen)
  • Stift und Papier
  • Mobiltelefon mit Ladekabel
  • Kartenmaterial und Adressen der Unterkünfte
  • zwei Flaschen Wasser
  • Elektrolytpulver für das Wasser
  • etwas zu essen
  • Blasenpflaster
  • Taschenlampe
  • Sonnenschutz
  • Wanderstiefel (gut eingelaufen)
  • Beutel für schmutzige Klamotten
  • Müllbeutel

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Meine Trekking-Hose ist ziemlich unempfindlich, und beschließe, dass sie auch mal zwei Tage durchhalten muss, um Gepäck zu sparen. Trotz minimalistischer Ausstattung ist der Rucksack durch die zwei Wasserflaschen ganz schön schwer. Auf Getränke solltest du aber auf keinen Fall verzichten. Vor allem dann nicht, wenn du wie ich im Hochsommer 2018 bei über 35 Grad unterwegs bist.

Tipp: Du kannst einen Fernwanderweg in Deutschland auch als Frau alleine wandern. Das habe ich auch schon öfter gemacht – und tolle Erfahrungen gesammelt.

Wer früh aufsteht und loswandert, erhascht herrliche Eindrücke beim Sonnenaufgang

Warum es sich wirklich lohnt

Hat man erst einmal den ersten Schritt getan, geht nach einer kurzen Eingewöhnungsphase plötzlich alles fast wie von selbst. Du findest dein eigenes Tempo und die Füße laufen ganz von alleine immer weiter, ohne dass du  großartig darüber nachdenken musst. Schon nach kurzer Zeit kannst du den Alltag hinter dir lassen und dich ganz der wunderschönen Natur und den vielen neuen Eindrücken  hingeben. An jedem Abend an einem neuen, unbekannten Ort zu schlafen, hat seinen ganz eigenen Reiz. Und am ersehnten Ziel anzukommen, belohnt dich für die Mühen und Strapazen des Tages und lässt dich vielleicht auch ein wenig stolz sein, dass du es geschafft hast.

Überall am Wegesrand gibt es viel zu sehen – plant genug Zeit dafür ein!

Mit Kindern auf dem Fernwanderweg

Eines vorweg: Kinder sehen die Welt mit anderen Augen als Erwachsene! Deshalb ist nicht das Ziel für sie wichtig, sondern der Weg dorthin.

Weitwanderwege empfehlen sich für Kinder ab dem schulpflichtigen Alter. Wer keine Probleme mit dem Rücken hat, kann die Strecke auch problemlos mit seinem Baby in der Bauch- oder Rückentrage bewältigen. Wem die Tagesetappen mit einem jüngeren Kind zu lang sind, kann in den Dörfern auf dem Weg nach einer Übernachtungsmöglichkeit suchen und einfach die Tour in kleineren Tagesetappen bewältigen. Schließlich  müsst ihr hier keine Rekorde in Sachen Zeit brechen.

Ist dein Kind noch nicht wirklich trittfest, solltest du nicht gleich in den Alpen starten, sondern einen gemütlichen Fernwanderweg mit wenig Höhenmetern und einem Schwierigkeitsgrad von leicht bis mäßig wählen. Ein guter Einstieg um auszutesten, wie gut der Nachwuchs mit einer  mehrtägigen Tour zurechtkommt, ist der Wacholderwanderweg in der Oberpfalz oder der Rednitz-Rezat-Weg bei Roth in Mittelfranken.

Um diese einfachen Wanderwege zu bewältigen, ist weniger Kondition und eine aufwändige Ausrüstung wichtig, als vor allem eure mentale Einstellung. Du musst dir den Weg zutrauen, dann klappt es auch! Ich bin selbst auch nicht besonders sportlich und habe keinerlei Probleme gehabt. Die Strecke hat glücklicherweise keine nennenswerte Steigungen und ist daher auch für Anfänger gut zu bewältigen.

Im Vorfeld ist ein wenig üben angesagt

Trotzdem sollten völlig ungeübte Wanderer im Vorfeld schon einmal ein wenig üben und an den Wochenenden vorher ein paar kleinere Tagestouren unternehmen. Die Strecken, die ihr zu Hause schon bewältigt habt, sollten mindestens an die 10 km lang sein. Dann schafft ihr auch eine Mehrtagestour auf einem Fernwanderweg.

Trotzdem kann sich auch bei geübten Wanderern am zweiten Tag ein Muskelkater einstellen, schließlich muss sich der Körper erst daran gewöhnen, das Wandern als normalen Bewegungsablauf zu akzeptieren. Ein wenig mehr Bewegung im Alltag tut deshalb als zusätzliche Vorbereitung gut. Kinder haben übrigens im Normalfall wenig Probleme mit einem Muskelkater, da sie sich von Natur aus noch deutlich mehr bewegen als wir Erwachsene. Hier bremst eher Langeweile auf der Tour das Fortkommen. Suche also am besten gleich eine interessante Tour aus, vielleicht mit einer Burg, einem Schloss oder ein paar Felsen zum Klettern am Wegesrand. Ein Picknick ist für Kinder auch immer toll.

Tipp: Macht euch keine Gedanken, dass ihr euch verlauft. Die meisten Fernwanderwege sind wirklich sehr gut ausgeschildert und alle Abzweigungen leicht zu finden.

Eine Möglichkeit zum Ausruhen gibt es überall – oft mit atemberaubendem Panorama

Fotos auf der Wanderung

Für mich gehört eine richtige Kamera immer noch zum Must-have beim Wandern. Zwar machen heute auch Smartphones tolle Fotos, trotzdem kann ich auch meine Kamera nicht verzichten. Zugegeben, die Vorteile eines Smartphones liegen auf der Hand: Du hast ein Gerät für alles, kannst telefonieren, fotografieren, SMS verschicken und die Fotos gleich in sozialen Netzwerken teilen. Und nicht zuletzt gibt es zahlreiche Apps, die auch navigieren.

Entscheidend ist bei der Wahl vor allem der Anspruch des Fotografen an die Bildqualität, vor allem bei schwierigen Lichtbedingungen und nicht zu vergessen: den Zoom mit teils riesigen Brennweiten.

Für die Bequemlichkeit – und auch das Gewicht, das ich immer mit mir herumschleppen muss – habe auch ich Abstriche bezüglich der Qualität bei meiner Kamera gemacht. Statt flexibler digitaler Spiegelrefelexkamera mit verschiedenen Objektiven für alle Gelegenheiten bin ich auf eine kompakte, aber sehr effiziente Digitalkamera umgestiegen.


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Fazit

Wenn du dir für die erste Tour auf einem Fernwanderweg nicht zu viel vornimmst und alles langsam und entspannt angehst, kann nicht viel schief gehen. Hast du erst einmal die erste kleine Weitwanderung hinter dir, wirst du dich wahrscheinlich genauso wie ich fragen, warum du bisher so lange gezögert hast. Mehrtagestouren sind noch einmal viel schöner als Tageswanderungen. Vielleicht können wir ja auch dich dazu animieren, es endlich zu wagen. Es lohnt sich wirklich. Probiert es aus!


Habt ihr eine tolle Fernwanderroute für Anfänger, die sich womöglich auch für Frauen oder Familien mit Kindern eignet? Dann schreibt uns!


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