Rundwanderung durch die Breitachklamm bei Oberstdorf (Allgäu)

Die letzte Eiszeit hat zwischen Oberstdorf und dem Kleinwalsertal eines der schönsten Naturschauspiele im Süden Deutschlands geschaffen. Dort, wo die Breitach donnernd über hohe Felsbänke ins Tal stürzt, hat ihr Wasser den harten Felsen abgeschliffen und eine enge Schlucht mit senkrechten, teils überhängenden Wänden hinterlassen. Ihr habt es wahrscheinlich schon erraten, die Rede ist von der Breitachklamm, deren düstere Klammwände Ehrfurcht vor der Natur auslösen.

Alle Tourendaten findet ihr weiter unten

An den Felsen in der Breitachklamm wachsen anfangs noch Moose, Farne und andere kleine Pflanzen

Aktuelle Corona-Hinweise

Zurzeit (Stand September 2020) ist die Breitachklamm nur in eine Richtung, nämlich von Oberstdorf-Tiefenbach bergauf Richtung österreichische Seite (Kleinwalsertal) begehbar. Wenn ihr also auf dem Parkplatz in Österreich parkt, müsst ihr zunächst den Wanderweg bergab laufen und dann erst durch die Breitachklamm bergauf wieder zurück. Achtung: Durch die Einbahn-Regelung ist die Klamm derzeit nicht mit Kinderwagen oder Buggy befahrbar!

Die Corona-bedingten Bestimmungen und damit verbundene Einschränkungen für die Breitachklamm findet ihr HIER.

Glasklar und eiskalt stürzt die Breitach in der Klamm Richtung Tal

Die Entstehung der Breitachklamm

Oberstdorf im Allgäu ist vor allem als Kurort und Hochburg für den Wintersport in den Alpen bekannt. Doch beim sonst so beschaulich-stillen Ortsteil Tiefenbach hat sich ein meist harmlos wirkender Bergbach einen ganz eigenen Weg durch das Gestein geschaffen: die Breitach. Die Breitach entspringt im Kleinwalsertal, genauer gesagt hat sie drei Quellfüsse: den Turabach, den Derrenbach und den Bärguntbach.

In höheren Lagen reißt die Breitach größere Mengen an Geröll mit sich. Und diese Schleifsteine fräsen sich wie ein Keil in den meist harten Untergrund. So entsteht im Laufe von Jahrtausenden eine tiefe Schlucht. Wenn aber das Wasser extrem schnell den Berghang hinabstürzt und dort – wie eben in den Alpen – auf sehr harten Stein trifft, so schneidet der Bach wie ein Messer die Landschaft ein. In diesen seltenen Fällen bildet sich die ausgeprägteste Form einer Schlucht: eine Klamm.

Rekordverdächtig: Die tiefste Schlucht Deutschlands

Die Breitachklamm entstand im Laufe der letzten 10.000 Jahre. Und noch heute frisst sich die Breitach tiefer in den Felsen. An der tiefsten Stelle der 2500 Meter langen Breitachklamm, die für Besucher mit Wegen ausgestattet wurde, ragen die Felswände bis zu 146 Meter über dem Flußbett empor.

Begehbar war die Klamm bei Oberstdorf allerdings bis ins 20. Jahrhundert noch nicht. Erst Sprengungen machten dies vor rund 100 Jahren möglich. Heute kann man deshalb die Breitachklamm über einen Fußweg und einen seitlich am Felsen angebrachen Steg durchwandern. Doch viele Rinnen sind immer noch nur aus der Luft zu sehen.

Der Wegebau durch die Breitachklamm begann im Jahr 1904. Und es hat ein ganzes Jahr gedauert, bis die Klamm tatsächlich auch begehbar war. 20 Mann, 230 reine Arbeitstage, 23 Tonen Eisen und 11 Tonnen Zement. Viele Sprengungen und noch mehr Stunden schweißtreibender, harter Arbeit später waren die 2500 Meter Weg dann fertiggestellt. Entstanden ist ein Wanderweg vorbei an steil aufragenden Felsen.

Der Weg durch die Klamm – ein Hoch auf Pfarrer Schiebel

Über dem Tor zum Tunnel in die Breitachklamm hängt immer noch eine Plakette mit dem Portrait von Johannes Schiebel. Der Pfarrer aus Tiefenbach hatte zu Beginn des 20. Jahrhunderts die geniale Idee, den Weg durch die Klamm zu erschließen. Damals nannten die Menschen die Schlucht allerdings noch Zwing. Der Name Breitachklamm wurde erst später eingeführt. Der Steg, der über die Klamm führt hat jedoch seinen Namen behalten: Zwingsteg.

Überall tropft das Wasser von den Felsen, teilweise werden die Besucher richtig geduscht

Nicht ganz uneigennützig, der Herr Pfarrer

Im Zuge des aufkommenden Tourismus dachte sich Pfarrer Schiebel, dass doch auch seine Gemeinde daran verdienen könne. Gesagt, getan. Am 05. Juni 1905 feierte man die Eröffnung. Und schon bald zeigte sich, was für ein gutes Händchen Schiebel hatte, denn noch im gleichen Jahr konnte der 25.000ste Besucher gezählt werden. Heute kommen um die 300.000 Abenteuerlustige jährlich in die Breitachklamm, um sich die naturgeschaffene Schönheit aus nächster Nähe anzusehen.

Regelmäßige Sicherungsarbeiten finden natürlich in der Breitachklamm immer noch statt. Experten sorgen für die Sicherheit der Besucher, indem Sie beispielsweise Netze anbringen und erneuern, die vor Steinschlägen schützen.

Dieses Jahr (2020) konnte der 24-millionste Besucher gezählt werden, und der Besucherstrom reißt auch nicht ab. Denn wo sonst kann man ein so wildes und ursprüngliches Naturschauspiel bei uns beobachten, indem man auf gut ausgebauten Wegen einfach ohne große Anstrengung hindurchspaziert?

 

Adresse Breitachklamm

Klammstraße 47

87561 Tiefenbach

 

Öffnungszeiten

Die Breitachklamm hat bis auf wenige Wochen im Frühjahr und Herbst geöffnet. Je nach Zeitpunkt der Schneeschmelze von etwa Mitte März bis Ende April sowie Mitte November bis Mitte Dezember. Witterungsbedingte Schließungen sind jederzeit möglich.

  • Sommersaison: 9:00 bis 18:00 Uhr
  • letzter Einlass: 17:00 Uhr
  • Wintersaison: 9:00 bis 17:00 Uhr
  • letzter Einlass: 16:00 Uhr
  • für Kinderwagen und Buggys bis 50 cm geeignet

Je weiter es in die Breitachklamm hineingeht, umso höher werden die Felswände

Eintrittspreise

  • Erwachsene (ab 16 Jahren): 5,00 Euro
  • Kinder (5 bis 15 Jahre): 2,00 Euro
  • mit Gästekarte gibt es 50 Cent Rabatt pro Person
  • nur Bargeld (keine EC- oder Kreditkarte)

Im Sommer wirkt die Breitach zwischen den hohen Felswänden nur wie ein dünnes Rinnsal

Manchmal zahm, dann wieder wild: die Breitach

Wie wild die Breitach immer noch ist, kann man an der grünen Markierung an der Felswand ablesen. Ganz oben liegt der Rekord von 2005. Damals donnerte das Wasser durch die Schlucht und verwüstete große Teile des Wegs.

Rundtour durch die Breitachklamm

Wir beginnen unsere Wanderung auf dem Talparkplatz P1 in Tiefenbach. Am Gasthaus vorbei geht es zur Kasse und über einen gut ausgebauten Weg bis zum Eingang, der durch eine dicke Tür gesichert ist. Der dahinter liegende Tunnel ist mit einer der ersten Sprengungen und viel Handarbeit vor über 100 Jahren entstanden. Ab hier geht es zunächst an noch relativ flachen Felsflanken an der glasklaren Breitach entlang Bergauf.

Langsam wechselt der Weg zu einem Steg, der zur Schlucht hin mit einem Geländer vor versehentlichen Abstürzen schützt. Die Schlucht wird zunehmend höher und schmaler, die Breitach schneller.

An der engen Stelle kurz vor dem Zwingsteg, der über die Klamm führt, tropft und sprüht das Wasser aus den Felsen heraus auf die Besucher. Ganz weit unten wirkt der Fluss hellblau und reißend. Man kann sich im Sommer kaum vorstellen, was hier zur Schneeschmelze los ist.

Über den Zwingsteg wieder zurück

Nach der engsten Stelle, an der die Klamm ganze 146 Meter tief ist, geht es zum zweiten Ausgang mit Kassenhaus. Von hier aus ist der Weg über den Zwingsteg ausgeschildert. Wir halten uns links am Kassenhaus vorbei und erreichen schon nach kurzer Strecke die Brücke, von der man unglaubliche Einblicke in die Breitachklamm hat. Von hier aus geht es auf Serpentinen streng bergauf. Zwar ist der Weg sehr gut ausgebaut, steil und anstrengend bleibt er aber trotzdem. Kurz bevor uns dann ganz die Puste ausgeht, ist dann aber auch schon der höchste Punkt erreicht und wir treten kurz darauf aus dem Wald heraus.

Uns erwartet das typische Allgäu-Panorama: grüne Bergwiesen mit Kühen, am Horizont felsige Bergspitzen. Traumhaft! Es dauert nicht lange, dann erreicht ihr die Alpe Dornau, wo ihr eine kleine Rast machen könnt. Bis zum Parkplatz ist es jetzt nicht mehr weit. Allerdings ist der Abstieg ab der Alpe geschottert und recht steil, wenn auch breit. So wirklich schnell kommt man hier nicht voran, denn es drohen die Füße unterm Hintern wegzurutschen. Macht also lieber langsam. Gut bedient seid ihr, wenn ihr Wanderstöcke und Schuhe mit dickem Profil anhabt. Von hier aus ist es nicht mehr weit bis zum Parkplatz in Tiefenbach.

Route

Höhenprofil

Details

  • Start/Ziel: Wanderparkplatz P1 bei Oberstdorf
  • Markierung: keine
  • Länge: 5 km
  • Dauer:  1,5 Stunden (ohne Pausen)
  • Schwierigkeit: mittel (gutes Schuhwerk, teils anstrengende Steigung)
  • für Kinderwagen/Buggy geeignet: nein (einiges an Treppenstufen zu bewältigen)
  • Aufstieg:  292 m
  • Abstieg:  305 m
  • DOWNLOAD Karte als pdf: Breitachklamm-Rundweg-Wanderkarte.pdf

PLANDATEN FÜR GPS-GERÄTE

So funktioniert´s: Auf den Link klicken, dann wird euch die Datei angezeigt. Mit der rechten Maustaste irgendwo in den Text klicken. „Speichern unter“ auswählen und an beliebiger Stelle (auf dem Smartphone, PC oder dem mobilen GPS-Gerät) speichern. 

Essen und trinken

Der Aufstieg über den Zwingsteig ist doch sehr anstrengend und die vielen tollen Eindrücke machen hungrig und durstig.

Alpe Dornach

Wie gut, dass auf dem Weg nach unten die Alpe Dornach liegt, die nicht nur ihre Hausgäste, sondern auch alle fleißigen Wanderer mit den bekannten Allgäuer Schmankerl und so manch feiner Eigenkreation verwöhnt. Auf der Sonnenterrasse könnt ihr an schönen Tagen auf 1000 Metern Höhe das Panorama mit Blick auf das Nebelhorn genießen. Die Familie Dornach gibt es übrigens in Tiefenbach seit über 500 Jahren. Seit drei Generationen führt sie die Alpe als Gastronomiebetrieb. Zunächst gab es nur eine Brotzeit unterm Birnbaum. Wie toll sich die Alpe entwickelt hat, könnt ihr gerne selbst anschauen.

Neben der herrlichen Aussicht ist auch das Ambiente und das Essen sehr gut in der Alpe Dornach

Öffnungszeiten Restaurant

  • täglich
  • 7:30 bis 23:00 Uhr
  • Älplerfrühstück (nach Voranmeldung): 7:30 bis 10:30 Uhr
  • Brotzeiten: ab 10:00 Uhr
  • warme Küche: 11:30 bis 21:00 Uhr

Schon mal zum Einstimmen: Speisekarte Alpe Dornach

Gasthaus Breitachklamm

Am Parkplatz P1 in Tiefenbach liegt direkt neben der Kasse zur Breitachklamm das Gasthaus. Von deftiger lokaler und internationaler Küche bis hin zu kleinen Gerichten und Brotzeiten bis hin zu feinen Kuchen werdet ihr hier richtig verwöhnt

Öffnungszeiten

  • täglich, außer Mittwoch
  • Mo., Die., Do.: 9:00 bis 18:00 Uhr
  • Fr. bis So.: 9:00 bis 20:00 Uhr
  • im Winter erst eine Stunde später geöffnet (ab 10:00 Uhr)
  • Hunde willkommen

Schon mal zum Einstimmen: Speisekarte Gasthaus Breitachklamm 

Der Weg von der Alpe Dornach hinunter ins Tal ist malerisch, wenn auch teilweise ein wenig steil

Die Breitachklamm im Winter

Gerade im Winter bietet sich in der Breitachklamm ein traumhaftes Naturschauspiel. Bei Frost erstarrt das Wasser in der Breitachklamm zu meterlangen, bizarren Eiszapfen. Ein Panorama, fast wie aus einem Märchen. Und man könnte glauben, dass sogar die Zeit einfriert.

Jacke ist auch im Sommer Pflichtprogramm

Auch bei schönem Wetter solltet ihr in der Breitachklamm eine Regenjacke dabei haben. Gutes, trittsicheres Schuhwerk versteht sich von selbst. Auch im Hochsommer kommt die Sonne erst sehr spät über die steil aufragenden Felsen, sodass die Klamm sehr lange im Schatten liegt. Deshalb ist es nicht nur lange sehr kühl, sondern auch recht nass. Nicht nur auf dem teils steinigen Boden, sondern auch durch den feinen Sprühnebel der Wasserfälle von oben. Wir waren letztes Jahr im September in der Breitachklamm. Draußen um die 30 Grad, drinnen gefühlte 10.

Vom Kassenhaus in Tiefenbach geht es über einen breiten Weg Richtung Breitachklamm hinauf

Anfahrt und Parken: Wie komme ich zur Breitachklamm?

Die Breitachklamm ist wegen des hohen Besucheranstroms mit einem Parkleitsystem ausgestattet. Sobald einer der Parkplätze seine Kapazitätsgrenze erreicht, werdet ihr automatisch schon während der Anfahrt über die digitale Anzeige umgeleitet.

P1 – Tiefenbach

Wenn ihr aus Oberstdorf kommt, fahrt ihr Richtung Fischen und biegt nach dem Kreisverkehr am Geiger-Gebäude links nach Tiefenbach ab. Aus entgegengesetzter Richtung geht es vor dem Kreisverkehr nach rechts. Ab hier ist der Parkplatz P1 gut sichtbar ausgeschildert.

Gebühren

  • Pkw: 3,00 Euro pro Tag
  • Wohnmobile: 4,00 Euro pro Tag (Übernachtungsverbot)

P2 Walserschanz (Österreich)

Beim Kreisverkehr am Geiger-Gebäude folgt ihr der B19 Richtung Kleinwalsertal. Nach 10 Minuten erreicht ihr den Grenzübergang. Kurz dahinter geht es nach rechts auf den Parkplatz P2.

Gebühren

  • Pkw: 3,00 Euro pro Tag

Fazit

Ein Besuch der Breitachklamm lohnt zu jeder Jahreszeit. Auch bei schlechtem Wetter ist sie eine tolle Alternative zu einer Wanderung, denn je mehr Wasser fließt, umso imposanter erscheint sie. Vergesst aber nicht, euch trittsichere Schuhe anzuziehen und eine Jacke mitzunehmen. In der Klamm ist es immer um einige Grad kälter als in der Umgebung. Und wer möchte schon gerne auf der Wanderung frieren? In den Ferien und an den Wochenenden kann es schon einmal ganz schön voll werden in der Breitachklamm. Wer es sich einrichten kann, sollte deshalb entweder möglichst früh (also gleich um 9:00 Uhr bei der Öffnung) oder ab 15:00 Uhr eintrudeln. Ab dann leeren sich die Parkplätze langsam und die Wartezeiten sind erträglich.

 

 

 


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