REISEVERSICHERUNGEN

Einen perfekten Urlaub kann auch eine Reiseversicherung nicht garantieren. Aber sie kann dich vor unerwartet hohen Kosten schützen, die dein Urlaubsbudget nicht nur sprengen, sondern dich im Extremfall auch an den finanziellen Ruin treiben würde. Für einen Krankheitsfall im Urlaub gibt es ebenso wie für einen Unfall mit dem Mietwagen oder Wohnmobil eine passende Versicherung. Auch das Gepäck oder die Kosten für die Reise (wenn sie nicht angetreten wird) können versichert werden. Teilweise werden von Reisebüros oder –veranstaltern Versicherungen oder Versicherungspakete angeboten, die alle möglichen und unmöglichen Eventualitäten absichern sollen.

Welche Versicherungen gibt es und welche sind sinnvoll?

Während einige Verträge durchaus wichtig sind und Sinn ergeben, sind andere nicht nur überflüssig, sondern schlichtweg Abzocke. Meist gelten diese Pakete nur für den einen Urlaub. Beim nächsten muss also wieder eine neue Versicherung abgeschlossen werden. Bei Einzelverträgen sind die Versicherungen meist für ein ganzes Jahr gültig, ein Vorteil, wenn mehrere Reisen geplant sind. Aber auch hier müssen nicht alle verfügbaren Versicherungen abgeschlossen werden, denn teilweise deckt die bereits bestehende Haftpflichtversicherung oder die Hausratversicherung auch Schäden ab, die im Urlaub entstehen.

1. Reisekrankenversicherung

Eine Reisekrankenversicherung übernimmt im Ausland die Kosten, die von der gesetzlichen Krankenversicherung nicht abgedeckt sind. Wenn du dich jetzt fragst, ob deine Krankenversicherung nicht immer alle Kosten übernimmt, dann sei dir gesagt: leider nein. Während mit den meisten Ländern der EU ein Abkommen besteht, dass diverse Kosten noch übernommen werden, besteht mit den meisten Ländern dieser Erde diese Vereinbarung nicht. Die Folge: Du bleibst komplett auf deinen Kosten sitzen. Das können ambulante Behandlungen beim Arzt sein oder auch Verbandsmittel und schmerzstillende Zahnbehandlungen. Richtig teuer kann es werden, wenn aus entlegenen Gegenden ein Transport in ein Krankenhaus erfolgen muss, eine Operation ansteht oder ein Krankenrücktransport nach Deutschland durchgeführt werden soll.

Angesichts der horrenden Behandlungs- oder Transportkosten, vor allem in Nordamerika, Australien oder auch Thailand gehst du ohne Reisekrankenversicherung ein sehr hohes Risiko ein. Auch bei einer privaten Krankenversicherung oder der Beihilfe bei Beamten ist eine Zusatzversicherung in nahezu allen Fällen ratsam. Die meisten Zusatzversicherungen zahlen die Kosten entweder mit einem sehr geringen oder ganz ohne Selbstbehalt.

Kleingedrucktes im Vertrag

Nicht nur für die USA oder Neuseeland ist eine Reisekrankenversicherung sinnvoll. Zwar ist die gesetzliche Grundabsicherung im europäischen Ausland durch die Krankenkasse garantiert, oft bleibst du im Ernstfall trotzdem auf einem Teil der Kosten sitzen. Kliniken und Ärzte rechnen bei ausländischen Patienten gerne nach privatem Tarif ab, der doppelt bis viermal so teuer sein kann, wie der gesetzliche Tarif. Deshalb wird auch nur ein kleiner Teil dieser Kosten von der Krankenkasse erstattet. Einen Rücktransport an den Heimatort zahlt keine Krankenkasse. Eine Reisekrankenversicherung gehört nicht zum überflüssigen Luxus, sie gehört unbedingt mit ins Gepäck!

Achte darauf, dass im Kleingedruckten steht, dass der Rücktransport SINNVOLL UND VERTRETBAR IST und nicht MEDIZINISCH NOTWENDIG.

Kosten für die Reisekrankenversicherung

Gute Reisekrankenversicherungen, die für ein ganzes Jahr gültig sind, gibt es bereits für wenig Geld. Diese Policen bieten Versicherungsschutz für maximal 56 Tage. Wer also länger ununterbrochen unterwegs ist, braucht eine spezielle Versicherung.

  • Einzelpersonen: ab 10 Euro
  • Familien: ab 20 Euro

Kostenerstattung

In der Regel musst du die Kosten für kleinere Behandlungen zunächst aus eigener Tasche auslegen. Das Geld bekommst du nach deiner Rückkehr von der Versicherung zurückerstattet. Bei größeren Behandlungen (Operationen, längerer Krankenhausaufenthalt) sollte die Versicherung direkt mit dem Arzt oder der Klinik abrechnen. Achte im Kleingedruckten darauf.

Du musst also alle Rechnungen und schriftliche Diagnosen oder Therapieansätze aufheben. Darauf müssen einige Angaben vermerkt sein, damit die Versicherung auch zahlt.

  • Rechnungsdatum
  • Behandlungsdatum
  • Name und Anschrift der Klinik/des Arztes
  • Name und Anschrift der behandelten Person
  • Geburtsdatum der behandelten Person
  • Diagnose
  • alle ärztlichen Leistungen einzeln aufgeführt

Bei Rezepten müssen Name und Adresse des Ausstellers, die verordneten Medikamente, die Preise, der Name und das Geburtsdatum der behandelten Person sowie die Quittung über die Zahlung aufgehoben und eingereicht werden.

Reisekrankenversicherung mit und ohne USA/Kanada

Eine Reisekrankenversicherung ist ein absolutes Muss. Niemand kann voraussagen, was alles während einer Reise passieren kann. Besonders wichtig ist eine solche Versicherung, in den USA und Kanada, denn dort ist eine medizinische Versorgung extrem teuer. Selbst eine simple Mittelohrentzündung kann bereits mehrere Tausend Euro Kosten verursachen. Deshalb ist bei Reisen in diese Länder eine sehr leistungsstarke und umfangreiche Reisekrankenversicherung notwendig. Die meisten Versicherungen machen Unterschiede bei den Leistungen und Prämien, je nachdem, in welches Urlaubsland ihr reisen möchtet.

2. Reiserücktrittversicherung

Oft vergehen zwischen der Buchung und dem eigentlichen Antritt der Reise einige Wochen oder sogar Monate. In dieser Zeit kann viel passieren. Schon ein kleiner Unfall oder der Verlust des Führerscheins kann den Reisestart ernsthaft in Gefahr bringen. Eine kurzfristige Stornierung des Urlaubes ist nahezu immer mit hohen Gebühren oder sogar dem 100%igen Verlust des Reisepreises verbunden. Im Allgemeinen gilt: je später die Absage, umso höher die Kosten. Bei teuren Reisen ist eine Reiserücktrittsversicherung daher durchaus sinnvoll.

Die Rücktrittversicherung tritt jedoch nur bei triftigen Gründen ein, beispielsweise bei der Erkrankung eines Familienmitgliedes. Wenn du einfach plötzlich keine Lust mehr auf die Reise hast, ist das dein eigenes Verschulden. Die Kosten für eine Reiserücktrittsversicherung sind vom Reisepreis abhängig. Beispielsweise bei einem Preis von 1500 Euro können je nach Versicherung zwischen 30 und 60 Euro fällig werden. Ist der Reisepreis höher, steigen auch die Kosten für die Versicherung. Normalerweise wird eine Reiserücktrittsversicherung gleich bei der Buchung mit abgeschlossen.

3. Reiseabbruchversicherung

Auch nach Antritt eurer Reise kann es notwendig sein, den Urlaub abzubrechen und nach Hause zurückzukehren. Ist die Oma plötzlich erkrankt oder hatte einen Unfall, hilft eine Reiseabbruchversicherung die außerplanmäßigen Kosten zu übernehmen. Eine solche Abbruchversicherung tritt auch dann in Kraft, wenn dein Kind oder du nach dem Einchecken einen Unfall hast und nicht ins Flugzeug einsteigen kannst, weil eine ärztliche Behandlung notwendig ist. In vielen Fällen ist eine Reiseabbruchversicherung bereits im Paket mit der Reiserücktrittsversicherung enthalten. Ganz billig sind diese Kombi-Policen jedoch nicht.

4. Schutzbrief

Wer mit dem Auto auf der Fahrt in den Urlaub liegen bleibt oder einen Unfall hat, ist mit einem Schutzbrief gut bedient. Die Versicherung stellt dann beispielsweise einen kostenlosen Mietwagen für die Reisezeit zur Verfügung, sodass ihr euren Urlaub mit kleiner Unterbrechung fortsetzen könnt. Ein Schutzbrief ist oft schon als Zusatzversicherung in der KFZ-Versicherung eingeschlossen. Sie kann aber auch einzeln abgeschlossen werden. Wer bereits Mitglied beim ADAC ist, kann für wenig Geld (um die 20 Euro) die Police auf einen Schutzbrief aufstocken. Diese gilt dann immer für ein Jahr, wenn sie nicht gekündigt wird. Außerhalb Europas hilft beispielsweise auch eine sogenannte „Traveler Police“.

Unnötige Versicherungen

Während Reisekrankenversicherung und eventuell auch Reiserücktrittsversicherung (je nach Reisekostenhöhe) durchaus sinnvoll sind und zur eigenen Sicherheit abgeschlossen werden sollten – dazu zählt auch ein Schutzbrief, wenn du mit dem Auto unterwegs bist – gibt es eine ganze Reihe weiterer Versicherungen, die auf den ersten Blick Sicherheit suggerieren, bei näherer Betrachtung doch meist völlig unnötig sind. Dazu gehören:

Gepäckversicherung

Eigentlich, ja eigentlich, soll die Gepäckversicherung einspringen, wenn Taschen und Koffer beschädigt werden oder verloren gehen. Aber bei dieser Versicherung ist der Versicherer sehr kleinlich und wirft dem Geschädigten oft eine Mitschuld vor, wenn der Rucksack gerade einmal nicht auf dem Rücken oder zwischen den Beinen eingeklemmt war oder die Kamera sichtbar getragen wurde. Den Beweis, dass du gut auf deine Sachen aufgepasst hast, liegt bei dir.

Dokumente, Flugtickets, Geld, Schecks und Kunstobjekte sind ohnehin generell von der Haftung ausgeschlossen. Bricht jemand in euer Hotelzimmer oder euren Wagen im Parkhaus ein, zahlt eventuell deine Hausratversicherung. Deshalb ist es ratsam, alle wertvollen Gegenstände wie Schmuck gleich zu Hause zu lassen und keine Gepäckversicherung abzuschließen. Geht der Koffer auf dem Flug verloren, muss dafür die Fluggesellschaft aufkommen.

Reisehaftpflichtversicherung

Wer bereits eine private Haftpflichtversicherung abgeschlossen hat, benötigt für den Urlaub keine zusätzliche Reisehaftpflichtversicherung! Die eigene Haftpflichtversicherung deckt nämlich auch Schäden ab, die ihr im Urlaub verursacht. Ausgenommen sind in der Regel Schäden, die du in Ferienhäusern verursachst und solche Schäden, die durch Boote oder Surfbretter entstehen.

Reise-Unfallversicherung

Besteht bereits eine Unfallversicherung, ist eine Reiseunfallversicherung für den Urlaub überflüssig, denn sie deckt auch Unfälle im Ausland ab. Wie auch zu Hause übernehmen die Versicherungen meist jedoch keine Kosten, die durch sogenannte Risikosportarten wie Fallschirmspringen, Mountainbiken oder auch Tauchen.

Reise-Rechtschutzversicherung

Eine solche Versicherung ist eher zweifelhaft. Wer unbedingt für die persönliche Sicherheit eine Rechtschutzversicherung abschließen möchte, sollte das lieber mit einer privaten Rechtschutzversicherung zu Hause tun. Auch sogenannte Komplettpakete, die eine Vielzahl von unterschiedlichen Versicherungen beinhalten, sind unterm Strich teilweise unnötig und überteuert.

Karten- und Dokumentenschutz

Es gibt auch Versicherungen, die weltweiten Schutz gegen Diebstahl von Karten und Dokumenten enthalten. Inbegriffen sind:

  • EC-Karte
  • Kreditkarte
  • persönliche Dokumente
  • SIM-Karte
  • und einiges mehr

Bei einer zentralen Nummer können mit einem Anruf alle Karten gesperrt werden. Du erhältst Hilfe und Kostenerstattung für eine neue Beantragung und im Notfall auch etwas Bargeld am Urlaubsort. Auch diese Versicherungen sind unnötig, denn von deiner Bank bekommst du bereits die Sperrnummern für deine Karten (natürlich solltest du sie dir im Vorfeld unbedingt notieren oder gleich im Handy abspeichern). Etwas anderes macht die Versicherung auch nicht. Und sind die Karten weg, stehst du mit oder auch ohne Versicherung erst einmal auf dem Trockenen.

Was kannst du besser machen?

Deshalb ist es sinnvoller, mindestens zwei Kreditkarten von unterschiedlichen Instituten mitzunehmen und diese getrennt voneinander aufzubewahren. Kommt also eine abhanden, lässt du sie sperren und benutzt einfach die zweite Karte weiter. In fast allen Ländern kannst du günstige lokale SIM-Karten kaufen. Sollte deine verloren gehen, lässt du sie sperren und kaufst für die Urlaubszeit eine günstige neue. Nach deiner Rückkehr ist bestimmt schon eine Ersatzkarte von deinem Anbieter im Briefkasten.

Ein Verlust wichtiger Dokumente wie den Reisepass oder das Flugticket ist immer sehr schmerzhaft. Da hilft auch die beste Versicherung nichts. Statt aber eine teure Police abzuschließen, ist es besser, sich Kopien von den Unterlagen zu machen. Am besten geschieht das sowohl in Papierform als auch als Scan, der dann auf dem eigenen E-Mail-Account gespeichert wird. Je einen Satz der Kopien deponierst du am geschicktesten in verschiedenen Gepäckstücken, beispielsweise einen Satz im Gepäck deines Kindes, einen in deiner Tasche/Koffer und je eine in jedem Rucksack. Dass alle Gepäckstücke gleichzeitig abhandenkommen und gleichzeitig kein Internet verfügbar ist, ist doch sehr unwahrscheinlich. Deshalb bist du mit dieser Methode generell bestens abgesichert.

Fazit

Die Frage bei den Reiseversicherungen ist nicht: alle oder keine! Während eine Reisekrankenversicherung zu den absoluten Must-haves gehört, sind je nach Reise auch eine Reiserücktrittsversicherung und ein Schutzbrief für Autofahrer mehr als ein Luxus. Auf fast alle weiteren Versicherungen, die noch zusätzlich angeboten werden, kannst du normalerweise getrost verzichten. Auch von Komplettpaketen ist abzuraten, da diese meist unnötige Versicherungen enthalten und damit zu teuer sind.