Auf dem Schönfeldweg zum Naturschutzgebiet Scheerweiher (Ansbach)

Die Stadt Ansbach in Mittelfranken ist von einer idyllischen Hügellandschaft mit Wiesen, Feldern und ausgedehnten Wäldern umgeben. Ruhige Waldwege führen durch die reizvolle Umgebung der ehemaligen Markgrafenresidenz. Nördlich von Schalkhausen liegt Ansbachs einziges Naturschutzgebiet, ein besonderes Kleinod: der Scheerweiher. Direkt daran vorbei führt mit dem Schönfeldweg einer der schönsten Wanderwege Ansbachs. Der Rundweg ist mit seinen 17 Kilometern perfekt für eine Halbtagestour geeignet.

Alle Details zur Wanderung weiter unten (Karte, Höhenprofil, GPX)

Auf der Aussichtsplattform habt ihr einen herrlichen Rundumblick über den Scheerweiher

Franken von seiner schönsten Seite: Naturpark Frankenhöhe

Mal wild und rau, mal sanft und romantisch, so zeigt sich die einzigartige Landschaft im Landkreis Ansbach. Charakteristisch für den über 1100 Quadratkilometer großen Naturpark ist die Vielfalt an Baumarten in den Misch- und Laubwäldern. Buchen, Eichen, Erlen und Eschen, die rund ein Drittel der Fläche bedecken, findet man hier. Sanfte Hügel ziehen sich durch die Region, ab und an ein tief eingeschnittenes Tal mit Streuobstwiesen.

Bereits im frühen Mittelalter kultivierten Menschen die Natur im heutigen Naturpark Frankenhöhe, übrigens einer der sonnenreichsten Regionen im Süden Deutschlands. Und mittendrin stehen auf fast jedem schroffen Felsen, der sich aus dem Naturpark Frankenhöhe erhebt, eine Burg, ein Schloss oder eine Ruine. Die bekanntesten unter ihnen sind wohl die Cadolzburg oder auch das Wasserschloss in Rügland. Und definitiv sind auch die beiden größten Städte im Naturpark eine Reise wert: Rothenburg ob der Tauber und Ansbach.

Von Grafen und Burgen: Schalkhausen

Das Pfarrdorf Schalkhausen ist schon seit dem 12. Jahrhundert durch seine Wasserburg bekannt, von der heute aber leider nur noch eine Rundanlage mit Wassergraben erhalten ist. Ursprünglich gehörten die Ländereien den Herren von Dornberg, Vögten des Bischofs von Würzburg. Nach dem Aussterben des Adelsgeschlechts ging der Besitz 1288 an Ludwig von Öttingen über. Rund 50 Jahre später wurden die Ländereien dann an den Burggrafen von Nürnberg, Friedrich IV. verkauft. Nachdem es im 20. Jahrhundert viele Jahre dem Landkreis Ansbach zugeordnet wurde, sind die rund 1200 Einwohner heute der kreisfreien Stadt Ansbach zugeordnet.

Vor allem im Frühjahr ist am Scheerweiher einiges geboten: seltene Vogelarten brüten hier

Landschaftsträume vor der Haustüre – Naturschutzgebiet Scheersee

Ganze 62 Naturschutzgebiete gibt es in Mittelfranken. Im Stadtgebiet Ansbach nur ein einziges, dafür aber umso beeindruckenderes. Nördlich des Ansbacher Stadtteils Schalkhausen liegt das 53 Hektar große Scheerweihergebiet. Schon im Mittelalter wurden Onolz- und Hohenmühlbach aufgestaut, um einen Fischteich anzulegen. Bis 1930 diente sein Wasser zudem zum Betrieb der Scheermühle.

Ein dichtes Röhricht aus Teichbinsen, Rohrkolben und Schilf umgibt den flachen Teich heute. In den Bachtälern kommen Trollblumen und Knabenkraut vor. Mehr als 60 Vogelarten brüten im Gebiet rund um den Scheerweiher, darunter auch viele seltene Arten wie die Wasserralle und der Schilfrohrsänger. Fast alle heimischen Spechtarten fühlen sich im Stieleichen- und Hainbuchenwald am Blocksberg wohl und sorgen jedes Jahr fleißig für Nachwuchs.

Und wenn ihr Glück habt, entdeckt ihr im Frühjahr auch einen Fischadler, der auf der Suche nach einem dicken Fisch über den Weiher kreist. Wer es romantisch mag, der wird sich hier in der heimischen Natur wohlfühlen.

Molche, Kröten und Frösche nutzen den Scheerweiher zum Laichen. Mit über 5000 Individuen ist hier die größte Population von Erdkröten im Naturraum Frankenhöhe anzutreffen. Im Frühjahr, zur Laichzeit der Amphibien, ist hier einiges los. Da könnt ihr morgens und abends auf einer der vielen Bänke einem wunderbaren Konzert lauschen, natürlich mit Surroundklang.

Am Hang wachsen alte Huteichen. In ihnen leben unzählige Totholzkäfer. Unter ihnen auch der seltene Eremit, ein lackschwarzer unscheinbarer Käfer, der in uralten Bäumen mit Mulmhöhlen lebt. Und davon gibt es hier am Uferhang zum Bocksberg jede Menge. Und im angrenzenden Wald sicherlich noch mehr. Allerdings sieht man die scheuen Gesellen nicht besonders häufig. Nicht umsonst heißen sie Eremiten.

Neudorfer Mühle

Wahrscheinlich ist, dass das Dorf von den Herren von Dornberg von ihrer nahegelegenen Burg gegründet wurde. Es bestand aus einer Mühle, fünf Höfen und einigen kleineren Hütten. Das Wohn- und Mühlgebäude steht auch heute noch, auch wenn es seinem ursprünglichen Zweck nicht mehr dient.

Stammsitz der ersten Ansbacher Stadtherren – Dornberg

Der Ortsname Dornberg bedeutet nichts anderes als Berg, der mit dornigem Gestrüpp bewachsen ist. Wahrscheinlich war das vor rund 900 Jahren noch so, heute deutet kaum noch etwas darauf hin. Und kommt man in den kleinen Ort, mag man kaum glauben, dass hier noch die Grundmauern einer weitläufigen Veste im Erdreich begraben lagen, die im Bauernkrieg 1525 zerstört wurde. Diese bewohnten im 13. Jahrhundert die ausgestorbenen Grafen von Dornberg. Von der Feste ist heute nichts mehr übrig, ihre Steine wurden zum Bau neuer Häuser verbraucht.

Mehr Artenvielfalt durch weniger Mähen

Am Rande der Weiherlandschaft sind ökologisch wertvolle Feuchtwiesen und Trockenrasen entstanden. Um die Artenvielfalt zu erhöhen und die drohende Neubewaldung zu verhindern, mähen jetzt die Landwirte nur noch ein- bis zweimal jährlich, statt bisher bis zu fünfmal. Gelegentlich trifft man auch den Schäfer mit seiner Schafherde im Weihergebiet an. Entsprechend schön stehen die nahen Wiesen auch da: mit vielen Orchideen und bunten Blumen.

Wir alle können mithelfen

Das Ökosystem Scheerweiher ist sehr empfindlich. Schon kleine Störungen können es aus dem Gleichgewicht bringen. Haltet euch deshalb strikt an die Schilder und betretet das Naturschutzgebiet auf keinen Fall. Und auch wenn es noch so verlockend sein mag: Enten, Gänse und die seltenen Höckerschwäne sollen in einem Naturschutzgebiet nicht gefüttert werden. Es ist wunderschön, an dem Naturerlebnis teilzuhaben. Damit das so bleibt, solltet ihr die Regeln unbedingt einhalten. Dazu gehört auch, dass ihr euren vierbeinigen Freund an die Leine nehmen müsst, wenn ihr mit ihm zusammen unterwegs seid.

Schönfeldwald

Der frühere Hochwald fiel einem heftigen Sommersturm zum Opfer. Zwar wurde der Wald wieder aufgeforstet, allergings hat er seitdem sein ursprüngliches Gesicht vollständig verändert.

Hinter Dornfeld könnt ihr die Ruine eines wirklich alten Baumes bewundern

Wandern auf dem Schönfeldweg in Ansbach

Es ist Sonntagvormittag, früh am Morgen. Am Rande der mittelfränkischen Stadt Ansbach geht gerade die Sonne auf. Klirrende Kälte liegt über dem Naturpark Frankenhöhe. Es hat eisige minus sechs Grad. Schon seit Hunderten von Jahren ist der Scheerweiher ein recht flacher Fischteich, auf dessen sattgrünen Wiesen früher ein buntes Treiben aus spielenden Kindern und Sonnenanbetern herrschte. Doch damit ist es seit rund 30 Jahren vorbei. Seitdem ist der Scheerweiher Naturschutzgebiet. Statt sonnenhungriger Ansbacher findet man heute hier seltene Vogelarten wie den Schilfrohrsänger.

Route

Höhenprofil

Details

  • Start/Ziel: Parkplatz am Waldheimweg Ansbach
  • Alternativen: Parkplatz am Scheerweiher (Schalkhausen) oder Stadion/Aquella (Ansbach)
  • Markierung: Schönfeldweg
  • Länge: 16,5 km
  • Dauer: 4 bis 4,5 Stunden (ohne Pausen)
  • Schwierigkeit: mäßig
  • für Kinderwagen/Buggy geeignet: nein
  • Aufstieg: 317 m
  • Abstieg: 318 m
  • DOWNLOAD Karte als pdf: Schönfeldweg-Ansbach-Karte

 PLANDATEN FÜR GPS-GERÄTE

So funktioniert´s: Auf den Link klicken, dann wird euch die Datei angezeigt. Mit der rechten Maustaste irgendwo in den Text klicken. „Speichern unter“ auswählen und an beliebiger Stelle (auf dem Smartphone, PC oder dem mobilen GPS-Gerät) speichern. 

Sonnenaufgang an einem kalten Wintertag am Scheeweiher

Essen und Trinken

Wer zwischendurch Hunger bekommt, kann in Ansbach in einem der zahlreichen Gaststätten und Restaurants einkehren. Auf dem Schönfeldweg findet ihr außerdem zwei Restaurants in Schalkhausen. Ihr könnt euch natürlich auch eine Brotzeit für ein kleines Picknick einpacken. Schöne Rastgelegenheiten gibt es überall auf der Tour. Wir haben die Restaurants in Schalkhausen noch nicht getestet, deshalb können wir keine Empfehlungen geben. Vielleicht schreibt ihr uns eine kurze Notiz, wenn ihr dort gewesen seid?!

Hotel Grünwald
Am Bocksberg 80
D – 91522 Ansbach-Schalkhausen

Speisekarte: hotel-gruenwald.com

Gourmet Tempel Ansbach (Asiatisches Buffet)
Schalkhäuser Landstraße 28
D – 91522 Ansbach-Schalkhausen

Stellplatz für dein Wohnmobil

In Ansbach sind Camper gerne gesehen. Deshalb hat die Stadt auch einen kostenfreien Stellplatz am Freizeitbad Aquella eingerichtet. Auf rund 700 Quadratmetern ist Platz für 12 Wohnmobile, übrigens seit Ende 2019 auf befestigtem Untergrund. Bis zur Innenstadt und der Orangerie sind es übrigens nur 10 Minuten zu Fuß. Die Buslinie 758 fährt ebenfalls ins Zentrum. Bis zum Schönfeldweg sind es nicht einmal fünf Minuten Gehweg.

Ausstattung:

  • kostenloser Stellplatz
  • Frischwasserentnahmestelle
  • Strom (CEE und 16 Ampere gegen Gebühr)
  • kostenlose Ver- und Entsorgung (Holiday Cleany)

Adresse

Wohnmobilstellplatz am Aquella

Am Stadion 2
91522 Ansbach

Und hier noch ein paar Bilder vom Frühling auf dem Schönfeldweg

 

 

 

 

Fazit

Der Schönfeldweg ist zu jeder Jahreszeit zu empfehlen. Ein besonderes Highlight ist der Scheerweiher im Frühjahr, wenn hier seltene Vögel brüten. Meine persönliche Lieblingszeit ist der Winter, wenn sich Raureif über das Röhricht am Ufer gelegt hat. Außer direkt am Naturschutzgebiet ist das ganze Jahr über auf dem Wanderweg nicht viel los und ihr könnt die Natur in all ihren Facetten völlig ungestört genießen. Nehmt euch unbedingt eine Kleinigkeit zu essen und ausreichend zu trinken mit. Auf dem Weg gibt es nicht viele Möglichkeiten für eine Einkehr.

 

 


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