NATIONALPARK HAINICH – BAUMKRONENPFAD (Thüringen)

Am Westrand des Thüringer Beckens, zwischen Eisenach und Bad Langensalza, liegt einer der größten unberührten Waldlebensräume mitten im Herzen Deutschlands: der Nationalpark Hainich. In einen für uns Menschen sonst unzugänglichen Bereich führt der Baumkronenpfad an der Thiemsburg uns bis in die sonnigen Spitzen des Blätterdaches eines wunderschönen Buchenwaldes. Hier in Thüringen könnt ihr den Wald einmal auf eine ganz andere Art und Weise erleben.

Nationalparks in Deutschland

Insgesamt sind 16 Gebiete in Deutschland offiziell als Nationalpark deklariert. Sie gelten als Landschaften, die besonderen Schutz genießen. Hinzu kommen unzählige Reservate und weitere Schutzgebiete. Nur ein paar Kilometer nordöstlich von Eisenach liegt in Thüringen einer der noch jungen deutschen Nationalparks. Mit rund 7500 Hektar ist der Nationalpark Hainich nicht besonders groß, dafür aber vor allem wegen seines Baumwipfelpfades bekannt, auf dem ihr bis zu den Baumkronen hinauflaufen könnt. Seit 2011 gehört der Nationalpark Hainich zum UNESCO-Weltnaturerbe Buchenwälder und Alte Buchenwälder. Hier soll im Laufe der Zeit wieder ein mitteleuropäischer Urwald entstehen.

Der gesamte Park ist gut erschlossen und birgt jede Menge ausgeschilderte Wander- und Radwege mit idyllischen Rastplätzen. Ringsum sind zahlreiche Sehenswürdigkeiten, die ihr in euren Urlaub oder an einem Wochenende erkunden könnt. Denn nur wenige Kilometer entfernt liegt die bekannte Wartburg, auf der Martin Luther die Bibel ins Deutsche übersetzte. Unser Geheimtipp: das Wildkatzendorf Hütscheroda.

Der Nationalpark Hainich – Geschichte

Jahrzehntelang war der Hainich militärisches Sperrgebiet. Nach der Nutzung durch die Wehrmacht erweiterte die Sowjetarmee den Bereich noch einmal. Erst 1991 wurde das Gebiet zur zivilen Nutzung freigegeben. Langsam aber stetig wandeln sich die größeren Kahlflächen des Truppenübungsplatzes wieder in Waldflächen um – und zwar ohne menschliches Dazutun. Hier wird genutzt, was der Mensch fast verlernt hat: Nichtstun und jede Menge Geduld.

Hoch über den Baumwipfeln des Buchenwaldes ist man dem Himmel ein Stück näher

Das Gesetz über den Nationalpark Hainich trat am 31. Dezember 1997 in Kraft. Also hat der Hainich genau an Silvester Geburtstag. Aus diesem Grund wurden weite Teile des Waldes weder betreten noch großartig genutzt, sodass sich die Pflanzen- und Tierwelt weitestgehend ungestört entwickeln konnte. Besonders ursprünglich zeigt sich der Hainich in der Nähe der ehemaligen Schießbahn.

Einst wuchsen sie überall in Mitteleuropa: Buchenwälder

Nach der letzten Eiszeit hat es die Buche geschafft, weite Teile Europas zu besiedeln. Und das innerhalb von nur 4000 Jahren – einer evolutionär gesehen sehr kurzen Zeitspanne. Und der Prozess dauert generell noch an, denn Buchen breiten sich nach wie vor in unseren heimischen Wäldern aus, wenn man sie denn lässt. Das ist ein einmaliges Beispiel dafür, dass sich nur eine einzige Baumart derart durchsetzen und riesige Flächen dominieren kann. Phänomenale 66 Prozent der Fläche Deutschlands wären heute von Buchenwäldern bedeckt, wenn der Mensch nicht seit dem Mittelalter gravierend in die Wälder eingreifen würde.

Und jetzt müssen wir sie schützen, damit es überhaupt noch Buchenwälder in Mitteleuropa gibt. Weniger als 5 Prozent der Landfläche werden heute von Buchenwäldern bedeckt. Denn wir Menschen haben die alten, naturnahen Buchenwälder ganz bedrohlich zurückgedrängt. Für die biologische Vielfalt besonders von Bedeutung sind die alten Buchenwälder, vor allen Dingen deshalb, weil alte Bäume und Totholz Lebensraum für vielfältige Arten bieten. Allerdings ist nur ein winziger Teil unserer heute erhaltenen Buchenwälder tatsächlich älter als 160 Jahre.

Ganz oben auf dem Baumkronenpfad gibt es viel zu erleben und erforschen

Bei den deutschen Gebieten der Welterbestätte Alte Buchenwälder handelt es sich um ausgewählte, besonders wertvolle und selten gewordene Buchenwälder:

  • Nationalpark Jasmund auf Rügen (Mecklenburg-Vorpommern)
  • Müritz (Mecklenburg-Vorpommern)
  • Kellerwald-Edersee (Hessen)
  • Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin (Brandenburg)
  • Hainich (Thüringen)

Wild und ursprünglich, statt künstlich geschaffen und aufgeräumt

Der Nationalpark Hainich enthält über 90 Prozent nutzungsfreie Fläche, auf der die Natur zu ihren Wurzeln zurückkehren kann und als Wildnis wuchern darf. Wildnis in im extrem dicht besiedelten Europa sehr selten geworden. Im Gegensatz zu den bewirtschafteten Wäldern darf sich der Hainich dank Schutzstatus wieder nach seinen eigenen Regeln zu einem Urwald für unsere Nachfahren zurückentwickeln. Und wir können jetzt schon dabei zusehen. Wenn unsere Kinder und Enkel in ein paar Jahren  hierher zurückkehren, dann wird sich der Hainich wahrscheinlich in einem ganz anderen Licht zeigen. Aber es lohnt sich auch schon heute, der Natur bei ihrer Entwicklung zuzusehen, denn sie nimmt in rasantem Tempo wieder das Gebiet in Besitz.

Der Baumkronenpfad im Nationalpark Hainich

Dem künftigen Urwald aufs Dach steigen, heißt das Motto. Hier oben zeigt sich der Nationalpark von einer ganz anderen Seite. Während es im Sommer im Hainich auf dem Waldboden dunkel wird und das Licht nur noch vereinzelt durch die dichten Baumkronen für helle Flecken sorgt, präsentiert sich ganz oben die Luft reiner, das Licht gewaltiger. Mitten durch das Blattwerk stattlicher Laubbäume führt er, der Baumkronenpfad, und gibt das Geheimnis der sonst unerreichbaren Zonen eines Waldes für den Besucher frei.

Auf einer Länge von über 500 Metern schlängelt sich der Baumkronenpfad vom unteren Kronenbereich bis zu den Wipfeln der Bäume. In zehn Meter Höhe beginnt der Erlebnispfad und steigt in weitem Bogen auf eine Höhe von 24 Metern an. Vier Ruhezonen und vier typische Bewohner des Waldes erzählen ihre Geschichten und laden zum Spielen und Rätseln ein. Fledermaus, Schillerfalter, Specht und Wildkatze stehen stellvertretend für die vielen Waldbewohner, die die verschiedenen Kronenabschnitte bewohnen.

Im zweiten Abschnitt kommen Abenteurer und Forscher auf ihre Kosten. Und ganz am Ende mündet der Holzpfad in den Baumturm. Um auf die 41 Meter hohe Plattform zu gelangen, müsst ihr schon schwindelfrei sein. Dafür werden Wagemutige mit einer einzigartigen Aussicht über die Baumwipfel belohnt. Bei schönem Wetter reicht die Sicht bis ins Thüringer Becken. Für kleine und große Forscher und Entdecker ist das Nationalparkzentrum die ideale Anlaufstelle.

Frühling im Nationalpark Hainich

Jedes Jahr im Frühling bietet der Hainich seinen Besuchern ein ganz besonderes Spektakel. Denn wenn die ersten kräftigen Sonnenstrahlen den Waldboden erwärmen, zaubert die Natur wahre Blütenteppiche unter die noch kahlen Baumkronen. Bevor der Bärlauch seinen herben Duft im Wald verströmt, übersät der Hohle Lerchensporn mit seinen rosa-violetten Blüten auf unzähligen Hektar den Waldboden.

Das Besucherzentrum im Nationalpark Hainich lohnt immer einen Besuch

Das Nationalparkzentrum

25 Millionen Blätter fallen im Herbst auf jeden Hektar des Nationalparks auf den Waldboden. Wohin das Laub verschwindet und noch vieles mehr erfahrt ihr im Nationalparkzentrum, inklusive einer Entdeckungsreise in die Unterwelt des Waldes.

Adresse

Baumkronenpfad/Nationalparkzentrum Hainich

Thiemsburg 1

99947 Schönstedt (Ortsteil Alterstedt)

Öffnungszeiten

  • April bis Oktober: täglich von 10 bis 19 Uhr
  • November, Dezember und März: täglich von 10 bis 16 Uhr
  • Januarwoche und Winterferien in Thüringen: 10 bis 16 Uhr
  • bei schönem Wetter auch an den Wochenenden im Jan. und Febr. geöffnet
  • und 31.12. geschlossen
  • witterungsbedingte Schließungen möglich

Der Baumwipfelpfad ist barrierefrei. Ältere Menschen, Rollstuhlfahrer oder auch Familien mit Kinderwagen können mit dem Lift zum Baumkronenpfad aufsteigen. Für Rätselfreunde gibt es ein Quiz zum Ausdrucken: Quiz-Nationalpark-Hainich

Eintrittspreise (Kombiticket Baumkronenpfad und Erlebniswelten)

  • Erwachsene: 11 Euro
  • Schüler, Azubis, Studenten (ab 13): 4 Euro
  • Kinder (6-12): 2 Euro
  • Kinder bis 5 Jahre: frei

Essen und Trinken

Im Biergarten des Forsthauses Thiemsburg direkt neben dem Eingang zum Nationalparkzentrum ist Platz für 450 Gäste. Dort bekommt ihr neben einem kühlen Getränk auch original Thüringer Grillspezialitäten oder Kaffee und Kuchen. Auf dem Baumkronenpfad selbst gibt es kein Café oder ähnliches. Nehmt euch deshalb lieber etwas mit.

Übernachten

Wer gleich über Nacht bleiben will, hat in der Wanderherberge (Forsthaus) perfekte Ausgangsmöglichkeiten. Mit dem Wohnmobil könnt ihr für 5 Euro eine Nacht auf den ausgewiesenen Stellplätzen (ohne Anschlüsse) auf dem Parkplatz am Baumkronenpfad übernachten. Abends und nachts ist dort fast nichts los und der Parkplatz liegt sehr idyllisch mitten im Wald.

Fazit

Für einen Ausflug in den Nationalpark Hainich solltet ihr euch Zeit nehmen. Auf dem Baumkronenpfad könnt ihr gut und gerne zwei bis drei Stunden einplanen. Ein Spaziergang durch den Hainich ist fast schon ein Muss. Und ringsum gibt es auch jede Menge zu sehen. Sei es das Wildkatzendorf Hütscheroda oder auch die Wartburg. Hier im Nationalpark lässt es sich gut einen ganzen Urlaub oder auch ein verlängertes Wochenende verbringen!


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