NEPAL HIMALAYA PARK (Landkreis Regensburg)

An den Ausläufern des Bayerischen Waldes, etwa 20 Kilometer östlich von Regensburg liegt unweit der Donau im Wald versteckt einer der wohl schönsten Parkanlagen in der Oberpfalz oder vielleicht ganz Bayerns: Ein beeindruckender nepalesischer Tempel eingebettet in einen liebevoll angelegten, artenreichen Staudenpark – und mittendrin zahlreiche typisch asiatische Kunstwerke. 90.000 Quadratmeter Land, ein alter Steinbruch und sonnige Hanglage. Bei guter Wetterlage kann man bis zum Großglockner sehen.

Nepal Himalaya Pavillon

Obwohl man es meinen könnte, ist der Nepal Himalaya Pavillon keinesfalls eine religiöse Stätte. Und er soll auch nicht für irgendeine Art von Religion werben. Vielmehr steht der Pavillon als Symbol für Frieden, Toleranz und Harmonie. Nebenbei ist er natürlich auch ein Kunst- und Kulturzentrum. Die Runde Kuppel des Stupa verkörpert dabei den buddhistischen Teil, der quadratische den Hinduismus. Im Wind flattern die mit Mantras beschrifteten, farbenfrohen Gebetsfahnen. Auf diese Weise werden die Segens- und Glückwünsche nach buddhistischem Glauben in alle Welt getragen.

Rund zwanzig Jahre ist es her, dass der Tempel das erste Mal aufgebaut wurde. Als Beitrag von Nepal zur Weltausstellung wurde das Bauwerk von über 800 Familien aus dem Kathmandutal in Handarbeit gefertigt und in Hannover auf der Expo 2000 von über drei Millionen Besuchern bewundert. Der Nepal-Pavillon vereint buddhistische und hinduistische Züge in einem Bau. Und mehr oder weniger durch Zufall kam Heribert Wirth mit den Nepalesen in Kontakt und hat den Tempel nach der Weltausstellung gekauft, um ihn anschließend zerlegen zu lassen und auf dem steinigen Boden in der Oberpfalz wieder aufzubauen.

Ganze zwei Jahre blieben die 14 Container im Hafen von Regensburg liegen, bevor nepalesische Handwerker engagiert, die Arbeitserlaubnis erteilt, Unterkünfte gefunden und der Nepal Himalaya Tempel an seinem jetzigen Standort bei Wiesent wiederaufgebaut werden konnten. Die rund 30 Spezialisten aus Nepal bauten den Tempel anschließend in eineinhalb Jahren am Fuße des Bayerischen Waldes bei Regensburg wieder auf. Für die Errichtung des Tempels und der Gartenanlagen war schweres Gerät notwendig.

Und der frisch gebackene Tempelherr nahm natürlich auch selbst die Schaufel in die Hand und eliminierte Brombeergestrüpp, legte Wege an und plante Teiche. Für die Gestaltung des Parks holte er sich Hilfe bei Olaf Grabner, der für die Schaffung dauerhafter, naturnaher Gärten bekannt ist, die so aussehen, als würden sie mühelos ganz von alleine wachsen.

Der Teepavillon ist ein Nachbau au dem kaiserlichen Garten von Sozhou

Nepal trifft Bayern

Seit Mitte 2003 ist er dort für die Öffentlichkeit zugänglich. Der Tempel ist aus dem Holz des nepalesischen Salbaums gebaut. Dieses Holz ist sehr dauerhaft, aber sehr schwer zu bearbeiten. An den vielen wunderschönen Schnitzereien am Tempel haben mehr als 800 Familien in Nepal drei Jahre lang gearbeitet.

Rings um die überlebensgroßen Statuen blühen das ganze Jahr über farbenprächtige Stauden

Nimmt man sich Zeit und sieht etwas genauer hin, findet man immer wieder neue faszinierende Details. Im Mai ist der Tempel eingebettet in ein Meer von Rhododendronblüten, der Nationalblume von Nepal. Mit der Fertigstellung des 23 Meter hohen Tempels und der 18 Kilogramm schweren Goldspitze oben auf dem Turm brach im Vorderen Bayerischen Wald ein neues Zeitalter an.

Die Gartenanlagen

Um das einst recht kleine Areal mit der Tempelanlage hat sich inzwischen ein stattlicher Schaugarten entwickelt. Mittlerweile umfasst der Nepal Himalaya Park ganze neun Hektar. Mehr als 6200 Pflanzenarten wachsen im Garten – und damit zählt der Park wohl zu den artenreichsten öffentlichen Gärten in ganz Deutschland.

Noch ist der Garten jung, ein Großteil der Beete und Flächen wurde erst in den letzten Jahren angelegt oder neugestaltet. Die meisten Stauden zeigen sich bereits in voller Pracht. Bei den größeren Gehölzen muss sich der Besucher noch ein wenig in Geduld üben, bis sie sich voll entfaltet haben. Bedingt durch die Hanglage, den steinigen Boden und die verschiedenen Standortbedingungen, ist der Garten stark strukturiert. Nur so ist es möglich, all die vielen Pflanzenarten erfolgreich zu kultivieren.

Neben zwei großen Teichen gliedert sich der Park in trockene Hänge, Feuchtwiesen, einen Heidegarten und sowohl trockene als auch feuchte Schattenbereiche. Und für jeden dieser doch sehr unterschiedlichen Lebensräume wurden die perfekten Pflanzen gefunden, die sich vom Frühjahr bis in den Herbst in ständig wechselnder Blütenpracht präsentieren.

Eine sehr wichtige Rolle spielen Wildstauden aus der ganzen Welt, die sich hier im eher rauen Klima der Oberpfalz wohlfühlen. Das Motto lautet Vielfalt statt eintöniges Begleitgrün oder exotische Raritäten. So schafft es die Natur selbst ohne großen Aufwand und Pflege, zu jeder Jahreszeit spannende und dekorative Highlights zu schaffen.

Der große Hang

Tritt man durch das schöne nepalesische Tor am Eingang, wird der Blick bald nach rechts und links des Weges gelenkt. Denn dort ist eine ganze Menge zu entdecken. Gleich links liegt ein steiler Südhang, der mit Trockenheit und Hitze so einige Anforderungen an die Stauden stellt. Hier tummeln sich Wärme liebende Pflanzen wie Salbei, Edeldistel und Schafgarbe neben reich blühendem Storchschnabel und Iris. Eingerahmt von Schleierkraut und Fetthenne fällt die liegende Buddha-Statue ins Auge.

Gleich hinter dem Eingang liegt auf der rechten Seite der große Teich in die Landschaft eingebettet

Der große Teich

Am Ende des Hangs liegt der große Teich mit unzähligen Seerosenarten. Auf der gegenüberliegenden Seite grüßt eine mächtige Buddhastatue. Im schmalen Beet, das den Weg vom Teich trennt, wächst Nelkenwurz neben Taglilien, Strauchpfingstrosen, Purpursonnenhut oder auch diversen Storchschnäbeln. Überall hört ihr Bienen und andere Insekten summen, die sich am üppigen Blütenangebot erfreuen.

Die Schlangengöttin

Auf dem Weg zum Tempel kommt ihr an einem kleinen Wildbach und einem großen Glockenspiel aus Myanmar vorbei. Rechts auf dem schmalen Rundweg zwischen Elfenblumen, Orchideen und anderen seltenen Schattenstauden befindet sich die Statue der Schlangengöttin.

Die jüngsten Errungenschaften in Wiesent sind Bauten aus Bhutan. Sie wurden an eine bereits bestehende Gebetsmühle, die mit Wasser betrieben wird, angegliedert. Die bunten Farben sind charakteristisch für die bhutanesische Handwerkskunst und begeistern auch uns. Die Einweihung des neuen Tempels wurde übrigens von einem Hohe Priester des Buddhismus durchgeführt, der für extra für die Zeremonie aus dem Himalaya anreiste. Wie auch in den übrigen Anlagen wird hier viel mit Symbolen gearbeitet.

Chinagarten – Garten der Freude

Im Jahr 2012 eröffnete der Chinagarten mit dem Nachbau eines chinesischen Pavillons. Beim großen Ehrentor hängen nicht nur ein halbes Dutzend kleiner Glocken, sondern auch die große Friedensglocke.

Am Ehrentor inspirieren die sieben chinesische Glocken mit ihrem einzigartigen Klang und ihrer zeitlosen Schönheit. Dieser magische Ort lässt den Besucher in die geheimnisvolle Welt der Drachen und Löwen eintauchen. Die Drachen stehen als Symbol für Kraft, Glück und Macht.

Kräutergarten

Im Anschluss gelangt ihr in den Duft- und Kräutergarten mit teils seltenen Heil-, Duft und Kräuterpflanzen. Einige kennt ihr wahrscheinlich auch aus der Küche, wie den Thymian, Salbei oder Oregano.

Brücken aus den verschiedensten Materialien und unterschiedlichen Formen zieren den Park

Brücken überwinden

Auf über drei Hektar erstreckt sich ein sonniger Hang bis zur Südgrenze des Parks. Im Steppengarten sind Stauden, Gräser und Gehölze angepflanzt, die mit extremer Trockenheit zurechtkommen. Als Sinnbild für die Überwindung von Unterschieden zwischen Menschen und deren Meinungen und Ansichten stehen hier im Garten handwerklich meisterhaft gefertigte Brücken, die über tiefe Furchen und Gräben führen. Diese Gräben waren bereits in der Landschaft vorhanden, bevor der Garten angelegt wurde. Sie Stammen von den Fuhrwerken der Bauern, die hier in der Region lebten.

So schön kann die Steppe sein – Brücken und Pflanzen im Himalaya Park Wiesent

Japangarten

Eine Steintreppe führt uns hinab in eine neue Welt: den Japangarten. Geharkte Kiesflächen und große Bonsais dominieren diesen Teil des Parks. Dutzende von Pfingstrosen wachsen Jahr für Jahr zu einer beeindruckenden Schönheit heran, eine mannshohe Ganesha-Figur zieht die Aufmerksamkeit auf sich.

Am Wegesrand warten zu jeder Jahreszeit unzählige Stauden mit einer unglaublichen Blütenfülle auf. Über Trittsteine gelangt ihr über die Wasserfläche auf die andere Seite des Koiteiches. Schreckhaft darf man beim Überqueren nicht sein, denn dann, wenn man es am wenigsten erwartet, schnappt ein besonders großes Exemplar nach einer Mücke und sorgt für plötzliche Turbulenzen und lautes Platschen im Wasser.

Anfahrt

Auf der A3 von Regensburg nach Passau nehmt ihr die Ausfahrt Wörth-Wiesent. Haltet euch immer Richtung Brennberg. Am Kreisverkehr geradeaus (2. Ausfahrt) fahren. Nach etwa 1,5 km liegt links im Wald der Eingang und Parkplatz zum Nepal-Himalaya-Pavillon. Wer mit dem Wohnmobil unterwegs ist, fährt am besten auf den Parkplatz etwa 10 Meter vor dem Eingang auf der gegenüberliegenden Straßenseite.

 

Nepal Himalaya Park – alle Infos auf einen Blick

Adresse

Martinsplatte
93109 Wiesent

Homepage: nepal-himalaya-pavillon.de

Öffnungszeiten

  • Ende April bis 6. Oktober
  • Samstag: 13:00 bis 17:00 Uhr (jeweils am ersten Samstag im Monat, alle Samstage im August)
  • Sonntag: 13:00 bis 18:00 Uhr
  • Montag: 13:00 bis 17:00 Uhr
  • Feiertage: 13:00 bis 17:00 Uhr

Im Teehaus könnt ihr nepalesischen Tee und Kaffee kaufen.

Eintrittspreise:

  • Erwachsene: 10:00 Euro
  • Kinder und Jugendliche (6 bis 16 Jahre): 2,00 Euro
  • Hunde sind im Park leider nicht erlaubt

Sanft wiegen sich die Halme und Blüten der Steppenlandschaft im Wind

Fazit

Der Nepal Himalaya Park besticht durch eine wirklich gelungene Mischung aus Kunst, Kultur und herrlichen Gartenanlagen. Schon bald nach dem Eintreten in den Park wird der Blick nach unten gelenkt. Und man versinkt in einer Fülle an Farben, Formen und Düften, die keinesfalls künstlich oder aufgesetzt wirken, sondern wie von der Natur selbst erschaffen scheinen. Leise klingen im Hintergrund Glocken und Gebetsklänge – und ziehen den Besucher in eine ganz neue, andere Welt voller Ruhe und Entspannung.


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