Am westlichen Rand des Nördlinger Ries, nur einen Steinwurf von der ehemaligen Reichsstadt Bopfingen entfernt, erhebt sich ein mächtiger Zeugenberg. Der 668 Meter hohe Ipf ist ein Monument der Erdgeschichte. Und er birgt so manches Geheimnis. Denn er war Sitz der sagenumwobenen Keltenfürsten. Zur Erinnerung an sie ist am Hang ein typischer Rechteckhof rekonstruiert. Die faszinierende Natur lässt sich wunderbar auf einem kurzen 4 Kilometer langen Rundweg erkunden.
Alle Infos zum Rundweg (Karte, GPX-Daten und Details)

Der sagenhafte Zeugenberg Ipf
Der Ipf gehört zur Schwäbischen Alb, genauer gesagt bildet er den nordöstlichen Eckpfeiler des Gebirgszugs. Durch Erosion abgetrennt liegt er heute als Einzelberg am Rande der Schichtstufenlandschaft an der Pforte zum Nördlinger Ries. Rund 14 Millionen Jahre ist es her, da entstand durch einen Meteoriteneinschlag ein 30 Kilometer großes Becken, das die Schwäbische Alb von der Fränkischen Alb abtrennt. Doch trotz seiner Nähe zum Ries, hat der Zeugenberg nichts mit dem Ereignis selbst zu tun.
Schon immer war der abgeflachte Kegelstumpf aus dem Weißen Jura von unzähligen Mythen und Geschichten umrankt. Auch wenn er so aussieht, der Ipf mit seinen seit altersher kahlen Flanken ist kein Vulkan. Seine Form verdankt er uns Menschen. Unsere Vorfahren waren es, die seine heutige terrassenförmige Struktur formten. Und auch heute noch ist der Berg – egal aus welcher Richtung man nach Bopfingen kommt – ein unübersehbarer Eyecatcher. Und deshalb ist er mehr als nur ein einfacher Hausberg, sondern vielmehr auch ein unverkennbares Markenzeichen der Stadt.

Woher stammt der Name?
Über den Ursprung des Namens Ipf machen sich die Forscher schon seit langer Zeit Gedanken. Noch vor 200 Jahren war man der Ansicht, dass er von der Gestalt des Berges, die an ein Brot (Kipf) erinnere, hergeleitet wurde. Eine weitere Deutung stellt die Göttin Ipfona unserer heidnischen Vorfahren in den Vordergrund.
Neuere Überlegungen gehen allerdings in eine völlig andere Richtung. Man vermutet, dass der Name mit der Bezeichnung Opia oder Opios zusammenhängt und durch die sprachlichen Veränderungen zunächst zu Opfi, Upfi und dann Üpfi wurde. Opia (oder keltisch op für Auge) hat etwas mit schauen zu tun. Gemeint ist aber hier sicherlich nicht die schöne Aussicht, sondern ein astronomischer Aussichtspunkt oder -berg, ein Sternenobservatorium quasi. Denn für die alten Kulturen war es wichtig, regelmäßig die Gestirne zu beobachten, um den damaligen Kalender zu justieren.

Keltenfürsten auf dem Ipf
Seit ewigen Zeiten beackern die Menschen den fruchtbaren Boden hier am Rande des Meteoritenkraters. Und um deren Territorium vor Übergriffen zu schützen, brauchte es eine Festung. Und welcher Ort könnte sich besser dazu eignen, als der Gipfel des Ipf. Gegen 600 v. Chr. trug er noch eine runde Kuppel, bis der mächtige Keltenfürst eine Umbaumaßnahme gigantischen Ausmaßes befiehlt. Über Jahre hinweg tragen hunderte von Arbeitern den Gipfel ab und errichten ein kilometerlanges Befestigungssystem ringsum.

Das keltische Machtzentrum
Bereits 1000 vor Christus gab es Siedler auf dem Berg, wer genau dort hauste, weiß man heute leider nicht. Sicher ist aber, dass um 600 vor unserer Zeitrechnung die Kelten auf dem Ipf errichtet haben. Zu dieser Zeit schuf die Elite der Keltenstämme bedeutenden Machtzentren im Gebiet nördlich der Alpen. Eines von ihnen befand sich auf dem Berg Ipf am Rande des Nördlinger Ries. Weitere bekannte Machtzentren sind auch auf dem Fränkischen Bruder des Ipf, dem Hesselberg, nachgewiesen. Und in der Fränkischen Schweiz ist unter anderem das Walberla (Ehrenbürg) Zeitzeuge der vergangenen Keltenkultur.
Das flache Gipfelplateau mit Aussicht auf die Umgebung war perfekt, die fruchtbaren Böden ideal für Viehzucht und Landwirtschaft. Von hier aus hat sich in der frühen Hallstattzeit ein Machtzentrum ausgebreitet, das sich von der Heidenheimer Alb bis in die Fränkische Region ausgebreitet hat. Die Keltenfürsten lebten damals nicht auf dem Ipf, sondern in repräsentativen Bauten, sogenannten Rechteckhöfen, auf den flachen Terrassen am Osthang des Berges.
Die mit hohen Schutzwällen umgebene hölzerne Festung bot guten Schutz vor Angriffen und enthielt neben einer Kultstätte diverse Repräsentationsbauten. Leider ist von all der Pracht nichts übriggeblieben, denn mit den Kelten verschwanden vor rund 2000 Jahren auch die Burg und die Stadt zu ihren Füßen.
Heute wirkt der ehemalige Ringwall wie eine flache Umrahmung des Berges und ist für das ungeübte Auge fast nicht zu erkennen. Ursprünglich war die Konstruktion jedoch eine stattliche Pfostenschlitzmauer aus Stein, Erde und Holz. Wie die Befestigung einmal ausgesehen hat, ist anschaulich in der Freilichtanlage am Ipf zu erkennen.

Friedrich Hertlein
Die Rekonstruktion basiert auf den Erkenntnissen des Archäologie-Pioniers Friedrich Hertlein aus Heidenheim, der hier in den Jahren 1907 und 1908 bereits erste Grabungen vornahm. Der 1865 geborene Lehrer und Gymnasialprofessor hat damals auch für das staatliche Amt für Denkmalpflege in Württemberg gearbeitet und dabei auch das Gipfelplateau des Ipf sondiert. Für lange Zeit prägten seine Funde die Grundlage für unsere Vorstellung über die Geschichte des Berges.
Fast auf den Tag genau einhundert Jahre später wurde die von Hertlein entdeckte Mauer erneut untersucht und alle Indizien sprechen dafür, dass die Pfostenschlitzmauer tatsächlich aus dem 5. Jahrhundert v. Chr. stammt.

Das Gipfelplateau – Kernstück der Festung
Und anscheinend war der Gipfel nicht schon immer ein flaches Plateau, sondern wurde im 5. Jahrhundert V. Chr. in einer gigantischen Umbaumaßnahme geebnet und mit drei Mauerzügen umgeben. Das Plateau hat einen Durchmesser von etwa 185 m an der breitesten Stelle und liegt 210 m über der Talsole. Dass die Kelten schon damals mediterrane Importgüter liebten, zeigen Ausgrabungen am Ipf. Da wurden griechische Amphoren und Münzen und sogar eine Keramik aus Athen geborgen.
Nur 150 Jahre nach dem Höhepunkt der Keltenmacht wurde die Siedlung wieder aufgegeben. Was auch immer den Anstoß dazu gab. Sicher ist, dass die Kelten das Relief des Zeugenberges bis heute geprägt haben. Den Kelten folgten die Römer, Alamannen und nicht zuletzt die Menschen im Mittelalter.

Freilichtanlage am Ipf
Bereits im Jahr 2004 wurde ein Infopavillon am Parkplatz errichtet, der über die Geologie, die Geschichte und die Archäologie der Region informiert. Am Osthang des Zeugenberges wurde 2015 mit dem Bau einer Pfostenschlitzmauer nach original keltischem Vorbild begonnen, mit der der Ipf im 5. Jahrhundert umgeben war. Daneben entstand ein Haus mit beeindruckender Grundfläche. Ergänzt wurden die beiden Rekonstruktionen 2021 durch ein Wohnhaus, einen Speicher und ein Grubenhaus.
Meist bestand ein fürstlicher Rechteckhof aus mehren Wohngebäuden und ein paar Wirtschaftsgebäuden. Über die Ausstattung der Häuser ist bis auf die Herdstellen nur wenig bekannt. Der quadratische Holzbau ist dem Grundriss des Gebäudes nachempfunden, dessen Überreste bei Bopfingen-Flochberg ausgegraben wurden.
Bislang sind die Häuser noch leer. Das soll aber nicht so bleiben. Geplant sind Ausstaffierungen mit Möbeln und allen möglichen Gerätschaften aus der Hallstattzeit sowie ein Besucherzentrum im großen Haus. Und vielleicht können wir auch schon bald im Bistro ein paar kühle Getränke zu uns nehmen. Inzwischen könnt ihr euch im Museum im Seelhaus in Bopfingen über die keltische Kultur rund um den sagenhaften Berg informieren.
Öffnungszeiten
- rund um die Uhr
Eintritt
- frei
- kostenlose Parkplätze direkt vor Ort

Lindenallee
Gleich nach einem kleinen Wäldchen oberhalb des Parkplatzes beginnt eine Lindenallee. Über sie gehen die meisten Besucher auf das Gipfelplateau hinauf. Gepflanzt wurden die Linden als Erinnerung an den Besuch von König Friedrich und die nachfolgende Genehmigung der Ipfmesse.
Wann die Lindenallee genau angepflanzt wurde, weiß man heute nicht mehr. Schätzungen datieren die ältesten Bäume auf etwa 120 bis 150 Jahre. Die ältesten Linden haben heute einen beachtlichen Stammumfang von 3,5 Meter. Naturlich sind auch jüngere Exemplare unter ihnen, denn Nachpflanzungen waren immer wieder einmal notwendig.

Die Bopfinger Ipfmesse
Sie hat Kultstatus und für viele ist sie eines der wichtigsten Ereignisse im Jahr, die Bopfinger Ipfmess. Auf dem Rummelplatz tummeln sich über 30 Schausteller, in den Straßen locken 200 Wanderhändler mit Waren, ganz zu schweigen von den zahlreichen Cafés, Restaurants und Biergärten. Und natürlich gibt es auch ein Festzelt und jede Menge Ausstellungsflächen für die landwirtschaftlich geprägte Messe.
Schon vor über 200 Jahren genehmigte König Friedrich I. von Württemberg einen Jahrmarkt im Ort, und seitdem hat er Tradition. Sicherlich liegen die Ursprünge des Festes noch viel weiter zurück. Möglicherweise sind diese auf den Ipftanz aus dem 15. Jahrhundert zurückzuführen, bei dem die Bopfinger mit einem Festzug ihren Hausberg erklommen. Bis 1838 fand die Ipfmess tatsächlich auf dem Gipfelplateau des Zeugenberges statt, dann wurde sie aber hinab ins Dorf verlegt.

Naturschutzgebiet
Nicht etwa, weil der Berg als solcher gefährdet ist, sondern weil die Natur auf dem Berg geschützt werden muss und dafür ein paar Spielregeln aufgestellt sind, ist er 1982 zum Naturschutzgebiet erklärt worden. Er soll so bleiben, wie er ist, auch wenn so mancher hofft, dass der Berg bald wieder gänzlich bewaldet ist – so wie ein kleiner Teil, auf dem ein Föhrenwäldchen steht, das irgendwann einmal angepflanzt wurde. Und damit die Hänge frei von Bäumen und Büschen gehalten werden können, ist die Beweidung mit Schafen unerlässlich.
Weite Teile des Berges überziehen freie Heideflächen, die seltenen Pflanzen wie der Küchenschelle, die um Ostern herum ihre kräftig violetten Blütenkelche hervorbringt, einen Lebensraum. Neben ihr wachsen Frühlings-Enzian, Kalk-Aster und Katzenpfötchen auf den Trockenwiesen. Da wundert es nicht, dass es hier in den Sommermonaten vor Schmetterlingen nur so wimmelt. Wer genau hinsieht, entdeckt sicherlich einen Schwalbenschwanz. Und mit viel Glück flattert auch eine Berghexe, eine braun-beige gemusterte Rarität unter den Faltern, über die Hänge.

Museen in der Nähe
Das zweite Kulturdenkmal der Region ist der Goldberg, der nur ein paar Kilometer Luftlinie entfernt liegt. Beide Sehenswürdigkeiten sind durch ein gut beschildertes Wegenetz miteinander verbunden. Wanderer und Radfahrer erfahren an unzähligen Infotafeln bei den einzelnen Stationen jede Menge Wissenswertes über die frühgeschichtlichen Epochen, die von den Kelten bis zu den Römern reicht.
- Museum im Seelhaus, Bopfingen
- Goldbergmuseum in Goldburghausen
Grabhügel
1998 brachten Luftbildaufnahmen einen Großgrabhügel beim Weiler Osterholz zutage. Rund 65 Meter Durchmesser hat er stattliche Ausmaße. Der gesamte Ipf ist von Wallsystemen und Gräben durchzogen, deren Ursprünge bis in die Bronzezeit zurückreichen.
In etwa einem Kilometer Luftlinie ist ein solcher Grabhügel der Kelten rekonstruiert. Mit einem Durchmesser von 17 Meter und etwa 3 Meter Höhe hat er bereits stattliche Ausmaße. Im Vergleich zu dem riesigen Original ist er jedoch fast verschwindend winzig.

Rundweg auf und um den Ipf
Beschreibung
Eine gemütliche Runde auf und um den Zeugenberg startet auf dem Wanderparkplatz an der Freilichtanlage. Von hier aus geht es über die Lindenallee den Berg hinauf, einmal um das Gipfelplateau herum und auf der anderen Seite auf halber Höhe wieder zurück zum Ausgangspunkt.
Route

Höhenprofil

Details
- Start/Ziel: Wanderparkplatz an der Freilichtanlage
- Markierung: keine einheitliche
- Länge: 4,1 km
- Dauer: etwa 2 Stunden
- Schwierigkeit: mittel
- für Kinderwagen/Buggy geeignet: nein
- Aufstieg: 238 m
- Abstieg: 240 m
- DOWNLOAD Karte als pdf: Rundweg-Ipf-Karte.pdf
TOURENDATEN FÜR GPS-GERÄTE UND WANDER-APPS
So funktioniert´s: Anleitung zum Download und Importieren in eine Wander-App oder ein mobiles GPS-Gerät

Essen und trinken
Auf dem Rundweg und der Freilichtanlage gibt es keine Einkehrmöglichkeit. Deshalb ist es sinnvoll, zumindest ausreichende Mengen an Getränken, möglicherweise auch einen kleinen Snack, auf die Tour mitzunehmen. Gaststätten gibt es in den umliegenden Ortschaften.
Anfahrt: Wie komme ich zum Ipf?
A6
Aus Richtung Nürnberg fahrt ihr am besten über die A6 Nürnberg/Heilbronn bis zur Abfahrt 55 Schwabach West Richtung Gunzenhausen. Die B466 bringt euch am Altmühlsee vorbei bis fast nach Nördlingen. Kurz vorher (bei Löpsingen) biegt ihr rechts ab und fahrt über Wallerstein und Benzenzimmern bis Kirchheim am Ries.
A7
Von der A7 aus ist Nördlingen ausgeschildert. Die B29 führt durch Bopfingen hindurch, im Ort haltet ihr euch Richtung Kirchheim am Ries.
Parken
Zwischen Kirchheim am Ries und Bopfingen ist auf halber Strecke ein braunes Hinweisschild angebracht (Achtung, fahrt nicht so schnell, sonst seid ihr an der Ausfahrt vorbeigefahren). Direkt vor der Freilichtanlage steht ein kostenloser Parkplatz zur Verfügung.

Fazit
Wer die keltische Kultur liebt, sollte unbedingt einmal einen Ausflug auf den Zeugenberg machen. Leider stehen die Häuser momentan noch leer. Es ist allerdings geplant, in sie in den kommenden Jahren mit Leben zu füllen, indem sie mit Möbeln und Dingen des täglichen Lebens ausgestattet werden. Wenn ihr dazu auch noch gerne durch die einzigartige Heidelandschaft und Trockenwiesen streift, ist eine kleine Wanderung unbedingt zu empfehlen, genauso wie der benachbarte Goldberg.














