Geopark Lehrpfad Kalvarienberg Wörnitzstein

Mitten im geologischen Trümmerfeld eines Meteoriteneinschages vor 14 Millionen Jahren liegt das Geotop Kalvarienberg Wörnitzstein in den bunten Gesteinsmassen des idyllischen Wörnitztals am Rande von Donauwörth. Durch die aussichtsreiche Landschaft führt ein knapp 2 Kilometer langer Lehrpfad, auf dem Infotafeln Wissenswertes über den Geopark Ries erklären.

Alle Infos zur Wanderung (Karte, GPS-Daten, Beschreigung weiter unten)

Parkplatz >>> Kalkscholle Sendenberg >>> ehemalige Mühle Wörnitzstein >>> Steinerne Wörnitzbrücke >>> Kalvarienberg >>> Kalvarienbergkapelle

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Direkt auf der Abt-Cölestin-Straße gibt es einen kostenlosen Parkplatz in Wörnitzstein

Geopark Ries – Faszination Erdgeschichte

Mit einem lauten Knall begann sie, die Geschichte des ersten nationalen Geoparks in Bayern, dem Geopark Ries. Vor über 14 Millionen Jahren schlug dort ein 1,5 Kilometer großer Meteorit ein, wo sich heute der Mittelfränkische Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen mit dem schwäbischen Landkreis Donau-Ries und dem württembergischen Ostalbkreis trifft.

Dabei entstand dort, wo sich heute die Stadt Nördlingen befindet, ein kreisrunder Krater von 25 Kilometer Durchmesser und an die 500 Meter Tiefe. Das Gestein wurde bis zu 70 Kilometer weit geschleudert. Und sicher ist auch, dass jegliches Leben in einem Umkreis von mindestens 100 Kilometern um den Einschlagsort schlagartig ausgelöscht wurde. Noch heute kann man den Krater in Luftaufnahmen noch gut erkennen.

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Die Wörnitz wird auf Schlangenfluss genannt, weil sie sich in starken Schleifen windet

In der Zeit danach füllte sich dieser tiefe Krater mit Wasser und bildete einen etwa 400 Quadratkilometer großen See, der keine Abflüsse hatte und sich deshalb so stark mit Salz anreicherte, dass dieser den Salzgehalt der heutigen Weltmeere sogar übertraf. Der heutige Rieskessel wurde in den letzten Eiszeiten wieder freigelegt und fruchtbarer Löss eingetragen, der die Grundlage für die landwirtschaftliche Nutzung von den Römern bis zum heutigen Tag bildet.

Heute ist das Nördlinger Ries ein Touristenmagnet. Allerdings sind hier weder im 2006 entstandenen Geopark noch in den kleinen Dörfern oder auch Städten tatsächlich mit Menschenansammlungen oder gar Massentourismus zu erwarten. Zum Rieskrater kommen vor allem Naturbegeisterte, die sich abseits der viel gelaufenen Pfade die Schätze der Erdgeschichte und die außergewöhnliche Natur im Süden Deutschlands in aller Ruhe zu Fuß oder mit dem Fahrrad erkunden möchten.

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Der kurze Rundweg führt über die Felder am Ortsrand von Wörnitzstein zur Wörnitz

Wörnitzstein

Bereits 1214 taucht Wörnitzstein in einer Urkunde auf. Bis ins 16. Jahrhundert wurde das Pfarrdorf allerdings noch unter dem Namen „Stein“ geführt. Mitte des 13. Jahrhunderts kam Wörnitzstein zum Zisterzienserkloster Kaisheim. Bis 1802 konnte diese klösterliche Herrschaft mit Ausnahme von zwei Deutschordenssölden und einem pfalz-neuburgischen Hof aufrecht erhalten bleiben.

Nach der Aufhebung des Klosters fiel Wörnitzstein zunächst an das Kurfürstentum, dann an das Königreich Bayern. 1818 wohnten in dem Pfarrdorf 345 Personen auf acht Höfen und vier Sölden. Seit der Gebietsreform ist Wörnitzstein Stadtteil der Kreisstadt Donauwörth. Inzwischen hat sich die Einwohnerzahl mehr als verdoppelt.

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Mitten in einer kleinen Baumgruppe versteckt liegt ein Brocken, der aus dem Krater stammt

Kalkscholle Sendenberg

Bei Wörnitzstein ragen zwei ortsfremde Weißjurakalkschollen auf. Die eine ist der Sendenberg, die zweite der Kapellenfelsen. Sie stammen aus dem Auswurf des Meteroriteneinschlags. Rund 8 Kilometer vom südöstlichen Kraterrand kamen die Felsscholle schließlich zum Stillstand. Diese verwitterungsresistenten Trümmerhügel hatten eine beachtliche Größe.

Heute hat der Sendenberg, der inzwischen fast gänzlich in einem kleinen Waldstück versteckt liegt, nicht mehr seine ursprüngliche Größe. Lange Zeit diente er der Gewinnung von Material für den Wegebau. Trotzdem erkennt man noch gut im Felsmassiv die unglaublichen Kräfte, die auf das Gestein während des Transports gewirkt haben müssen. Die Scholle besteht aus den ehemaligen Kieselschwamm-Riffen auf dem Meeresgrund im Oberjura, wie sie auch im Geotop Lindle und Kühstein betrachtet werden können.

Mühle Wörnitzstein

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Seit über 800 Jahren besitzt das Dorf eine Mühle. Damit ist sie nahezu genauso alt wie Wörnitzstein selbst. Das Mühlenanwesen wurde durch diverse Kriege zwar mehrfach zerstört, aber selbst nach ihrer Einäscherung im Städtekrieg 1462 wieder aufgebaut.

1910 baute man die Mühle in ein Elektrizitätswerk um und produziert seitdem 300.000 kWh Strom pro Jahr mit dem Wasserrad, das immer sich immer noch im Originalzustand befindet. Das Gebäude, das heute als Wohnhaus dient, stammt aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts.

Steinerne Brücke Wörnitzstein

Geht man an der Wörnitz entlang, zieht sofort die steinerne Gewölbebrücke den Blick an. Mit acht Bögen spannt sie sich mit 111 m Länge über den Fluss. Dass sie aus dem Jahr 1948 stammt, sieht man ihr gar nicht an. Für die langsam dahinfließende Wörnitz, auch Schlangenfluss genannt, weil sie so schön dahinmäandriert, scheint die wuchtige Steinbrücke fast ein wenig übertrieben. Dass diese massive Bauweise aber durchaus ihre Berechtigung hat, zeigt sich bei einem der gewaltigen Hochwässer, die die Bewohner in stetiger Regelmäßigkeit heimsuchen.

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Trotz drohendem Gewitter ein beeindruckender Anblick: die steinerne Brücke über die Wörnitz

Der Ur-Wornitz-Fjord

Bereits vor der Ries-Katastrophe existierte in der Nähe von Ebermergen ein fjordartiges, um die 80 Meter tief eingeschnittenes Flusstal mit steilen Flanken, das vor über 22 Millionen Jahren die Ur-Wörnitz als Mündungstrichter nutzte. Als das Tal dann aber durch die Trümmer des Meteoriteneinschlages verschlossen wurde, bildete sich zunächst ein Rieskratersee. Erst sehr viel später konnte sich die Ur-Wörnitz den ursprünglichen Lauf zurückerobern.

Deshalb ist die Wörnitz maßgeblich an der Formung der heutigen Rieslandschaft beteiligt. Heute windet sich der Fluss auf 132 Kilometer Länge von ihrer Quelle in Schillingsfürst auf der Frankenhöhe bis zur Mündung in Donauwörth in die Donau. Dabei überwindet sie nicht einmal 100 Höhenmeter. Ihr früherer Name Warinza deutet auf ein sich stark windendes Gewässer hin.

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Klein, aber fein: die Kalvarienbergkapelle auf dem Geotop im Nördlinger Ries

Kapelle auf dem Geotop Kalvarienberg

Während das rechte Wörnitzufer die Kirche St. Martin aus dem 17. Jahrhundert ziert, hat die Kalvarienbergkapelle auf dem Felskegel links der Wörnitz eine längere Geschichte. Zwar wurde die heutige Kapelle erst Mitte des 18. Jahrhundert in dieser Form errichtet, allerdings stand hier bereits über 150 Jahre zuvor eine kleine Kirche, die auf den Grundmauern der Burg Stein errichtet wurde. Von der Burg selbst ist heute nichts mehr zu sehen und sie hatte anscheinend auch keine besonders lange Lebensdauer, denn man weiß, dass sie bereits 1319 wieder aufgegeben wurde.

Die wunderschöne kleine Kapelle, die schon von Weitem aus dem Tal der Wörnitz erkennbar ist, wurde im Rokokostil erbaut und hat dementsprechend einen elegant ovalen Grundriss. Oben auf dem Dach befindet sich der Kirchturm, der – wie auch die Kirche auf dem gegenüberliegenden Ufer – mit einer hübschen Zwiebelhaube ausgestattet ist.

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Auch von innen etwas Besonderes: sie gilt als eine der schönsten Rokoko-Kapellen

Abt Cölestin und die Kapelle

Der Bau der Kapelle wird auf den Kaisheimer Abt Cölestin zurückgeführt. Dieser unternahm im Jahr 1669 eine Wallfahrt. Als es auf dem Rückweg regnete und regnete und das viele Wasser dem Abt die Reise immens erschwerte, blickte er gegen Abend vom Strohberg aus über das Wörnitztal.

Die Wörnitz war über die Ufer getreten und überschwemmte mehr oder minder das ganze Tal. Zwar bot man dem Abt an, im Wörnitzsteiner Pfarrhaus am rechten Ufer zu übernachten, der hohe Herr ließ sich jedoch nicht aufhalten und wagte die Durchquerung der reißenden Fluten. Und weil er tatsächlich wohlbehalten am anderen Ufer ankam, versprach er, eine Kapelle auf dem hohen Berge zu errichten.

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Den Aufstieg zur Kalvarienbergkapelle könnt ihr gar nicht verpassen

Die Kalvarienbergkapelle heute

Um zur Kalvarienbergkapelle zu gelangen, schreitet man zunächst durch ein barockes Portal und muss anschließend 99 Treppenstufen erklimmen. Entlang dieser Stufen leitet ein Kreuzweg seit 1977 hinauf zur Kapelle. Dieser Kreuzweg ist allerdings nicht der erste. Er ist der Nachfolger des früheren Kreuzweges, den es bereits 1754 gab. Angeblich war es bis ins 20. Jahrhundert Pflicht für jede Wörnitzer Familie, die 14 Stationen am Karfreitag eines jeden Jahres zu gehen und zu beten.

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Oben angekommen trifft man keineswegs auf eine kleine, einfache Kapelle. Die Kalvarienbergkapelle gilt als schönste Barockkapelle des Landkreises Donau-Ries – und bei vielen auch über diese Grenzen hinaus. Allein der Monogrammstein links des Eingangs weist darauf hin, dass sie etwas ganz Besonderes ist. Jedem Besucher sollte klar sein, dass der Bau auf den Abt des Zisterzienserklosters in Kaisheim zurückzuführen ist.

Beim Öffnen der Doppelflügeltür aus Holz fällt der Blick auf den Altar mit Kreuzigungsgruppe aus dem 18. Jahrhundert. Neben ihm gibt es Statuen der Heiligen Walburga und der Heiligen Ottilie zu finden. Aber damit noch nicht genug. Ein Blick nach oben führt zum Deckengemälde, auf dem die Gründung der Kirche darstellt, der auch die Hölle selbst nichts anhaben kann. Unter Christus, der Petrus den Schlüssel überreicht, sitzt eine Frau als Sinnbild der katholischen Kirche, die schützend ihre Arme um die Kapelle legt.

Mariengrotte am Kalvarienberg

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Auch die Errichtung der Mariengrotte am Südhang des Kalvarienberges ist auf ein kleines Wunder zurückzuführen. Diesmal geht es um die Familiengeschichte einer Donauwörther Familie, deren 14-jähriger Sohn sich so schwer bei einem Sturz verletzte, dass sein Leben an einem seidenen Faden hing.

Während der schweren Zeit der Ungewissheit betete die Mutter oft in ihrem Heimatdorf Wörnitzstein und die Genesung ihres Sohnes. Und weil der Sohn tatsächlich bis auf eine Gehbehinderung wieder gesund wurde, ließ die Kaufmannsfamilie als Dank die Grotte erbauen.

Die schönsten Geotope in Bayern

Zwar macht die Felsscholle, auf der die Kapelle steht und an deren Fuß die Mariengrotte angelegt ist, einen besorgniserregenden Eindruck, wie sie da so aus ihrer Umgebung herausgewittert ist, die meisten Klüfte sind jedoch inzwischen wieder verheilt und der Fels insgesamt erstaunlich stabil. Und weil der Fels, der eigentlich nur per Zufall hier ist, ein so wunderbarer Zeuge für die Erdgeschichte hier in Bayern ist, ist er in die Liste der Geotope in Bayern aufgenommen worden.

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Blick vom Geotop Kalvarienberg auf beide Teile von Wörnitzstein bei Donauwörth

Lehrpfad Geotop Kalvarienberg Wörnitzstein

Wegbeschreibung

Vom Parkplatz aus gehen wir zunächst die Abt-Cölestin-Straße nach Osten und biegen in die nächste Seitenstraße nach links ab. Der asphaltierte Weg geht bald in einen Feldweg über, der kerzengrade über die Felder zu einer kleinen Baumgruppe führt. Hier müsst ihr etwas genauer hinsehen, denn zwischen den Bäumen führt ein schmaler Pfad in das Wäldchen hinein. Wenn wir dem Weg folgen, bringt er uns nach einer leichten Kurve direkt zur Kalkscholle Sendenberg. Wir folgen dem Weg wieder hinaus und gehen auf dem Feldweg weiter.

An den beiden Gebäuden biegen wir nach links auf die Ludwig-Heck-Straße und folgen deren Verlauf bis zur Abt Cölestin-Straße. Rechter Hand führt die Steinerne Brücke über die Wörnitz. Wir wandern nach links weiter und folgen dem Schild mit Kapelle der zweiten Straße nach links. Hinter dem ersten Haus führt hinter einem Eingangstorbogen eine Treppe auf den Kalvarienberg zur Kapelle. Diese umrunden wir einmal und gehen auf demselben Weg wieder über die Stufen nach unten bis zur Abt-Cölestin-Straße. Dort biegen wir nach links und gelangen nach wenigen Metern wieder zum Parkplatz zurück.

Route
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Höhenprofil
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Details
  • Start/Ziel: Parkplatz an der Abt-Cölestin-Straße, Wörnitzstein
  • Markierung: Geotop Kalvarienberg Wörnitzstein
  • Länge: knapp 2 km
  • Dauer: 45 Minuten
  • für Kinderwagen/Buggy geeignet: ja
  • eigentlicher Rundweg mit Buggy befahrbar, die Geotope selbst jedoch nicht
  • Aufstieg: 38 m
  • Schwierigkeitsgrad: leicht
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Blick von der Steinbrücke auf die ehemalige Mühle an der Wörnitz

Essen und trinken

Auf dieser Seite der Wörnitz gibt fast direkt am Parkplatz die erste Einkehrmöglichkeit: der Landgasthof Schmidbaur im Zollernweg 2. Für eine Stärkung geht ihr über die Steinbrücke auf die andere Seite hinüber und biegt links in die Graf-Hartmann-Straße ein. Dort findet ihr die Gaststätte Braun Wörnitzstein nach der Kurve auf der linken Straßenseite.

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Unter der Kapelle kann man einmal um den Felsen herumgehen

Anfahrt

Aus Richtung Nürnberg

Auf der A6 nehmt ihr die Ausfahrt 57 Richtung Roth/Weißenburg und fahrt immer auf der B2 hinter Kaisheim. Kurz vor Donauwörth biegt ihr nach links auf die B25 Richtung Würzburg/Harburg. Nach 1,7 km nehmt ihr die Ausfahrt Donauwörth-Wörnitzstein und folgt immer dem Wegweiser nach Wörnitzstein. Ihr kommt direkt über die Abt-Cölestin-Str. in den Ort.

Parken

Ein gutes Stück vor der Steinbrücke über die Wörnitz liegt links ein Wanderparkplatz an der Abt-Cölestin-Straße, auf dem ihr euer Auto kostenlos abstellen könnt.

Fazit

Der kurze Rundweg sieht auf den ersten Blick etwas langweilig aus, hat es bei näherer Betrachtung aber in sich. Was sich zunächst dem Auge des Betrachters entzieht, entpuppt sich als echtes Kleinod. Und damit meinen wir sowohl den bekannten Kalvarienberg mit der legendären Kapelle als auch die zweite Scholle, den Sendenberg, der sich zwischen den Bäumen versteckt. Sehenswert ist auch die alte Mühle und die Steinbrücke über die Wörnitz.



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