Alles andere als nur für die Wissenschaft interessant sind die vielen geologischen Besonderheiten in der Oberpfalz. Denn hier finden auch Wanderer und Naturbegeisterte teils atemberaubende Naturschönheiten vor, die das Landesamt für Umweltschutz bewertet und als Geotope ausgewiesen hat. In der Oberpfalz ist die Auswahl sehr vielfältig und sicherlich alle einen Besuch wert, denn schließlich reicht sie bis in die Fränkische Alb, das Fichtelgebirge und den Oberpfälzer Wald hinein. Ein paar von ihnen möchten wir euch diesmal vorstellen.

Geologie in der Oberpfalz
Den Osten der Oberpfalz prägt das Mittelgebirge des Oberpfälzer Waldes, das von Waldsassen im Norden parallel zur Grenze nach Tschechien bis etwa nach Cham verläuft und jenseits der Grenze als Böhmischer Wald bezeichnet wird. Im Norden liegt das Fichtelgebirge, von dem nur der südliche Teil, also der Steinwald, in die Oberpfalz hineinreicht. Der dritte Mittelgebirgszug, der sich im Westen entlangzieht, ist die Fränkische Alb, deren Schönheit wir beispielsweise aus den Sehenswürdigkeiten in der Fränkischen Schweiz kennen.
Während die Grundgesteine im Westen mit der Fränkischen Alb vorwiegend aus Kalkgesteinen der Jurazeit bestehen, sind die im Norden deutlich älteren Ursprungs. Hier besteht das Grundgestein zu einem Großteil aus Granit mit seiner typischen Wollsackverwitterung.

Oberpfälzer Becken
Alleine die drei unterschiedlichen Gebirgszüge bringen schon eine enorme Vielfalt in den Gesteinen und damit auch Erscheinungsformen von Felsen oder auch Höhlen mit sich. Eine Besonderheit der Region ist jedoch das Oberpfälzer Becken, das in Nord-Südrichtung zwischen den drei Mittelgebirgen verläuft und praktisch ein tieferliegendes, riesiges Tal bildet.
Genau an dieser Stelle treten nämlich Störlinien auf, auch Verwerfungslinien genannt, die durch die Plattenverschiebungen der Kontinente entstanden sind. Das sind geologisch sichtbare Brüche in der Erdkruste, die durch tektonische Kräfte entstanden sind. Diese unglaublich hohen Kräfte haben ganze Gesteinsschichten verschoben oder versetzt. Manchmal sind das nur wenige Zentimeter, manchmal aber auch viele Kilometer.
Vulkanismus in der Oberpfalz
Hier im Oberpfälzer Becken wurde das Grundgebirge angehoben, sodass Geologen heute vor allem im nördlichen Bereich unzählige Bruchschollen vorfinden, deren Zusammensetzung vielfältige Informationen über ihre Herkunft und Entstehung liefert. Für das heutige Aussehen der mittleren Oberpfalz ist jedoch ein sekundäres Phänomen prägend. Denn durch die Verschiebungen im Grundgestein konnte Magma aus dem flüssigen Erdinneren nach oben steigen, sodass wir hier auf Spuren von Vulkanismus treffen.
Zwar gab es hier im Norden der heutigen Oberpfalz keine verheerenden Vulkanausbrüche, wie wir es vom Äthna oder dem Vesuv aus Italien kennen, etwas ganz Besonderes ist trotzdem zurückgeblieben. Denn dieses flüssige Gestein ist im Schlot erstarrt, ohne an die Oberfläche zu gelangen. Nach Jahrtausendelanger Erosion ist dieser harte Basalt nun an die Oberfläche gelangt und als Basaltkegel weithin sichtbar. Zu diesen Vulkanschloten in der Oberpfalz gehören beispielsweise der Rauhe Kulm und der Hohe Parkstein.
Mehr dazu beim LfU Bayern

GEOTOPE NACH REGION
Landkreis Amberg-Sulzbach – Landkreis Cham – Landkreis Neumarkt – Landkreis Neustadt a.d. Waldnaab – Landkreis Regensburg – Landkreis Schwandorf – Landkreis Tirschenreuth – Weiden
Alle Geotope in der Oberpfalz auf einen Blick
Die schönsten Geotope im Landkreis Amberg-Sulzbach
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Kalmusfelsen + Zuckerhut Illschwang
Illschwang – Sulzbacher Bergland (Oberpfälzer Jura)

Das Sulzbacher Bergland bei Illschwang scheint auf den ersten Blick recht unscheinbar. Eine hügelige Landschaft mit bewaldeten Berghängen und kleinen Dörfern dazwischen. Doch taucht man in den Wald ein und schaut sich um, so findet man hier doch unzählige sagenhafte Felsformationen wie die benachbarten Felsen Zuckerhut und Kalmusfelsen aus Kalkgestein, wie sie typisch für die Fränkische Alb sind, auch wenn sie hier nur noch in ihren Ausläufern vorkommt. Beide genannten Felsen stehen in der Liste der Geotope in der Oberpfalz.
KULTURHISTORISCHE HÖHLENWANDERUNG ILLSCHWANG
Details
- Start/Ziel: Wanderparkplatz an der Feuerwehr in Illschwang
- Länge: 5 km
- Dauer: 1,5 Stunden
- Markierung: Nr. 8
- Anstieg: 258 m
- Schwierigkeitsgrad: mäßig (bis auf ein paar steile Stellen)bei Schnee und Nässe schwer begehbar
- Kinderwagen-/Buggy-geeignet: nein
Die schönsten Geotope im Landkreis Neumarkt i.d. Oberpfalz
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Dolomite am Burgberg Burg Velburg
Velburg – Fränkische Alb

Velburg im Landkreis Neumarkt befindet sich aus geologischer Sicht noch immer in der Fränkischen Alb. Und deshalb sind die Felsformationen auch hier in der Regel aus Sandstein und anderen kalkhaltigen Gesteinen geschaffen. Dazu gehört auch das Felsmassiv, auf dem sich einst die stattliche Burg Velburg befand. Noch bis heute sind Reste der damaligen Wehranlage zu bestaunen. Ihr solltet euren Blick aber nicht nur auf die Ruine lenken, sondern auch die felsigen Bergflanken ein wenig genauer betrachten, denn direkt unterhalb der Burg befindet sich eine größere, freiliegende Wand aus Dolomitgestein, in der die Schwammstrukturen aus dem Malm Delta besonders gut erkennbar sind.
Details
- Start/Ziel: Wanderparkplatz der Burgruine Velburg (Burgstraße)
- Markierung: keine einheitliche
- Länge: 5 km
- Dauer: 1,5 Stunden
- für Kinderwagen/Buggy geeignet: nein
- Aufstieg: 342 m
- Schwierigkeitsgrad: mittel (kleine Abschnitte schwierig)
Die schönsten Geotope im Landkreis Neustadt an der Waldnaab
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Schlossberg Flossenbürg
Flossenbürg – Oberpfälzer Wald

Der Granitgipfel des Schlossberges in Flossenbürg ist etwas Einzigartiges. Denn er gehört zu den seltenen Exfoliationsdomen weltweit und ist der einzige in ganz Europa. Exfoliation ist ein Prozess, der beim Aufsteigen von Tiefengestein abläuft. Das außen liegende Gestein wird dabei zur Druckentlastung kugelschalig abgespalten, sodass die schalenartigen Elemente wie Zwiebelschalen aufgebaut sind. Entdeckt hat man diese zwiebelartige Bankung erst durch den Abbau des Granits in einem Steinbruch auf der Rückseite des Schlossberges. Glücklicherweise hat man daraufhin den Berg unter Schutz gestellt und den Steinbruch stillgelegt. So können wir noch heute diese Besonderheit, die die Natur geschaffen hat, bewundern.
Details
- Start/Ziel: Parkplatz vor der KZ-Gedenkstätte, Birkenstraße (nähe Hsnr. 21)
- Distanz: 5,5 km
- Dauer: 2 Stunden (ohne Besichtigungen der Ruine und Gedenkstätte)
- Schwierigkgeit: mäßig
- Markierung: Weg des Granits
- Anstieg: 160 m
- nicht für Kinderwagen/Buggy geeignet
- Gedenkstätte: barrierearm
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Felsenkeller Hoher Parkstein
Parkstein – obermainisch-oberpfälzisches Bruchschollenland

Einer der am besten erhaltenen ehemaligen Vulkankegel in der Oberpfalz ist sicherlich der Hohe Parkstein, an dessen Flanken sich immer noch meterlange Basaltsäulen aneinanderreihen und ihm damit ein syrreales Aussehen verleihen. Doch kaum jemand wusste bis zum Mittelalter, wie es in dem Berg aussah. Wahrscheinlich hat man die Felsenkeller als tiefe Stollen in der Zeit in den Berg getrieben, als dort auf dem Gipfel ab dem 11. Jahrhundert eine Burg stand, um sie als Lagerraum und Kühlraum für Bier und Lebensmittel zu nutzen.
Allerdings hat man sie erst jüngst wieder entdeckt und ausgeräumt. Heute bieten die Felsenkeller einen Einblick in die Brekzie des Vulkanschlots. Dieses Trümmergemisch enthält metergroße Blöcke mit hellen Gesteinseinschlüssen in dem sonst dunklen Gestein. Der Markt Parkstein hat die Felsenkeller nach ihrere Sanierung nun für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
- tagsüber frei zugänglich
- Eintritt frei
- Eingang neben dem Kapuzinerhaus in der Kapuzinergasse
Details
- Start/Ziel: Wanderparkplatz am Vulkankegel, Basaltstraße, Parkstein
- Länge: 9 km
- Dauer: 2,5 Stunden
- Schwierigkeit: leicht
- Markierung: Ringweg 1
- Höhenunterschied: 265 m
- Kinderwagen/Buggy-geeignet: ja (geländetauglich)
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Wolfslohklamm im Lerautal
Leuchtenberg – Oberpfälzer Wald/Gebirgsvorland

Hinter Sargmühle tritt der nur etwa 10 Kilometer lange Leraubach nördlich von Leuchtenberg in ein nahezu geschlossenes Waldgebiet ein. Nur knapp 400 Meter weiter hat der Bach im Laufe der Zeit das harte Granitgestein besiegt und ein enges Durchsbruchtal geschaffen: die Wolfslohklamm. Zwar ist die Wolfslohklamm nicht mit den berühmten Klammen in den Alpen zu vergleichen, dennoch hat sie etwas wildes und bezauberndes. Und sie hat wohl auch ihren Anteil daran, dass bei der Wahl zum schönsten Waldgebiet in Deutschland, die die Heinz-Sielmann-Stifung zusammen mit der EUROPARC Federation ausgeschrieben hat, das Lerautal gleich einmal den zweiten Platz eingenommen hat.
WANDERWEG NR. 1 DURCH DAS LERAUTAL BEI LEUCHTENBERG
Details
- Start/Ziel: Parkplatz an der Burg (Hinter der Burg/Hackergasse)
- Alternativer Start: Wanderparkplatz an der B22
- Länge: 5,7 km
- Dauer: 2 Stunden
- Markierung: Wanderweg 1 (schwarze 1 auf rotem Grund)
- Schwierigkeit: mittel
- Höhendifferenz: 135 m
- für Kinderwagen/Buggy geeignet: nein
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Felsenkeller am Rauhen Kulm
Neustadt am Kulm – oberpfälzisches Bruchschollenland

Auch der Rauhe Kulm hat seine Unterwelten. Wie am Hohen Parkstein hat man hier am Ortsrand von Neustadt am Kulm in früherer Zeit tiefe Stollen in die Steilstufe des Unteren Burgsandstein gegraben, um darin Vorräte wie Bier, Gemüse und Kartoffeln unter den stetig kühlen Bedingungen zu lagern. Am Sandberg ist einer dieser Felsenkeller mit einer Beleuchtung versehen worden und seitdem für Besucher zugänglich. Zwar ist der Eingangsbereich ausgemauert, den hinteren Teil bilden jedoch die nackten Felswände, in denen Sedimente in einer schrägen Schichtung eingelagert sind. In mehrfacher Hinsicht ein absolutes Highlight in der Region.
Details
- Start/Ziel: Parkplatz am Ende der Rauher-Kulm-Straße
- Distanz: 6,7 km
- Dauer: 2,5 Stunden
- Schwierigkeit: bis auf den Aufstieg/Abstieg Blockhalde leicht, auf der Blockhalde ist gute Trittsicherheit gefragt
- Markierung 1: Ringsteig
- Markierung 2: Ringsteig
- Markierung 3: Jägersteig
- Anstieg: 187 m
- für Kinderwagen/Buggy geeignet: nein

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Granit-Bachlauf Doost
Floß – Oberpfälzer Wald

Als hätte ein Riese oder gar der Teufel selbst riesige abgerundete Granitblöcke von bis zu mehreren Metern Durchmesser ins Flussbett der Girnitz geworfen, so erscheint die malerische Landschaft im Naturschutzgebiet Doost nur ein paar Hundert Meter vom Gollwitzerhof, einem Ortsteil von Floß im Landkreis Neustadt a.d. Waldnaab, entfernt. Hier und da sind die Findlinge in dem Blockmeer übereinander getürmt, sodass man von der Girnitz selbst nichts mehr sieht, weil sie darunter hinwegfließt. Diese Granitblöcke sind nicht etwa vom Bach hierhertransportiert worden, sondern waren schon viel früher hier. Sie sind in ihrer typischen Wollsackverwitterung zerklüftet und die Girnitz hat lediglich im Laufe der Zeit das umüllende Sedimentmaterial fortgespült.
ALLE INFOS ZUM FINDLINGSWEG FLOSS
Details
- Start/Ziel: Wanderparkplatz am Gollwitzerhof (Weiher)
- Länge: 6,0 km
- Dauer: 2 Stunden
- Markierung: Findlingsweg (grünes F auf einem Findling)
- Schwierigkeitsgrad: mäßig
- Anstieg: 152 m
- für Kinderwagen/Buggy geeignet: nein (Abstieg zum Doost ist nur ein Trampelpfad)
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Gipfel des Schellenbergs
Georgenberg – Oberpfälzer Wald

Fast an der Grenze zu Tschechien nahe der Ortschaft Waldkirch, einem Ortsteil von Georgenberg, befindet sich der Schellenberg. Sein Gipfel ist aus mehreren Felsburgen zusammengesetzt, der aus grobkörnigen Flossenbürger Granit besteht. Diese Felsburgen sind ein Paradebeispiel für die Wollsackverwitterung, denn die Granitblöcke sind in ihre typischen horizontal und vertikal Teilblöcke gespalten. Sind die Überreste eher rundlich geformt, spricht man von Wollsäcken, sind sie flacher, nennt man sie auch Matratzen. Auf zwei der Klippen befinden sich die Reste der ehemaligen Burganlage, damals noch Lug ins Land genannt, die durch eine Holzbrücke miteinander verbunden sind. Auf einem der Felsentürme befindet sich heute ein Aussichtsturm.
VON DER RUINE SCHELLENBERG ZUM AUSSICHTSTURM HAVRAN
Details
- Start/Ziel: Wanderparkplatz Planer Höhe an der St2154 zw. Waldkirch und Georgenberg
- Länge: 9 km
- Dauer: 3 bis 3,5 Stunden
- Markierung 1: Wanderweg 2 (und Nurtschweg)
- Markierung 2 (Abstecher zum Aussichtsturm): Wanderweg 1
- Schwierigkeit: mittel
- Höhendifferenz: 245 m
- für Kinderwagen/Buggy geeignet: nein
Die schönsten Geotope im Landkreis Tirschenreuth
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Hackelsteingipfel
Fuchsmühl – Steinwald/Südliches Fichtelgebirge

Wüsste man es nicht besser, könnte man glatt glauben, es handele sich beim Hackelstein im Wald nahe der Ortschaft Fuchsmühl um die Ruine einer ehemaligen Burg. Dabei sind die Felsen nicht von Menschenhand so arrangiert worden, sondern von der Natur selbst. Hier handelt es sich um eine Felsburg aus sogenanntem Steinwald-Granit, der charakteristisch für die Region ist. Der Hackelstein ist nicht nur ein beliebtes Ausflugs- und Wanderziel, sondern auch ein würdevoller Schauplatz für die Waldweihnacht. Alle 10 Jahre findet hier auch das Festspiel zur berühmten Holzschlacht vor rund 125 Jahren statt, bei der sich die Dorfbewohner ihr vom Landesherrn verweigerte Klafterholz einforderten und sich deshalb mit dem 6. Infanterieregiment aus Amberg anlegen mussten.
RUNDWEG VON FUCHSMÜHL ZUM HACKELSTEIN
Details
- Start/Ziel: Wanderparkplatz Kapelle Maria Frieden, Fuchsmühl (Nähe Steinwaldstraße 43)
- Länge: 3,3 km
- Dauer: 1,5 Stunden
- Markierung: R (plus roter Fuchs)
- Anstieg: 142 m
- Schwierigkeitsgrad: mäßig (langer, mäßiger Anstieg)
- Kinderwagen/Buggy-tauglich: ja (allerdings eingeschränkt: auf dem Rückweg unserer Tour hinauf und hinab)















