BOTANISCHER GARTEN HOF

Ganz im nordöstlichsen Eck von Bayern, im schönen Oberfranken liegt die Stadt Hof an der Saale. Mitten drin: der Bürgerpark Theresienstein. Doch das wahre Juwel am Theresienstein ist sicherlich einer der schönsten blühenden Keinode in Deutschland: der Botanische Garten. Ein Magnet für Bienen und andere Insekten – und sicherlich auch für Besucher, die es blütenprächtig und duftintensiv mögen, aber auch den stillen Schattenschönheiten und Überlebenskünstlern unwirtlicher Steinlandschaften Aufmerksamkeit schenken.

Öffnungszeiten und Eintrittspreise

Fast 100 Jahre Geschichte – Botanischer Garten Hof

Manche meinen, es sei ein Phänomen der Neuzeit, dass Kinder mit der Natur so wenig anzufangen wissen und auf der Wiese nach der lila Milka-Kuh suchen. Schaut man in der Geschichte zurück, war das vor weit über einhundert Jahren anscheindend nicht anders. Und weil damals schon die Lehrer in Hof daran verzweifelten, wollten sie unbedingt einen Schulgarten anlegen.

Was soll ich sagen, die Mühlen mahlen bei den Behörden recht langsam. Deshalb dauerte es schlappe 30 Jahre, bis dann die Stadt endlich entsprechende Grundstücke am Theresienstein kaufte und mit den Arbeiten am Teich und dem Rosarium begann.

Eine Oase mitten in der Stadt: Botanischer Garten Hof

Der erste im Bunde – Schöpfergeschichte

Der Stadtgärtner, Rudolf Hutschenreiter, nahm sich der Aufgabe an und entwickelte den ursprünglich angedachten Schulgarten schließlich zu einem Botanischen Garten. Als der Zweite Weltkrieg ausbrach und die Menschen Hunger litten, dachte man zum Verhängnis der wunderbaren Blumen in den Beeten eher praktisch und baute fast nur noch Gemüse statt Rosen an. Dort, wo noch Zierpflanzen standen, verwilderten die Beete zusehends.

Schon gleich am Eingang blüht und grünt es üppig im Botanischen Garten Hof

Von Blumenkohl bis Rosen – Blütenparadies am Theresienstein

Eine völlig neue Ära brach mit dem neuen Stadtgärtner Hermann Fuchs an. Von 1958 an verhalf er dem Garten zu nie dagewesener Blütenpracht. Fast ein halbes Jahrhundert wirkte der Stadtgärtner hier, und seine Handschrift ist heute noch unverkennbar. Bei der Gestaltung ging es nicht nur um Schönheit. Mit seinem Fachwissen füllte Fuchs zahlreiche Bücher, die auch heute noch als Standardwerke der Botanik gelten.

Aller guten Dinge sind drei – der Botanische Garten heute

Seit 1998 führt nun Christoph Ruby die Arbeit von Fuchs und Hutschenreiter als verantwortlicher Gärtner weiter. Und auch er bringt seine eigenen Ideen in die Gestaltung der einzelnen Anlagen ein, die den Botanischen Garten heute so maßgeblich gestalten.

So sind ihm die wunderschönen, intimen Felsspaltengärten zu verdanken, die wir heute überall im Botanischen Garten finden. Damit die Pflanzen wie in ihrer natürlichen Umgebung gedeihen können, ist das spezielle Klima rings um Hof sehr hilfreich.

Denn für viele Pflanzen ist die starke Temperaturabkühlung in der Nacht hier im Bürgergarten Hof besonders förderlich. Und genau deshalb wachsen und gedeihen sie hier im Norden Bayerns ebenso gut wie in ihrer ursprünglichen Heimat.

Ein Markenzeichen des Botanischen Garten Hof: die Stein- und Felsengärten

Bayerische Nationalfarben im Beet

Unter einem riesigen, knorrigen Wacholderbusch entsteht im Sommer ein wunderschönes Zusammenspiel aus den Farben Weiß und Blau. Hier tummeln sich weiße und blaue (ok, vielleicht ein wenig lila-stichige) Polsterpflanzen neben passenden Zwiebelpflanzen im Beet. Der Wacholder ist zwar ein Nadelgehölz, allerdings bildet er keine holzigen Zapfen, wie seine Verwandten, die Fichte oder Tanne. Die Köche unter euch kennen sie bestimmt: die Wacholderbeeren. Richtige Beeren sind es allerdings auch nicht. Man nennt die Früchte Beerenzapfen.

Und natürlich dürfen auch üppige Rosenbeete im Botanischen Garten nicht fehlen

Was wäre ein Garten ohne Stauden?

So richtig zum Leuchten bringen natürlich Stauden Parks und Gärten. Und deshalb dürfen sie im Botanischen Garten in Hof nicht fehlen. Neben den vielen Beeten mit hohen, mittelhohen oder bodendeckenden Blühpflanzen, muss es hier und da ein wenig mehr sein. Eine kleine Blüte hier, eine weitere dort – das hat ja jeder Garten. Und genau deshalb wird hier in Hof an der Saale nicht gespart. Zwischendrin müssen es Prachtstauden sein, denn wie der Name schon sagt, sind diese Stauden besonders farbenprächtig und auffällig dekorativ.

Ein Traumpaar im Beet: Der Lavendel hält die Rosen frei von Blattläusen

Und was darf auf keinen Fall in einem Garten fehlen, egal, ob königlicher Park oder privater Bauerngarten? Natürlich: Rosen. Die Königin der Blumen ziert auch hier im Botanischen Garten in unzähligen Variationen die Beete mit ihren Blüten, die zwischen Frühsommer und Herbst unermütlich die Besucher bezaubern.

Farbe für den Schatten

Völlig unteschätzt sind die vielen hübschen Schattenstauden, die weniger mit einer farbenprächtigen Blütenpracht, sondern vielmehr mit einem form- und farbschönen Blattschmuck für harmonische Blickpunkte an dunkleren Orten im Garten sorgen. Denn öd und schmucklos muss es auch unter hohen Bäumen oder neben Mauern nicht sein.

Die Natur hat für jeden Standort etwas parat. Künstler, die sich mit trockenen, nassen, sonnigen oder auch eben eher lichtabgewandten Stellen in Wald und Wiese arrangiert haben.

Von Farnen über Funkien und Seggen bis hin zu Purpurglöckchen finden sich unter den schattenspendenden Bäumen und Sträuchern viele der heimischen Bodendecker und Gräser, die auch in unseren heimischen Gärten so beliebt sind.

Garten-Pavillon im Jugendstil-Ambiente

Unter einen Mammutbaum lugt die Nailahütte hervor

Dass der Pavillon im Botanischen Garten Theresienstein schon einhundert Jahre auf dem Buckel hat, sieht man ihm nicht an. Wohl aber die Epoche, aus der er stammt. Der Jugendstil-Pavillon unter dem Mammutbaum wurde damals – noch lange, lange vor der Zeit von Hornbach und Obi – als Selbstbausatz in ganz Deutschland vertrieben. Allerdings dürften heute von ihm nicht mehr viele Exemplare existieren. Dieses hier ist ein Geschenk an den Botanischen Garten von einer Familie aus dem benachbarten Ort Naila. Daher stammt auch der Spitzname des Pavillons: Nailahütte.

Je nach Jahreszeit blühen die unterschiedlichsten Stauden und Zwiebelpflanzen

Lernen, staunen und entspannen – Botanischer Garten Hof

Der eine oder andere Besucher kommt in den Botanischen Garten, um ein Viertelstündchen zu entspannen. Wer aber mehr Zeit mitbringt, kann ganze 32 teils völlig unterschiedliche Quartiere für Blumen, Kräuter, Bäume und Sträucher bewundern und so manch Wissenswertes erfahren. Die Gärtner haben in mühevoller Kleinarbeit Tonnen von Gestein und Erde herangeschleppt, um Landschaften einmal rund um die Welt nachzubauen. Etwa die Hälfte all dieser Landschaften ist aus Steinbrocken aufgebaut. Und die stammen fast ausschließlich aus der direkten Umgebung von Hof.

Der Frosch-Brunnen ist dem ersten Gärtner des Botanischen Gartens gewidmet

Blumenmosaik im jahreszeitlichen Wechsel

Zweimal im Jahr zaubern die Gärtner im Botanische Garten Hof ein neues Mosaik aus geometrischen Mustern auf das Paradebeet. Zu Beginn der Blumensaison schmücken farbenfrohe Frühlingsblüher wie Tulpen und Narzissen die Beete.

Jedes Jahr lassen sich die Gärtner zweimal etwas Neues fürs Beet einfallen

Ende Mai wird dann das Spektrum neu gemischt, damit die Sommerblüher noch einmal alles in neuem Glanz erstrahlen lassen können, bis dann schließlich die Nächte länger und kälter werden und der Botanische Garten in Hof in den Winterschlaf fällt.

Der Heilpflanzengarten

Wer kennt sie nicht, die stark duftenden Pflanzen, die für das eine oder andere Wehwehchen schon vor hunderten von Jahren in Klostergärten angepflanzt wurden. Schon früh erkannten die Menschen die heilsame Wirkung bestimmter Pflanzen. Neben den Mönchen und Nonnen auch weltliche Damen, sogenannte Kräuterfrauen, die im finsteren Mittelalter – aber auch noch bis ins 18. Jahrhundert – von den Inquisitoren als Hexen hingerichtet wurden.

Wo heute der Heilpflanzengarten liegt, war früher der Schulgarten der Hauswirtschaftsschule angelegt. Die fleißigen Mädel bauten Gemüse für das Krankenhaus und das Altersheim an. Und ab und zu durften sie natürlich auch etwas von ihrer Ernte mit nach Hause nehmen.

Der Heilpflanzengarten gehört zu den jüngsten Errungenschaften des Botanischen Gartens am Theresienstein. Erst 2001 wurde die Abteilung eingeweiht. Seit 2004 ist auch ein Beet mit Pflanzen von Hildegard von Bingen, der berühmten Äbtissin im Kloster Ruppertsberg in Bingen am Rhein, zu finden. Hildegard war nicht nur als Dichterin und Komponistin bekannt, sondern ist auch heute noch bei Botanikern ein Begriff für natur- und heilkundliche Schriften.

Das Matterhorn im Botanischen Garten Hof?

Nein, natürlich steht hier in Hof nicht das echte Matterhorn. Der markante Berg hat seinen Platz in den Walliser Alpen nicht verlassen. Hier im Botanischen Garten protzt sein kleiner Bruder aus Granit mit stattlichen 19 Tonnen Gewicht auf dem sandigen Erdreich. Er wurde zum 70-jährigen Jubiläum vom Förderverein gestiftet und trägt den Spitznamen Große Toblerone. Warum wohl?

Die wichtigsten Infos auf einen Blick

Adresse

Botanischer Garten Hof

Alte Plauener Str. 16
95028 Hof/Saale

Öffnungszeiten

  • April bis August: 8:00 bis 20:00 Uhr
  • September + Oktober: 8:00 bis Einbruch der Dunkelheit
  • November bis März: geschlossen
  • Hunde dürfen angeleint mitgenommen werden

Eintrittspreise

  • Eintritt frei
Wasserspiele im Botanischen Garten Hof/Saale

Anfahrt: Wie komme ich zum Botanischen Garten in Hof?

Nach Hof kommt ihr über die A9 Nürnberg/Berlin. Nehmt die Ausfahrt 34 und haltet euch auf der B15 immer Richtung Hof. In Hof haltet ihr euch immer Richtung Plauen. Ab der Ortsmitte ist der Bürgerpark Theresienstein ausgeschildert (auf der B173 halten, dann kommt ihr automatisch auf die Plauener Straße direkt am Theresienstein).

Parken

An der Plauener Str. in Hof befindet sich ein kostenloser Großparkplatz, von dem aus ihr etwa fünf Minuten bis zum Botanischen Garten lauft. Wenn ihr vom Parkplatz aus Richtung Krematorium/Friedhof auf der anderen Straßenseite blickt, geht ein kleines Stück nach links (stadteinwärts). Direkt hinter dem Parkplatz geht am Gasthaus Deutsche Flotte ein Weg nach links ab. Wenn ihr an der nächsten Abzweigung wieder links geht, seid ihr auf der Alten Plauener Straße. Hier befindet sich nach guten 200 m der Eingang zum Botanischen Garten auf der rechten Seite.

Vom Zoo in Hof (hier befindet sich ebenfalls ein Parkplatz) müsst ihr nur die Alte Plauener Str. ein Stück stadteinwärts laufen (vom Eingang aus links), dann kommt ihr automatisch zum Botanischen Garten.

Unter der Woche ist fast nichts los auf dem Parkplatz, am Wochenende kann es voll werden

Fazit

Wer im Bürgerpark Theresienstein unterwegs ist oder auch einen entspannten Tag in Hof an der Saale plant, sollte unbedingt auch den Botanischen Garten besuchen. Überall gibt es etwas Wunderbares zu entdecken. Auf den vielen Teilflächen sind unterschiedliche Standorte für Pflanzen auf der ganzen Welt gestaltet. Und so einiges über die Pflanzen zu erfahren gibt es auch.



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