Wildnispfad Lieberose (Brandenburg)

Von der kargen Gletscherlandschaft über einen Truppenübungsplatz zum Urwald von morgen

Der Hektik des Alltags entfliehen und für ein paar Stunden in den Zauber einer ganz besonderen Natur eintauchen. Am Bergsee und an Mooren entlangwandern, durch die Wälder streifen. Am Rand der Lieberoser Heide, nur knappe 20 Kilometer von Cottbus entfernt, dürfen sich Flächen der Stiftung Naturlandschaften Brandenburg zur Wildnis entwickeln. Vieles, was ihr hier auf dem Wildnispfad Lieberose in der brandenburgischen Niederlausitz zu sehen bekommt, ist eine echte Rarität im Tier- und Pflanzenreich.

Die Details zur Tour findet ihr weiter unten (Wanderkarte, GPS-Daten …)

Parkplatz Bergsee >>> Bergsee >>> Ugringsee >>> Großer Ziestesee >>> alte Poststraße >>> Butzener Bagen >>> Parkplatz Bergsee

Wegweiser ist der seltene Mittelspecht, der hier eine neue Heimat gefunden hat

Größter Truppenübungsplatz der DDR

Das Gebiet südlich von Lieberose war schon immer sehr spärlich besiedelt. Im Osten der Lieberoser Hochfläche begannen die Nationalsozialisten, ein militärisches Übungsgebiet aufzubauen, das nach 1945 von der Roten Armee genutzt wurde. Bis Mitte der 1990er Jahre war dieser Truppenübungsplatz mit gigantischen Ausmaßen von 28 mal 12 Kilometer der größte in der DDR. Im Kalten Krieg fanden hier gewaltige Manöver des Warschauer Paktes statt.

Blick vom Wildnispfad auf den Bergsee bei Butzen in der Lieberoser Heide

Lieberoser Heide – Naturlandschaften Brandenburg

Heute darf sich auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz die Natur wieder zu einer Wildnis entwickeln. Von den über 25.000 Hektar gehören heute 3.150 Hektar der Stiftung Naturlandschaften Brandenburg und dürfen sich – nachdem die Wege von gefährlichen Überresten befreit wurden – nahezu völlig ohne Einfluss des Menschen entwickeln.

Die Flächen der Stiftung in der brandenburgischen Niederlausitz lassen schon jetzt erahnen, wie der Urwald von morgen vielleicht aussehen könnte. Die Wanderung auf dem Wildnispfad Lieberose führt durch ausgedehnte Wälder, vorbei an Seen und Mooren. Abwechslungsreich, naturnah und ein echter Wandergenuss: ein Geheimtipp unter allen Wanderern, die ihre Augen und Herzen offenhalten, um die wahren Schätze der Natur im Verborgenen zu entdecken.

Der sandige Untergrund ist perfekt, um Spuren von Wildtieren abzubilden

Neben dem Teilgebiet, durch das der Wildnispfad führt, gehören auch der Sukzessionspark Lieberose sowie die Lieberoser Wüste, einem etwa fünf Quadratkilometer großen sandigen Offenfläche, zu dem heute geschützten Gebieten in der Lieberoser Heide, die zu den absoluten Natur-Raritäten in Deutschland zählen. Die eigentliche Wüste ist Totalreservat und darf nicht betreten werden.

Landschaftsformen aus der letzten Eiszeit

Die Landschaften in der Lieberoser Heide und ganz Brandenburg sind noch von der letzten Eiszeit geprägt. Vor rund 15.000 Jahren schob sich ein beeindruckender Gletscher von Norden her bis in die Lieberoser Heide. In der Moränenlandschaft aus Abflussrinnen und Schmelzwasserseen liegen heute Kiefernwälder und weite Sandheiden. Mittendrin immer wieder Inseln aus Laubmischwäldern, die vielen Tieren und Pflanzen einen perfekten Lebensraum bieten.

Auch sie zählt zu den Raritäten im Moor: die Gemeine Keiljungfer

Moorfrosch, Wolf und Mittelspecht

Hier am Rande des Spreewaldes haben seltene Vögel wie Seeadler, Eisvogel und Wanderfalken eine Heimat gefunden. Und weil im Wald auch der seltene Mittelspecht anzutreffen ist, hat man ihn gleich zum Wegbegleiter auf dem Wildnispfad Lieberose auserkoren. Er ist es, den ihr überall auf den Wegweisern abgebildet seht.

Vor einiger Zeit hat sich ein Wolfsrudel in der Lieberoser Heide niedergelassen. Aus östlichen Gebieten kommen immer mal wieder Elche zu Besuch. Fischotter gleiten auf der Suche nach einem Leckerbissen durch die Seen.

Noch sind die Überbleibsel des Truppenübungsplatzes überall erkennbar

In Sachen Flora ist hier auch so einiges los. Gefährdete Arten wie der Sonnentau und die Wasserfeder wachsen in den Lieberoser Mooren. Wenn ihr über den Wildnispfad wandert, werdet ihr zwar nicht alle diese Tiere und Pflanzen zu Gesicht bekommen, dennoch bekommt ihr einen guten Überblick, was entstehende Wildnis tatsächlich bedeutet. Also haltet unbedingt die Augen offen, man weiß ja nie …

Moore in der Lieberoser Heide

Still sind sie und geheimnisvoll. Für viele Menschen immer noch unheimlich bilden Moore einen einzigartigen Lebensraum für sehr seltene Pflanzen und auch Tiere. Der Entstehungsprozess eines Moores ist extrem langwierig. Nur dann, wenn ausreichend Feuchtigkeit vorhanden ist, können die Torfmoose an der Wasseroberfläche wachsen. Und da sich nur ein Millimeter Torf pro Jahr bildet, sind die Moore in der Lieberoser Heide, die an die acht Meter mächtig sind, rund 8.000 Jahre alt.

Auf dem feuchten Untergrund wachsen Moorbirken am Bergsee

Butzener Bagen

Vom eigentlichen Moor ist im Butzener Bagen nicht viel zu sehen, da es von einem sogenannten Bruchwald umschlossen ist. Der Name Bagen stammt von dem Sorbischen und bedeutet Feuchtgebiet. Der Butzener Bagen ist knapp 30 Hektar groß und zählt zu den wertvollsten Mooren in Brandenburg.

Rund um den Bergsee verläuft ein schmaler Wanderpfad entlang des Ufers

Bergsee in der Niederlausitz

Sein Wasser erhält das Moor Butzener Bagen sowohl vom Bergsee als auch aus der direkten Umgebung. Früher war der Bergsee nur ein kleiner Bach, bis er in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts künstlich aufgestaut und zu einem See wurde.

Ein Graben entwässerte das Gebiet für viele Jahre, bis es fast trockenfiel und damit viele seiner wichtigen Funktionen verlor. Erst im Jahr 2006 schloss man den Abfluss wieder. Seitdem erholt sich das Moor und wächst langsam wieder. Die zu Trockenzeiten gewachsenen Bäume sind nicht alle auch im Wasser überlebensfähig und sterben deshalb zu einem Teil ab.

Das sieht zwar nicht schön aus, bietet jedoch einen perfekten Lebensraum für alle Tiere, die sich auf Totholz spezialisiert haben. Seit 2012 trifft man jetzt erstmals wieder Mittelspechte als Brutvögel hier am Bergsee in der Lieberoser Heide an und hat den seltenen Bewohner gleich zum Maskottchen für den Wildnispfad auserkoren.

Auf einem schmalen Trampelpfad geht es um den Bergsee herum

Ein Zaun in der Wildnis?

Wer den Zaun direkt auf der anderen Seite des Bergsees entdeckt, mag überrascht sein. Diese Gatter haben jedoch eine wichtige Funktion. Denn dass hier überwiegend Nadelbäume wachsen, ist ein Ergebnis der Nutzung durch den Menschen. Ohne Eingreifen würden hier normalerweise Laubmischwälder mit Eichen, Buchen und Ahorn dominieren.

Im natürlichen Prozess würde sich der Nadelwald im Laufe der Zeit wieder in einen solchen Mischwald zurückentwickeln. Leider haben die jungen Laubbäume bei den Rehen einen besonders hohen Stellenwert, denn die zarten Triebe schmecken wohl besonders gut. Und deshalb haben sie ohne einen Zaun, der sie vor dem Verbiss der Rehe schützt, keine Chance, zu überleben.

Innerhalb dieser Gatter werden jedoch keine Laubbäume von Menschenhand gepflanzt. Alles, was dort wächst, ist von der Natur selbst bestimmt. Man nennt diesen Prozess eine Naturverjüngung. Diese Zellen der Naturverjüngung am Wildnispfad sind klein und über das gesamte Gebiet verstreut. Sie sollen später als Keimzellen dienen und für die bessere Ausbreitung von Laubbaumarten dienen.

Das Gatter hier stammt aus dem Jahr 2010. Wer genau hinsieht, wird erstaunt sein, welche Erfolge sich schon jetzt verzeichnen lassen. Es ist geplant, die ersten Umzäunungen schon in wenigen Jahren wieder zu entfernen. Dann sind die Bäume groß genug, dass Rehe keine Gefahr mehr darstellen.

Ugringsee

Der Ugringsee ist ein sogenannter Klarwassersee, der sich in einer Abflussrinne aus der Eiszeit gebildet hat. Angeblich ist er an die 60 Meter tief. An seinen Ufern kommen zahlreiche Libellen vor, darunter die gefährdete Gemeine Keiljungfer.

Mit all den Gewässer in der Endmoräne gibt es jedoch ein kleines Problem: ihr Wasserstand geht zurück. Ob das auf den Klimawandel, den Kohleabbau im Süden oder Schwankungen im Schichtwasser zurückzuführen ist, weiß man nicht. Zwar sind Schwankungen bei der Wasserhöhe bereits von früheren Generationen berichtet worden, in den 1990er Jahren nahm der Rückgang jedoch beängstigende Ausmaße an.

Um das Schlimmste zu verhindern, startete 2006 ein Projekt, bei dem beispielsweise die Nadelbäume am Ufer entfernt wurden, damit sich wieder ein natürlicher Schilfgürtel ausbilden kann. Die Gräben wurden verschlossen, damit das Wasser nicht mehr irgendwo anders abfließt oder versickert. Nun besteht Hoffnung, dass sich das Gebiet ohne weitere Eingriffe von alleine erholen kann.

Der Große Ziestesee ist durch die Bäume fast nicht zu erkennen

Großer Ziestesee

Auch der Name des Ziestesees stammt aus dem Sorbischen und bedeutet klarer See. Mit an die 16 Meter Tiefe gehört der Große Ziestesee zu den tieferen Seen im Lieberoser Endmoräne Naturschutzgebiet. Rings um das geschwungene Relief des Sees wachsen auf den Höhenzügen Wälder und versperren die Sicht aufs Wasser. Teilweise finden sich aber auch herrliche Ausblicke, so wie an der Stelle mit der Informationstafel.

Wenn ihr euch schon gefragt haben solltet, woher ringsum überall diese seltsamen Vertiefungen mit Wällen an der Seite herkommen: Das sind ehemalige Panzerstellungen, deren Spuren wahrscheinlich noch für Jahrzehnte oder Jahrhunderte zu sehen sind.

Wandern auf dem Wildnispfad Lieberose

Wir starten die Wanderung am Wanderparkplatz Bergsee und folgen gleich an der nächsten Abzweigung dem Wegweiser Bergsee-Rundweg nach links. Nach einer dreiviertel Umrundung gelangen wir auf einen breiteren Forstweg. An der nächsten Gabelung halten wir uns rechts und gelangen nach einiger Zeit zum Ugringsee mit Infotafel.

Von hier aus geht es weiter geradeaus und an der nächsten Kreuzung nach links Richtung Ziestesee. Nachdem wir den Höhenrücken am Ziestesee passiert haben, biegen wir auf die Alte Poststraße, die gut ausgebaut fast schnurgerade durch den Wald führt. Nach einer langgezogenen S-Kurve wird der Weg wieder etwas schmaler und führt uns durch das Moor Butzener Bagen.

Nach kurzer Strecke gelangen wir wieder auf den Ausgangsweg, dem wir nach rechts folgen und bald (an der noch nicht passierten Seite des Bergsees vorbei) zum Parkplatz zurückkehren.

Route

Höhenprofil

Details

  • Start/Ziel: Wanderparkplatz Bergsee (L44)
  • Markierung: Mittelspecht
  • Länge: 7,1 km
  • Rundweg um den Bergsee einzeln: etwa 2 km
  • Dauer: etwa 2,5 Stunden
  • Schwierigkeit: einfach
  • für Kinderwagen/Buggy geeignet: nein
  • Aufstieg: 99 m
  • Abstieg: 103 m
  • DOWNLOAD Karte als pdf: Wildnispfad-Lieberose-Karte.pdf

TOURENDATEN FÜR GPS-GERÄTE UND WANDER-APPS

So funktioniert´s: Anleitung zum Download und Importieren in eine Wander-App oder ein mobiles GPS-Gerät

Einst fuhren hier Postkutschen durch die Wälder der Niederlausitz

Essen und trinken

Der Wildnispfad Lieberose führt mitten durch das Naturschutzgebiet Lieberoser Heide. Auf dem Weg liegen keinerlei Einkehrmöglichkeiten, ihr solltet euch deshalb unbedingt ausreichend zu trinken und auch zumindest einen Snack für zwischendurch oder gleich etwas mehr für ein Picknick mitnehmen.

Anfahrt: Wie komme ich zum Wildnispfad Lieberose?

Der Wildnispfad liegt etwa 20 Kilometer nordwestlich von Cottbus, nur wenige Kilometer südlich von Lieberose im Naturschutzgebiet Lieberoser Heide.

Parken

Die Wanderung beginnt auf dem Parkplatz Bergsee an der L44 zwischen Lamsfeld und Butzen. Die Einfahrt liegt etwa 500 Meter nördlich vom Ortsausgang von Butzen.

Fazit

Die Schönheit hier am Wildnispfad Lieberose erschließt sich nicht immer gleich auf den ersten Blick. Ihr müsst schon genauer hinsehen, um die vielen Raritäten unter den Tieren und Pflanzen zu entdecken. Wer richtig Glück hat, sieht einen Wolf oder Elch am Waldrand. Aber auch ohne große Tiere ist der Rundweg ein echter Geheimtipp für alle naturbegeisterten Wanderer. Nehmt euch unbedingt etwas zu essen mit, denn hier gibt es weit und breit nichts als Natur.


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