Rundwanderung über den Salzweg in Storkow (Brandenburg)

Das Städtchen Storkow im Landkreis Oder-Spree und seine Gemeindeteile sind voller Überraschungen: die mittelalterliche Burg entpuppt sich als moderne Kulturstätte, direkt um die Ecke liegt ein kleines Stück Amerika mitten in Brandenburg und die Wiesen sind hier voller Salzwasser. Was es damit auf sich hat, erfahrt ihr auf dem Salzweg in Storkow. Und zusätzlich bekommt ihr jede Menge einzigartige Natur und viel entspannende Ruhe.

Wanderkarte, Details und GPS-Daten weiter unten

Burg Storkow >>> Bahnhof Storkow >>> Luchwiesen >>> Ministersortengarten >>> Philadelphia >>> Marstallwiesen mit Beobachtungsturm >>> Groß Schauen >>> Burgwiesen >>> Burg Storkow

Im Sommer könnt ihr auf dem Salzweg gleich euer Abendessen einkaufen

Naturpark Dahme-Heideseen

Seit 1998 ist das Herzstück der brandenburgischen Region südöstlich von Berlin als Naturpark ausgewiesen. Der Naturpark Dahme-Heideseen ist jedoch kein einheitliches Schutzgebiet im klassischen Sinne. Er vereint insgesamt 25 Naturschutzgebiete, 30 Fauna-Flora-Habitate und ein Vogelschutzgebiet. Mindestens sechs Seeadlerpaare brüten jedes Jahr im Naturpark Dahme-Heideseen. Mit über 100 Seen, Quellen, Mooren, Hügeln und Tälern ist die Region so spannend, dass ihr euch hier unbedingt auf Entdeckertour machen müsst.

Ein paar Fakten zum Naturpark Dahme Heideseen

  • Fläche gesamt: fast 600 km²
  • Waldfläche: 60%
  • Wasserfläche: 10%
  • Offenland: 20%

Burg Storkow

Im Herzen der Kleinstadt Storkow liegt eine der ältesten Burgen in Brandenburg: die Burg Storkow.  Ursprünglich war die auf einem Feldsteinsockel erbaute Anlage einmal von einem Wassergraben umgeben. Die erste steinerne Burganlage erbauten die Herren von Strele an die Stelle, an der davor bereits Befestigungen aus Holz vorhanden waren. Der damalige Eingang lag auf einem deutlich tieferen Niveau als der heutige Innenhof.

Die eine Seite der Burganlage Storkow flankiert ein wunderschönes Fachwerkhaus

Jeder neue Besitzer hat in der Burg irgendetwas verändert und umgebaut. Nach außen hin war die Burg Storkow bis ins 20. Jahrhundert nahezu schmucklos – und ist es auch heute noch weitestgehend. Zwar wurde nach 1910 ein schicker Turm aus Sandstein angebaut, dieser ging bei einem Brand 1978 jedoch wieder verloren.

Von außen ein unscheinbares Bollwerk, von innen überraschend: Burg Storkow

Besucherzentrum Burg Storkow

Nach dem Brand passierte lange nichts, bis die Stadt Storkow 1998 mit dem Wiederaufbau und der Sanierung begann. Bereits 2001 konnten die Touristeninformation und die Stadtbibliothek im wunderschön sanierten Fachwerkbau einziehen. 2009 wurden das Brauhaus und der Palas nach alten Plänen fertiggestellt. Jeden Tag öffnet sich das imposante Tor zum Burghof und lädt Besucher zu einer Zeitreise in die Vergangenheit ein.

Durch das Burgtor kommt ihr in den Innenhof der Burg Storkow

Burg Storkow

Schloßstraße 6
15859 Mark Storkow

Öffnungszeiten

  • April bis Oktober: täglich 10 bis 17 Uhr
  • November bis März: täglich 11 bis 16 Uhr
  • geschlossen am 24. + 25. Dezember, Silvester und Neujahr
  • euren Hund dürft ihr angeleint mit in die Ausstellung nehmen

Eintrittspreise (Burg und Ausstellungen)

  • Erwachsene: 4,50 Euro
  • Kinder (7 bis 17 Jahre): 2,00 Euro
  • Kinder bis 6 Jahr: frei
  • Familienkarte (2 Erw. + max. 3 Kinder): 12,00 Euro
  • Mini-Familienkarte (1 Erw. + max. 3 Kinder): 8 Euro
Die Eisenbahnlinie schneidet die Binnensalzwiesen in zwei Teile

Eigenarten der Natur: Binnensalzstellen

Man kann sich kaum vorstellen, dass weit entfernt von Nord- und Ostsee salzige Gewässer existieren können. Und tatsächlich sind Salzstellen abseits der Meeresküsten sehr selten – und gefährdet. Bedeutende Vorkommen in Deutschland sind im Naturpark Dahme Heideseen in Brandenburg erhalten geblieben. Dazu gehören unter anderem die Luchwiesen bei Philadelphia und die Marstallwiesen. Rings um die Groß Schauener Seenkette gibt es noch ein paar weitere Salzwiesen.

Auf den ersten Blick sehen die Salzwiesen wie ganz normale Viehweiden aus

Woher kommt denn hier das Salz?

Salzwiesen findet man ausschließlich in Niederungen, wo das Grundwasser oberflächlich austritt. Hier um Storkow ist die dicke Tonschicht, die das Wasser aus großer Tiefe abschirmt, beschädigt, sodass es nach oben steigen kann. Dieses uralte Grundwasser hat Salze aus den 255 Millionen alten Ablagerungen aus dem Zechsteinmeer gelöst. Diese gewaltigen Steinsalzvorkommen tief in der Erde zwischen Storkow bis nach Beelitz enthalten auch leicht lösliches Kochsalz. Das Wasser ist jedoch nicht besonders stark salzhaltig. Aber dort, wo es an der Oberfläche verdunstet, konzentrieren sich die Salze.

Pflanzen, die im Salzwasser wachsen

Die meisten Pflanzenarten können in salzhaltigem Wasser nicht wachsen. Einige wenige haben sich angepasst und für ihr Überleben ausgefeilte Strategien entwickelt. So scheidet das Strand-Milchkraut das Salz durch spezielle Drüsen aus, die Salz-Schuppenmiere verdünnt es einfach mit dem Wasser, das es in seine dickfleischigen Blätter eingelagert hat.

Die Pflanzengemeinschaften der Salzwiesen können aber nur dort existieren, wo permanent Salzwasser bis dicht unter die Oberfläche steigt, wie beispielsweise in den Luchwiesen zwischen Storkow und Philadelphia. Hier wachsen nur salzliebende Pflanzen wie die Strandaster und der Erdbeerklee.

Erst bei genauerer Betrachtung erkennt man für die Salzwiesen typische Pflanzen

Salzwiesen im Binnenland: die Luchwiesen

Bereits im Jahr 1974 wurden die Luchwiesen als Naturschutzgebiet gesichert. Die Salzwiesen bedürfen jedoch gezielter Pflege, damit sich keine Sträucher und Bäume breitmachen und die seltenen und wertvollen Lebensgemeinschaften verdrängen. Einst war Brandenburg voller großer Luchwiesen, heute zählen Binnensalzwiesen zu den stark bedrohten Lebensräumen.

Hier brüten Kiebitz und Bekassine. In der Zeit des Vogelzuges im Frühjahr und Herbst rasten hier seltene Vogelarten auf ihrem Weg in den Norden oder Süden. An die 100 Hektar ist das Naturschutzgebiet groß. Und es gilt als die Binnensalzstelle in Brandenburg, die am besten erhalten ist.

Vier Infotafeln beschreiben die Eigenarten hier an den Binnensalzstellen bei Storkow

Doch von alleine schaffen es die Salzwiesen nicht, dauerhaft zu überleben. Allein die Bahnstrecke mitten durch die Salzstellen ist nicht besonders förderlich für das Gebiet. 2006 wurde ein Staubauwerk, eine sogenannte Sohlschwelle, eingebaut, um den Wasserstand im Winter anzuheben und damit die großflächige Überstauung zu sichern.

Dass im Sommer die Wasserstände stark absinken ist erwünscht, da sich durch die Verdunstung die Salze an der Oberfläche anreichern. Zudem werden die Salzwiesen einmal im Jahr gemäht. Im Anschluss an die Heuernte lässt man Rinder auf den Wiesen grasen, damit die für die Pflanzen notwendigen Offenflächen erhalten bleiben.

Weiher am Luchweg gegenüber der Streuobstwiesen

Streuobstwiese Luchweg – Ministersortengarten

Unser kleiner Regenwald wird sie genannt, die Streuobstwiese am Ortsrand von Philadelphia. Und das zurecht. Sreuobstwiesen sind ein seltenes Beispiel dafür, dass eine Kulturlandschaft, die von Menschenhand geschaffen wurde, ein wahres Paradies für Tiere und Pflanzen sein kann. Über 5.000 Tier- und Pflanzenarten tummeln sich in diesem Biotop in Brandenburg – damit zählt es zu den artenreichsten überhaupt.

Eine Streuobstwiese ist ein Paradies für Tiere und Pflanzen

Alte Apfelsorten wachsen auf der Wiese. Anlässlich der 88. Umweltministerkonferenz pflanzte man je Bundesland je eine regionaltypische Sorte. Und deshalb hat die Obstbaumwiese den passenden Namen Ministersortengarten erhalten. Außerdem dient der Ministersortengarten als lebendiges Klassenzimmer für Schulen und andere Bildungseinrichtungen hier im Raum Storkow und ganz Brandenburg.

Kleine Kapelle mit Bänken zum Rasten auf dem Luchweg vor Philadelphia

Philadelphia

Wer meint, Philadelphia liege im Osten der USA, der irrt gewaltig. Philadelphia liegt in Brandenburg, im Landkreis Oder-Spree und ist ein Ortsteil von Storkow. Dass der Ortsname seit 1792 von ursprünglich einmal „Hammelstall“ in Philadelphia umbenannt wurde, hat seinen Grund.

Ein kunterbuntes Gemisch aus Blüten und Haustypen in Philadelphia

Denn hier gab es Kolonisten, die ursprünglich einmal ins amerikanische Philadelphia auswandern wollten. Da das anscheinend nicht klappte, tauften sie ihren Ort einfach um. Gar nicht so dumm, denn so waren sie ohne teure und aufwändige Reise in Philadelphia, so wie sie es sich gewünscht hatten.

Marstallwiesen

Die Marstallwiesen sind Teil des Naturschutzgebietes Groß Schauener Seenkette. Ihr erkennt die Salzwiesen am acht Meter hohen Salzwegturm, der einen freien Blick über die Marstallwiesen bis nach Storkow und auf der anderen Seite bis zu den Wasserflächen der Groß Schauener Seenkette ermöglicht.

Auch wenn die Wiesen auf den ersten Blick ein wenig trostlos aussehen, so sind hier doch seltene Vogelbeobachtungen möglich. Ob rastende Kiebitze oder hoch schwebende Fisch- und Seeadler, das ganze Jahr über ist hier was los. Vor allem zur Zeit des Vogelzuges, wenn in den Wiesen tausende Vögel rasten.

Auf den Marstallwiesen steht ein Aussichts- und Beobachtungsturm

Burgwiesen Storkow

Direkt neben der Burg Storkow liegen ausgedehnte Wiesenflächen, die bis kurz nach der Wiedervereinigung von Freizeitlandwirten gemäht wurden. Als man diese Nutzung einstellte, entstand in kurzer Zeit ein dichter Schilfbestand. Alle Versuche, der Fläche wieder einen offenen Charakter zurückzugeben, um die Artenvielfalt zu fördern, scheiterten wegen der enormen Kosten auf dem feuchten Untergrund.

Bis jemand auf die geniale Idee kam, Wasserbüffel dort anzusiedeln. Wasserbüffel kommen mit dem feuchtnassen Standort bestens zurecht. Seit 2012 arbeiten jetzt bis zu acht Wasserbüffel als Landschaftsgärtner mit freier Kost und Logie auf den Burgwiesen. Das Ergebnis – und wenn ihr Glück habt auch die Büffel – könnt ihr euch selbst auf der Wanderung über den Salzweg in Storkow ansehen.

Philadelphia hat seinen eigenen Badestrand am Weiher angelegt

Wandern auf dem Salzweg

Der gut acht Kilometer lange Rundweg beginnt an der Burg Storkow und führt uns zunächst durch den Ort zum Bahnhof, wo ihr die erste Infotafel findet. Von hier aus geht es an den Bahngleisen entlang zu den Luchwiesen, einer geologisch und botanisch bedeutenden Binnensalzstelle. Besonders viel los ist hier zu den Zeiten, in denen hier Zugvögel rasten. Kurz vor Philadelphia trefft ihr auf den Ministersortengarten am Luchweg und dahinter ein kleines Waldstück, in dem eine Art offener Kapelle liegt.

Hier lohnt es sich, eine kleine Rast einzulegen. Der gut ausgeschilderte Salzweg führt und einmal durch Philadelphia, vorbei am ortseigenen Badestrand. Nach kurzer Strecke tangieren wir die Ortschaft Groß Schauen. Nach einer kleinen Friedhofskapelle geht es durch eine Allee aus wunderschönen alten Bäumen immer geradeaus, bis auf der linken Seite der Aussichtsturm an den Marstallwiesen zu sehen ist. Von hier aus ist es nur noch ein Katzensprung zurück bis Storkow.

Eine ausführliche Wegbeschreibung oder eine Wanderkarte braucht ihr eigentlich nicht, denn der Salzweg ist perfekt ausgeschildert. Wer keine gute Orientierung hat oder befürchtet, sich trotz allem zu verlaufen, kann unsere Wanderkarte ausdrucken oder sich den GPS-Track herunterladen.

Route

Höhenprofil

Details

  • Start/Ziel: Parkplatz gegenüber der Burg Storkow (Schloßstraße)
  • Markierung: Salzweg (gelber Kreis auf weißem Grund)
  • Länge: knappe 9 km
  • Dauer: etwa 2,5 bis 3 Stunden
  • Schwierigkeit: leicht
  • für Kinderwagen/Buggy geeignet: ja
  • Aufstieg: 285 m
  • Abstieg: 264 m
  • DOWNLOAD Karte als pdf: Salzweg-Storkow-Karte.pdf

TOURENDATEN FÜR GPS-GERÄTE UND WANDER-APPS

So funktioniert´s: Anleitung zum Download und Importieren in eine Wander-App oder ein mobiles GPS-Gerät

Essen und trinken

Auf dem Weg liegen keine Einkehrmöglichkeiten. Direkt an der Burg Storkow und natürlich im Ort habt ihr die Auswahl zwischen unterschiedlichen Cafés und Restaurants.

Burgstübchen Burg Storkow

Auf der Burg Storkow könnt ihr während der regulären Öffnungszeiten hausgemachte Kuchen und Torten oder einen kleinen Imbiss in historischem Ambiente zu euch nehmen.

Schloßstraße 6
15859 Mark Storkow


Restaurant Zur Burgwache

Direkt gegenüber der Burg liegt das kleine Restaurant Zur Burgschänke. Hier erwartet euch gutbürgerliche Küche, bunte Salate und selbstkreierte Burger nebst einem leckeren Eis zum Nachtisch oder mal als Erfrischung zwischendurch.

Schloßstraße 7
15859 Mark Storkow

Öffnungszeiten

  • Mittwoch bis Freitag: 17:00 bis 21:00 Uhr
  • Wochenende + Feiertage: 12:00 bis 21:00 Uhr
  • montags und dienstags geschlossen
Zwischen Philadelphia und Groß Schauen wandern wir durch eine herrliche Allee

Anfahrt: Wie komme ich nach Storkow?

Mit dem Zug

Storkow liegt rund 60 km südöstlich von Berlin und ist mit den öffentlichen Verkehrsmitteln gut zu erreichen. Ihr könnt den Salzweg auch am Bahnhof in Storkow beginnen.

Mit dem Auto

Wenn ihr über die Autobahn A10, die um Berlin herumführt, kommt, wechselt ihr am Autobahnkreuz Spreeau auf die A12 Richtung Warschau/Frankfurth (Oder). An der Abfahrt 3 fahrt ihr ab Richtung Spreenhagen. Nach etwa 350 m biegt ihr nach links auf die L23 nach Storkow. Ab jetzt folgt ihr der Straße bis zum Kreisverkehr in Storkow, den ihr an der ersten Ausfahrt verlasst (L23). Nach ca. 1,5 km durch die Stadt biegt ihr nach links auf die Schloßstraße (Burg Storkow ist ausgeschildert).

Parken

Direkt gegenüber von der Burg Storkow ist ein großer Parkplatz, auf dem ihr kostenlos euer Auto für die Wanderung abstellen könnt. Wenn ihr unter der Woche kommt, findet ihr wahrscheinlich dort sogar Platz für euer Wohnmobil. Übernachten könnt ihr mit dem Camper direkt auf den Stellplätzen am Kanal in Storkow.

Direkt am Kanal in Storkow gibt es mehrere Wohnmobilstellplätze für Camper

Fazit

Wer meint, Brandenburg sei doch nur flach und sandig und langweilig, der ist noch nicht im Naturpark Dahme-Heideseen gewesen. Allein rings um Storkow gibt es jede Menge Skurrilitäten der Natur zu bestaunen. Wer den Salzweg wandert, sollte sich unbedingt ein Fernglas mitnehmen, denn die Salzwiesen sind perfekt für die Vogelbeobachtung geeignet. Am schönsten ist es hier zu Zeiten der Vogelwanderungen. Der Salzweg ist durchweg gut ausgebaut und kann problemlos auch mit einem geländegängigen Buggy oder Kinderwagen befahren werden.



Das könnte dich auch interessieren:

Wenn ihr nach einer ganz bestimmten Region sucht, gebt das Stichwort einfach oben rechts ins Suchfeld ein

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.