Sielmanns Naturlandschaft – Groß Schauener Seen (Brandenburg)

Nur ein paar Kilometer südöstlich von Berlin liegt der Naturpark Dahme-Heideseen mit seiner einzigartigen Natur. Ein kleiner Teil davon, der es wirklich in sich hat, sind die Groß Schauener Seen im Landkreis Oder-Spree bei Storkow. Denn das Gewässer gehört zu den einzigartigen Naturlandschaften der Heinz Sielmann-Stiftung.

Die Infotafeln am Wegesrand erklären viele Details zu Tieren und Natur hier am Groß Schauener See

Seenland Brandenburg

Brandenburg ist das Bundesland mit den meisten Seen. So wie die Sterne in einer klaren Nacht am Himmel funkeln, glitzern die über 3000 Seen in Brandenburg an einem schönen Sommertag der Sonne. Von den unzähligen Seen erwarb das Land Brandenburg beachtliche 65 aus dem Bundesvermögen, 17 weitere gehören schon lange dem Staat. Als Vorbild für die 82 staatlichen Seen könnte die Groß Schauener Seenkette dienen.

Vor knappen 20 Jahren kaufte sie die Stiftung des 2006 verstorbenen Naturfilmers Prof. Heinz Sielmann, um die über 1000 Hektar große Seenfläche inklusive ihrer Uferbereiche damit auf Dauer für den Naturschutz zu sichern. Mit der örtlichen Fischerei schloss die Stiftung einen etwas anderen Pachtvertrag als man ihn sonst so kennt. Während sich die Fischer darin zu einer behutsamen Bewirtschaftung verpflichten, garantiert ihnen die Stiftung eine langjährige Nutzung. Dieses vorbildliche Miteinander funktioniert bis heute hervorragend.

Der Naturlehrpfad führt bis zum Aussichtsturm am See, ihr dürft aber auch gerne noch weiter gehen!

Groß Schauener Seenkette

Insgesamt gehörten sechs Flachwasser-Seen zur Groß Schauener Seenkette in der Gemeinde Storkow. Seit 2001 unterliegen die Gewässer ganz besonderen Bestimmungen in Punkto Naturschutz. Denn seit diesem Zeitpunkt sichert die Heinz Sielmann Stiftung das Naturschutzgebiet als natürliches Habitat für selten gewordene Pflanzen und Tiere. Mit ihren ausgedehnten Verlandungszonen bieten die Gewässer nicht nur wertvollen Lebensraum für Röhricht, Seerosen und Orchideen, sondern auch für zahlreiche Tiere, die an und in stehenden Gewässern und in Feuchtgebieten leben. Hier kann sich der selten gewordene Moorfrosch ins geschützte Dickicht zurückziehen, der Kranich ungestört sein Nest bauen und seinen Nachwuchs großziehen.

Ein Bootssteg führt von der Fischerei hinaus auf den Groß Schauener See

Die Groß Schauener Seenkette hat sich nach der letzten Eiszeit gebildet. Als die Eismassen abschmolzen, blieben Reste davon in den tiefliegenden Becken in der Landschaft übrig.  Mit fast 900 Hektar freier Wasserfläche handelt es sich um den fünftgrößten natürlichen See in Brandenburg. An den Ufern liegen ausgedehnte Feuchtgebiete mit Erlenbrüchen und kleineren Moorflächen. Andererseits ist das Gebiet aber auch nicht von Kiefernforsten verschont geblieben.

Noch bis in die 1980er Jahre war es hier leider nicht so idyllisch

Zu DDR-Zeiten gab es hier eine „Tierproduktionsstätte“ für Karpfen und Enten. Auf die Natur wurde dabei nur wenig geachtet, sodass der Groß Schauener See mit enormen Nährstofffrachten so stark verunreinigt wurde, dass sich diese bis heute noch bemerkbar machen und so manche Tier- und Pflanzenart deshalb kaum vorkommt.

Dazu gehören nicht nur Makrophyten (höhere Wasserpflanzen), sondern auch Großmuscheln. Großmuscheln stehen hier stellvertretend für alle Tiere am Gewässergrund. Sie bewegen sich nur sehr langsam und reagieren extrem Empfindlich auf jeglichen Eingriff durch Menschenhand. In vielen Gewässern in Deutschland sind ihre Bestände deshalb dramatisch zurückgegangen oder sogar ganz verschwunden.

Da heute jedoch keine Belastung der Seenkette mehr stattfindet, erholt sich die Wasserqualität im Laufe der Zeit zwar langsam, aber stetig, zumal der Prozess der Selbstreinigung aktiv gefördert wird. Der Alte Wochowsee hingegen ist in einem guten ökologischen Zustand.

Heinz Sielmann Stiftung

Die Wand des Schuppens am Parkplatz ziert ein Bild von Heinz Sielmann und dem Groß Schauener See

Seit 2001 betreut die Heinz Sielmann Stiftung über 1000 Hektar im Naturpark Dahme-Heideseen. Ihr Ziel: Den Artenreichtum zu erhalten und zu schützen. Hier kommen vor allem Liebhaber der heimischen Vogelwelt und Wasserlandschaften auf ihre Kosten. Die Seenlandschaft ist ein Zufluchtsort für viele seltene Arten. Insgesamt umfasst das Naturschutzgebiet eine Fläche von 1150 Hektar am Rande des Brandenburgischen Heide und Seengebietes, das durch seine nährstoffarmen Standorte und die zahlreichen Gewässer und Feuchtgebiete geprägt wird.

Informationsbüro der Heinz Sielmann Stiftung (auf der Burg Storkow)
Schloßstraße 6
15859 Storkow

Eine Büchse voller Edelsteine: Ausstellung Eintauchen und Abheben

Ausstellungsräume der Sielmann Stiftung auf dem Gelände der Fischerei Köllnitz

Aus ungewöhnlicher Perspektive könnt ihr die Groß Schauener Seenkette in der Ausstellung Eintauchen und Abheben entdecken. Im Infozentrum der Sielmann Stiftung könnt ihr in die Unterwasserwelt abtauchen und die Landschaft aus der Perspektive eines Fischotters betrachten. Oder ihr hebt wie der majestätische Fischadler ab und erkundet die weite Seenlandschaft einmal von oben. Zahlreiche Mitmachelemente laden Kinder und natürlich auch alle Erwachsenen ein, weitere Sinne zu benutzen, um die Welt der Seenkette genauer kennenzulernen. Auf kleinstem Raum ergibt sich die Möglichkeit, eine Fülle an kleinen Abenteuern zu erleben.

 

Ausstellungsraum (Gelände Fischerei Köllnitz)
Groß Schauener Hauptstraße 31
15859 Storkow/Groß Schauen

Im Frühjahr legt die männliche Zauneidechse ihr grünes Hochzeitskleid an

Artenreichtum im Naturschutzgebiet

Die Artenvielfalt am Groß Schauener See und in den umliegenden Gebieten ist beeindruckend. Hier könnt ihr Haubentaucher, Rohrdommeln und Fischadler antreffen. Im Frühjahr und Herbst rasten an der Seenkette tausende von Zugvögeln, manche überwintern gleich hier. Auf dem Boden fühlen sich Ringelnattern, Wasserfrösche und Erdkröten wohl. Seit 2013 hat sich Familie Biber hier niedergelassen und Fischotter in den Feuchtgebieten ein neues Zuhause gefunden. Ganze sieben Fledermausarten hat man nachgewiesen. Neue, nicht bei uns heimische Tierarten sind mit Bisam, Nutria und Waschbär vertreten.

Insel im Wochowsee

Am südlichen Ende des Wochowsees liegt eine Insel, deren Betreten ganzjährig untersagt ist. Der Grund: Die Insel wird von einer Kormorankolonie genutzt. Während der Brutzeit von März bis Juli dürfen sich nicht einmal die Vereinsmitglieder der Fischerei der Insel bis auf 200 Meter nähern.

Wir sind zwar leider nicht mit dem Boot über den See gefahren, aber auf dem Naturlehrpfad gibt es – wenn man denn nur genau hinsieht – auch jede Menge Tiere zu entdecken. Die kleine Kröte – vielleicht eine Erdkröte – hat man nur am Rascheln im Laub erkannt, weil sie sich gleich versteckt hat, als wir vorbeigingen.

Ein Zuhause für den Fischotter

In ganz Europa ist der Fischotter nahezu ausgerottet. Und obwohl sich die Population an einigen wenigen Orten etwas erholen konnten, ist der niedliche Wassermarder doch immer noch vom Aussterben bedroht. Einen kleinen Otterbestand gibt es aber noch in der Sielmanns Naturlandschaft Großschauener Seenkette. Eine Chance, ein besonders gut für Fischotter geeignetes Gebiet für die Tiere dauerhaft als Lebensraum zu sichern. Der Alte Wochowsee bietet ideale Bedingungen: dicht bewachsene Ufer, sauberes Wasser und natürlich reichlich Fisch. Und das Beste? Mitten im See gibt es eine kleine Insel. Hier können die kleinen Fischotter völlig ungestört das Licht der Welt erblicken und gut behütet aufwachsen.

Vom Aussichtsturm könnt ihr über den Wochowsee bis fast zum Fischereigelände schauen

Könige der Lüfte – Seeadler

Für die perfekte Idylle fehlen nur noch ein paar Seeadler. Tatsächlich gibt es die seltenen Greifvögel hier an den Groß Schauener Seen heute wieder in beträchtlicher Anzahl. Meist herrscht hier am See reger Flugverkehr. Heute ist es jedoch erstaunlich ruhig. Wahrscheinlich halten es die Vögel wie die Besucher und halten sich an diesem heißen Tag doch lieber im Schatten auf und bewegen sich so wenig wie möglich.

Fischerei Köllnitz – nachhaltig gut

Der Schutz der Groß Schauener Seenkette wirkt sich auch auf die Unterwasserwelt aus. So ist der Fischfang nur sehr stark eingeschränkt erlaubt. Vom Boot aus darf lediglich am Groß Schauener See und am Alten Wachowsee gefischt oder geangelt werden. Für den Fischfang ist die Fischerei Köllnitz zuständig, die ihren Sitz am westlichen Ufer des Groß Schauener Sees hat. Neben einem Restaurant und einem Hotel betreibt die Fischerei auch ein Fischereimuseum.

Hier in der Fischerei Köllnitz fühlt man sich fast wie an der Ostseeküste

Fischereimuseum

Im ersten Fischeimuseum von Brandenburg könnt ihr jede Menge über die Geschichte der Fischerei erfahren. Neben einem Aalaneum und der Märkischen Fischgalerie mit Präparaten der heimischen Fischarten gibt es wechselnde Ausstellungen regionaler Künstler.

Angelparadies

Außerdem stellt die Fischerei Köllnitz Leihboote zur Verfügung und Angellizenzen aus. Damit dürft ihr dann in dem mit Bojen markierten Bereich eure Angel auswerfen. Besonders häufig fangt ihr übrigens Zander, Hecht und alle möglichen Weißfische. Aber auch stattliche Aale sind schon öfter erbeutet worden. Die Chance, einen Aal zu erwischen, ist seit Anfang 2020 deutlich gestiegen. Denn im Februar hat die Fischerei Köllnitz rund 400.000 junge Glasaale aus dem Atlantik in den Gewässern der Groß Schauener Seenkette ausgesetzt und ihnen damit ein neues Zuhause in Brandenburg. Damit engagiert sich die Fischerei zum wiederholten Male für das Pilotprojekt zur Sicherung des Europäischen Aalbestandes. Denn nicht nur hier im Elbeinzugsgebiet des Landes Brandenburg gilt der Aal als gefährdete Spezies.

Hier fühlt man die Liebe zur Natur und zum Detail: Auf der Zanderbank dürft ihr ruhig Platz nehmen!

Adresse

Fischerei Köllnitz
Groß Schauener Hauptstraße 31
15859 Storkow/Groß Schauen

Öffnungszeiten (Fischerei und Hofladen)

Hölzerner Aussichtsturm auf dem Gelände der Sielmann Stiftung Groß Schauener Seen

Wandern und radeln am Groß Schauener See

Große Runde um die Seenkette

Rund um die Groß Schauener Seekette führt ein 35 km langer Radweg an wunderschönen Erlenbruchwäldern vorbei. Alle, die zu Fuß unterwegs sind, können natürlich auch auf dem Weg eine längere Wanderung unternehmen, denn viel Radverkehr herrscht hier nicht.

Flyer mit Tourenplan

Natur-Erlebnis-Pfad

Ein kleiner Teil der Naturlandschaft besteht noch aus Fichtenforsten

Wer nicht ganz so weit wandern möchte oder mit kleinen Kindern unterwegs ist, für den 2017 neu eingerichtete Naturlehrpfad ideal. Auf 3 km informieren euch jede Menge Infotafeln über die Tier- und Pflanzenwelt im Naturschutzgebiet. Der Naturlehrpfad beginnt auf dem Gelände der Fischerei Köllnitz und führt euch parallel zum Ufer des Groß Schauener Sees zum Aussichtsturm Selchow am Großen Wolchowsee. Von hier oben aus habt ihr eine wunderbare Rundumsicht über die Seenlandschaft. Da der Turm aber noch recht weit vom Ufer entfernt ist, lohnt es sich, ein Fernglas mitzunehmen, wenn ihr Vögel beobachten möchtet.

Route

Details

  • Start/Ziel: Parkplatz an der Fischerei Köllnitz
  • Distanz: 3 km
  • Dauer: 1 Stunde
  • Schwierigkeit: leicht (für Buggy und Kinderwagen geeignet)
  • Markierung: Natur-Erlebnis-Pfad (Rückweg über Markierung Adler)
  • Anstieg: nicht nennenswert
  • DOWNLOAD Karte als pdf: Natur-Erlebnis-Pfad-Gross-Schauener-Seen-Wanderkarte.pdf

 PLANDATEN FÜR GPS-GERÄTE

So funktioniert´s: Auf den Link klicken, dann wird euch die Datei angezeigt. Mit der rechten Maustaste irgendwo in den Text klicken. „Speichern unter“ auswählen und an beliebiger Stelle (auf dem Smartphone, PC oder dem mobilen GPS-Gerät) speichern. 

Fazit

Wir haben hier an der Groß Schauener Seenkette einen wunderbaren Tag verbracht. Leider hatten wir kein Fernglas eingepackt, sodass wir vom Aussichtsturm Selchow aus keine Vögel beobachten konnten, da er doch sehr weit vom See entfernt ist. Bei der Fischerei Köllnitz müsst ihr unbedingt ins Museum und auch ins Fischrestaurant. Frischer als hier geht es kaum. Wir haben uns fest vorgenommen, auch noch den 35 km langen Rundweg mit dem Fahrrad zu machen. Bei unserer Tour durch Brandenburg hatten wir keins eingepackt.

 


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