DRUMHELLER – KANADISCHE BADLANDS

Canadian Badlands – von Trockentälern und Dinosauriern

Keine Shopping-Meilen, keine Fast-Food-Restaurants und keine überfüllten Straßen – dafür lauter außergewöhnliche Natur: Die Badlands im Südosten von Alberta sind nicht unbedingt spektakulär, dafür aber echt. Dass wir uns in unserem Wohnmobil weg von den legendären Routen durch die Nationalparks in British Columbia bewegen, will nicht jedem gleich einleuchten …

Ein Besuch der kanadischen Badlands in Alberta

Raus aus den Bergen, rein in die Kornkammer Kanadas. Östlich des berühmten Banff Nationalparks verirren sich kaum Touristen. Vielleicht für eine Stippvisite in Calgary, aber in die weite, flache Landschaft, in der die Straßen kilometerweit schnurgerade verlaufen, vorbei an unendlichen Weizenfeldern, ist man als Ausländer fast noch ein Exot.

Gelegentlich wippt ein Pumpschwengel einer Ölförderanlage in der sengenden Sonne. Fast ein wenig stupide, die flache Landschaft ist wie von der Planierraupe geebnet und wirkt nach fast zwei Wochen baumbewachsener Berglandschaft fast ein wenig irreal. Weizenfelder und Straße scheine scheinen schier bis zum Horizont zu führen und niemals enden zu wollen. Keine Zivilisation weit und breit. Statt Wohnmobilen und Touristen nur riesenhafte Mähdrescher, Pickups und Trucks.

Zum Glück haben wir unseren Camper noch in Banff vollgetankt. Trotz Kilometer über Kilometer keine menschliche Siedlung, keine Einkaufsmöglichkeit und erst recht keine Tankstelle. Unser Kühlschrank ist fast leer, der Tank leert sich mit jedem Kilometer.

Wir sind noch keine drei Stunden unterwegs, und plötzlich verwandelt sich die Landschaft zu einem ganz anderen Stück Kanada. Das  ist nicht das Alberta der tausendfach fotografierten Touristen-Attraktionen Jasper und Banff, die man bereits zu kennen scheint, wenn man noch gar nicht im Flieger sitzt.

Sparsame Landschaft voller Reiz

Das sind die Badlands, hügelige Prärie, auf den ersten Blick sparsam, nahezu unbesiedelt. Mitten hineingestanzt ein paar Canyons aus ausgetrockneten Flussbetten. Für die ersten Siedler, die dieses Land erreichten, blieb nur ein Ausdruck: schlechtes Land. Badlands. Hier gab es nichts zu holen. Die Menschen hier sind anders, sind Insulanerin einem Meer aus Gras und Einöde. Rancher und Cowboys, Trucker, tragen Baseballmützen und Stetsons. Gelebt wird in abgeschiedenen Käffern. An den Ortsgrenzen Getreidesilos, die sie humorvoll die Kathedralen der Prärie nennen.

Drumheller – Metropole im Nirgendwo

Touristen findet man hier kaum, sie fliegen höchstens darüber hinweg – auf ihrem Weg nach Vancouver oder Calgary. Hinter der zweiten Wegbiegung gelangen wir in die City. Ganze 8000 Einwohner. Drumheller, muss man wissen, ist der einzige größere Ortschaft in den Badlands. Und mit 8000 Einwohnern eben Großstadt. Wen wundert es, dass in dieser Einöde das Herz nach Höherem giert, ein wenig Farbe und Glamour in den tristen Alltag zu bringen. Was liegt näher, als die üppigen Funde von Dinosauerierknochen zu einem absoluten Hype auszubauen.

Kitschiger Quatsch oder Anschluss an das normale Leben? In dieser kargen Einöde erscheint es fast verständlich, dass die Menschen ihr Herz an etwas Außergewöhnliches und Extravagantes hängen und es bis zum Exzess stilisieren. An jeder Straßenecke, in Vorgärten, ja sogar auf Verkehrsschildern und Laternenmasten sind sie zu finden: Dinosaurier aus Pappmaschee, knallig bunt, mal klein mal riesengroß. Das Besucherzentrum in Drumheller ist kaum zu verfehlen. Ein grünes Monstrum, das man sogar von innen begehen kann. Viermal größer als der echte T-Rex.

Als Touristenmagnet scheint das Tierchen nicht viel her zu machen, im Besucherinformationszentrum ist außer uns kein anderer Tourist weit und breit zu entdecken. Entsprechend begeistert ist das Personal. Unsere Anfrage wegen eines Campingplatzes für unser Wohnmobil wird ausführlich beantwortet, wir bekommen gleich eine Karte, eine Wegbeschreibung und auch den Hinweis, wo wir unseren Kühlschrank auffüllen können und ein gutes Restaurant finden. Freundlich, aber niemals aufdringlich.

Um ein paar Ecken steuern wir zuerst den Walmart an, der für die wenigen Menschen irgendwie überdimensioniert wirkt. Parkplätze für Wohnmobile gibt es auch hier nicht, also blockieren wir wieder drei Plätze gleichzeitig, weil wir seitlich einparken. Das stört in Kanada niemanden. In Deutschland hätte das wahrscheinlich schon zu einer Schlägerei geführt. Nach einer Stunde in Drumheller zieht es uns doch wieder in ruhigere Gefilde. Das ist in den Badlands nicht schwer. Schon kurz nach der Stadtgrenze sind wir gleich wieder im Nirgendwo.

Hoodoos – einsame Sandsteinsäulen

Neben der Straße nach Rosedale mäandert der Red Deer River durch die erodierte Landschaft aus Hügeln und Hoodoos. Ein warmes Lüftchen weht uns auf dem Weg auf den Gipfel um die Nase. Sonst rührt sich nichts. Wir sind ganz alleine hier, kein Mensch weit und breit, der uns der Exklusivität des Augenblicks berauben würde. Und obwohl es in diesem schlechten Landstrich nichts von Interesse zu geben schein, fühlen wir uns von den Badlands in den Bann gezogen.

Es schein, als wären wir Millionen von Jahren in der Zeit zurückversetzt. Fast erwarten wir den Anblick eines Dinosauriers hinter der nächsten Biegung. Die Kinderfantasie kann sich austoben, finden Namen für jede Formation aus Sandstein, die vom Wind und Regen ausgewaschen wurden. Sie würden nicht existieren, die Hoodoos, wenn nicht ein Stein quasi als Deckel oben aufliegen würde. Sie sind sehr empfindlich, die meterhohen Skulpturen. Bei der kleinsten Berührung bröselt der Sand, ohne Deckstein überleben die Gebilde wahrscheinlich kein Jahr.

Überraschende Vielfalt

Wir vergessen die Zeit, lassen uns treiben und von unseren Augen leiten. Gehen immer weiter, finden Schlangen, Eidechsen und tatsächlich Kakteen, die einsam und stachelig am kargen Berghang wachsen. Wie sie die strengen Winter überstehen, ist fraglich. Aber sie schaffen es. Inmitten dieser surrealen Landschaft knirscht der ausgedörrte Boden unter unseren Füßen wie Popcorn. Im Gestrüpp zwischen den Felsbrocken und Hoodoos liegen hier überall auf dem sandigen Gelände Knochenfragmente von Dinosauriern verstreut.

Suspension Bridge

Ich zeige dem kleinen Kerl die Brücke über dem schlammig grünen Fluss, an dem wir heute Mittag vorbeigewandert sind. Höhenangst? Keine Spur, zumindest nicht bei meinem Sohn. Bei mir sieht das etwas anders aus. Mitten auf der Brücke, entdecken wir, dass die Brücke schwingt, wenn man darauf hin und her wackelt. Ein Riesenspaß, der noch größer wird, als ich mich prompt auf den Bauch fallen lasse und panisch an den dünnen Brettern festklammere. Aufgestanden wird erst, als keine Gefahr mehr droht. Sprich: der Leon die Brücke verlassen hat. Und vor lauter Spaß müssen wir dann wie unter Zwang drei Tage hintereinander mindestens einmal zur Hängebrücke.

Fazit

Die Badlands haben uns mehr in ihren Bann gezogen, als wir vermutet haben. Wir können uns kaum von den kargen Ödlandschaften trennen. Und man mag es kaum glauben: Zum ersten Mal muss ich meinen Sohn nicht animieren, mit mir raus in die Natur zu ziehen. Es ist fast schon schwierig, abends vor dem Sonnenuntergang wieder Abschied zu nehmen und zum Wohnmobil zurückzukehren. Selbst am letzten Tag müssen wir noch einmal unbedingt zur Hängebrücke. Für einen kurzen Abstecher sind die Badlands viel zu schade. Nehmt euch Zeit, die Landschaften, das Royal Tyrell Dinosaurier Museum und den Dinosaurier Provinzparks gründlich kennenzulernen und vielleicht selbst ein paar Fossilien zu entdecken.


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