Im mittelfränkischen Landkreis Ansbach liegt der kleine Markt Lichtenau mit seiner Festungsanlage, einem Glanzstück der Baukunst in der Renaissance. Jahrhundertelang sorgte sie durch die Zugehörigkeit zur Reichsstadt Nürnberg für andauernde Konflikte mit den Markgrafen von Brandenburg-Ansbach, die alles gegen diese Störenfriede in ihrem Territorium unternahmen. Die Festung Lichtenau hat eine wirklich bewegte Geschichte, die von einem Wasserschloss über ein Gefängnis bis hin zu einer Außenstelle des Bayerischen Staatsarchivs reicht. Das alles und noch viel mehr können Besucher hautnah hier im beschaulichen Rezattal erleben.
Historischer Rundweg (Tourendaten, Karte, Beschreibung, GPX)
Besucherinformationen Festung Lichtenau

Markt Lichtenau
Der heutige Markt Lichtenau im mittelfränkischen Landkreis Ansbach hat eine wechselvolle Geschichte, die unmittelbar mit der wehrhaften Anlage im Ort in Verbindung steht. Der Ort entstand wahrscheinlich gleichzeitig mit der Burg im 13. Jahrhundert an deren Süd- und Westseite. Dabei ist er teilweise im Laufe der Zeit in die Maueranlage und den Zwinger der Burg integriert worden.
Wie auch die Festungsanlage ist der Markt im 16. Jahrhundert nahezu völlig zerstört worden, weshalb sich heute nahezu ausschließlich historische Gebäude aus der nachfolgenden Zeit wiederfinden. Die Zugehörigkeit zu den Nürnbergern erschließt sich nicht nur aus dem Aussehen der Turmbauten, die der Kaiserburg ähneln, sondern auch aus der Verwendung von Sandstein als Bausubstanz, aus der auch die Kirche wie die Bürgerhäuser bestehen.

Historische Altstadt
Neben der Kirche direkt im Ortskern und den Bürgerhäusern sind es vor allem die Fachwerkscheunen und die unverputzten Wohnhäuser mit Fachwerkobergeschoss aus dem 18. Jahrhundert, die den Stadtkern bis heute prägen. Die beiden Markttore mit ihren Mansarddächern stammen aus den Jahren 1734/36 und an einigen Stellen ist auch noch das alte Kopfsteinpflaster erhalten.

Rathaus Lichtenau
Die Geschichte des Rathauses beginnt mit der Übernahme der Festung durch das Königreich Bayern nach 1800. Als hier ein Gefängnis eingerichtet wurde, benötigten die Aufseher natürlich Wohnraum – und so entstand ein imposanten Oberbeamtenwohnhaus in der heutigen Ansbacher Straße.
Die Wohnung des Direktors befand sich allerdings nicht hier, sondern direkt in der Festung. Das hatte einen einfachen Grund: Oft trat die Rezat über die Ufer und überschwemmte dabei alles bis zum Marktplatz. Und weil bei Hochwasser die Ablösemannschaft samt Direktor von der Gefangenenanstalt abgeschnitten worden wären, mussten sie natürlich vor Ort einquartiert werden.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden in dem ehemaligen Oberbeamtenhaus Heimatvertriebene untergebracht. Ein nicht erstrebenswerter Zustand, denn es gab nur eine Wohnung, die mit fließendem Wasser ausgestattet war. Und so musste die dort wohnende Familie ihre Türen immer für alle anderen Bewohner öffnen, wenn sich diese waschen oder rasieren wollten, Wasser zum Kochen und Putzen benötigten oder einfach auch nur ihren Nachttopf ausspülen wollten.
Erst 1977 verkaufte der Freistaat dann den zweigeschossigen Sandsteinquaderbau an den Markt Lichtenau, der dort sein erstes eigenes Rathaus einrichtete, das im November 1981 nach umfassenden Umbauarbeiten eingeweiht werden konnte.

Dreieinigkeitskirche Lichtenau
Ein sehenswertes Ensemble zusammen mit der Burganlage bildet die Dreieinigkeitskirche mit ihrer schwarzen Turmhaube in Lichtenau. Die evangelische Kirche ist gut 300 Jahre alt, der erste Gottesdienst wurde hier 1724 in der nagelneuen Kirche gefeiert. Die Vorgängerkirche aus dem 15. Jahrhundert wurde 1688 aus militärischen Gründen abgerissen. Im Dritten Reunionskrieg bedrohten die französischen Truppen König Ludwigs XIV. Lichtenau. Und um ein besseres Schussfeld zu bekommen, musste halt die Kirche weichen.
Das neue Gotteshaus ist damit auch ein Appell an den Frieden. Dass es niemals wieder Kriege geben soll, die es notwendig erscheinen lassen, dafür eine Kirche abzureißen. Die Dreieinigkeitskirche wurde unter der Bauleitung von Christoph Theophilus Volkmar in nur einem einzigen Jahr im spätbarocken Stil errichtet, eine wahre Glanzleistung! Die einzigen Teile, die von der alten Kirche St. Barbara erhalten geblieben sind, warem die drei Glocken, von denen heute noch zwei die Bürger zur Messe rufen.

Festung Lichtenau
Die Herren von Dornberg
Erste schriftliche Dokumentationen zu einer wehrhaften Anlage hier in Lichtenau gibt es erst im Jahr 1246. Zu dieser Zeit hat der Besitzer, Rudolf von Dornberg, ein sogenanntes Wasserschloss in seinem Testament an seine Frau Kunigunde vererbt. Wann tatsächlich gebaut worden ist, weiß heute niemand mehr so genau. Tatsache ist jedoch, dass die Gründung wohl auf die Staufer zurückgeht, denn Rudolf von Dornberg war als staufischer Reichsvogt bekannt.
Die Herren von Heideck
Als die Dornberger hier herrschten, hatte der Zerfall der staufischen Macht bereits begonnen. Auf jeden Fall kam es, dass niemand von ihnen Ansprüche auf Lichtenau stellte, sodass die Dornberger sich fortan als Würzburger Vögte anschickten. Die Tochter des letzten männlichen Nachkommens der Dornberger übertrug dann die Feste durch Heirat an den Edelfreien Gottfried von Heydeck. Der größte Teil des Erbes ging jedoch an die Grafen von Oettingen.
Doch all die neuen Zugewinne konnten Gottfried von Heydeck nicht finanziell über Wasser halten, sodass er um 1300 einige seiner Besitztümer an die Herzöge von Bayern beziehungsweise die Burggrafen von Nürnberg verkaufen musste. In diesem Zusammenhang stieß er zunächst die verstreut liegenden Ländereien ab, um seinen Besitz rings um Heideck zu verdichten. Zu den veräußerten Gebieten gehörten Besitztümer im heutigen Landkreis Eichstätt, Roßtal im Landkreis Fürth und die Stadt Roth im heutigen Mittelfranken.
Später konnte Gottfried jedoch seine Kinder in wichtigen Ämter positionieren, sodass diese den Besitz wieder ausweiten. So wurden einige Domherren in Bamberg, Eichstätt und Würzburg, zwei verwalteten eine Niederlassung des Deutschordens und die Tochter Anna belegte das Amt der Äbtissin von Kitzingen. Mit dem Nutzungsrecht des Weißenburger Forstes konnten sie eine Brücke zu den Ländereien im Altmühltal und Nördlinger Ries schlagen.

Friedrich von Heideck
1331 verkaufte Ludwig Graf von Öttingen seinen Teil der Dornberger Besitztümer wie auch die Stadt Ansbach an die Burggrafen von Nürnberg. Damit begann eine spannungsreiche Zeit. Denn die Hohenzollern waren mit den Befindlichkeiten ihrer Nachbarn nicht gerade rücksichtsvoll.
1386 hatten sich die Herren von Heideck hilfesuchend an die Nürnberger gewandt, da es immer wieder Spannungen mit den benachbarten Markgrafen gab. In diesem Zug wurde ein Abkommen geschlossen. Um fortan unter dem Schutz der Nürnberger zu stehen, wurde Friedrich von Heideck einfach offiziell Bürger der Stadt Nürnberg. Im Gegenzug öffnete Friedrich alle Heidecker Burgen für reichstädtische Belange. Und so nutzten die Nürnberger Lichtenau auch gleich im Städtekrieg 1388 als Außenposten. Letztendlich verkaufte Friedrich II. wegen zunehmender Verschuldung 1406 dann alle Heidecker Besitztümer an die Reichsstadt Nürnberg.

Die Nürnberger auf Burg Lichtenau
1409 verkaufte die Reichsstadt die Burg Lichtenau mitsamt Markt und Gerichtsbarkeit an den Nürnberger Patrizier Heinrich Rummel. Die umliegenden ehemaligen Heidecker Güter gingen in die Nürnberger Stiftung über, das sogenannte Reiche Almosen. Diese hatte der Kaufmann Burkhard Sailer 1388 gegründet, um ärmere Einwohner mit Lebensmitteln zu versorgen. Die militärische Verfügungsgewalt blieb jedoch bei der Stadt Nürnberg.
Der erste Markgrafenkrieg

Und so unternahm diese auch bald Anstrengungen, den neuen Besitzer bei der Verstärkung der Burganlage zu unterstützen, denn schließlich kam es immer noch zu Streitigkeiten mit den benachbarten Markgrafen zu Brandenburg-Ansbach. Stärkere Mauern und schicke Waffen nützten allerdings nur wenig, als 1449 der Erste Markgrafenkrieg ausbrach. Als der damalige Markgraf Albrecht Archilles Besitztümer aus seiner Familie zurückgefordert hatte, die Nürnberger jedoch nicht nachgaben, griff dieser nicht nur mit 7000 Mann die Nürnberger Burg an, sondern verwüstete auch die Lichtenau, woraufhin sich die Bewohner ergaben.
Die Familie Rummel erhielt erst 1453 ihre Burg zurück, nachdem in einem Abkommen in der Stadt Lauf endlich Frieden zwischen den Parteien geschlossen wurde. Anscheinend hatte der Angriff so viel Schaden angerichtet, dass Rummel beim Wiederaufbau in Zahlungsnot geriet und sie für 5.000 Gulden an die Nürnberger Stiftung verkaufen musste. Und so wurde wenig später ein Pflegamt in der Burg errichtet, das dem Rat der Reichsstadt direkt unterstellt war. Ganz schön kompliziert, aber dennoch sehr clever durchdacht.

Aufbau einer Festungsanlage
Aus der ehemals einfachen Wasserburg war im Laufe der Zeit bis in die zweite Hälfte des 15. Jahrhunderts schon eine stattliche Wehranlage geworden. Das lag vor allem daran, dass die Markgrafen von Brandenburg-Ansbach nichts unversucht ließen, Lichtenau unter ihre Herrschaft zu bekommen. Umgeben war sie von zwei Wassergräben, wobei hinter dem äußeren Graben ein ordentlicher Wall aufgeschüttet war, auf dem eine Wehrmauer mit Bastionen errichtet waren.
Hinter dieser äußeren Befestigung folgte ein innerer Wassergraben, der die fast quadratisches Grundfläche mit dem Pflegschloss umschloss. Hinter dem Graben zog man einen zweiten Mauerring, der später noch mit rechteckigen Bastionen verstärkt wurde. Im riesigen Innenhof standen die Schlossgebäude. Hierzu gehörte auch ein Torhaus mit Turm mit Fachwerkobergeschoss.

Der zweite Markgrafenkrieg
Zwar war die Anlage nahezu perfekt gesichert, doch wollte sich der damalige Pfleger 1552 im Zweiten Markgrafenkrieg, der den fortwährenden Belästigungen durch die Nachbarn ringsum folgte, lieber keinen Kämpfen stellen. Als also die Truppen von Markgraf Albrecht Alcibiades den Ort belagern, ergab sich Pfleger Schnöd kampflos. Daraufhin plündert Albrecht Ort und Burg und sprengt und brennt kurzerhand alles nieder.
Nach dem Ende des Krieges beginnt die Reichsstadt Nürnberg die Festung ein weiteres Mal den wieder aufzubauen. Diesmal soll nach italienischem Vorbild eine Festung mit fünfeckigen Grundriss entstehen, der fünf Bastionen enthält. Der Neubau ist ein Bollwerk der Sonderklasse und übersteht die kommenden Jahrhunderte bis heute.

Dreißigjähriger Krieg
Der Bau der Festung zieht sich jedoch hin, nicht nur wegen der vielen Räumungsarbeiten, die im Vorfeld zu verrichten sind. Alles muss neu gegründet werden, um die neuen Bauten stabil und sicher zu gestalten. Unglücklicherweise verstarben in den Anfangsjahren dann noch einige der beauftragten Handwerker, sodass die Errichtung mit nur wenigen Steinmetzen und Handlangern vonstatten ging. Das Projekt geht nur schleppend voran und verschlingt fast 200.000 Gulden, nachdem immer wieder schon während der Bauphase Schäden auftreten.
Nach über 70 Jahren Bauzeit haben sich die Zeiten nicht verbessert. Der Dreißigjährige Krieg wütet seit Jahren und 1631 unterliegt die gerade einmal kurz zuvor fertig gestellte Festung den Truppen der katholischen Liga unter Tilly. In den Folgejahren wechseln die Besitzer mehrfach zwischen den Kriegsparteien, bis 1633 dann endlich mit Wolf Albrecht Pömer ein reichsstädtischer Pfleger in die Feste einzog, diesmal gleich mit einem Kontingent an Truppen der Reichsstadt.

König Ludwig XIV.
1688 kommt Ludwig XIV. ins Spiel um die Festung. Der sogenannte Sonnenkönig aus Frankreich hatte seit seiner Inthronisierung schon ganz Europa aufgemischt und immer wieder dafür gesorgt, dass sich hier die Machtverhältnisse entscheidend veränderten. Zwar gab es zu seiner Zeit auch immer wieder einmal Friedenszeiten oder Waffenstillstände, doch Ludwig reagierte stets sehr heftig auf ihm unliebsame Entwicklungen in der Außenpolitik, sodass er immer wieder zu den Waffen griff.
Und so kam, was kommen musste. Als Ludwig Ende der 1680er Jahre Anspruch auf Teile der Pfalz in Deutschland geltend machte, kam es zu einem breiten europäischen Konflikt, in den nicht nur das Heilige Römische Reich, sondern auch England und die Niederlande involviert waren. Gleich zu Beginn des sogenannten Pfälzischen Erbfolgekriegs, der übrigens von 1688 bis 1897 andauerte, kamen die französischen Truppen nach Lichtenau. Zu dieser Zeit verwaltete gerade der Pfleger Johann Friedrich Haller von Hallerstein die Festung. Doch im Gegensatz zu seinem Vorgänger weigerte er sich, die Festung zu übergeben. Und damit durchbrach er die lange schlechte Tradition der Wehranlage. Diesmal wurde sie weder eingenommen noch zerstört, die Truppen des Sonnenkönigs mussten aufgeben und abziehen.
Das 18. Jahrhundert
Das nächste Jahrhundert verlief zwar relativ ruhig, doch entdeckte man in dieser Zeit einige Bauschäden. Bei der Errichtung hatte man die äußeren Teile der Festung, die an die sumpfige Flussniederung angrenzten, nicht ausreichend gut gegründet, sodass die schadhaften Bereiche aufwendig und kostspielig neu unterfangen werden mussten. Doch bevor sie wieder ihrer ursprünglichen Nutzung zugeführt werden konnte, wurden für einige Zeit erst einmal rund 300 französische Kriegsgefangene hier inhaftiert.
Ära als Gefängnis
Als sich das neu entstandene Königreich 1806 die Reichsstadt Nürnberg einverleibte, fiel auch Lichtenau an Bayern. Und da man zu dieser Zeit wenig Verwendung für wehrhafte Anlagen hatte, widmete man die Festung zu einem Kriminalstrafhaus um. Diesmal waren es Schwerverbrecher, die in den Räumlichkeiten inhaftiert waren. Dazu mussten die Gebäude zwangsweise massiv umgebaut werden, um dieser Nutzung gerecht zu werden. Die Mannschaftsquartiere wie auch die Kasematten und Türme wurden zu Gefängniszellen, während das Wach- und Anstaltspersonal in den ehemaligen Bastionen untergebracht war, die aufwendig umgebaut worden waren.
In diesem Zuge wurde auch der innere Wassergraben trockengelegt und aufgefüllt, der nördliche Kavalier zur Anstaltskirche umgewandelt. In der Anstalt gab es eine Schreinerei und mehrere andere Handwerksbetriebe, in denen die Insassen arbeiteten. Und für die Gesundheit derselben hatte man sogar ein Zimmer mit zahntechnischem Equipment eingerichtet. Das soll aber nicht über die tatsächlichen Zustände hinwegtäuschen, denn die Gefangenen waren in Ketten auf engstem Raum zusammengepfercht, es war feucht und kalt, die Krankheitsrate hoch. Und die Hausordnung wurde mit harten Strafen durchgesetzt.

Reichsarbeitsdienstlager
Zwar war das Gefängnis schon seit einiger Zeit zur Anstalt für leichtere Vergehen umgewidmet, doch blieb es bis 1932 noch als sogenanntes Heim für entlassene Strafgefangene genutzt. Unter den Nationalsozialisten funktioniere man die Festung dann zu einem Reichsarbeitsdienstlager um, das anscheinend für drei Jahre genutzt wurde. Über diese Zeit findet man leider nur wenig öffentlich zugängliche Daten.
Nach der Weltwirtschaftskriese war auch die Wirtschaft in Deutschland am Boden. Es gab kaum Arbeit für die vielen Menschen und die Armut war weit verbreitet. Das alles nahmen die Nationalsozialisten zum Anlass, ein paar grundlegende Neuerungen einzuführen. In diesem Zusammenhang wurde 1935 ein Gesetz verabschiedet, in dem „alle jungen Deutschen beiderlei Geschlechts verpflichtet waren, ihrem Volke im Reichsarbeitsdienst zu dienen„. Was sich zunächst für den einen oder anderen wie eine Variante des Bundesfreiwilligendienstes anhört, hatte damals jedoch weitreichendere Hintergründe und Folgen.

Die arbeitslosen jungen Menschen von der Straße zu bekommen, um freiwillig allgemeinnützige Arbeit zu verrichten, war nur eine beschönigte Erklärung. Vielmehr handelte es sich um eine erste Stufe im nationalsozialistischen Erziehungssystems, in dem die jungen Menschen diszipliniert und in die Ideologie der Nazis einzugliedern. Zwar wurde die Arbeit als Ehrendienst und freiwillig bezeichnet, doch gab es beispielsweise diverse Hürden, sich vor dem Freiwilligendienst zu drücken. So war die Ableistung des FAD beispielsweise Voraussetzung dafür, ein Studium beginnen zu dürfen. Zudem herrschte in den Lagern militärische Disziplin.
In Deutschland leisteten damals rund drei Millionen Männer und unzählige Frauen den Freiwilligendienst ab. Doch besonders wirtschaftlich war das ganze nicht. Das lag zum einen an den enormen Kosten für die Unterbringung und Verpflegung der vielen Arbeitern, zum anderen an der ungenügenden Leistung. Anscheinend waren die Arbeiter nicht einmal halb so produktiv wie Arbeiter in der Privatwirtschaft. Und weil durch die aufkeimende Rüstungsindustrie Unmengen an Arbeitsplätzen geschaffen wurden, stellte man diesen unwirtschaftlichen Dienst schließlich ein.

Displaced People
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Festung Lichtenau zu einem Lager für Displaced Persons, so wurden Zivilpersonen von den alliierten Streitfkräften genannt, deren Heimatland nicht Deutschland war. Eine dafür eingerichtete internationale Hilfsorganisation sollte sich darum kümmern, dass diese Menschen versorgt wurden und in ihr Heimatland zurückkehren konnten, sobald sich die Lage dort stabilisiert hatte. Bei den Displaced People handelte es sich meist um ehemalige Zwangsarbeiter, Insassen von Konzentrationslagern oder auch Osteuropäern, die vor der Sowjetarmee geflüchtet waren.
Die Festung heute
Nach der doch sehr unterschiedlichen Nutzung der Feste in Lichtenau, wurden in den 1970er Jahren so einige statische Schäden aufgedeckt, die instandgesetzt werden mussten. In diesem Zusammenhang hat sich auch die Nutzung der Bauten als Außenstelle des Staatsarchivs Nürnberg ergeben. Die Anlage wurde mit 64 Betonrohrpfählen gesichert. Leider musste das Schlossgebäude im Innenhof für die neue Bestimmung komplett entkernt und mit neuen Stahlbetonträgern versehen werden, um den Traglasten des Archivs gerecht zu werden. So ist von der alten Inneneinrichtung leider nicht mehr viel erhalten. Nach den Umbauten konnte 1978 die Archivverwaltung einziehen, während die Außenarbeiten noch ein paar weitere Jahre andauerten.
Besucherinformationen
Adresse
Festung Lichtenau
Von-Heydeck-Straße
91586 Lichtenau
Innenhof und Außenanlagen
Öffnungszeiten
- Innenhof jederzeit begehbar
- Hunde an der Leine erlaubt
- barrierearm
Eintrittspreise
- Innenhof und Außenanlagen frei begehbar
Ritterspiele
Ein ganz besonderes Spektaktel bietet die Festung Lichtenau seit ein paar Jahren jeweils Anfang Juni statt: die Ritterspiele. Neben den Turnieren sind hier in der Renaissancefestung das große Lagerleben mit Handwerkern, Spielleuten, Gauklern und natürlich das Programm für Kinder das absolute Highlight.
Infos über die Ritterspiele und alle anderen Mittelaltermärkte findet ihr HIER

Staatsarchiv
Bei dem Staatsarchiv in Lichtenau handelt es sich um eine Außenstelle des Staatsarchivs Nürnberg. Die Staatlichen Archive in Bayern haben die Aufgabe, Urkunden, Akten Karten Bilder und anderes Archivgut, das bis ins 8. Jahrhundert zurückreicht, zu verwahren und für die Verwaltung, wissenschaftliche Forschung, Heimatkunde und Bildung zur Verfügung zu stellen. Auf Antrag können hier für alle möglichen amtlichen, familiengeschichtlichen, publizistischen oder persönlichen Zwecken die Unterlagen eingesehen werden.
Eine Besichtigung ist nur im Rahmen einer Führung möglich. Diese kann beim Markt Lichtenau oder im Museum Lichtenau angefragt werden.

Museum Lichtenau
Im Jahr 2009 gründete sich der örtliche Museumsverein Lichtenau, der ein gut durchdachtes Themenmuseum mit ortstypischen und für Mittelfranken charakteristische Ausstellungen einrichtete. Hier findet der Besucher nicht nur die Rezat-Mühlen-Ausstellung und eine Feierabendziegel-Sammlung, sondern auch Exponate und Informationen zum Baumaterial Sandstein und dessen Gewinnung in Steinbrüchen. Und natürlich werden auch die herausragenden Persönlichkeiten der Marktgemeinde gewürdigt, die sonst kaum irgendwo Erwähnung finden.
Adresse
Museum Markt Lichtenau
Marktplatz 12
91586 Lichtenau
Öffnungszeiten
- April bis Oktober
- zur Zeit wegen Umbauarbeiten geschlossen
- aktuelle Infos
Führungen
Der Museumsverein bietet zwischen April und Oktober verschiedene Führungen für Gruppen an, auf Anfrage auch außerhalb dieser Zeiten:
- Führung durch das Museum
- Führung durch die Festung und den Markt Lichtenau
- einmal jährlich findet eine Führung durch den Steinbruch statt
- Anmeldung und weitere Informationen

Historischer Weg Lichtenau
Rings um die Festung Lichtenau führt ein etwa 1 km langer Rundweg, der auf sieben Infotafeln die historischen Elemente der Veste und des Marktes aufgreift.
Beschreibung
Wir beginnen den kurzen Rundweg auf dem Parkplatz direkt neben der Festung und gehen die Von-Heideck-Straße an den ehemaligen Wirtschaftsgebäuden weiter geradeaus. Am Ende führt ein Fußweg durch die halbhohe Mauer auf die Wiese. Auf der rechten Seite befindet sich eine Infotafel. Der Historische Weg knickt nach ein paar Metern nach links ab und führt an den Außenmauern der Festung Lichtenau entlang weiter. Am Ende der Anlage beschreibt der Schotterweg eine Links-, dann eine Rechtskurve und leitet uns vor der Rezat nach links über den Hof zur Straße An der Brücke.

Dort befindet sich ein runder rosafarbener Bau mit mehreren Infotafeln. Wir gehen nach links weiter und halten uns an der Gabelung links. Der Rundweg führt uns durch das Untere Tor am ehemaligen Burggraben und den alten Stadthäusern entlang weiter. Wenn wir uns an der nächsten Gabelung links halten, gelangen wir zum Eingangstor der Festung. Hier machen wir zunächst einen Rundgang durch die inneren Anlagen und den Burghof mit dem Staatsarchiv, dann gehen wir am Tor die Rampe nach oben und umlaufen die Festung noch einmal auf der Befestigungsmauer.
Wer mag, kann noch – bevor es zum Parkplatz zurückgeht – einen Abstecher nach rechts zum Martin-Luther-Platz mit der Dreifaltigkeitskirche machen.
Route

Details
- Start/Ziel: Parkplatz in der Von-Heideck-Straße an der Festung
- alternativ: Parkplatz an der Windsbacher Straße (Festplatz): blau punktiert
- Markierung: Historischer Weg
- Länge: 1,1 km (1,5 km inkl. Burgbesichtigung)
- Dauer: 45 Minuten
- Anstieg: 10 m
- Für Kinderwagen/Buggy geeignet: ja (geländegängiges Modell)
GPX-DATEN FÜR GPS-GERÄTE UND WANDER-APPS
So funktioniert´s: Anleitung zum Download und Importieren in eine Wander-App oder ein mobiles GPS-Gerät

Essen und trinken
In Markt Lichtenau selbst gibt es ein paar Gaststätten und Cafés, die allerdings nicht immer geöffnet haben. Bitte erkundigt euch im Vorfeld, ob ihr zur gewünschten Zeit dort einkehren könnt.
- Zum Eberhardt, Lindenstraße 8
- Bäckerei Schwarz, Steinweg 4
- Margas Scheune, Marktplatz 2
- Eiscafé Pizzeria Antonio, Unterrottmannsdorfer Str. 6

Anfahrt: Wie komme ich zur Festung Lichtenau?
Mit öffentlichen Verkehrsmitteln
Der nächste Bahnhof befindet sich in Ansbach. Von dort ist Lichtenau mit der Buslinie 711 erreichbar.
Mit dem Pkw, Motorrad oder Wohnmobil
Am einfachsten kommt ihr nach Lichtenau über die A6 Nürnberg-Heilbronn. Dort nehmt ihr die Ausfahrt 53 Lichtenau und folgt der Beschilderung die kurze Strecke in den Ort.
Parken
Es gibt zwei Parkmöglichkeiten in Lichtenau.
- Parkplatz am Festplatz (Windsbacher Str.): Wenn ihr von der Staatsstraße links nach Lichtenau abbiegt, kommt ihr über die Herpersdorfer Str. zur Windsbacher Straße. Direkt gegenüber befindet sich der Festplatz, auf dem ihr kostenlos für die Dauer eures Besuches der Festung Lichtenau parken könnt. Hier haben auch Wohnmobile genügend Platz.
- Parkplatz an der Festung (Von-Heideck-Str.): Direkt an der Burg befinden sich ein paar Parkplätze. Dorthin gelangt ihr, wenn ihr an der Windsbacher Str. nach rechts abbiegt, dann die nächste links (An der Brücke). Dann biegt ihr bei der zweiten Möglichkeit nach links in die Holzschuherstraße, biegt die zweite (schmale) Straße links ab in die Von-Heideck-Straße. Die Parkplätze befinden sich nach etwa 100 m auf der linken Seite direkt an der Festungsmauer.

Fazit
Die Festung Lichtenau und der dazugehörige Markt ist ganzjährig eine echte Attraktion für Mittelalterfreunde. Wer in den Sommermonaten einen Besuch plant, kann zudem an Führungen teilnehmen und das Museum hat ebenfalls geöffnet. So richtig in die Geschichte eintauchen könnt ihr bei den Ritterspielen, die jeweils Anfang Juni in den alten Mauern stattfinden. Ein wahres Erlebnis für die ganze Familie!













