Auf dem geoökologischen Lehrpfad durch die Bitterbachschlucht in Lauf (Nürnberger Land)

Gut versteckt am nordwestlichen Ortsrand der mittelfränkischen Stadt Lauf liegt in einem kleinen Waldstück ein ganz besonderes Schmuckstück der Natur. Tief in den Sandstein hat sich der Bitterbach sein Bett gegraben und eine wunderschöne mit Moosen überwucherte Schlucht geschaffen. Mitten durch die Bitterbachschlucht führt der rund 4 km lange geoökologische Wanderweg.

Die genauen Tourendaten findet ihr weiter unten (Wanderkarte, gpx, etc.)

Der Bitterbach

Zusammen mit seinem Oberlauf, dem Teufelsgraben, ist der Bitterbach etwa 7 km lang. Ohne ihn gerade einmal 3,2 km. Der eigentliche Bitterbach entsteht nahe der Eschenauer Straße in Lauf aus dem Zusammenfluss des besagten Teufelsgraben und dem unbedeutenderen Ochsenpriel. Anschließend durchfließt der Bitterbach gleich ein Wasserwerk. Von hier aus bis zur Mündung in die Pegnitz ist er immer auf Tuchfühlung mit Siedlungsgebieten der Stadt Lauf.

Ursprünglich hieß der Bitterbach einmal Biberbach, denn früher lebten hier im Osten Nürnbergs Europäische Biber. Wegen seines weichen Fells wurde das zweitgrößte Nagetier weltweit (und das größte bei uns in Europa) nahezu ausgerottet. Seitdem er unter strengem Schutz steht und Tiere wieder ausgewildert wurden, hat sich die Population in Bayern wieder erholt.

Biber leben in langsam fließenden oder stehenden Gewässern mit Gehölzen nahe am Ufer. Sie gestalten ihren Lebensraum wie kein anderes Tier ganz nach seinen Bedürfnissen um. Dazu fällt der Biber Bäume, baut Dämme und staut Bäche auf. An den Bitterbach ist der Biber leider bis heute nicht zurückgekehrt, zumindest haben wir keine Spuren gefunden, die auf seine Anwesenheit hindeuten.

Die Bitterbachschlucht

Auf seinem nur sehr kurzen Weg zur Pegnitz hat der Bitterbach eine Klamm durch den grobkörnigen roten Buntsandstein gefressen: die Bitterbachschlucht. Die Bitterbachschlucht ist eine für Franken typische Rhätsandsteinschlucht mit ihrem charakteristischen rötlichen Sandsteinfelsen.

Vor rund 200 Millionen Jahren befand sich hier ein flaches Meer, das sich vom Nordseebecken bis ins heutige Franken erstreckte. An der Küste etwas östlich mündete ein großer Fluss in dieses Meer, der Unmengen an Sand in der Mündung ablagerte. Als es im Laufe der Jahrmillionen zu tektonischen Bewegungen kam, hob sich das Festland und das Meer zog sich zurück. Weitere Ablagerungen überdeckten die meterhohen Sandschichten und verdichteten ihn zu Sandstein.

Weitere Bewegungen in den Festlandplatten führten dazu, dass diese Sandsteinschollen zerbrachen und gefaltet wurden. Durch die Erosionsvorgänge der folgenden Klimaveränderungen wurde die Deckschicht langsam wieder abgetragen, sodass der Rhätsandstein nun erneut an die Oberfläche trat. Hier am Rand von Lauf quert ein Streifen Burgsandstein die weiter am Oberlauf vorkommenden Gesteine aus dem Schwarzen Jura.

An einigen Stellen sind die steilen Schluchtwände stark unterspült, an den Oberseiten üppig mit Moosen und Farnen bewachsen. Die Bitterbachschlucht ist ein Überbleibsel der letzten Eiszeit, in deren wechselndem Klima sich der Fluss mehrfach ein neues Bett schuf und sich letztendlich in den Sandstein einschnitt.

Die Bitterbachschlucht im Winter und Frühling

Unter dem Bitterbach liegt eine recht wasserundurchlässige Schicht in der Talsohle. Der feuchte, fast sumpfige Boden hat eine entsprechende Vegetation. Im Frühjahr kann man hier ganze Rasen an Buschwindröschen und Sumpfdotterblumen. Bei klirrender Kälte verwandeln sich die kleinen Wasserfälle in wunderschöne Vorhänge aus Eis.

Überall an den Ufern des Bitterbachs blühen im Frühling Buschwindröschen

Die Bitterbachklamm als Trockenschlucht

Gab es in der Vergangenheit eher die Angst vor Hochwassermeldungen, so rückten in den letzten Jahren durch die Hitzeperioden und fehlenden Niederschlägen Niedrigwasser-Meldungen in den Vordergrund. Die Folgen sind auch immer wieder in den Sommermonaten in der Bitterbachschlucht zu sehen: das Flussbett trocknet aus – mit nachhaltigen Folgen für Pflanzen und Tiere.

Nicht nur der Sauerstoffgehalt im warmen Wasser sinkt dramatisch ab, was vor allem für Fische eine Bedrohung darstellt. Auch der Boden verliert durch die Austrocknung seine Fähigkeit, Wasser zu speichern. Die Städte Lauf und Röthenbach fördern ihr Trinkwasser aus dem Grundwasserstock. Bei durch die Hitze und Trockenheit verursachtem Mehrverbrauch an Trinkwasser und keiner gleichzeitigen Zufuhr ist die weitere Entwicklung kritisch einzuschätzen.

Müllwissen

Am Ende der Bitterbachschlucht könnt ihr euer Wissen über Abfälle aus eurem Haushalt testen. Auf einer mit einem Zaun umgrenzten Fläche liegen verschiedene Müllarten, von Karton über Konservendosen bis zu Kleidung. Es gilt zu erraten, wie lange jeder dieser Gegenstände benötigt, bis er komplett verrottet ist. Daraus entsteht ein spannendes Quiz. Jeder darf einen Tipp abgeben – und erst dann wird die Lösung auf den Tafeln gelüftet.

Wandern in der Bitterbachschlucht

Das Areal um die Bitterbachschlucht wurde erstmals in den 1950ger Jahren für Wanderer erschlossen. Den so entstandenen Wanderweg nannte man damals Rektor-Karl-Hoffmann-Pfad nach dem ehemaligen Naturschutzbeauftragten des Landkreises Nürnberger Land.

Heute ist die Schlucht Teil des markierten Wanderweges Geoökologischer Wanderweg Bitterbachschlucht. Die Rundwanderung beginnt an der Bushaltestelle Hardtstraße und führt am Weiher neben dem Christoph-Jacob-Treu-Gymnasium vorbei. Von hier aus geht es über den Philosophenweg an den Häusern in der Straße Am Bitterbach vorbei in den Wald. Nach einem kurzen Abstieg und der Überquerung der Holzbrücke öffnet sich nach wenigen Minuten der Pfad in die Felsenschlucht.

Für kleine Schluchtenentpioniere – Kinderwanderung Bitterbachschlucht

An die 30 Infotafeln informieren am Wegesrand über die Bitterbachschlucht und den Lebensraum Wald. Der Pfad ist so angelegt, dass er mit Kindern gut bewältigt werden kann. Abenteuerlich wird es schon, denn es geht teilweise auf schmalen Stegen ganz nah am Bitterbach entlang. Durch die vielen engen Passagen und Wurzeln auf dem Pfad ist die Tour nicht für Familien mit Kinderwagen oder Buggy geeignet.

Geökologischer Wanderweg durch die Bitterbachschlucht

Wir starten unsere Wanderung auf dem Parkplatz an der Bushaltestelle auf der Hardtstraße gegenüber vom Gymnasium in Lauf. Gleich gegenüber am Teich steht die erste Infotafel. Wir folgen dem Philosophenweg durch den Wald bis zur Daschstraße und biegen dort nach halbrechts auf die Straße Am Bitterbach ein und folgen dem Wegverlauf, der uns nach einigen Hundert Metern steil den Hang hinab zum Bitterbach führt. Es geht über die Brücke und dann rechts.

Ab hier folgen wir immer dem schmalen Pfad entlang des Bitterbaches, der uns das eine oder andere Mal über Holzplanken und Baumwurzeln führt. Der schönste Teil der Bitterbachschlucht kommt ganz am Ende des Pfades. Dann geht es wieder weiter hinauf, an einer Windung des Bitterbaches vorbei bis zum Müll-Quiz auf der linken Seite.

Ein paar Meter weiter weist uns ein Schild den Weg links nach Rudolfshof, wir nehmen jedoch den Pfad nach rechts, der uns zum Schulzentrum Lauf Nord bringt. Es geht ein Stück durch den Wald, dann über eine Wiese zum Gelände des Handballvereins HSG Lauf auf die Straße Haberloh. Ihrem Verlauf folgen wir geradeaus auf die Beethovenstraße. In der Rechskurve halten wir uns weiter geradeaus und treffen nach wenigen Metern auf die Hardtstraße, der wir nach rechts bis zum Ausgangspunkt folgen.

Route

Höhenprofil

Details

  • Start/Ziel: Parkplatz Hardtstraße, Lauf
  • Markierung: keine
  • Länge: 4 km
  • Dauer: etwa 1,5 Stunden
  • Schwierigkeit: mäßig
  • für Kinderwagen/Buggy geeignet: nein
  • Höhendifferenz: 130 m
  • DOWNLOAD Karte als pdf: Bitterbachschlucht-Lauf-Karte.pdf

TOURENDATEN FÜR GPS-GERÄTE UND WANDER-APPS

So funktioniert´s: Anleitung zum Download und Importieren in eine Wander-App oder ein mobiles GPS-Gerät

Essen und trinken

Auf dem Weg liegt auf dem Sportgelände das griechische Restaurant Dionysos, am Bitterbachsee ein chinesisches Restaurant. In der Innenstadt von Lauf gibt es natürlich jede Menge weiterer Gaststätten.

Dionysos

Am Haberloh 6
91207 Lauf an der Pegnitz

Jade See Oasia

Eschenauer Str. 25
91207 Lauf an der Pegnitz

Anfahrt: Wie komme ich nach Lauf?

Von der A9 aus nehmt ihr die Abfahrt 50 Lauf/Rückersdorf und haltet euch weiter auf der B14 Richtung Gewerbegebiet Lauf. Diese verlasst ihr nach rund 1,6 km in Richtung Lauf/Eckental, an der Ampel geht es nach links auf die St2240 und nach 600 m wieder links auf die Eschenauer Straße. Nach weiteren 600 m biegt ihr nach rechts auf die Rudolfshofer Straße und gleich wieder nach links auf den Nordring. Nach etwa 400 m biegt ihr links in die Lärchenstraße und erreicht an deren Ende den Parkplatz auf der Hardtstraße.

Parken

Parkplätze gibt es auf der Hardstraße an der Bushaltestelle gegenüber von der Einmündung Lärchenstraße.

Alternativen

  • Parkplatz Bitterbachhalle (Daschstraße)
  • Parkplatz Daschstraße Ecke Am Bitterbach

Fazit

Leider ist der geoökologische Wanderpfad nicht als solcher markiert. Trotzdem ist der Weg leicht zu finden, zumindest, wenn ihr mit unserer Wanderkarte oder den GPS-Daten von uns unterwegs seid. Besonders schön ist die Tour im Frühjahr, wenn im Wald die Buschwindröschen blühen, oder auch im Winter bei klirrender Kälte. In diesem Fall solltet ihr allerdings mit Wanderstöcken und/oder rutschhemmenden Schuhkrallen auf die Wanderung gehen, denn in der Bitterbachschlucht kann es sehr rutschig werden. Im Sommer ist es hier angenehm kühl.


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