Rundwanderung durch die wilde Röthenbachklamm (Nürnberger Land)

Nordöstlich von Altdorf im Waldgebiet Fürstenschlag entsteht der Röthenbach und mäandert auf rund 21 Kilometer durch das Nürnberger Land, um dann in Röthenbach an der Pegnitz in die Pegnitz zu münden. Der erste Teil des Bachverlaufes gestaltet sich recht urig, an den Prallhängen hat sich das Wasser des Röthenbaches tief in die Sandsteinfelsen eingegraben und damit eine einzigartige Landschaft erschaffen: die Röthenbachklamm, auch Rumpelbachschlucht genannt.

Alle Details zur Wanderung findet ihr weiter unten (Karte, GPS-Daten …)

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Gleich am Anfang der Röthenbachklamm gibt es einen kleinen Wasserfall

Ein Stückchen Wildnis im Lorenzer Reichswald

Eine Wanderung entlang der Klamm ist ein wenig abenteuerlich, teilweise quert der schmale Pfad den Bachverlauf. Auf rutschigen Steinen im Flussbett ist es gar nicht so einfach, trockenen Fußes auf die gegenüberliegende Seite zu kommen. An anderer Stelle müssen Wanderer über einen Baumstamm balancieren, um das gegenüberliegende Ufer zu erreichen.

Also genau das richtige Ausflugsziel für alle Familien mit Kindern ab dem Grundschulalter und natürlich auch alle junggebliebenen Wanderfreunde. Früher verlief hier einmal der offizielle Fränkische Dünenweg. Dieser ist aber schon seit Jahren auf einen leichter zu begehenden Weg etwas weiter nördlich umgelegt worden. Der alte Weg direkt am Röthenbach entlang ist aber immer noch sehr gut zu erkennen und deshalb gibt es auch kaum Orientierungsprobleme.

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Im weiteren Verlauf wird der Röthenbach sehr idyllisch

Die Rumpelbachschlucht in Gefahr

Schon mehrfach wollten die Nürnberger der wunderschönen Sandsteinschlucht an den Kragen. Glücklicherweise konnten sie noch einmal abgewendet werden.

Bereits im 14. und 15. Jahrhundert geriet der gemächlich dahinmäandrierende Fluss Röthenbach in den Fokus des Nürnberger Rates. Er sollte sein angestammtes Bachbett verlassen, um ihn über einen künstlichen Kanal in den Fischbach zu leiten und somit sein Wasser bis nach Nürnberg zu bringen. Bei Ungelstetten ist übrgigens noch ein kleiner Teil dieses sogenannten gefütterten Grabens erhalten. Woran das Vorhaben scheiterte, kann ich nicht sagen, gut ist nur, dass es nicht funktioniert hat.

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Der Sandstein hat wunderschöne Färbungen in der Rumpelbachschlucht

Es ist noch nicht lange her, da wäre die wunderschöne Röthenbachklamm beinahe einer Sandgrube zum Opfer gefallen. Es gab schon konkrete Pläne, welche Waldgebiete im Lorenzer Reichswald zu diesem Zweck gerodet und ausgebaggert werden sollten. Dem Bund Naturschutz und natürlich auch den unermütlich kämpfenden Anwohnern aus Röthenbach und Umgebung ist es zu verdanken, dass dieses Vorhaben (vorerst?) ad acta gelegt wurde. Zum Naturschutzgebiet ist die Schlucht immer noch nicht deklariert worden, deshalb ist sie womöglich auch weiterhin gefährdet.

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Meist ist der Wasserspiegel im Röthenbach nicht sehr hoch

Die schönsten Geotope in Bayern – Nürnberger Land

Das Bayerische Landesamt für Umwelt ist da schon einen Schritt weiter. Die zuständigen Stellen haben die Rumpelbachschlucht bereits als seltenes Schmuckstück der Erdgeschichte erkannt und die Rhätsandsteinfelsen als bedeutendes Geotop in Bayern ernannt und ihr damit einen gewissen Schutzstatus verliehen.

Röthenbach in Hülle und Fülle

Wahrscheinlich kann man die Dörfer in Deutschland mit dem Namen Röthenbach kaum noch zählen. Allein im Umkreis von Nürnberg tummeln sich vier von ihnen. Deshalb kann man schon einmal schnell durcheinanderkommen.

Das Flüsschen Röthenbach in Mittelfranken entspringt im Nürnberger Land im Norden bis Nordosten von Altdorf und fließt über Ziegelhütte zum ersten Röthenbach, einem Ortsteil von Altdorf. Deshalb nennt man es auch Röthenbach bei Altdorf.

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Mit etwas Fantasie erkennt man Elefantenköpfe und viele andere Formen im Sandstein

Bis 1978 war dieses Röthenbach eigenständige kleine Landgemeinde, bis es dann nach Altdorf eingemeindet wurde und deutlich an Einwohnerzahl zulegte. Im Staatsarchiv Nürnberg finden sich zu dem Ort an gleichnamigem Flüsschen bereits Unterlagen über ein Lehen im Jahr 1335. Anscheinend hat der Röthenbach früher deutlich mehr Wasser, denn nur 20 Jahre später bekam dieselbe Patrizierfamilie aus Nürnberg dann auch das Fischereirecht am Röthenbach. Heute kaum vorzustellen, dass man tatsächlich einmal größere Fische in dem Rinnsal gefangen haben soll.

Um 1500 ist die Gemeinde kurz in pfälzischen Besitz gelangt, bevor sie sich die Stadtrepublik Nürnberg einverleibte. Im Gegensatz zu heute war sie damals vollständig vom Nürnberger Reichswald umschlossen.

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Wasserfall in der Rumpelbachschlucht (Röthenbach bei Altdorf)

Die älteste Bewohnerin von Röthenbach

An die 700 Jahre ist sie alt und hat wahrscheinlich schon einiges miterlebt, was sie uns erzählen könnte. Könnte sie denn sprechen. Die alte, aber immer noch rüstige Dame ist die Röthenbacher Eiche. Sie steht in Röthenbach auf einer Wiese und spendet den Kindern auf dem Spielplatz ringsum Schatten und allerhand tolle Naturprodukte zum Basteln im Herbst.

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Ihre riesige Krone wird inzwischen von Drahtseilen gesichert, denn 2011 ist der unterste Starkast über Nacht abbrach. Zwar ist die monumentale Eiche von Fäulnis befallen und innen hohl, trotzdem macht sie einen recht vitalen Eindruck und muss auch in näherer Zukunft nicht gefällt werden. (Standort: Parkstraße Ecke Birkenschlag).

Tipp: Für einen Besuch geht ihr die Straße Zur Röthenbachklamm ein Stück zurück. Rechts über den Akazienweg (kleiner Fußweg in der Kurve geradeaus) kommt ihr zum Spielplatz mit der alten Eiche.

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An einer Stelle müsst ihr den Röthenbach über ein paar Steine queren

Woher der Sandstein kommt

In Franken ist er allgegenwärtig: der Sandstein. Nicht nur in der Natur ragen hier und da Sandsteinfelsen aus dem Untergrund, auch die Nürnberger Burg und viele andere historische Gebäude sind aus Sandstein erbaut.

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Wie der Name bereits sagt, besteht Sandstein zu einem großen Teil aus Sand, der durch Flüsse vor Millionen von Jahren in das tropische Meer in der Region angespült wurde. Als sich das Meer zurückzog, blieb der Sand an Ort und Stelle. Damit aus den vielen kleinen Sandkörnern ein festes Gestein werden kann, ist eine Art Kitt oder Mörtel notwendig, der in der Natur beispielsweise aus Tonen bestehen kann.

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Ist dann noch die Temperatur und der Druck hoch genug, verdichtet sich das Material und Sandstein entsteht. Allerdings bleibt er trotzdem immer noch recht bröselig und zerfällt im Laufe der Zeit schnell wieder durch Erosion zu Sandkörnern.

Dieses Phänomen sieht man auch in der Rumpelbachschlucht recht eindrucksvoll. Von oben ist der Sandstein gut durch eine Schicht anderen Materials abgedeckt, sodass von hier aus keine Erosion stattfindet. Dort, wo der Röthenbach auf den Sandstein trifft, holt er langsam aber sicher die kleinen Körner aus dem Sandstein heraus und wäscht ihn damit aus. Die skurrilen Muster, die das Wasser in den Stein geschliffen hat, könnt ihr besonders schön an der Stelle betrachten, an der ihr den Röthenbach über die Steine queren müsst, um auf dem Weg zu bleiben.

Schaut ihr auf den Grund ins Bachbett, findet ihr eine mehr oder weniger dicke, feine Sandschicht, die sich dort abgelagert hat.

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Der Röthenbach speist auch die Ungelstetter Weiherkette

Weiherkette von Ungelstetten

Kurz nachdem wir unter der A6 hindurch gelaufen sind, gelangen wir zu einer etwa einen Kilometer langen Weiherkette, die sich bis nach Ungelstetten zieht. Diese Fischweiher werden vom Röthenbach gespeist, teilweise auch durchflossen. Die Kette besteht aus acht größeren Weihern und auch ein paar Aufzuchtbecken für die Jungfische. Erste Weiher wurden 1970, weitere dann 1986 angelegt und an den Fischereiverein Altdorf verpachtet.

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Moorlandschaft am Röthenbach kurz vor Ungelstetten

Wanderung durch die Rumpelbachschlucht

Wegbeschreibung

Wir starten unsere Wanderung am Ende der Straße Zur Röthenbachklamm in Röthenbach bei Altdorf. Hinter dem letzten Haus geht es auf einem schmalen Weg nach links an der Mauer vorbei und dann nach rechts in den Wald. Nach einem kurzen Intermezzo mit einer Stromtrasse geht es dann schnurstraks hinab in die Rumpelbachschlucht. Wir folgen dem schmalen Pfad bis der Bach einen linksknick an einer wunderschönen Sandsteinformation macht.

Hier scheint der Weg nicht weiterzuführen. Tatsächlich müsst ihr aber über den Röthenbach hinüber auf die andere Seite. Dazu sind ein paar größere Trittsteine ausgelegt. Jetzt geht es links am Rumpelbach weiter durch den Wald, bis ihr zu einem Baumstamm kommt, der über den Röthenbach gelegt ist. Über den Baumstamm müsst ihr hinüberbalancieren.

Nach kurzer Strecke geht es unter der A6 durch eine schmale Röhre hindurch. Auf der anderen Seite haltet ihr euch halb links und gelangt nach kurzer Strecke zur Ungelstetter Weiherkette. Wer Hunger oder Durst hat, kann in Ungelstetten ein Restaurant oder Café aufsuchen.

Ansonsten geht es nach rechts auf dem Fränkischen Dünenweg wieder zurück. An der 8. Abzweigung halten wir uns rechts, gehen wieder unter der Autobahn hindurch und dann links ein kleines Stück an der Autobahn entlang. Dann biegen wir nach rechts ab und gelangen nach kurzer Strecke wieder zurück zum Ausgangspunkt.

Route

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Höhenprofil

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Details

  • Start/Ziel: Wohngebiet Zur Röthenbachklamm, Röthenbach bei Altdorf
  • Länge: 5,7 km
  • Dauer: 1,5 Stunden
  • Markierung: keine
  • Schwierigkeit: mittel
  • für Buggy geeignet: nein
  • Aufstieg: 206 m
  • Abstieg: 216 m
  • DOWNLOAD Karte als pdf: Röthenbachklamm-Wanderkarte.pdf

TOUREN-DATEN FÜR GPS-GERÄTE UND WANDER-APPS


So funktioniert´s: Anleitung zum Download und Importieren in eine Wander-App oder ein mobiles GPS-Gerät 

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Eine der schönsten Stellen der Rumpelbachschlucht in Röthenbach bei Altdorf

Essen und trinken

Eine Stärkung könnt ihr entweder in einem der Gaststätten in Ungelstetten einnehmen oder bis nach Altdorf fahren.

Ungelstetten

Café und Pension Zur Alten Scheune

Dorfstr. 10, 90610 Winkelhaid-Ungelstetten

Gaststätte Am Wiesengrund

Zum Wiesengrund 6, 90610 Winkelhaid-Ungelstetten

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An einigen Stellen ist der Sandstein schon stark vom Rumpelbach unterspült

Anfahrt: Wie komme ich zur Rumpelbachschlucht?

Wenn ihr über die A6 aus Richtung Nürnberg Richtung Amberg fahrt, biegt ihr bei der Ausfahrt Altdorf ab und fahrt über die St2240 etwa einen Kilometer. Dann biegt ihr rechts in die Röthenbacher Straße ab und nach 250 Metern wieder rechts in die Straße Zur Röthenbachklamm.

Parken

Am Ende der Straße Zur Röthenbachklamm in 90518 Röthenbach bei Altdorf ist leider kein Wanderparkplatz vorhanden. Ihr könnt aber sicherlich im Wohngebiet einen Abstellplatz für euer Auto finden.

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Durch eine Wellblechröhre geht es unter der Autobahn hindurch

Fazit

Sieht man einmal von der nahen Autobahn ab, die immer eine gewisse Geräuschkulisse produziert, ist die Wanderung durch die Röthenbachklamm bei Altdorf recht urig. In den seltenen Fällen, in denen der Röthenbach einmal Hochwasser führt, ist der Weg in Teilen nicht begehbar. Nehmt auf jeden Fall lieber ein Handtuch mit, falls ihr barfuß durch den Rumpelbach waten müsst. Und zieht unbedingt auch robuste Schuhe an. Mit dem Kinderwagen kommt ihr leider nicht sehr weit, für Kinder ab etwa 5 Jahren ist der Weg allerdings ein Heidenspaß.



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1 thoughts on “Rundwanderung durch die wilde Röthenbachklamm (Nürnberger Land)”

  1. Hallo,
    wie immer eine schöne Beschreibung der Wanderung.

    Noch eine Anmerkung. Der Ort auf der Wanderung heißt nicht Ugelstetten, sondern Ungelstetten, nur weil er mehrfacherwähnt wird.

    Gruß
    Werner

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