Auf dem geoökologischen Waldlehrpfad durch den Teufelsgraben in Langenzenn (Landkreis Fürth)

Wer hätte gedacht, dass auch der Landkreis Fürth mit einer Schlucht aufwarten kann. Nahezu unbekannt und völlig versteckt am nordöstlichen Ortsrand von Langenzenn liegt der Teufelsgraben, den der Kettenbach in den Untergrund gefräst hat. Lange nicht so spektakulär wie die Schwarzachklamm, dennoch ein ganz besonderes Kleinod, das ihr auf einer kleinen Wanderung auf dem Geoökologischen Waldlehrpfad Teufelsgraben der Stadt Langenzenn bewundern könnt.

Details zur Wanderung findest du weiter unten (Karte, gpx etc.)

Im Frühling scheinen Wald und Wiesen unter dem blauen Himmel zu leuchten

Ein kleiner Auszug aus der Geschichte Langenzenns

Entstanden ist die Stadt Langenzenn im heutigen Landkreis Fürth aus einem fränkischen Königshof wahrscheinlich irgendwann um 700. Die älteste Urkunde stammt von 903 und benennt Langenzenn nach dem Fluss, der durch den Ort fließt: die Zenn oder damals Zenne. Ihre günstige Lage in der Mitte des damaligen Reiches dürfte ausschlaggebend dafür gewesen sein, dass König Otto I. 954 genau hier eine Reichsversammlung einberief.

Bereits im 13. Jahrhundert kam Langenzenn, wahrscheinlich schon damals zur Stadt erhoben, durch Erbschaft in den Besitz der Burggrafen von Nürnberg und wurde damit hohenzollerisch. 1361 wurde dem Burggrafen von Kaiser Karl IV. das Recht verliehen, Heller zu schlagen, sodass Langenzenn Münzstätte der Burggrafen von Nürnberg wurde.

Blick vom Waldlehrpfad Langenzenn über die Wiesen zur Umgehungsstraße

Wusstest du, dass …

Ab dem 19. Jahrhundert wurde aus dem ehemaligen Ackerbaustädtchen Langenzenn ein wichtiger Industriestandort im Landkreis Fürth. Das regionale Tonvorkommen brachte eine Ziegelindustrie hervor, die ihre Produkte mit der 1872 erbauten Eisenbahnlinie transportierte. Diese Strecke von Langenzenn nach Siegelsdorf war übrigens die erste Vizinalbahn in Bayern, so werden Nebenstrecken bezeichnet, die zur Erschließung des ländlichen Raumes dienen.

Der Waldlehrpfad ist auch im Winter begehbar, allerdings kann es etwas matschig werden

Der Zenngrund

Die Zenn, dem das Tal seinen Namen verdankt, entspringt ganz im Norden der Frankenhöhe im Landkreis Neustadt Aisch und fließt über Wilhermsdorf und Langenzenn ins Stadtgebiet Fürth, wo sie bei Vach nach etwa 50 Kilometern mehr oder weniger natürlichem Verlauf in die Regnitz mündet. Einer der unzähligen kleinen Zuflüsse der Zenn ist der Kettenbach, ein Quellbach, der in der Regel nicht das ganze Jahr über Wasser führt.

Im Frühjahr zaubert das Licht mächenhafte Momente in den Teufelsgraben

Teufelsgraben Langenzenn

Als einzige Stadt im Zenntal hat Langenzenn eine Vielfalt an historischen und kulturellen Sehenswürdigkeiten zu bieten. Zu einem der bekanntesten hiervon gehört sicherlich der elegante Kreuzgang des ehemaligen Augustiner-Chorherrenstifts. Unser Geheimtipp führt uns jdeoch ein wenig aus der Stadt hinaus Richtung B8 zum Kettenbach, der in seinem Verlauf eine kleine, romantische Schlucht bildet: den Teufelsgraben. Hindurch führt der knapp 4 Kilometer lange Geoökologische Waldlehrpfad Teufelsgraben.

Es bleibt immer was zu tun

Beim ersten Besuch des Teufelsgrabens war es noch Winter. Jetzt, kaum acht Wochen später explodiert das Grün um den Kettenbach herum und auch die kleine Schlucht erstrahlt in ungewohntem Glanz. Es hat sich einiges getan – nicht nur, was die Pflanzen angeht.

Eine kleine Gruppe Freiwilliger hat inzwischen die Ärmel hochgekrempelt, heruntergefallene Äste aus dem Bachlauf gesammelt, die Wasserrinne von Unrat und Schlamm befreit und das hübsche kleine Wasserrad wieder gangbar gemacht. Wie schön, dass es solche Menschen gibt! Und deshalb möchte ich an dieser Stelle all den vielen ungenannten und unbekannten fleißigen Helfern, die sich mit Herz und Tatkraft für unsere Natur einsetzen, herzliches Dankeschön aussprechen!

Der kleine Quellbach plätschert nun wieder ungehemmt durch den Teufelsgraben

Regenrückhaltebecken statt natürlichem Muldental

Bevor die Umgehungsstraße hier am Waldrand gebaut wurde, bildete der Teufelsgraben hier ein kleines Muldental. Dieses Tal war aber lediglich im Frühjahr nach starken Regenfällen mit Wasser gefüllt, da der Untergrund hier im Landkreis Fürth bei Langenzenn aus Blasensandstein besteht und die sonstigen Niederschläge rasch ableitet.

Die Umgehungsstraße hat nicht nur das Landschaftsbild völlig verändert. Neben dem erhöhten Fahrbahndamm mit der Unterführung wurde ein Regenrückhaltebecken angelegt. Fast wirkt dieses Becken durch den stattlichen Bewuchs wie ein kleines Biotop. Wäre da nicht ein Wehrmutstropfen. Denn die Abwässer der Umgehungsstraße durchlaufen keinerlei Filter oder Abscheider, bevor sie ins Auffangbecken gelangen.

Nicht ganz so toll, wie es auf den ersten Blick aussieht

Schule mal anders: Wahlkurs Geoökologie und Umweltschutz

Dass Schule nicht nur langweilig und theoretisch sein kann, beweist ein außergewöhnliches Schulprojekt aus Langenzenn. Aus einem Unterrichtsprojekt aus zwei Langenzenner Schulen ist ein einmaliger Lehrpfad in einem kleinen Tal, durch das der Kettenbach fließt, entstanden.

Jede Menge Arbeit und Herzblut steckten die Schüler des Wolfgang-Borchert-Gymnasiums und der Mittelschule Langenzenn in die Sanierung und teilweise Neugestaltung des geoökologischen Waldlehrpfades Teufelsgraben, um seinen Besuchern die vielfältigen Zusammenhänge zu verdeutlichen und die Bäume und Sträucher in der eigenen Heimat kennenzulernen. 16 große und 40 kleine Infotafeln – unter anderem über die Geologie des Zenngrundes und das Ökosystem Wald – sind dabei entstanden.

Bei klirrender Kälte hat der Waldlehrpfad Teufelsgraben einen ganz eigenen Charme

Die Magie der heimischen Bäume

Mit fünf regionalen Wanderwegen kann die Stadt Langenzenn aufwarten. Alle verlaufen durch die Wiesen, Wälder und Täler rund um die Stadt, um die vielen unterschiedlichen Gesichter der lieblichen Landschaften im Zenngrund zu erkunden. Und allesamt Entdeckungswanderungen.

Magisch sind nicht nur die Bäume, sondern auch alles um sie herum

Landschaftlich ist Langenzenn geprägt von ausgedehnten Wiesen, Äckern und Wäldern wie dem Dillenberg oder auch dem Wald am Kettenbach. Neben der forstwirtschaftlichen Nutzung haben diese Wälder auch für die heimische Bevölkerung einen hohen Stellenwert für die Freizeitgestaltung. Viele der Bäume sind für die Artenvielfalt wichtig. Aber auch wir Menschen halten uns gerne in Wäldern auf, um der Hektik des Alltags zu entfliehen und Erholung zu finden.

Märchenhafte Stimmung trotz unheimlichem Namen: Teufelsgraben Langenzenn

In artenreichen Mischwäldern lässt sich im Frühjahr ein Hauch von Paradies erahnen, wenn durch das leuchtend gründe Blätterdach die sanften Sonnenstrahlen auf die Buschwindröschen und Märzenbecher fällt. An heißen Sommertagen lässt es sich herrlich den kühlen Schatten genießen. Und was gibt es Schöneres, als bei sonnigem Herbstwetter durch das raschelnde Laub zu spazieren und einen spektakulären Farbrausch zu erleben.

Einzelne Bäume am Wegesrand sind aber nicht nur ein schöner Blickfang für Wanderer oder dienen der Gewinnung von Holz, sondern hatten früher auch eine ganz besondere Bedeutung: So dienten Birnbäume als Orientierungs- und Messpunkte bei den Siebenern.

Berühmte Äpfel aus dem Zenngrund

Vielleicht kennt ihr ja auch die alte Apfelsorte „Reichtragende vom Zenngrund“, die um 1900 als zufälliger Sämling in einem Privatgarten entdeckt wurde und seitdem bei Liebhabern als besonders robuste Sorte bekannt ist.

Tolles Quiz für Familien mit Kindern zum Waldlehrpfad Teufelsgraben

Für alle kleinen und großen Entdecker wurde ein Teufelsquiz und Spiel- und Bastelanleitungen für einen erlebnis- und abwechslungsreichen Aufenthalt in der Natur ausgearbeitet. Schaut euch die Sachen doch mal an, es sind wirklich schöne Ideen dabei!

So hat der Teufelsgraben noch im Winter ausgehenen

Wandern auf dem geoökologischen Waldlehrpfad Teufelsgraben

Start und Ziel des Rundweges ist die Infotafel an der Ecke Adlerstraße und Finkenschlag in Langenzenn. Von hier aus geht es auf dem Feldweg geradeaus mit einem Blick nach links auf den Zenngrund und die B8. Wenn ihr Glück habt, stehen gerade die Ziegen mit ihrem Nachwuchs auf der angrenzenden Weide.

Nach den Weihern geht es dann leicht links auf einem schmalen Pfad über die Brücke zum Teufelsgraben, den ihr durch den wunderschönen Mischwald passiert und auf der anderen Seite wieder auf den Forstweg trefft. Ihm folgt ihr weiter geradeaus am Regenauffangbecken vorbei bis zu einer T-Kreuzung. Nach links geht es durch eine Unterführung der B8 zu einem kleinen Picknickplatz. Wir folgen dem Weg nach rechts leicht den Berg hinauf und am Feldrand wieder rechts.

Ab hier geht es am Waldrand vorbei wieder Richtung Langenzenn. Nach einigen Hundert Metern führt uns ein Hinweisschild mit WLP wieder nach rechts in den Wald hinein. Folgt den Markierungen durch den Wald (manchmal müsst ihr euch an den Infotafeln orientieren), dann kommt ihr unten wieder an den Weihern aus, an denen ihr euch links auf den Weg zurück zum Ausgangspunkt macht.

Route

Das letzte Stück könnt ihr auch etwas weiter oben durch den Wald zurückgehen

Höhenprofil

Details

  • Start/Ziel: Wohngebiet Adlerstraße, Langenzenn
  • Länge: 4 km
  • Markierung: WLP
  • Dauer: 1,5 Stunden
  • Schwierigkeit: mäßig
  • Höhenunterschied: 133 m
  • für Kinderwagen/Buggy geeignet: nein
  • DOWNLOAD KARTE ALS PDF: Waldlehrpfad-Teufelsgraben.pdf

TOURENDATEN FÜR GPS-GERÄTE UND WANDER-APPS

So funktioniert´s: Anleitung zum Download und Importieren in eine Wander-App oder ein mobiles GPS-Gerät

Essen und trinken

Auf dem Waldlehrpfad durch den Teufelsgraben liegt keine Einkehrmöglichkeit. Wenn ihr plant, am Bach ein wenig zu verweilen oder auch das Quiz zu machen, empfiehlt es sich, ein wenig Proviant in den Rucksack zu packen. In Langenzenn habt ihr die Wahl zwischen griechischen, italienischen oder auch gutbürgerlichen deutschen Restaurants in Hülle und Fülle, zum Teil mit hübschem Biergarten, wenn es das Wetter erlaubt.

Direkt hinter der Unterführung liegt ein idylischer Picknickplatz

Anfahrt

mit dem Auto

Über die Südwesttangente/B8 Richtung Neustadt/Aisch bis zur Ausfahrt Langenzenn Nord/Gewerbegebiet Nord und biegt nach rechts auf die FÜ11, deren Verlauf ihr folgt. Wenn ihr auf der Würzburger Straße (Teil der FÜ11) über die Bahngleise fahrt, haltet ihr euch gleich an der nächsten Abzweigung nach links auf die Adlerstraße und folgt ihr bis zum Ende.

mit den Öffentlichen

Zugverbindung ab Nürnberg/Fürth: Regionalbahn Richtung Markt Erlbach

Langenzenn Haltestelle Hardhof, dann links auf die Würzburger Straße und nach ein paar Metern links auf die Adlerstraße. Folgt ihr der Adlerstraße bis zum Ende, wo sie auf den Amsel- und Finkenschlag trifft, findet ihr gleich die große Infotafel für den Waldlehrpfad.

Hier auf dem Waldlehrpfad Teufelsgraben trifft man auch auf kleine Ziegen und Reiter

Parken

Direkt am Startpunkt des Waldlehrpfades gibt es leider keinen Wanderparkplatz. Die Stelle befindet sich in einem relativ verkehrsarmen Wohnviertel und ihr findet hier sicherlich in der Nähe einen Parkplatz, wo ihr niemanden stört.

Wanderland Langenzenn

Rund um Langenzenn sind fünf Themenwanderwege angelegt. Dazu gehört der 17 km lange Siebener Rundweg zu historischen Steinen und Sehenswürdigkeiten der Gemeinde. Dazu kommen fünf Wanderwege Magie der heimischen Bäume, von denen einer der hier beschriebene Geoökologische Waldlehrpfad Teufelsgraben ist.

Fazit

Gemütliche Runde über schmale Pfade und Feldwege durch Wald und Feld. Bei Nässe und Schnee viele Pfützen und zum Teil schlammiger, rutschiger Untergrund. Auch wenn der Teufelsgraben nicht besonders groß oder spektakulär ist, so bezaubert er doch durch seine märchenhafte Idylle. Am Wegesrand könnt ihr von den vielen Infotafeln noch etwas dazulernen. Allerdings haben wir nicht immer auch die darauf beschriebenen Baumarten auch direkt vor Ort gefunden. Vielleicht findet ihr sie ja!


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