WILDPARK GERSFELD (RHÖN)

Eine ganz besondere Art, die Natur im Biosphärenreservat Rhön zu erkunden, ist ein Besuch im Wildpark Gersfeld. Eingebettet in die herrlichen Wälder der Hessischen Rhön wurde er von der Stadt Gersfeld im Juli 1972 eröffnet. Auf rund 50 Hektar Fläche finden sich Gehege von Rotwild, Dam- und Rehwild, Mufflons und Wildschweine. Daneben Steinböcke, Gämsen, Wisente, Wildkatzen, Fischotter und noch so viele mehr, dass sich ein Besuch gleich zu einem ganzen Tag ausdehnen kann.

Öffnungszeiten und Preise

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Im Wldpark Gersfeld steht die ganze Natur im Vordergrund

Die Geschichte des Wildparks Gersfeld

Rund 150 Tiere leben im Wildpark Gersfeld, große ebenso wie kleine. Junge wie Alte. Über 50 Jahre ist es nun schon her, dass die Stadt Gersfeld diesen naturnahen Wildpark gegründet hat. Am Anfang war er natürlich noch nicht ganz so groß wie heute. Aber schon ein paar Jahre nach der Eröffnung gab es das Eingangsgebäude – und den rund 6.000 Quadratmeter großen Teich.

Andere Gehege sind erst später dazugekommen. Dazu zählt auch das nicht nur bei Familien beliebte Streichelgehege. Die Idee, einen Hochwildschutzpark zu errichten, war schon ein paar Jahre vorher immer wieder im Gespräch. Schließlich konnte man damit den Fremdenverkehr hier in der Hessischen Rhön ankurbeln und Besucher aus anderen Landesteilen anlocken.

Mit wenig Geld viel Erfolg

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Sikakuh

Der Gedanke kam auch gut beim Land Hessen an. Man entschied sich, den Park mit Fördermitteln zu unterstützen. Für den ersten Bauabschnitt steuerte man 350.000 DM zu. Damit wurde ein Wassergehege mit Sumpfbibern, ein See für Wasservögel und eine Voliere für Fasane und Rebhühner angelegt. Und wer hätte es gedacht: Schon im ersten Jahr kamen rund 70.000 Besucher von nah und fern. In den Folgejahren kamen dann weitere Unterstützungsmaßnahmen vom Kreis Fulda, der Stadt Gersfeld und dem Land Hessen hinzu.

Inzwischen gibt es 150 Tiere aus etwa 50 Arten im Wildpark Gersfeld. Dazu zählen vor allem europäische Wildtierarten, nicht nur vom Lande und zu Wasser, sondern auch aus der Luft. Auf den ausgedehnten Flächen und Volieren leben die Tiere fast wie in freier Wildbahn. Von Menschen lassen sie sich – anders als in der Natur – allerdings kaum in ihrem täglichen Rhythmus stören. Eine Handvoll Futter (bitte kein Selbstmitgebrachtes!) ist bei den meisten Wildarten sehr willkommen und die Tiere kommen bis auf Armeslänge an die Besucher heran.

Bei der Planung des Wildparks wurde ganz gezielt darauf geachtet, die Tiergehege so anzulegen, dass möglichst viel der vorhandenen Landschaft erhalten bleiben konnte. Die Lage war günstig gewählt, denn das Gelände ist mit seiner baumbewachsenen Fläche und einem kleinen Bach, der hindurchfließt, nahezu ideal, den heimischen Wildtieren eine gute Versteck- und Deckungsmöglichkeit zu bieten.

Viel Herzblut wurde seitdem in den Wildpark Gersfeld gesteckt – und das merkt man auch. Und natürlich gibt es eine Zukunftsvision: der Wildpark Gersfeld soll Wildbiosphärenpark in der Rhön werden.

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Wenn das Geweih des Sikahirsches neu wächst, ist es zunächst mit einer Bastschicht überzogen

Sikawild

Der Sikahirsch stammt ursprünglich aus Japan und der Mandschurei im Nordosten Chinas. In Europa eingebürgert wurde er Ende des 19. Jahrhunderts. Allerdings weiß man heute, dass die Tiere in der frühen Erdgeschichte auch bei uns vorkamen. Wahrscheinlich wurden sie durch den deutlich größeren und stärkeren Rothirsch verdrängt.

Im Sommer erinnert die Fellfärbung der ausgewachsenen Tiere an Kitze, denn es ist mit hellen Flecken gesprenkelt. Im Winter hingegen trägt der Sikahirsch eine einheitlich dunkelbraune Garderobe mit gräulichem Stich.

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Wissenswertes

  • Männliches Tier: Hirsch
  • Weibliches Tier: Sikakuh oder Sikatier
  • Kinder: Kalb
  • Gruppenverband:
  • Alter: zwischen 15 und 20 Jahre

Vergleicht man den Sikahirsch mit anderen Hirscharten, so erscheint er doch recht kleinwüchsig; und auch sein Geweih, das sich jedes Jahr ab April nach dem Abwurf wieder neu bildet, ist nur schwach verzweigt.

Zur Brunftzeit im Oktober ist das Geweih der Hirsche dann komplett ausgebildet. Die weiblichen Tiere sind sieben Monate trächtig und bringen dann im Frühjahr meist ein Kalb zur Welt. Sikahirsche sind reine Pflanzenfresser, wie auch alle anderen Hirsch- und Reharten.

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Rotfuchs im Wildpark Gersfeld

Rotfuchs

Schlau und hinterlistig soll er sein, so sagen es die Fabeln über Reineke Fuchs. Sein richtiger Name ist Rotfuchs. Und schlau ist er ganz bestimmt. Denn nicht umsonst kommt der anpassungsfähige Geselle in Eurasien, Nordamerika und auch Nordafrika vor. Egal ob Wald, Steppe, Hochgebirge oder sogar Wüste, der dämmerungs- und nachtaktive Fuchs erobert nahezu alle Lebensräume unserer Erde.

Füchse sind Allesfresser und wohnen in einem Erdbau, den sie allerdings in der Regel nicht selbst anlegen. Sie übernehmen einfach die vorhandenen Baue von Kaninchen oder auch Dachsen, die sie mit zusätzlichen Notausgängen ausstatten. Hier im Wildpark Gersfeld haben auch ein paar Füchse ihr Zuhause gefunden.

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Auch in der Natur sind Füchse Einzelgänger

Wissenswertes

  • Männliches Tier: Rüde
  • Weibliches Tier: Fähe
  • Kinder: Welpen
  • Gruppenverband: Rudel
  • Alter: bis zu 12 Jahre (allerdings werden die meisten nicht älter als 4 Jahre)

Normalerweise leben Füchse als Einzelgänger, es sei denn, es ist Ranzzeit (so nennt man bei Füchsen die Fortpflanzungszeit). Die Fähen sind alles andere als monogam. Sie lassen sich von unterschiedlichen Herren zwischen Dezember und Februar begatten. Nach nur 52 Tagen Tragzeit bringt die Fähe meist drei bis fünf Welpen zur Welt.

Auch Füchse haben natürliche Feinde. Vom Menschen einmal ganz abgesehen, sind sie Beutetiere von Wölfen, Luchsen oder auch Steinadlern. Uhus stellen den Jungtieren gelegentlich nach. Aber neben den Fressfeinden sind es vor allem zahlreiche Parasiten oder auch die Tollwut, die dem Leben der flauschigen Tiere ein Ende setzt.

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Die Anlage ist sehr naturnah gehalten

Rehwild

Neben dem Rotwild ist es vor allem das Rehwild, das unsere heimischen Wälder bis hin nach Ostasien durchstreift. Die Tiere sind nicht nur deutlich kleiner als das Rotwild, das Geweih ist auch kaum ausgebildet. Tagsüber verstecken sich die scheuen Tiere meist im Dickicht und Unterholz, bei Dämmerung wagen sie sich dann auf die offenen Wiesen am Waldrand, um dort zu äsen.

Am liebsten fressen die Tiere die Knospen und jungen Blätter von Bäumen und Sträuchern, weshalb sie bei Waldbesitzern gefürchtet sind. Denn nur wenige Tiere können ein ganzes Areal mit Jungpflanzen völlig zerstören.

Wissenswertes

  • Männliches Tier: Rehbock
  • Weibliches Tier: Ricke oder Rehgeiß
  • Kinder: Rehkitze
  • Gruppenverband: Rudel
  • Alter: bis zu 12 Jahre

Rehwild gehört zu den sogenannten Schalenwildarten und ist die häufigste Art bei uns in Deutschland. Ihr gutes Gehör und die enorme Sprungkraft macht sie zu keiner leichten Beute. Wenn sie fliehen ist das weiß gefärbte Hinterteil, Spiegel genannt, besonders gut zu erkennen.

Im Gegensatz zum Sikawild beginnt die Paarungszeit beim Rehwild bereits im Juli. Und weil die Kälber den kalten Winter wahrscheinlich nicht überleben würden, hat die Natur einen tollen Trick angewandt. Das befruchtete Ei entwickelt sich nicht sofort, sondern legt erst einmal eine sogenannte Eiruhe ein, die viereinhalb Monate dauert. Ab Dezember beginnt dann die eigentliche Entwicklung. Es dauert rund fünf Monate, bis dann die Jungtiere im Frühjahr geboren werden.

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Das männliche Muffelwild ist besser unter dem Namen Widder bekannt

Muffelwild

Wer kennt sie nicht, die mächtigen, spiralförmig nach hinten gebogenen Hörner der männlichen Europäischen Wildschafe, der Mufflons. Bis zu 80 Zentimeter lang können sie werden. Etwa in einem Alter von zehn Jahren sind die Hörner so lang, dass sie einen vollen Kreis bilden. Jäger nennen die Hörner dann auch Schnecken. Insgesamt haben Mufflons eine Lebenserwartung von etwa 15 Jahren, selten auch 18.

Mufflons werden auch als Muffelwild bezeichnet. Das Wort Muffel stammt nicht von ihrer Gemütsverfassung, sondern aus der Jägersprache und bedeutet so viel wie kurze Schnauze. Die Tiere sind allerdings etwas kleiner als unsere Hausschafe. Sie bringen etwa zwischen 25 und 55 Kilo auf die Waage, wobei die Männchen generell größer und schwerer sind als die weiblichen Tiere.

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Charakteristisch für die Widder sind ihre gebogenen Hörner

Wissenswertes

  • Männliche Tiere: Widder
  • Weibliche Tiere: Schafe
  • Kinder: Lämmer
  • Gruppenverband: Rudel
  • Alter: bis zu 18 Jahre

Vor vielen, vielen Jahren waren wilde Mufflons im Mittelmeerraum und Süddeutschland bis hin nach Ungarn verbreitet. Unsere Vorfahren bejagten sie jedoch so stark, dass sie bereits vor mehreren Tausend Jahren nahezu als ausgerottet galten. Die letzten wirklich reinen Mufflons leben heute auf Korsika und Sardinien. Dort kommen sie auf dem trockenen und steinigen Untergrund bestens zurecht. Überall da, wo sie sonst noch anzutreffen sind, handelt es sich um mehr oder weniger mit Haus- oder einer der anderen rund 50 Wildschafarten gekreuzten Abkömmlingen.

Außerhalb der Brunftzeit leben die männlichen Tiere in kleineren Gruppen zusammen. Wenn es um die Gunst einer Dame geht, werden die Herren im Oktober und November aktiv und nehmen kräftig Anlauf, um dann mit ihren Hörnern gegeneinander zu knallen. Dabei verletzen sie sich nur selten, auch wenn sich der Zusammenprall schlimm anhört. In Deutschland leben heutzutage rund 8.000 Mufflons, die meisten von ihnen in Tierparks oder anderen Wildgattern.

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Rothirsch mit voll ausgebildetem Geweih im Herbst

Rotwild – die Königsklasse

Richtig majestätisch sehen sie aus mit ihrem mächtigen Geweih, die großen Rothirsche. Und deshalb werden sie auch die Könige der Wälder genannt. Diese Stirnwaffen dienen dem sonst harmlosen Säugetier zur Paarungszeit im Herbst zur Verteidigung ihres Reviers und Konkurrenzkämpfen.

Rothirsche kommen in Europa, Nordamerika, Nordafrika und in Nordasien vor. Je nach Lebensraum und Geschlecht werden die Tiere unterschiedlich groß und es gibt über 20 Unterarten. Eine davon ist der nordamerikanische Wapitihirsch. In unseren heimischen Wäldern werden Hirsche bis zu 1,5 Meter (Rückenhöhe) groß und wiegen bis zu 350 Kilogramm. Weibliche Tiere sind mit etwa einem Meter Rückenhöhe und einem Gewicht um die 100 Kilogramm deutlich kleiner.

Wissenswertes

  • Männliche Tiere: Hirsch
  • Weibliche Tiere: Hirschkühe (NICHT Reh!)
  • Kinder: Kalb
  • Gruppe: Rudel (weibliche und männliche Tiere außerhalb der Paarungszeit getrennt)
  • Alter: bis zu 20 Jahre

Das Geweih

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Aber nicht das ganze Jahr über ist der Hirsch mit seinem prächtigen Geweih ausgestattet. Als Einjährige tragen sie lediglich zwei Spieße auf der Stirnplatte, weshalb sie zu diesem Zeitpunkt auch als Spießer bezeichnet werden. Bis zum dritten Lebensjahr wachsen an jeder Stange drei oder vier Enden, weshalb sie dann 6- oder 8-Ender genannt werden.

Nicht immer ist die Anzahl der Enden an beiden Geweihstangen gleich. Ist die Endenzahl an beiden Geweihstangen gleich, ist der Hirsch gerade. Ist die Anzahl unterschiedlich, dann nennt man das ungerade. Ausgewachsene Rothirsche haben meist sechs oder sieben Enden an jeder Geweihstange und sind damit 12- oder 14-Ender, insofern die Anzahl gerade ist.

Sinkt dann nach der Paarungszeit der Testosteronspiegel der männlichen Tiere rapide ab, wirft der Hirsch sein Geweih ab. Zwar hieß deshalb der Februar früher Hornung, allerdings besteht das Geweih keineswegs aus Horn, sondern aus Knochen. Infolge des sinkenden Hormonspiegels werden an den sogenannten Rosenstöcken knochenfressende Zellen aktiv. Dadurch löst sich die Geweihstange und fällt ab. Und plötzlich steht der Platzhirsch im Frühjahr oben nackig da.

Die Rotwild-Hirsche bilden dann in den nächsten 140 Tagen ein komplett neues Geweih aus. Ein Vorgang, der den Hirsch viel Kraft kostet und seinem Körper jede Menge Calcium entzieht. Schließlich wiegt eine einzelne Geweihstange bis zu sieben Kilogramm. Das neue Geweih ist zunächst noch mit einer Bastschicht überzogen, die später abgestreift wird.

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Damhirsche: Vollschaufler neben Spießer (Junghirsch)

Damhirsch

Und auch er darf nicht fehlen, der etwas kleinere Geselle mit den weißen Tupfen und dem mächtigen Schaufelgeweih. Eigentlich waren die zierlichen Tiere seit der letzten Eiszeit in Mitteleuropa ausgestorben. Eingeführt wurden sie vor rund 2.000 Jahren wieder von den Römern, die sie als Opfertiere schlachteten. Und auch im Hochmittelalter war das Damwild eine Kostbarkeit, die die Herrscher unbedingt in ihrem Wildgatter haben mussten.

Wissenswertes

  • Männliches Tier: Hirsch (Damhirsch)
  • Weibliches Tier: Damkuh oder Damtier
  • Kinder: Kalb
  • Gruppenverband: Rudel
  • Alter: 15 bis 20 Jahre
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Wie auch beim Rotwild verändert sich das Geweih der Damhirsche im Laufe des Lebens. Während in den ersten Jahren nur ein kurzes spitzes Geweihstück wächst und die Hirsche daher Spießer genannt werden, nimmt die Anzahl der Abzweigungen mit fortschreitendem Alter zu. Jedes Jahr im April bis Mai wird das Geweih abgeworfen, bis Juli ist dann das (größere) Folgegeweih gewachsen.

Knieper, also zwei- bis drei-jährige Damhirsche, haben bereits zwei Enden an einem sogenannten Stangengeweih. Ab dem Folgejahr beginnt dann auch die Schaufel am Ende des Geweihs zu wachsen, dann spricht man von einem Löffler. Ältere Hirsche haben dann eine Halbschaufel oder Vollschaufel. Ab etwa acht Jahren ist die Schaufel dann voll ausgewachsen (Vollschaufler)

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Im Frühling treiben die Nadeln der Lärche wieder neu aus

Ein nicht-tierischer Bewohner: die Europäische Lärche

Im Wildpark Gersfeld gibt es auch andere heimische Bewohner der Wälder, die heutzutage selten geworden sind. Zu ihnen gehört die Europäische Lärche.

Fast könnte man meinen, die Lärche sei einer der normalen Nadelbäume, die man in unseren Breitengraden eben so im Wald findet. Schaut man aber mal etwas genauer hin, so unterscheidet sie sich doch beträchtlich von Fichte und Kiefer. Denn sie färbt ihre Nadeln zum Wechsel der Jahreszeiten in ein leuchtendes Gelb oder Rot. Genauso, wie man das von Laubbäumen kennt. Und tatsächlich wirft die Lärche ihre Nadeln dann im Winter sogar ab.

Lärchen können bis zu 60 Meter hoch wachsen und – wenn man sie denn lässt – gut 800 Jahre alt werden. Heimisch ist der Nadelbaum eigentlich im Gebirge, seit dem 17. Jahrhundert haben die Menschen sie aber auch ins Tiefland verpflanzt. Lärchen gehören zu den Pionierbaumarten, die sich durch das schnelle Wachstum in der Jugend und den geringen Nährstoffanspruch auszeichnen.

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Zapfen, weibliche Blüte und Nadeln der Europäischen Lärche

Und das hat seinen Grund. Denn das Holz der Lärche ist besonders hart und schwer, sodass es sich ausgezeichnet für die Holzindustrie eignet. Allerdings bestehen lediglich drei Prozent unserer Mischwälder aus Lärchen. Ritzt man die Rinde des Baumes an, so tritt mit ätherischen Ölen angereichertes Harz aus, das Lärchenpech. Dies soll gegen allerlei Wehwehchen helfen, darunter rheumatische Beschwerden.

Während junge Lärchen noch einen glatten, grauen Stamm haben, färbt sich dieser erst später braun und bildet die typischen Furchen aus. Die Zapfen der Lärche sind vergleichsweise klein: lediglich um die drei Zentimeter lang und nach oben gerichtet. Und sie verbleiben noch lange nach ihrem Aussamen am Baum. Einen wirklich auffälligen Schmuck trägt der Baum im Frühjahr, denn seine weiblichen Blüten sind leuchtend rot.

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Die quirligen Frischlinge sind im Frühjahr ein Publikumsmagnet im Wildpark Gersfeld

Wildschweine in Hülle und Fülle

Wer die borstigen Schweine in ihrem Gehege herumflitzen und streiten sieht, den kann schon einmal etwas Beklemmung bekommen, den Tieren in freier Wildbahn zu begegnen. Die Keiler werden beeindruckend groß und ihre kurzen Beine täuschen vielleicht darüber hinweg, dass sie sehr schnell rennen können.

Ihr ausgezeichnetes Riechvermögen erkennt man auf den ersten Blick, denn sie wühlen fast ununterbrochen im Untergrund herum, um eine Leckerei zu erwischen, die sich dort versteckt. Allerdings lässt ihr Sehvermögen zu wünschen übrig. Sie sehen die Welt nur sehr verschwommen. Im Gegensatz zu unseren Hausschweinen haben Wildschweine keinen Ringelschwanz, sondern einen Quastenschwanz – und natürlich ihre Borsten, unter denen sich feinere Wollhaare befinden.

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Der gute Geruchsinn der Wildschweine ist schon im Kindesalter sehr ausgeprägt

Wissenswertes

  • Männliche Tiere: Keiler
  • Weibliches Tier: Bache
  • Kinder: Frischlinge
  • Gruppenverband: Rotte
  • Alter:

Wildschweine sind sehr gesellig. Zumindest die Damen. Sie leben hier im Wildpark Gersfeld wie auch in der Natur in großen Mutter-Kind-Gruppen zusammen in einer Rotte, bei der jeder mal auf den Nachwuchs aufpasst. Diese Gruppe, eine sogenannte Rotte, wird von einer dominanten Leitbache angeführt. Sie ist auch für den Laien leicht zu erkennen, wenn man sich ein wenig neben das Gehege stellt und die Schweine beobachtet. Die Leitbache ist wie der Name schon sagt die Chefin und steuert das gesamte Sozialleben der Rotte.

Sie ist auch maßgeblich dafür verantwortlich, dass alle Bachen zur gleichen Zeit ihren Nachwuchs bekommen, meist einen Wurf um Ostern herum. Die Frischlinge haben in den ersten Wochen noch ihr charakteristisches Tarnfell mit Längsstreifen. Wenn genügend zu Fressen da ist, können Wildschweine bis zu dreimal im Jahr Nachwuchs bekommen. Die Paarungsbereitschaft wird dabei von der Leitbache ganz gezielt gesteuert. Die Schweinchen sind bereits mit einem halben Jahr geschlechtsreif. Verständlich, dass die Bestände in unseren Wäldern stark zunehmen, weil kaum ein Fressfeind vorhanden ist.

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Tagsüber schlafen auch Wildkatzen stundenlang

Sanfter Schleicher auf vier samtenen Pfoten: die Wildkatze

Wildkatzen sind keine wilden Hauskatzen, sondern eine ganz eigene Art. Und sie sind auch nicht wirklich wild. Zumindest nicht tagsüber. Dann leben sie sehr zurückgezogen und verschlafen die Sonnenstunden, bis es in der Dämmerung dann langsam Zeit für die Jagd wird. Am besten schmecken der Wildkatze natürlich Mäuse, das kennen wir auch von unseren Hauskatzen.

Wissenswertes

  • Männliche Tiere: Kuder
  • Weibliches Tier: Kätzin
  • Kinder: Katzenjunges
  • Alter: bis zu 15 Jahre
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Ein markantes Erkennungszeichen der verwaschen getigerten Wildkatze ist der buschige Schwanz mit den zwei oder drei dunklen Ringen und einem stumpfen Ende. Dunkle Streifen ziehen sich auch von der Stirn bis in den Nacken. Nicht zu vergessen: der charakteristische Aalstrich, eine dunkle Linie, die sich über den Rücken zieht.

Als Lebensraum benötigen Wildkatzen naturnahe Wälder. Denn in strukturreichen Wäldern tragen die alten Eichen und Buchen im Herbst jede Menge Früchte. Diese Früchte fressen die Wildkatzen natürlich nicht. Sie sind jedoch die Nahrungsgrundlage für verschiedene Mäusearten, die bevorzugt auf dem Speiseplan der Samtpfote stehen.

Für die Kinderstube sind trockene Felsspalten oder verlassene Dachs- und Fuchsbauten ideal. Wildkatzen sind Einzelgänger. In der Dämmerung und nachts durchstreifen sie ihr Revier, in dem sich eine Vielzahl von Ruhezonen und beliebten Jagdgebieten befinden. Die Streifgebiete der Kuder sind dabei mit bis zu 30 Quadratkilometer deutlich ausgedehnter als die der Kätzinnen.

Der Wildpark Gersfeld beherbergt auch ein paar Wildkatzen, die sich tagsüber allerdings meist verstecken und schlummern. Im Harz bei Bad Harzburg findet ihr ebenfalls ein Wildkatzengehege, unser Favorit ist das Wildkatzendorf Hütscheroda im Nationalpark Hainich, ein ganzens Dorf im Namen der getigerten Waldbewohner.

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So richtig niedlich sind die quirligen Fischotter

Publikumsliebling im Wildpark Gersfeld: der Fischotter

Gerade eben erst ist der lautlose Schwimmer zu uns zurückgekehrt. Dank strikter Schutzmaßnahmen sind die stromlinienförmigen Tiere, die ebensogut im Wasser wie auf dem Land leben können, endlich wieder Bewohner unserer Landschaften geworden. Zu hervorragenden Schwimmern macht den Fischotter aber nicht nur sein besonders geformter Körper, seine vier Pfoten sind auch mit Schwimmhäuten zwischen den Zehen ausgestattet. Ihr dichtes Fell schützt sie gegen Kälte und Wasser. Und außerdem können Fischotter ihre kleinen Ohren und Nasenlöcher unter Wasser verschließen.

Wissenswertes

  • Männliche Tiere: Otter
  • Weibliches Tier: Fähe
  • Alter: 5 bis 12 Jahre
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Irgendwann ist dann auch der Fischotter müde

Fischotter sind vorwiegend dämmerungs- und nachtaktiv. Lediglich die Weibchen leben mit den Jungtieren, manchmal auch mit anderen Weibchen und deren Jungen zusammen. Als Unterschlupf bevorzugen sie Höhlungen in Ufernähe oder auch Bisambaue. An ihren Lebensraum stellen die verspielten Tiere hohe Ansprüche, denn sie benötigen saubere, naturnahe Gewässer und Versteckmöglichkeiten in Ufernähe, dazu ein reichhaltiges Nahrungsangebot.

Dabei kommen sie von Meeresniveau bis zu Höhen von 4.000 Metern im Gebirge vor, besiedeln Süßwasser-, Salzwasser– und auch Brackgebiete. Neben Fischen gehören auch Frösche, Krebse, Würmer und Mäuse zu ihren bevorzugten Speisen.

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Hinlegen ist für den Alpen-Steinbock mit dem schweren Gehörn gar nicht so einfach

Die Könige der Alpen

Auch der Steinbock (mit vollem Namen Alpen-Steinbock) beeindruck mit einem mächtigen Gehörn. Anders als beim Muffelwild sind diese aber nicht eingerollt, sondern wachsen nahezu gerade. Die Hörner der Böcke wachsen ein ganzes Leben lang, werden bis zu einem Meter lang und können beträchtliche 15 Kilogramm wiegen. Dieses enorme Gewicht den ganzen Tag – und auch die Nacht – auf dem Kopf zu balancieren, ist natürlich sehr anstrengend. Deshalb legen die Tiere sie beim Ausruhen und Schlafen am Körper auf.

Steinböcke gehören zu den Wildziegen. Wie auch bei seinen Verwandten besitzen Steinböcke spezielle Hufe, die fast wie Saugnäpfe funktionieren. So haften sie nahezu an den blanken Felswänden. IHre Kletterkünste machen die Alpenbewohner legendär.

Wissenswertes

  • Männliches Tier: Bock
  • Weibliches Tier:
  • Kinder:
  • Gruppenverband:

Während das Sommerfell recht kurz und braun ist, wächst dem Steinbock im Winter ein dichteres, härteres und auch längeres Fell, um ihn vor den eisigen Winden und Temperaturen im Gebirge zu schützen.

Am Anfang des 19. Jahrhunderts war der Alpensteinbock nahezu ausgerottet. Eine letzte Zuflucht vor den Jägern fanden ein paar Tiere in Norditalien. Und wären sie nicht vom König unter Schutz gestellt worden, dann gäbe es sie heute wahrscheinlich gar nicht mehr.

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Der Stirnhöcker der Höckergans wächst ein Leben lang

Wildpark Gersfeld

Adresse

Wildpark Gersfeld

Wildpark 1

36129 Gersfeld (Rhön)

Öffnungszeiten

  • ganzjährig
  • April bis Oktober: 9:00 bis 18:00 Uhr
  • November bis März: 10:00 bis 16:00 Uhr
  • Hunde sind an der Leine erlaubt
  • aktuelle Infos zum Wildpark Gersfeld

Eintrittspreise

  • Erwachsene: 7,00 Euro
  • Jugendliche (13-17 Jahre): 4,00 Euro
  • Kinder (4 bis 12 Jahre): 3,00 Euro
  • Kinder unter 4 Jahre: frei
  • Hunde: 1,50 Euro
  • Parkplan
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Der See im Wildpark Gersfeld bietet unzähligen Wasservögeln eine Heimat

Essen und trinken im Wildpark

Im Wildpark befindet sich eine Gaststätte, die kleine Gerichte wie Bratwurst, Suppen, Pommes und natürlich Kaffee und Kuchen anbietet. Am Eingang im Kassenhäuschen ist außerdem ein kleiner Imbiss.

Öffnungszeiten

  • täglich
  • Dezember bis März: 10:00 bis 16:00 Uhr
  • April bis Oktober: 9:00 bis 18:00 Uhr

Anfahrt: Wie komme ich zum Wildpark Gersfeld?

Der Wildpark liegt etwa 1,5 Kilometer vom Stadtkern in Gersfeld entfernt. Ihr könnt einen entspannten Spaziergang dorthin machen.

Mit dem Auto

Über die A7

An der Abfahrt 95 fahren wir Richtung Bad Brückenau, dann Richtung Bischofsheim/Wildflecken. In Oberweißenbrunn biegen wir links ab auf die B279 Richtung Gersfeld. Am Orsteingang halten wir uns nach rechts (Wildpark ausgeschildert) auf die Straße Am Dammel.

Parken

Am Wildpark steht ein großer (schattiger) Parkplatz zur Verfügung. (Navi: Am Dammel, Gersfeld).

Fazit

Der Wildpark Gersfeld gehört zu den schönsten und natürlichsten Wildparks in ganz Deutschland. Unzählige Wege durchziehen das Gelände und überall ringsum gibt es etwas Spannendes zu sehen oder auch zu hören. Mit einigen der Tiere kann man sogar auf Tuchfühlung gehen – und auch der Familienhund darf mit rein. Richtig spannend wird es an den wenigen Tagen, an denen der Wildpark etwas länger geöffnet hat. Denn manche der Bewohner werden erst dann so richtig aktiv, wenn es dunkel wird.



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