Rundwanderung um die Steinwand (Rhön)

Die wahrscheinlich bekannteste Felsformation in der Rhön ist die Steinwand. Sie liegt neben dem gleichnamigen Örtchen, etwa drei Kilometer nördlich von Poppenhausen im Landkreis Fulda und ragt mit ihren Zacken aus dem umgebenden Waldgebiet heraus. Die Frontseite der Steinwand ist ein beliebtes Kletterparadies inmitten faszinierender Natur. Weniger sportlich Versierte können die Steinwand auf dem Rundweg bestaunen und ohne Mühe von hinten besteigen.

Felsenleidenschaft – Klettern

Als 646 Meter hoher Ausläufer der Maulkuppe erhebt sich die Steinwand im Naturpark Hessische Rhön im nördlichen Gemeindeteil von Poppenhausen im Landkreis Fulda. Seit der Sperrung der Kletterrouten an der Milseburg gehört die Steinwand, die sich übrigens in Privatbesitz befindet, zu den bedeutendsten Klettergebieten in Hessen. An der Steinwand sowie den beiden benachbarten kleineren Felsen Teufelskanzel und Hintere Steinwand gibt es an die 100 Kletterrouten mit Schwierigkeitsgraden zwischen II und VIII. Die meisten Routen sind mit Bühlerhaken gesichert.

Gesichter der Rhön in der Zeitgeschichte

Die langgestreckten Höhenzüge mit den kuppenförmigen Bergen über den tief eingeschnittenen Tälern der Rhön entstanden vor mehr als 25 Millionen Jahren in einer Zeit aktiven Vulkanismus. Im Laufe der Erdgeschichte hatte die Region jedoch die unterschiedlichsten Gesichter.

Vor 300 Millionen Jahren ragten Gipfel höher als die Alpen in der Rhön aus dem Boden empor. Es mag kaum vorstellbar sein, dass nur 30 Millionen Jahre später hier eine Senke war, die vom Meer überflutet wurde. Später entstanden Sumpflandschaften mit riesigen Schachtelhalmen und Farnen. Die heutigen Kuppen der Rhön entstanden erst viel später, also vor etwa 30 Millionen Jahren. Heute gehören Kegelberge und Basalthalden zu den Zeitzeugen der Rhöner Geologie. Die Spuren dieser bewegten Geschichte könnt ihr heute noch auf einer der vielen Wanderwege durch die Rhön entdecken.

Am Fuß der Steinwand liegen abgebrochene Felsbrocken

Als Vulkane die Rhön formten

Typisch für den Vulkanismus in der Rhön waren gasreiche Magmen, die an der Erdkruste wie Wolken aus einer Spraydose glühende Tröpfchen an die Luft beförderten. Beim Erkalten schlugen sich diese Lavatropfen dann als Ascheteppich auf dem Gebirge nieder.

Das, was wir heute an Gestein zu sehen bekommen, ist damals in der Rhön häufig schon unter der Erdoberfläche abgekühlt und erst im Laufe von Millionen von Jahren durch Erosion freigelegt worden. Eine Besonderheit stellt die Region um die Wasserkuppe dar. Sie bildet keinen Vulkan in der klassischen Kegelform. Aus etwa 100 Kilometer Tiefe schoss extrem heiße Lava aus dem Erdinneren hervor und verteilte sich breitflächig, sodass auch noch heute ein terrassenförmiger Aufbau erkennbar ist.

Vulkanruinen in der Rhön

Auf einer Wanderung durch die Rhön begegnen wir dem Gestein aus den angeknacksten Sockeln in Form von Muschelkalk und Buntsandstein, als auch den Produkten des vulkanischen Durchbruchs, hier vor allem Basalt und Phonolit.

Fast senkrecht ragen die Phonolitfelsen der Steinwand in den Himmel

Die Steinwand

Die Steinwand entstand hingegen durch einen tektonischen Riss zurück, in den Lava einfloss und einen harten Gesteinskern bildete. Im Laufe der Zeit wurde dann der harte Kern in der Bruchspalte aus dem umgebenden Rahmen aus weichem Sandstein herausmodelliert und vom Regen weggespült. Zurück blieb die Steinwand. Aber auch sie zerfällt langsam und unaufhaltsam. Das ist an den unzähligen Gesteinsplatten und Trümmerstücken erkennbar, die sich am Fuß der Felsformation im Biosphärenreservat Rhön auftürmen.

Die Felsengruppe ist von dichtem Mischwald umgeben. Vom nahegelegenen Parkplatz aus ist es deshalb fast nicht möglich, einen Blick auf die schroffe Naturschönheit zu erhaschen. Und da die Steinwand von der Hauptstraße aus auch nicht ausgeschildert ist, fahren viele Rhön-Besucher einfach an ihr vorbei. Dabei lohnt es sich auch für Wanderer, eine kleine Runde um die markanten Felsen zu machen. Das zentrale Felsmassiv erstreckt sich auf einer Länge von etwa 100 Metern in Nord-Süd-Richtung und ist an einigen Stellen über 25 Meter hoch.

Ihre eckigen Spitzen ragen wie Zinnen einer alten Burg über die Baumwipfel hinaus. Genau genommen sind es aber mehrere Felsen, die sich auf einer Strecke von rund einem Kilometer aneinanderreihen. Die vordere Felswand besteht aus senkrecht abfallenden Felsen aus Phonolit. Die Rückseite der Steinwand hingegen erinnert im Wesentlichen an eine Schutthalde aus massiven Felsbrocken und -platten, die wirr übereinander geschichtet sind.

Vulkangestein mit besonderem Klang

Phonolit gehört ebenso wie Basalt zu den vulkanischen Erstarrungsgesteinen, die dazu neigen, sechseckige Säulen zu bilden. Während Basalt meist eine fast schwarze Färbung aufweist, ist Phonolit etwas heller, nämlich grau bis graugrün. Phonolit kommt in Deutschland fast nur in der Hessischen Rhön vor, der Name bedeutet Klingstein. Und tatsächlich geben dünne Platten beim Anschlag mit einem Hammer einen hellen Ton von sich. Phonolit wird daher auch zum Bau von Instrumenten, sogenannten Lithophonen, verwendet. Anstelle von Holzstäben wie bei Xylophon wird hier Stein, Phonolit, verwendet.

Und auch überall im Wald ringsum findet man große Felsblöcke

Wo die Rhön am schönsten ist – Wandern an der Steinwand

Folgt der Beschilderung auf dem Parkplatz am Gasthaus Zur Steinwand in den Wald hinein. Nach ein paar Metern gabelt sich der Weg. Nehmt den linken Pfad, der unten um die Steinwand herumführt. Auf einem schmalen Waldpfad geht es am Fuß der Steinwand entlang durch den herrlichen Mischwald. Der Blick haftet immer rechts auf den steilen Felsen, zu deren Füßen sich eine dicke Moosschicht auf dem Geröll gebildet hat. Am Ende der Felsgruppe geht es dann rechts den Berg hinauf und dann noch einmal rechts an der Oberseite des Steinwand entlang. Hier gibt es zahlreiche Stellen, die sich auch für Kinder und unerfahrene Kletterer für eine kleine Kraxelpartie eignen oder auch ein kleines Picknick.

Route

Höhenprofil

Details

  • Start/Ziel: Wanderparkplatz am Gasthof Zur Steinwand
  • Länge: 3 km
  • Dauer: 1 Stunde
  • Schwierigkeit: leicht
  • für Kinderwagen/Buggy geeignet: ja (für geländegängiges Modell)
  • Aufstieg: 98 m
  • Abstieg: 88 m
  • DOWNLOAD Karte als pdf: Steinwand-Rhoen-Rundwanderung-Karte

 PLANDATEN FÜR GPS-GERÄTE

So funktioniert´s: Auf den Link klicken, dann wird euch die Datei angezeigt. Mit der rechten Maustaste irgendwo in den Text klicken. „Speichern unter“ auswählen und an beliebiger Stelle (auf dem Smartphone, PC oder dem mobilen GPS-Gerät) speichern. 

Dort, wo die Felsen schon länger liegen, hat sich eine grüne Moosschicht gebildet

Anfahrt

Folgt der A7 bis Fulda und folgt dann der B458 Richtung Hilders. An der Abzweigung nach Poppenhausen nach links zur Ortschaft Steinwand abbiegen. Nach etwa einem Kilometer seht ihr links die Gaststätte Zur Steinwand. Hinter dem Haus liegt ein großer Parkplatz. Von hier aus führt ein beschilderter Weg zur Steinwand.

Essen und Trinken

Direkt am Parkplatz unterhalb der Steinwand liegt das Gasthaus Zur Steinwand. Neben der regionalen Küche sind hier die Schnitzelvariationen und die selbst gebackenen Kuchen zu empfehlen. Im Sommer könnt ihr auch im Biergarten eure Tour ausklingen lassen. Hier ist es herrlich ruhig.

Gasthaus Zur Steinwand

Stefan Zentgraf

Steinwand 5a
36163 Poppenhausen

Öffnungszeiten

Sommer (April bis Oktober)

  • Montag, Donnerstag und Freitag: 11:30 bis 14:00 Uhr und ab 18:00 Uhr
  • Dienstag und Mittwoch: Ruhetag
  • Samstag, Sonntag, Feiertage: durchgehend warme Küche

Winter (November bis März)

  • wochentags geschlossen
  • Samstag, Sonntag: durchgehend geöffnet

Auf der Rückseite ist die Steinwand leichter zugänglich

Übernachten im Zelt oder Wohnmobil

Wer der Natur ganz nah sein möchte, kann sein Zelt für ein paar Euro auf der Wiese aufschlagen. Eine Feuerstelle, Toiletten und eine Waschgelegenheit sind vorhanden.

Auf dem Parkplatz zur Steinwand könnt ihr auch mit dem Wohnmobil übernachten. Der Stellplatz ist kostenpflichtig und erfordert eine Anmeldung in der Gaststätte. (Toiletten und Wachgelegenheit vorhanden).

Anmeldung bei: Familie Zentgraf 

Fazit

Zwar mit gut einer Stunde Laufzeit eine recht kurze Wandertour, dafür erlebt ihr die Schönheit der Natur hier im Biosphärenreservat Rhön umso intensiver. Auf der Rückseite der Steinwand lässt es sich auch für Kinder oder ungeübte Sportler gut ein wenig herumkraxeln. Passt aber bei feuchtem Wetter gut auf, dass ihr nicht abrutscht und euch verletzt. Festes Schuhwerk ist Pflicht für alle, die auf den Steinen herumturnen möchten. Sonst reichen auch ein paar normale Turnschuhe für die kurze Rundwanderung aus.

Inzwischen überragen hohe Bäume die Felsen, aus der Ferne sind sie kaum noch erkennbar


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