Abenteuer-Familien-Rundweg in Stein (Landkreis Fürth)

Direkt an der Grenze zwischen Röthenbach bei Schweinau und der Nachbarstadt Stein liegt ein fast 30 Hektar großes Waldgebiet mit besonderem Flair: Der Faberwald. Heute nicht mehr in seinem ursprünglichen Zustand, bietet das Schutzgebiet aber dennoch einen enormen Freizeitwert im Stadtgebiet Nürnberg. Der direkt anschließende Rednitzgrund macht das Kleinod im Stadtgebiet Stein zu etwas ganz besonderem für alle, die gerne wandern und in der Natur sind. Wer also einen Ausflug oder eine kleinen Spaziergang plant, muss gar nicht weit fahren!

Hinweis: Der 4 Kilometer lange Rundweg ist auch schon für kleine Kinder geeignet und durchgängig mit dem Kinderwagen, Buggy oder auch einem Rollstuhl befahrbar. Nur ein kleiner Teil führt über Waldwege, im Rednitzgrund könnt ihr auch auf den parallel verlaufenden Fahrradweg ausweichen, wenn es zu nass sein sollte.

Wandern im Faberwald und Rednitztal in Stein

Es ist klirrend kalt als ich auf dem Wanderparkplatz am Rednitzgrund bei der Gerasmühler Straße in Stein bei Nürnberg ankomme. Das Thermometer zeigt eisige – 9 Grad an. Die Sonne scheint und glitzert in der Rednitz, die sich direkt am Parkplatz Richtung Zentrum der Stadt Stein schlängelt. Der Frost hat bizarre Eisblumen auf die vor Kälte erstarrten Pflanzen gezaubert. Ich ziehe meine warmen Handschuhe an, setze meine Mütze auf und ziehe meinen Schal fester, trotzdem sind in Sekundenschnelle meine Nase und die Finger steif gefroren.

Blick von der Rednitzbrücke auf die alten Fachwerkhäuser der Stadt Stein

Doch die herrliche Natur mit der glasklaren Luft und dem hellblauen Himmel, durchzogen mit vereinzelten Schäfchenwolken, lassen mich die Kälte beim Wandern kaum spüren. Der Rundweg führt zunächst am Ufer der Rednitz entlang Richtung Ortskern der Stadt Stein. Auf der rechten Seite tummeln sich drei Eichhörnchen im Unterholz. Von mir aufgeschreckt, flüchten sie in die hohen Baumwipfel.

Auf der anderen Seite des Flusses erhasche ich auf  meiner Tour einen ersten Blick auf die legendäre Bleistiftfabrik der Familie Faber-Castell, die seit Generationen fester Bestandteil der Stadt ist. Es geht rechts über die Brücke und gleich vor dem Firmengelände wieder rechts am Rednitzufer entlang. Ob man die Graffitis als Kunst oder Schmiererei bezeichnet, ist Geschmacksache. Nicht zu verleugnen ist jedoch, dass das eine oder andere Werk eine faszinierende Ausstrahlung hat.

Wer kennt sie nicht – die Bleistifte von Faber-Castell

Doch dass die berühmte Fabrikantenfamilie aus Stein bei Nürnberg stammt, davon wissen neben den Steinern wahrscheinlich nur die Nürnberger und die Menschen aus den angrenzenden Landkreisen.

Bereits vor rund 250 Jahren begann der Schreiner Kaspar Faber mit seiner Frau und seinem Sohn in Stein bei Nürnberg mit der Herstellung von Bleistiften. Aus der einfachen Werkstatt wird schnell eine Manufaktur, als sein Sohn ein Grundstück vor den Toren der Stadt erwirbt. Noch bis heute hat das Unternehmen hier seinen Stammsitz.

Die moderne Manufaktur wird von einer an die nächste Generation weitergegeben. Als ältester Sohn übernimmt Lothar von Faber in der vierten Generation die Bleistiftmanufaktur von seinem Vater- und entwickelt sie im Laufe der Zeit zu einem Unternehmen von Weltrang.

Die Mauer zum Betriebsgelände ist mit unzähligen Graffitis verziert

Nach dem plötzlichen Tod seines einzigen Sohnes ist der Fortbestand der Manufaktur gefährdet. Doch auch hier wird eine Lösung gefunden: Kurzerhand übernimmt Lothars Enkelin Ottilie nach Lothars Tod die Firma. 1898 heiratete sie Alexander Graf zu Castell-Rüdenhausen, der seinen Namen in Alexander von Faber-Castell änderte. Besonders hochwertige Bleistifte wurden ab sofort unter dem Markennamen Castell geführt.

Stadtwanderung im Grünen

Zum Wandern war ich bisher nur selten im Landkreis Fürth unterwegs. Freunde aus Deutenbach haben mir diesen Wanderweg in Stein empfohlen: Zum Entspannen, Abschalten, aber auch zum Entdecken. Mitten durch Stein schlängelt sich ein kleiner Fluss, die Rednitz. Der nur 46 Kilometer lange Fluss, der bei Fürth zur Pegnitz wird, und seine malerischen Auen gelten noch heut als echter Geheimtipp für Naturfreunde und Wanderer.

Direkt an der Rednitz startet die Wanderung auf dem Wanderparkplatz

Noch ein Stückchen mehr gefällig?

Hinter dem Firmengelände der Bleistiftfabrik könnt ihr euch entscheiden, weiter geradeaus zu wandern oder einen kleinen Abstecher in den Faberwald zu machen. Der Abstecher nach links in den Wald lohnt sich, denn er führt um den idyllischen Teich im Faberwald mit Mausoleum und der Insel, auf der eine künstliche Ruine errichtet wurde. Neben zahlreichen Bänken zum Ausruhen und Genießen gibt es auch einen Kinderspielplatz für den Nachwuchs. Nach rund einem Kilometer endet der kurze Rundweg wieder am Ausgangspunkt. Ihr könnt euch also nicht verlaufen.

Der Faberwald

An der Grenze zum Nürnberger Stadtteil Röthenbach, zwischen der Rednitzstraße und der Castellstraße in Stein, westlich des Faber-Castell-Betriebsgeländes, liegt der Faberwald. In der Mitte des 19. Jahrhunderts wurde der Park vom Bleistiftfabrikanten Lothar von Faber als 30 Hektar großer englischer Landschaftsgarten neben der Fabrikantenvilla angelegt. Neben einem großen Teich enthält das Areal auch heute noch die Brücken  und das Mausoleum. Ideale Bedingungen, etwas Interessantes auf der kleinen Wanderung zu entdecken.

In den 1970er Jahren entschied sich die Familie Faber-Castell dann, den Park in Bauland umzuwidmen. Die Steiner Bevölkerung ging auf die Barrikaden. Zu Recht – und zum Glück für heutige und zukünftige Generationen! Denn seitdem steht der Park unter Landschaftsschutz. Heute gehören zwei drittel der Anlage zur Stadt Nürnberg, die sich jedoch dagegen entschied, den vernachlässigten Park wieder in seinen ursprünglichen Zustand zurückzuversetzen. Stattdessen entstand ein naturnaher Parkwald, der seit den 1980er Jahren auch für die Öffentlichkeit zugänglich ist.

Im Zentrum des Faberwaldes liegt ein idyllischer Teich

Wandern in Stein

Weiter geht es zwischen vereinzelten Häusern den Berg hinauf. Oben an der Straße im Wohngebiet angekommen, haltet ihr euch rechts und biegt bei der nächsten Gelegenheit zwischen den Häusern wieder nach rechts Richtung Wald ab.

Nach kurzer Strecke erreicht ihr die Brücke, den Neuwerksteg, über den der Wanderweg führt. Auf der anderen Seite wandert ihr durch den Wiesengrund bis zu einem älteren Gebäudeensemble, in dem ein Scherenschleifer seine Werkstatt hat. An der Kreuzung haltet ihr euch einfach geradeaus.

Überall im Rednitztal bilden sich im Winter kleine Teiche

Freiland-Aquarium und Terrarium Stein

Zwischen Mai und Oktober könnt ihr im Rednitzgrund das Freiland-Terrarium und Aquarium Stein besuchen. Bereits seit 85 Jahren können heimische Reptilien, Amphibien, Fische und auch Pflanzen näher betrachtet werden. Da sich diese Tiere sonst meist im Verborgenen aufhalten und wir sie nur selten zu Gesicht bekommen, obwohl wir Seite an Seite mit ihnen leben, lohnt sich ein Besuch in der Station unbedingt. Wenn ihr in der kalten Jahreszeit unterwegs seid, halten die Fische, Amphibien und Reptilien leider Winterruhe. Deshalb müsst ihr euch bis zum 1. Mai gedulden.

Manche der Tiere sind so gut getarnt, dass ihr sie erst suchen müsst

Ihr erreicht das Freiland-Aquarium über den Heuweg zwischen der Gerasmühler Str. und Birkenweg. Außerdem liegt sie direkt auf dem Abenteuer-Familien-Rundweg.

Öffnungszeiten:

  • 01. Mai bis 31. September
  • an allen Samstagen, Sonntagen und Feiertagen
  • 9:00 bis 18:00 Uhr
  • zum Blogartikel

Nachtrag: Wir waren am 01. Mai 2019 im Freiland-Terrarium in Stein und haben den Ausflug wieder mit der Wanderung auf dem Abenteuer-Familien-Rundweg verbunden. Das Gelände ist zwar nicht besonders groß, dafür gibt es jede Menge Reptilien und Amphibien (plus Fische) zu sehen. Von Fröschen über Schildkröten, Feuersalamander und Smaragdeidechsen mit ganz besonders toller Hautfärbung. Eintritt kostet das Freiland-Aquarium nicht, dafür solltet ihr im Kassenfrosch eine großzügige Spende für die Tiere hinterlassen! HIER könnt ihr alles über das Freiland-Aquarium und Terrarium lesen.

Über den Rednitzgrund hat man eine herrliche Aussicht bis zum Fernmeldeturm in Schweinau

Der Rednitzgrund in Stein

Langsam schlängelt sich die Rednitz von ihrer „Quelle“, dem Zusammenfluss von Fränkischer und Schwäbischer Rezat – in Georgensgmünd im Landkreis Roth über 46 Kilometer nordwärts über Roth, Büchenbach, Rednitzhembach und Schwabach bis nach Fürth, wo sie sich schließlich westlich der Altstadt mit der Pegnitz vereinigt und fortan als Regnitz durch Nürnberg fließt. Aus diesem Grund wird sie auch als Oberlauf der Regnitz betrachtet.

Seit dem Mittelalter ist das Rednitztal unveränderter Raum für Wässerwiesen, Auwäldern  und Ufergehölzen. Die alte Kulturlandschaft im Rednitzgrund ist von zahlreichen Mühlen gesäumt – vor allem im oberen Abschnitt bis Roth. Bereits seit Jahrhunderten werden die Auwiesen über ein enges Kanal- und Grabensystem bewirtschaftet.

Dadurch haben viele Vogelarten, Reptilien und Insekten hier einen perfekten Lebensraum gefunden. Glücklicherweise konnte die Ausführung der B2a – der sogenannten Rednitzautobahn – durch das Rednitztal verhindert werden, sodass der einzigartige Lebensraum nicht nur für die zahlreichen seltenen Tierarten, sondern auch für uns als Erholungsgebiet erhalten geblieben ist.

Faber-Castell´sches Schloss in Stein

Das Faberschloss, manchmal auch Bleistiftschloss genannt, stammt aus dem 19. beziehungsweise frühen 20. Jahrhundert. Das Alte Schloss wurde bereits von Lothar von Faber ab 1843 gebaut, während die Gräfliche Familie von Faber-Castell in der folgenden Generation die Bauten kurz nach der Jahrhundertwende im Stil der Deutschen Romantik erweiterte. Altes und neues Schloss werden durch den fünfgeschossigen Turm zur Rednitzstraße verbunden.

Besichtigungen/Führungen

Besichtigungen im Schloss Faber Castell gibt es nur nach Voranmeldung. Neben einer Führung durch das Schloss gibt es auch Führungen durch das Museum Alte Mine und die Fertigung. Weitere Informationen findet ihr unter:

Schloss Faber-Castell

Nürnberger Straße 2
90547 Stein

Besucherinformationen Faber-Castell

Schloss Faber-Castell in Stein – Ansicht von der Rednitzstraße

Wandern auf dem Abenteuer-Familien-Rundweg Stein

Ein Stadtspaziergang der ganz anderen Art: Mitten in einer grünen Oase, die nur wegen des gemeinsamen und anhaltenden Protestes der Bürger von Stein heute in dieser Form möglich ist. Jahrelang haben sie sich gegen die Bebauung des Faberwaldes und die geplante Autobahn durch den Rednitzgrund gewehrt. Und sie haben die beiden Kleinode, die den ganz besonderen Charme der Stadt Stein ausmachen, erfolgreich vor der drohenden Zerstörung bewahrt.

Route

Abenteuer-Familien-Wanderweg in Stein

Der 4 Kilometer lange Rundweg ist auch schon für kleine Kinder geeignet und durchgängig mit dem Kinderwagen, Buggy oder auch einem Rollstuhl befahrbar. Nur ein kleiner Teil führt über Waldwege, im Rednitzgrund könnt ihr auch auf den parallel verlaufenden Fahrradweg ausweichen, wenn es zu nass sein sollte. Etwa 100 Meter vom Parkplatz entfernt ist außerdem ein großer Spielplatz, auf dem ihr euch austoben könnt (auf dem Spielplatz herrscht Hundeverbot).

Höhenprofil

Details

  • Start/Ziel: Wanderparkplatz auf der Gerasmühler Straße in Stein
  • Markierung: grüner Ring auf weißem Grund
  • Länge:  4 km (inklusive Stichweg durch den Faberwald)
  • Schwierigkeit: leicht (perfekt für Buggy und Kinderwagen, rollstuhlgeeignet)
  • Dauer: 1 bis 1,5 Stunden
  • Aufstieg: 47 m
  • Abstieg: 47 m
  • DOWNLOAD Karte als pdf: Abenteuer-Familien-Wanderweg-Stein-Karte

Jetzt neu: PLANDATEN FÜR GPS-GERÄTE

So funktioniert´s: Auf den Link klicken, dann wird euch die Datei angezeigt. Mit der rechten Maustaste irgendwo in den Text klicken. „Speichern unter“ auswählen und an beliebiger Stelle (auf dem Smartphone, PC oder dem mobilen GPS-Gerät) speichern. 

Fazit

Mitten in der Stadt Stein bei Nürnberg, im schönen Landkreis Fürth, liegt ein wenig bekannter und dennoch wunderschöner Wanderweg durch den Faberwald und die Rednitzauen. Nicht nur Familien mit Kindern ein absoluter Geheimtipp. Besucht im Sommer unbedingt auch das Freiland-Aquarium und Terrarium! Dann könnt ihr für die Strecke einen ganzen Vormittag oder Nachmittag einplanen!

Übrigens:

Vom Rednitzgrund aus könnt ihr den Fernmeldeturm Nürnberg mit einer Höhe von 293 m sehen. Er wird wegen seines eiförmigen Turmkorbes auch Nürnberger Ei genannt.

Und noch ein paar Fotos im Frühling:

 

 

 

 

 

 

 

 

 


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