FREILAND-AQUARIUM UND TERRARIUM STEIN (Lk Fürth)

Über 20 Jahre habe ich im Landkreis Fürth gewohnt. Aber erst jetzt, schon lange, nachdem ich weggezogen bin, habe ich ein tolles Ausflugsziel entdeckt: das Freiland-Aquarium und -Terrarium im Rednitzgrund in Stein bei Nürnberg. In der freien Natur entdecken wir nur noch selten unsere heimischen Eidechsen, Frösche und andere Kriechtiere. In diesem etwas anderen Wildgehege sind sie alle – zum Anschauen aus nächster Nähe. Ein toller Spaß, nicht nur für die kleinen Forscher und Naturliebhaber unter uns!

Aktuelles: Gestern Nacht (Sa. 04. Mai 2019) hat es im Freiland-Terrarium gebrannt. Da aber nur die Hütte betroffen ist, ist auch weiterhin für Besucher geöffnet!

Gleich bei der Saisoneröffnung am 1. Mai ist sonniges Wetter: perfekt für einen Ausflug

Ein Ausflug ins Freiland-Terrarium im Landkreis Fürth

Das Freilandterrarium in Stein wird von der Naturhistorischen Gesellschaft Nürnberg e.V. betrieben und beherbergt eine Vielzahl einheimischer Kriechtiere, Fische und Lurche. Die Mitarbeiter der Anlage arbeiten allesamt ehrenamtlich und es ist ihnen die Begeisterung für ihre Tiere ins Gesicht geschrieben.

Während ihr noch auf der Suche nach dem Frosch oder der Eidechse seid, die angeblich im Terrarium leben soll, ist es keine Seltenheit, dass plötzlich unbemerkt jemand neben euch steht und nicht nur direkt vor euch auf die lange gesuchte Kröte zeigt, sondern auch noch ein paar interessante oder lustige Anekdoten parat hat. Da wird doch gleich der Ausflug zu einem ganz besonderen Erlebnis – mit tollen Infos aus erster Hand!

Die Natur lebt im Verborgenen

Faberwald Stein

Heute kennen die meisten Kinder Elefanten und Löwen aus dem Zoo oder Fernsehen. Aber sie haben noch niemals in ihrem Leben einen Salamander oder Laubfrosch gesehen. Ein Besuch im Freiland-Aquarium und Terrarium in Stein kann das ganz schnell ändern. Und wenn ihr mal ehrlich seid, habt auch ihr wahrscheinlich noch nie eine unserer einheimischen Schlangen in freier Natur sehen können. Vielleicht ein Glück, denn die meisten sind zwar ungiftig, aber es gibt auch ein paar überaus gefährliche Exemplare unter ihnen.

Freiland-Terrarium und Aquarium Stein

Adresse

Heuweg 16
90547 Stein

Homepage: Freiland-Terrarium-Stein

Quizblätter zum Download: HIER

Öffnungszeiten:

  • Mai bis 31. September
  • Samstag, Sonntag, Feiertage
  • 9:00 Uhr bis 18:00 Uhr

Eintrittspreise

  • frei
  • eine Spende im Spendenfrosch am Eingang ist willkommen

Langeweile ADE!

Und wie ich hautnah überall um mich herum am eigenen Leib erlebe: langweilig ist das nicht für die Kinder, obwohl es dem einen oder anderen Frosch, Fisch oder auch Schildkröte an spektakulären Merkmalen mangelt. Während ich noch rätselnd am Gehege der Teichfrösche stehe, tauchen zwei Dreijährige neben mir auf. Und ohne zu zögern ruft der eine Zwerg mit ausgestrecktem Zeigefinger: Da ist ein Frosch! Ich bin beeindruckt. Ist uns Erwachsenen der Blick fürs Detail verloren gegangen? Oder sehen wir nur vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr? Hat man die Frösche erst einmal entdeckt, kann man gar nicht glauben, dass sie vorher so „unsichtbar“ waren.

Teichfrosch

Teichfrösche sind die coolen grün-gestreiften Frösche, die zur Paarungszeit lautstark nach den Weibchen rufen – und zwar mithilfe ihrer großen Schallblasen, die sich wie zwei Kaugummiblasen am Halsansatz nach außen stülpen. Auch hier im Gehege sonnen sich die Wasserfrösche gerne auf einem warmen Stein am Uferrand.

Der weibliche Laubfrosch ist fast doppelt so groß wie das Männchen

Anders als ihre freilebenden Brüder und Schwestern, sind die Frösche im Freiland-Terrarium nur wenig scheu. Während freilebende Exemplare schon bei geringster Erschütterung des Bodens ins Wasser hüpfen, lassen sich die beiden Teichfrösche hier gerne betrachten und fotografieren. Man könnte glatt meinen, sie werfen sich sogar in Pose.

Gelbbauchunke

Von oben eher unscheinbar oder fast ein wenig gruselig mit den vielen Quaddeln, die von der schlammig braunen Haut abstehen. Und mit  Zentimetern Körperlänge auch ziemlich klein. Von unten eine wahre Farbexplosion in Schwarz und Gelb. Fasst lieber keine Unken an, wenn ihr sie in der Natur antreffen solltet. Denn sie produzieren in ihren Hautdrüsen ein Sekret, das nicht nur die Haut reizt, sondern auch Giftstoffe enthält.

Von oben schlammig braun, unten leuchtend gelb – die Gelbbauchunke

Laubfrosch

Die Älteren unter uns, die als Kinder noch ausgiebig in Wäldern und Wiesen herumstreifen konnten, kennen sie wahrscheinlich noch: die Laubfrösche. Mit kleinen Saugnäpfen an den Füßen ausgestattet, sind die nur vier bis neun Gramm leichten Frösche in der Lage, selbst an Glasscheiben emporzuklettern.

So kugelig, wie der kleine Laubfrosch hier im Terrarium aussieht, ist er in Wirklichkeit gar nicht. Er schützt sich mit den eingezogenen Beinen vor übermäßiger Verdunstung, wenn er sich sonnt. Und deshalb ist er wie eine Kugel zusammengerollt.

Auf den Buchenblättern ist der kleine grüne Laubfrosch nur schwer zu erkennen

Heute selten: Tiere aus der Region

Insgesamt sind im Freiland-Aquarium und Terrarium über 50 verschiedene Tierarten und Pflanzen zu bewundern. Versteckte Schildkrötentümpel, Insektenwohnungen und Kräuterbeete. Spezialisiert ist die Anlage auf die einheimischen Reptilien, Amphibien und Kaltwasserfische, die auch in den Bächen und Weiher in der Region vorkommen. Exoten sucht man hier vergebens, auf Anakonda und Co wird bewusst verzichtet. Inzwischen kann das Freilandterrarium schon auf fast 100 Jahre Geschichte zurückblicken. In den Anfängen sahen die Terrarien noch völlig anders aus. Einfacher. Aber im Laufe der Zeit hat man dazugelernt und die Anlage weiterentwickelt.

Im Teich schwimmen ein paar quirlige Entenküken mit ihrer Mutter

Smaragdeidechse

Mit ihrer leuchtenden Farbe ist die Smaragdeidechse schon von Weitem gut in ihrem Terrarium zu erkennen, wenn sie sich genüsslich auf den Steinen sonnt. In der Natur findet man sie in südlich exponierten Lagen an Waldrändern, Weinbergen und Bahndämmen. Sieht man etwas genauer hin, erkennt man, dass die Smaragdeidechse nicht durchgehend grün ist. Nach der Winterruhe wird die Kinn- und Kehlpartie leuchtend blau – teilweise auch bei weiblichen Tieren.

Auch die Smaragdeidechse ist gerade dabei, sich zu häuten

Mauereidechsen

Kaum so attraktiv wie ihre farbigen Kollegen im Nachbarterrarium, ist die Mauereidechse in ihrer natürlichen Umgebung nur sehr schwer zu finden. Die hellbraune oder gräulich gefärbte Haut mit den vielen Flecken macht sie auf einem Baumstamm nahezu unsichtbar.

Die Mauereidechse sonnt sich auf dem Felsen im Terrarium

Und genau das ist ja auch der Sinn und Zweck der ausgefeilten Tarnung. Wird eine solche Eidechse angegriffen, kann sie ihren Schwanz abwerfen. Das hört sich zwar gruselig an, ist für die Eidechse aber nicht weiter schlimm, denn der Schwanz wächst nach kurzer Zeit wieder nach. Dazu haben die Tiere ab dem sechsten Schwanzwirbel verschiedene Sollbruchstellen, damit nicht immer der ganze Schwanz dran glauben muss, wenn sie von einem Vogel gepackt wird.

Perleidechse

Zu den Riesen unter den heimischen Eidechsen gehört die Perleidechse, die bis zu 80 Zentimeter lang werden kann und mit einem Gewicht von einem Pfund zu den echten Schwergewichten unter den Reptilien gehört. Ihren Namen haben die Perleidechsen von dem netzartigen Muster auf ihrem oft leuchtend grünen Körper. Wie dieses Exemplar häuten sich Eidechsen regelmäßig. Anders als bei Schlangen, die ihre Haut in der Regel in einem Stück abstreifen, hängt den Eidechsen die alte Haut in Fetzen vom Körper herunter.

Wunderschön gefärbt: die Perleidechse

Und wie kommen wir zum Freiland-Terrarium in Stein?

Allein der Weg zu dem lauschigen Plätzchen am Waldrand, an dem sich das rund 5000 Quadratmeter große Grundstück befindet, ist einzigartig. Ihr könnt nämlich nicht direkt vor dem Eingang parken, sondern müsst entweder vom Parkplatz am Heuweg/Birkenweg ein paar Minuten durch den Wald oder vom Parkplatz Gerasmühler Straße über den Reditzgrund laufen. Die Zufahrtsstraße ist für den öffentlichen Verkehr gesperrt.

Natürlich könnt ihr auch eine Fahrradtour starten, um zum Freilandterrarium in Stein zu kommen. Am besten lässt sich das Abenteuer Schlangen, Frösche und Eidechsen mit einer kleinen Wanderung verbinden. Eine tolle Gelegenheit, die Natur vor der eigenen Haustüre kennenzulernen. Oder wart ihr schon mal im Faberwald oder an den Rednitzwiesen bei Stein? Ich jedenfalls nicht. Von allen Zugangswegen (Faberwald, Gerasmühler Straße oder auch Birkenweg/Heuweg ist das Freilandaquarium und Terrarium Stein bestens ausgeschildert. Wenn ihr im Sommer oder Herbst unterwegs seid, könnt ihr auf dem Weg dorthin auf der Streuobstwiese noch ein paar Früchte naschen, denn die Obstbäume sind für alle kleinen und großen Naschkatzen frei zugänglich und das Pflücken von Kirschen, Äpfeln und Zwetschgen ausdrücklich erwünscht.

Und wenn das Wetter mal nicht so schön ist?

Bei feuchtem Wetter oder auch Regen, dann kommen die Tiere zum Vorschein, die eben genau diese Wetterverhältnisse mögen. Dazu gehören beispielsweise die Feuersalamander. Diese schwarz-gelb gefleckte Salamanderart, die man bei Sonnenschein und warmen Temperaturen fast nie zu Gesicht bekommt.

Für Abenteurer und Forscher

Für alle, die das Rätseln lieben oder einfach von Natur aus ein Forschergen in sich tragen, gibt es im Freilandterrarium ein Quiz, auf dem ihr Fragen zu den Tieren beantworten könnt. Solltet ihr einmal nicht weiterkommen, helfen euch die vielen Hinweistafeln an den Terrarien bestimmt auf die Spur. Macht einfach eine lustige Schnitzeljagd mit den Kindern aus dem Rätsel, das macht allen Spaß, die schon lesen und schreiben können.

Der Mikroskopraum

In einem kleinen Häuschen gleich rechts hinter dem Eingang könnt ihr zudem die Tier- und Pflanzenwelt durch die Lupe – oder eben durch ein Mikroskop aus einer ganz anderen Perspektive betrachten: Schmetterlinge, Käfer, eine Schlangenhaut und jede Menge anderer Dinge, die ihr so bestimmt noch nie gesehen habt.

Bienenwaben unter der Lupe im Mikroskopraum

Schlangen finde ich gruselig

Das höre ich immer wieder, während ich mir die in der Sonne zusammengerollten, schlanken Körper der Reptilien ansehe. Komischerweise nur von Männern. Ein wenig Ehrfurcht habe ich auch – zumindest vor den giftigen unter ihnen. Schlangen sind weder feucht noch glitschig. Ihre Schuppen sind wider Erwarten unglaublich weich und fühlen sich eher an wie feines Leder.

Kreuzotter

Auffällig gemasert und durchaus giftig ist die Kreuzotter. Ihr braucht aber jetzt keine Angst zu haben, wenn ihr irgendwo in Bachnähe durch das hohe Gras streift. Denn eine Kreuzotter flüchtet, wenn Gefahr droht. Ein Biss ist nur dann zu befürchten, wenn ihr auf sie tretet oder auf die geniale Idee kommt, sie anzufassen. Allerdings benötigt die Schlange das Gift zur Jagd, deshalb hat sie nur einen geringen Vorrat davon. Ein Biss der Kreuzotter ist aus diesem Grund zwar immer sehr schmerzhaft, aber nur für kleine Kinder oder alte Menschen gefährlich.

Hornotter

Wir legen noch eins drauf: Noch giftiger ist die Kreuzotter – und die kommt nicht irgendwo im Dschungel von Südamerika oder Afrika vor, sondern bei uns. Inzwischen allerdings nur noch sehr selten. In vielen Teilen Europas ist sie streng geschützt. Vom Aussterben ist die Hornotter mit ihrem grimmig dreinblickenden Gesicht wegen des schwindenden Lebensraumes. Denn sie bevorzugen trockenes, steiniges Buschland oder trockene Felsenhänge. Und die werden eben immer weniger bei uns.

Das Schachbrettmuster wird bei der Würfelnatter mit zunehmendem Alter ausgeprägter

Würfelnatter

Würfelnattern leben an den Ufern von Flüssen und Seen mit hohen Fischbeständen. Denn sie jagt ihre Beute vorzugsweise im Wasser. Aus diesem Grund sind auch ihre Augen und Nasenlöcher seitlich nach oben gestellt. Am liebsten wärmt sich die Schlange morgens auf Ästen oder Steinen in der Sonne auf.

Und was passiert mit dem Nachwuchs?

Regelmäßig gibt es auch hier in den naturnah eingerichteten Terrarien Nachwuchs. Aus der erfolgreichen Zucht von Laubfröschen und Sumpfschildkröten – beides Tierarten, die in Deutschland als bedrohte Arten gelten – werden Tiere ausgewildert, um wieder in ihrem ursprünglichen Lebensraum Fuß zu fassen. Es überrascht mich keineswegs, dass das Freiland-Aquarium und Terrarium Stein 2013 vom National Geographic die Auszeichnung verliehen wurde, einer der 30 schönsten Wildparks in Deutschland zu sein.

Und in direkter Nähe: der Faberwald beim Steiner Schloss

Fazit

Ich kann mich dem National Geographic nur anschließen. Für mich ist das Freiland-Aquarium und Terrarium einer der schönsten Tierparks in Deutschand. Wenig spektakulär aufgemacht, keine Bespaßung oder Würstchenbuden, sondern eben nur die Natur selbst. Mit jeder Menge Abenteuerfaktor, der den Forscherdrang in jedem Kind – und auch den Erwachsenen – weckt. Verbindet den Ausflug doch gleich mit einer Fahrradtour oder einer kleinen Wanderung auf dem Abenteuer-Familienrundweg durch den Faberwald und den Rednitzgrund!


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