Kunstweg Rednitzhembach (Landkreis Roth)

Direkt am Ortsrand von Schwabach im Landkreis Roth liegt Rednitzhembach. Bereits seit vielen Jahren gibt es hier den Kunstweg, einen Wanderweg, der Natur mit künstlerischen Elementen verbindet.

Wandern durch die Sandachse in Franken

Die Sandachse Franken verbindet Lebensräume entlang der Regnitz und ihrer Zuflüsse. Doch was bedeutet Sandachse überhaupt? Für die Sport- und Freizeitgestaltung ist Sand mit Badestränden, Sandburgen, Rodelhängen oder auch einer Motocrosspiste verbunden. Für die Landwirtschaft bedeutet ein sehr sandhaltiger Boden Spargel, Kartoffeln und Tabak. Und für die Natur? Heidekraut, natürlicher Kiefernwald und Magerrasen.

Ein Ausflug von Kunstwerk zu Kunstwerk

Ob zu Fuß, mit dem Fahrrad, dem Kinderwagen oder dem Hund – ein Spaziergang, der sich immer lohnt. Wie lange der Ausflug dauert, bestimmt ihr selbst. Je nachdem, welchen Ausgangspunkt ihr wählt und welche Strecke ihr lauft, kann er von einer Stunde bis zu drei Stunden ausgedehnt werden.

Kunstweg Rednitzhembach, das bedeutet Begegnung von Kunst und Natur. Er führt durch die schönsten Gebiete der Gemeinde Rednitzhembach. Vor allem durch das wunderbare Rednitztal, durch schattige Wälder und Ausblick auf sonnigen Wiesen und Felder. Und überall begleitet von modernen Kunstwerken, die sich skurril an Straßenkreuzungen und Plätzen erheben oder auch gut in den Baumbestand im Wald einfügen.

Auf dem ganzen Weg sind meist in Sichtweite Kunstwerke aufgestellt. In unterschiedlichen Stilrichtungen, klein oder auch groß, aus Holz, Stein oder Metall, sind die Kunstwerke vorwiegend von heimischen Künstlern geschaffen. Die Edelstahltafeln neben jedem Kunstobjekt beschreiben, wer das Werk geschaffen hat und welche Gedanken der Künstler dabei verfolgte.

Wandern auf dem Kunstweg Rednitzhembach

Unsere etwa sechs Kilometer lange Wanderung beginnt an einem Sonntagmorgen im Mai am Parkplatz am hübschen Trafohäuschen an der Walpersdorfer Straße. Es geht weiter Richtung Wiesengrund, links auf den Wander- und Fahrradweg. Hinter dem Teich liegt auf einer kleinen Anhöhe das Sternentor.

Sternentor von Klaus-Leo Drechsel

Links erstrecken sich die Magerwiesen der Sandachse Franken, rechts flankiert ein schmaler Waldstreifen unseren Weg. Hinter der Welle und dem Wasserträger auf der linken Seite, erreichen wir die Sonnenuhr, die wegen der Zeitumstellung eine Stunde nachgeht und uns erst sieben Uhr anzeigt.

Der erste Eindruck täuscht

Auf den ersten Blick sieht die Landschaft südlich von Rednitzhembach aus wie ein ganz normales Kulturgebiet. Doch es lohnt ein zweiter Blick. Denn hier findet man noch – oder wieder – ganz besondere Schätze in unserer fränkischen Landschaft, die es zu erhalten und schützen gilt.

Sonnenuhr von Günther Eckert

Sandachse Franken

Offene Sandflächen findet man ursprünglich an naturnahen Bächen und Flüssen mit Sandbänken und Sandablagerungen, vor allem nach einem Hochwasser. Kleinere Sandflächen entstehen auch durch Rutschungen am Hang oder, wenn ein Baum bei Sturm umgestürzt ist.

Hier entstehen zunächst nur sehr anpassungsfähige Pflanzen wie das Silbergras. Werden die Flächen jedoch sich selbst überlassen, dauert es nicht lange, bis die Vegetation fortschreitet. Zwergsträucher wie der Ginster, Heidekraut oder Brombeere siedeln sich an. Durch das verottende Laub der Sträucher entsteht mit der Zeit nährstoffreicher Humus, sodass sich nach einiger Zeit auch Birken, Eichen und Kiefern ansiedeln.

Kiefer – Ginster – Eiche

Letztendlich entsteht also bei einer natürlichen Entwicklung irgendwann ein Wald. Reine Kiefernwälder sind in Deutschland sehr selten. In Franken wachsen sie von Natur aus nur auf kargen, kleinflächigen Flugsanddünen. Neben Kiefern finden hier lediglich ein paar Flechten und Moose geeignete Lebensbedingungen.

Auf den leicht lehmhaltigen Sandböden der Rednitz würden hingegen Kiefer und Stieleiche lichte Bestände bilden, zu denen sich die Sandbirke sowie Zwergsträucher wie Heidel- und Preiselbeere dazugesellt.

Auch die Heidenelke und das Sandglöckchen lieben trockene, sandige Böden. Mit ihren behaarten Blättern schützen sich die Pflanzen vor starker Sonneneinstrahlung. Sandlaufkäfer graben sich in den lockeren Boden und lauern dort auf Beute. Die Blauflügelige Ödlandschrecke hat die perfekte Tarnung für offene Sandflächen. Fliegt sie auf, zeigen sich ihre leuchtend blauen Flügel.

Sandlebensräume erhalten und schaffen

Sandlebensräume sind in unserer dicht besiedelten Landschaft stark gefährdet. Überbauung, Aufforstung , Nährstoffe aus der Landwirtschaft oder auch eine Ablagerung von Müll oder Gartenabfällen lassen diese einzigartigen Naturräume immer weiter verschwinden. Zumal heutzutage auf natürlichem Wege kaum noch offene Sandflächen neu entstehen.

Aus diesem Grund hat sich die Gemeinde Rednitzhembach entschlossen, im Rednitztal geeignete Flächen zu erwerben und diese durch gezielte Maßnahmen als Sandlebensräume zu erhalten.

Hinter einer Rechtskurve hinter der Waldkolonie tauchen wir in den kühlen Wald ein. Hauptsächlich ist er von dünnen, hohen Kiefern geprägt. Langsam erobern jedoch junge Eichen das Terrain. Wir folgen der Beschilderung Kunstweg durch den Wald und erreichen nach kurzer Strecke das Eisenhaus.

Eisenhaus von Hubert Baumann

Durch den engen Eingang gehen wir in den transparenten Innenraum. Hier finden wir neben dem westafrikanischen Eisengott auch die klassischen Formen für die Eisenproduktion: Walze, Rad, Bohrmaschine und vieles mehr. An diesem Sonntagmorgen sind herrliche Licht- und Schattenspiele durch die tiefstehende Sonne zu beobachten.

Weiter geht es auf dem Weg durch den Kiefernwald, dessen Ränder bereits von halbwüchsigen Eichen gesäumt wird. Als sich links der Baumbestand öffnet, treffen wir auf das nächste Kunstwerk.

… in die Weite (Sabine Mädl)

Der Wanderweg macht eine Rechtskurve und wir passieren die Bahngleise durch eine Unterführung. Auf der anderen Seite erwartet uns bereits die Läuferin, die ihre Runden durch den Wald über ein paar Balken aus Holz dreht.

Waldrand und Terrassenwald

Was soll denn so besonderes an einem Waldrand sein, werdet ihr euch vielleicht fragen. In der heutigen Kulturlandschaft Deutschlands sind jedoch kaum noch wirkliche Waldränder zu finden. Landwirtschaftliche Nutzflächen sind oft durch Abholzung eines bestehenden Waldes entstanden. Der Acker reicht bis an die Grenze der Abholzung heran. Die Waldränder sind deshalb nur sehr schwach bis gar nicht ausgebildet und können damit dem bestehenden Wald keinerlei Schutz vor Wind und Sonne bieten. Dadurch kann sich das waldtypische, feuchte Mikroklima nicht ausbilden. Sowohl bei den Pflanzen als auch bei den Tieren finden nur wenige Arten einen geeigneten Lebensraum.

Aus diesem Grund sollen vor allem südlich orientierte Waldränder im Süden von Walpersdorf und nördlich von Plöckendorf ökologisch wertvolle Waldmäntel geschaffen werden. Am Rand des Kiefernwaldes (Steckerleswald) entsteht im Laufe der Zeit ein Mischwald mit dichtem Unterwuchs, gesäumt von einem Strauchgürtel und Krautsaum.

Besonderheiten von intakten Waldrändern

Wechselnde Lichtverhältnisse am Waldrand bieten unzähligen Pflanzen ideale Lebensbedingungen. Diese wiederum schaffen Nahrung und Lebensraum für eine Vielzahl von Tieren. Viele dieser Tiere benötigen nicht nur den Schutz, den sie in Gehölzen finden, sondern auch das Nahrungsangebot artenreicher Wiesen. In intakten Waldrändern leben die meisten Arten pro Quadratmeter.

Eisenkugelbaum

In den warmen, sandigen Boden graben sich viele Insekten wie Wildbienen ihre Wohnungen. Auch wechselwarme Tiere wie die Zauneindechse fühlen sich hier wohl. Sie brauchen die Sonne, um erst richtig munter zu werden. Neben den Honigbienen gibt es alleine in Europa noch 500 weitere Bienenarten. Von diesen Bienen bilden nur die wenigsten Staaten. Die meisten leben als Einsiedlerbienen. Das Weibchen richtet sich ganz alleine ihren Brutraum ein und stattet sich diesen ohne die Hilfe von Artgenossen mit Honig und Nektar aus, um die Larven zu versorgen. Viele Bienenarten betreiben nicht einmal eine Brutpflege. Sie legen ihre Eier – wie der Kuckuck bei den Vögeln – in die vorbereiteten Zellen anderer Bienen.

Wir folgen dem Kunstweg nach rechts, der weiter durch die langen Stämme aus Kiefern führt. Unter ihnen wachsen vereinzelt Laubbäume und ein dichtes Geflecht aus Heidelbeeren. Rechts passieren wir die Kugelrunde. Der Weg steigt leicht an, der Wald beidseits des Weges rückt ein wenig nach hinten und macht Farnen und anderen Schattenpflanzen Platz.

Rechts finden wir einen ganz außergewöhnlichen Baum. Der Eisenkugelbaum ist im hellen Sonnenlicht fast nicht von den umliegenden Bäumen zu unterscheiden. Für eine kleine Pause lassen wir uns ein paar Minuten später auf der Parkbank gegenüber eines überdimensionalen Waldfisches nieder. So absonderlich die Vorstellung eines Fisches im Wald sein mag, die Skulptur eines Fisches mitten im Wald hat ihren ganz eigenen Reiz.

Waldfisch von Verena Reimann

Waldumbau

Das Waldbild in Franken wird fast ausschließlich von der Kiefer bestimmt. Ihre weite Verbreitung verdankt der Nadelbaum seinen geringen Ansprüchen an den Standort. Kiefernwälder werden umgangssprachlich als Steckerlaswald bezeichtet, da Kiefern sehr lange und dünne Stämme bilden und nur an der Spitze Seitenzweige besitzen.

Einst wuchsen auf den nährstoffarmen Böden in Mittelfranken Eichenmischwälder. Durch die intensive Nutzung der Wälder und die Aufforstung mit Kiefern wurde die Eiche jedoch nahezu verdrängt. Inzwischen ist sie fast nur noch an Waldrändern zu finden.

Um Rednitzhembach finden sich fast ausschließlich Kiefernwälder. Gefährdet wird dieser Waldbestand durch die klimatischen Veränderungen und den immer häufiger auftretenden Insektenbefall. Durch das Einbringen anderer Baumarten wie die Eiche und die Hainbuche soll in einem langsamen und schonenden Waldumbau nun wieder ein standortgerechter Mischwald geschaffen werden.

Wir folgen dem Wanderweg nach rechts. Nach kurzer Wegstrecke öffnet sich der Wald und gibt den Blick auf weitläufige Felder frei, die immer wieder von kleineren Waldstücken unterbrochen werden. Schon von Weitem erkennen wir undeutlich die Schwebenden, die sich auf hohen Stangen durch die Luft zu bewegen scheinen.

Bevor wir wieder den Ortsrand von Rednitzhembach erreichen, machen wir einen kurzen Abstecher nach links zur Picknick-Möglichkeit direkt neben dem Steinblütenfeld.

Steinblütenfeld von Franz Pröbster Kunzel

Zurück auf dem Wanderweg erreichen wir  nach kurzer Strecke den Ortsrand. Neben den ersten Häusern schaut der Affenreiter grimmig auf alle Wanderer, die seinen Weg passieren.

An der Straße halten wir uns leicht rechts, vorbei an der Sitzenden und folgen der Beschilderung des Kunstweges zum Bahnhof Rednitzhembach, der rechts an der erhöht liegenden Skulptur vorbeigeht. Gegenüber des terrakottafarbenen Hauses der Naturhistorischen Gesellschaft stehen die beiden Figuren „Mann und Frau“. Die Figuren sind drehbar und können einander zugewandt oder abgewandt sein.

Der Kunstweg führt links an den Skulpturen vorbei und beschreibt einen engen, gepflasterten Pfad mit einem Holzzaun links und einer begrünten Steinwand rechts. Nach einigen Minuten erreichen wir wieder Waldgebiet, in dem sich links die beiden hölzernen Waldameisen des Kunstwerkes Ring frei zur ersten Runde.

Ein weiteres Kunstwerk zum Anfassen und Musik machen finden wir das Klangspiel, auf dem man mithilfe einer Farbcodierung das Lied „Wenn ich ein Vöglein wär“ nachspielen kann.

Klangvogel (Bianca Seidel)

Nach der Unterführung des Bahnhofes Rednitzhembach halten wir uns leicht links und folgen der Bahnhofstraße, die nach rechts nach dem Park & Ride Parkplatz abzweigt. Am Ruhenden Knaben vorbei erreichen wir den Ortskern von Rednitzhembach. Wer Hunger hat oder durstig ist, findet hier sicherlich etwas. Egal ob einen Snack, einen Kaffee oder Kuchen oder auch ein gutes italienisches Essen.

Frisch gestärkt gehen wir die Bahnhofstraße bis zu ihrem Ende weiter. An der Rednitz könnt ihr euch ein Boot bei der Kahnfahrt Rednitzhembach mieten und bei schönem Wetter eine kleine Erfrischung genießen. Der Wanderweg biegt nach rechts und folgt der Walpersdorfer Straße – vorbei an weiteren Kunstwerken –  zurück zum Parkplatz am Trafohaus.

Trafohaus am Parkplatz Walpersdorfer Straße

Wandern auf dem Kunstweg Rednitzhembach

Wir haben nur einen Teil des Kunstweges bestritten. An der Brücke über die Rednitz führt der Wander- und Kunstweg noch etwa zwei Kilometer weiter bis zum Industriegebiet Rednitzhembach.

Route

Höhenprofil

Details

  • Start/Ziel: Parkplatz am Trafohaus in der Walpersdorfer Straße
  • Alternative Startpunkte: Park & Ride am Bahnhof
  • Länge: 6,2 km (Rundweg, auch längere Route möglich)
  • Schwierigkeit: leicht (auch für Kinderwagen geeignet)
  • Dauer: 2 Stunden reine Gehzeit
  • Markierung: Kunstweg
  • Aufstieg: 101 m
  • Abstieg: 98 m
  • DOWNLOAD Karte als pdf: Kunstweg-Rednitzhembach-Karte
  • DOWNLOAD Wegbeschreibung als pdf: Beschreibung-Kunstweg-Rednitzhembach

Jetzt neu: PLANDATEN FÜR GPS-GERÄTE

So funktioniert´s: Auf den Link klicken, dann wird euch die Datei angezeigt. Mit der rechten Maustaste irgendwo in den Text klicken. „Speichern unter“ auswählen und an beliebiger Stelle (auf dem Smartphone, PC oder dem mobilen GPS-Gerät) speichern. 

Essen und Trinken

Im Ortskern an der Bahnhofstraße liegen verschiedene Bäckereien und ein Metzger, bei denen ihr euch mit einem Snack oder auch einer ganzen Mahlzeit versorgen könnt. Zum Abschluss der Wanderung empfiehlt sich auch die Einkehr in einem der guten Restaurants in Rednitzhembach.

La Piccola Cucina (italienische Küche)

Ehrliche italienische Küche in familiärem Ambiente gibt es in der La Piccula Cucina im Ortskern. An schönen Tagen könnt ihr euch auch zum Essen oder einem Glas Wein nach draußen setzen.

  • Bahnhofsstraße 13 D, 91126 Rednitzhembach (Plöckendorf)
  • Telefon: 09122 – 74 312
  • Homepage: pizzeria-lapiccola.eu

Öffnungszeiten:

  • 10:30 bis 14:30 Uhr
  • 17:00 bis 22:30 Uhr
  • an Sonn- und Feiertagen ab 17:00 Uhr
  • Montag Ruhetag

Kahnfahrt Rednitzhembach

Ein toller Spaß bei warmem Wetter ist der Bootsverleih an der Rednitzbrücke. Bis zum Sonnenuntergang kann man sich hier wunderbar vergnügen und entspannen.

Kahnfahrt Rednitzhembach

Kontaktdaten & Infos

Kahnfahrt Rednitzhembach

  • Zwischen den Brücken
  • 91126 Rednitzhembach
  • Telefon: 0170 30 80 228
  • Homepage: kahnfahrt-rednitzhembach
  • Öffnungszeiten: April bis September von 10:00 bis Sunset

Fazit

Wir sind den Kunstweg schon etliche Male gewandert. Nicht nur die Kunstwerke, sondern auch die Natur begeistert uns immer wieder. Der Wanderweg ist sehr einfach zu begehen und eignet sich auch schon für die Kleinsten im Kinderwagen oder Buggy. Wer nach einem tollen Ausflug in der Nähe von Nürnberg sucht, ist hier in Rednitzhembach an der richtigen Adresse.

 


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