BURG ZWERNITZ

Im schönen Oberfranken gibt es eine Vielzahl von Sehenswürdigkeiten und einzigartigen Naturräumen. Neben den Prunkbauten in Bayreuth sind es aber vor allem die kleinen, versteckten und nur wenig bekannten Schlösser und Burgen in der Fränkischen Schweiz, die es uns besonders angetan haben. Diesmal hat es uns nach Markt Wonsees, nur ein paar Kilometer östlich von Bayreuth, verschlagen. Mitten im Nirgendwo steht auf einem schroffen Felsen mitten in der Landschaft ein wunderschönes altes Gemäuer: die Burg Zwernitz.

Fränkische Schweiz

Mit rund 170 Schlössern, Burgen und Ruinen ist die Fränkische Schweiz ein wahres Mekka für alle, die die mystische Atmosphäre dieser geschichtsträchtigen Steinbauten lieben. Überall in der Region trifft man auf die Überreste mittelalterlichen Wirkens und Treibens. 35 dieser alten Gemäuer sind heute noch bewohnt.

Innenhof mit Fachwerkbauten auf Burg Zwernitz

Leider sind nur 11 der historischen Bauwerke für die Öffentlichkeit zugänglich. Während die Schlösser in der Fränkischen Schweiz vor allem mit ihrer edlen Ausstattung und Schönheit bestechen, ist es der rustikale Charme und das geheimnisvolle Flair, das die Burgen zu einem beliebten Ausflugsziel macht.

Wir haben einige dieser Kleinode zwischen Forchheim und Bayreuth besucht und sind noch immer in dem Bann der sagenumwobenen Gemäuer gefangen. Einen dieser wunderbaren Orte möchten wir euch deshalb heute einmal etwas genauer vorstellen.

Abendstimmung in Sanspareil, Blick auf Burg Zwernitz

Burg Zwernitz

Hoch oben auf einem Dolomitfelsen, in luftiger Höhe mit weiter Rundumsicht über die Fränkische Schweiz, liegt die von den Walpoten in der Mitte des 12. Jahrhunderts erbaute Burg Zwernitz. Nach deren Aussterben gelangte die Burg um 1300 in den Besitz der Kulmbacher und Bayreuther Markgrafen. Früher konnten von hier aus Rauchsignale über Beobachtungstürme bis zur Plassenburg in Kulmbach weitergeleitet und von dort empfangen werden. Größere Teile der spätromantischen Burg sind erhalten geblieben. Erkennen kann man diese ursprünglichen Teile an den typischen Buckelquadern.

Von der Festung zum „Jagdschloss“

Nach dem 30-jährigen Krieg (1680 – 1648) wurde die Burg Zwernitz nicht mehr als Wehrbau genutzt. Sie diente vielmehr als Amtsgebäude und wurde von den Markgrafen instant gehalten. Als zu Beginn des 18. Jahrhunderts ein neues Amtshaus am Fuß der Burg errichtet wurde, diente sie nur noch als Unterkunft  für zahlreiche Jagdgesellschaften.

Auf einem schroffen Felsmassiv erbaut: die Burg Zwernitz aus dem 12. Jahrhundert

Nachdem die Burg im 18. Jahrhundert nicht weiter amtlich genutzt wurde, erlebte der trutzige Bau seine ganz eigene Glanzzeit. Die Markgrafen frönten in dieser Epoche ausgiebig ihrer Jagdlust. Kein Geld und keine Mühen wurden gescheut, ein adäquates Quartier für die illustre Gesellschaft zu schaffen. Es folgte eine aufwendige Sanierung, um die adeligen Gäste und deren Pferde zu beherbergen. Und Friedrich nutzte die Wälder in der Umgebung ausgiebig für die markgräfliche Jagd.

In den Räumen der Burg befindet sich heute eine Dauerausstellung über die Jagd

Die Kosten für die Jagd verschlangen einen bedeutenden Anteil des Staatshaushaltes. Da das hoheitliche Recht auf die Jagd den Landesherren verliehen wurde, nutzten diese ihr gesamtes Territorium natürlich ungehemmt zum Erlegen von Bären, Wildschweinen und Hirschen – vorwiegend, um begehrten Trophäen zu erlangen. Aus diesem Grund mussten natürlich auch geeignete Unterkünfte unterhalten werden, und das waren bisweilen auch Schlösser und Burgen. Überall lagerte umfangreiches Jagdgerät und auch die Anzahl des Personals war erheblich.

Morgenländischer Bau am Eingang zum Felsengarten Sanspareil in Wonsees

Felsengarten Sanspareil

Zu dieser Zeit entstand auch der benachbarte Felsengarten Sanspareil. Während der Buchenhain von Markgraf Friedrich zunächst als Wildgehege genutzt wurde, war die Markgräfin Wilhelmine derart entzückt von dem mit schroffen Felsen durchzogenen Wäldchen, dass sie die Anlage in eine Miniaturlandschaft mit Morgenländischem Bau und Ruinentheather umwandelte, die auch heute noch dort bewundert werden können.

Der Bergfried von Burg Zwernitz

Was wäre eine mittelalterliche Burg ohne einen Bergfried. Wenn jemand nicht so genau weiß, was das überhaupt ist: Als Bergfried bezeichnet man den höchsten Turm einer Burganlage. In der Regel sind diese Türme rund und ein weithin sichtbares Symbol für die Wehrhaftigkeit der Anlage.

In praktischer Hinsicht hatten diese Türme natürlich strategische Aufgaben. Auch der Rundturm auf Burg Zwernitz wurde bis ins 18. Jahrhundert als Wachturm genutzt, von dem aus man kilometerweit in das damals noch deutlich weniger bewaldete Umland schauen konnte. Wurde ein gegnerisches Heer oder eine größere Rotte ausgemacht, warnte man die Bevölkerung umgehend durch einen Warnschuss. Die Einwohner des Dorfes rafften in diesem Fall eiligst ihre Siebensachen zusammen und suchten mit ihren Tieren Schutz auf der Burg Schutz.

Außerdem gab man bei drohender Gefahr je nach Tageszeit Rauch- oder Feuerzeichen, die dann über das ausgeklügelte System an Wachtürmen bis nach Kulmbach zur Plassenburg weitergeleitet wurden, um von dort Verstärkung anzufordern.

Ein Bergfried galt zudem als sicherer Aufbewahrungsort für Waffen und Wertgegenstände, in harten Zeiten auch als Gefängnis. Da damals der Turm nur über eine lange Leiter erreichbar war, wurde diese einfach entfernt und niemand kam mehr hinein.

Der verspielte Aufsatz aus Holz auf den hohen Rundturm wurde erst zu Zeiten des Markgrafen Friedrich errichtet, um der schmucklosen Burg ein wenig mehr Glanz und Charme zu verleihen und sie wie ein Schloss wirken zu lassen.

Über steile Stufen erreicht man die Aussichtsplattform um hölzernen Aufsatz des Turmes

Die Wände des Bergfriedes sind ganze 2,5 Meter dick und gelten damit als nahezu unzerstörbar.

Auf dem 31 Meter hohen Rundturm, der die Burg Zwernitz mit einem Durchmesser von 7,5 Metern überragt, hat man eine fantastische Rundumsicht über den Naturpark Fränkische Schweiz. Bei klarem Wetter ist es möglich, bis zum Fichtelgebirge zu blicken. Während der Rundturm früher nur über Leitern erreichbar war, kommt man heute über einen Anbau hinauf.

Blick auf den Innenhof mit den Gebäuden von der Turmseite

Lebendiges Mittelalter

Jedes Jahr im Spätsommer zu den Residenztagen der Bayerischen Schlösserverwaltung bietet die Burg Zwernitz Zeitreisen ins späte Mittelalter an. Bei der sogenannten Burgbelebung gibt jedoch keinen Mittelaltermarkt wie auf vielen anderen Burgen, sondern besondere Einblicke, wie das Leben damals war. Der Jagdverein erläutert, was heute zu einem Jagdschein berechtigt, Falkner erklären die Jagd mit Greifvögeln,  Handwerker führen Besucher in ihre Künste ein. Ein buntes Treiben herrscht auf der Burg – und für einige Zeit kommt sie wieder in den Genuss ihrer glanzvollen Zeiten: Franken, irgendwann um 1450.

Touristeninformation der Bayerischen Schlösserverwaltung auf Burg Zwernitz

Burg Zwernitz heute

Heute befindet sich in den Räumlichkeiten der Burg ein Ritterzimmer sowie eine Ausstellung zum Jagdwesen der Markgrafen. Die Burg ist in den Frühlings- und Sommermonaten für Besucher geöffnet und lohnt eine Besichtigung – auch mit Kindern!

Nicht nur für Kinder toll: Spiele über Wildtiere zum Raten und Mitmachen

Adresse

Burg Zwernitz

Sanspareil 29
96197 Wonsees

Öffnungszeiten

  • April bis September: 9:00 bis 18:00 Uhr
  • bis 15. Oktober: 10:00 bis 16:00 Uhr
  • montags geschlossen
  • Oktober bis März: geschlossen

Eintrittspreise

  • 3,50 Euro für Erwachsene
  • für Kinder und Jugendliche ist der Eintritt frei

Auf dem Übergang zwischen den Gebäuden wächst heute ein Baum

Wandern in der Fränkischen Schweiz

Es wäre fast ein wenig schade, im schönen Oberfranken nur ein paar Stunden zu verbringen und dann gleich wieder nach Hause zu fahren. Verbindet doch einfach die Kultur und Geschichte mit ein wenig Natur, denn auch in dieser Hinsicht muss sich die Region zwischen Forchheim und Bayreuth nicht verstecken. Wenn ihr ein paar Anregungen für eine Wanderung braucht, findet ihr neben einer aussagekräftigen Broschüre mit ausgesuchten Touren (inklusive Karte und Beschreibung) auch ein Portal mit Tagestouren in der Fränkischen Schweiz. Die perfekte Basis für eine entspanntes oder auch ereignisreiches Wochenende oder gar einen Urlaub – alleine, zu zweit oder mit der ganzen Familie.

Hier findest du zahlreiche Wandertouren in der Fränkischen Schweiz:

Bestimmt kommen im nächsten Frühjahr oder Sommer auch ausführliche Touren von uns hinzu!


Fotos

Michaela Trapp, mit freundlicher Genehmigung der Bayerischen Verwaltung für staatliche Schlösser, Gärten und Seen© Bayerische Schlösserverwaltung


Ideal für einen Kurztrip oder gleich einen ganzen Urlaub!

Günstige Übernachtungsmöglichkeiten sind rund um Bayreuth selten. Wenn ihr eine wirklich tolle Alternative zum Hotel oder einer Pension sucht, kann ich euch den Campingplatz Waldmühle in Freienfels bei Hollfeld empfehlen. Idyllische Stellplätze für das Wohnmobil, bezahlbare Gästezimmer, Ferienwohnung und eine eigene Gaststätte mit richtig leckeren Gerichten für jeden Geschmack.

Am Fuße des privaten Schlosses Freienfels liegt der Gasthof und Campingplatz Waldmühle

Für Alleinreisende mit Kind gibt es auf dem Campingplatz eine etwas andere Übernachtungsvariante: eine abenteuerliche Holzhütte – für den ganz kleinen Geldbeutel – und dennoch deutlich komfortabler als ein Zelt. Schaut mal vorbei! Ich habe mich in der Waldmühle wirklich wohl gefühlt und werde bestimmt wieder einmal vorbeischauen.

Gasthof – Campingplatz Waldmühle
Freienfels 31
96142 Hollfeld

Homepage: waldmuehle.net

 


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