Naturschönheiten in der Oberpfalz – Moorlehrpfad Prackendorfer und Kulzer Moos

Weite Moorflächen sind nicht unbedingt das, was man im Naturpark Oberpfälzer Wald erwarten würde. Aber zwischen Neunburg vorm Wald und Thanstein gibt es tatsächlich ein Moor, in dem aufmerksame Naturfreunde bunte Torfmoose und fleischfressende Pflanzen in geheimnisvollen Gewässern bestaunen können. Bei einer Wanderung über den Naturlehrpfad durch das Prackendorfer und Kulzer Moos könnt ihr über 100 Arten an Pflanzen und Tieren antreffen, die auf der Roten Liste der bedrohten Arten stehen. Es ist immer wieder ein Abenteuer, die kleinen und großen Naturwunder in der heimatlichen Region zu entdecken.

Spezialisten im Moorwald – Kulzer Moos

Einst gab es in Bayern fast 60.000 Hektar Moor. Davon sind heute nur noch rund 8.000 Hektar erhalten. Und hätte man sie nicht unter Schutz gestellt, gäbe es sie wahrscheinlich inzwischen gar nicht mehr. Auf dem Holzbohlensteg tritt man ins lichte Dunkel: den Birken-Moorwald. Hier wächst die Moorbirke als Spezialist unter den Bäumen, die auf nasskaltem, sauren und nährstoffarmen Boden gedeihen kann. Sie lässt sich leicht von den sonst verbreiteten Birkenarten, der Sandbirke und Hängebirke, unterscheiden. Denn die Zweige von jungen Moorbirken wachsen aufrecht. Ihre unterseitig behaarten Blätter sind nicht so eckig, sondern eher eiförmig.

Im Erlenbruch wachsen Schwarzerlen, die ebenfalls perfekt an nasse Standorte angepasst ist. Anders als die Birke, benötigt sie ausreichend Nährstoffe, um zu überleben. Und da es die im Moor nicht gibt, bedient sich die Schwarzerle eines ganz besonderen Tricks: Sie lebt in einer Symbiose mit Knöllchenbakterien an den Wurzelhärchen. Diese können aus der Luft elementaren Stickstoff binden und ihn für den Baum als Nährstoff zur Verfügung stellen.

Moorlebensräume im Kulzer Moor

Auf dem Naturlehrpfad auf dem Prackendorfer und Kulzer Moos im Landkreis Schwandorf erwarten euch unterschiedliche Moorlebensräume. Der Holzsteg führt euch durch lichtes Gebüsch aus Weiden und Faulbäumen, bis sich der Wald auf einen kleinen Übergangsbereich, ein sogenanntes Zwischenmoor, öffnet. Die veränderte Struktur ist auf einen Zufluss von mineralstoffreichen Grundwasser zurückzuführen. Im Gegensatz zu den aufgewölbten Hochmoor im ist diese Zone eher flach.

 

Eine bunte Blütenwelt im Moor

Auf den Streuwiesen kann eine bunte Palette an Raritäten wie die Arnika oder das Breitblättrige Knabenkraut heranwachsen, da diese erst spät gemäht werden. Im Sommer leuchten rote Moosbeeren im grünen Teppich aus Moosen im Kulzer Moos.

Vom Brenntorf-Abbau zum Naturschutzgebiet

Seit dem Ende der letzten Eiszeit gibt es sie. Überall da, wo sich in einer Senke das Gletscherwasser staute und sich aus Mangel an Sauerstoff mehr Biomasse bildete als abgebaut werden konnte. Im alpinen Raum Süddeutschlands sind Moore gar nicht so selten. Aber hier im Oberpfälzer Wald sind sie doch eine Rarität. Im Laufe von Jahrtausenden bildeten sich mächtige Torfschichten. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts baute man hier im Moor im Landkreis Schwandorf die drei bis vier Meter dicke Torfschicht auf einer Fläche von 66 Hektar ab, meist zwischen Mai und Juli. Ab August erfolgte dann mit Ochsenkarren der Abtransport auf dem heutigen Lehrpfad. Bis zu 200 Menschen arbeiteten hier bis in die 1960er Jahre im Kulzer Moos. Dann wurde der Abbau des Brenntorfs von der Kohle abgelöst. Seit 1987 ist das Prackendorfer und Kulzer Moos als Naturschutzgebiet ausgewiesen.

Vom Kulzer Moos ins Prackendorfer Moos

Ganze 80 Hektar ist es groß, das Prackendorfer und Kulzer Moos. In all seinen verborgenen Ecken und Winkeln zeigt sich die Tier- und Pflanzenwelt von einer ganz besonderen Seite. Denn zumindest in Teilen ist die Hochmoorfläche noch intakt. Wenn ihr genau hinseht und etwas Zeit mitbringt, könnt ihr vielleicht auf dem Moorlehrpfad ein paar der seltenen Tiere und Pflanzen sehen.

Und diese Lebensräume unterscheiden sich doch stark zwischen dem Kulzer und Prackendorfer Moos. Und das seht ihr auch auf dem Lehrpfad deutlich.

Auf dem Hauptdammweg erreicht ihr das Prackendorfer Moos. Dieses Moor ist der landschaftlich attraktivere Teil des Moorgebietes im Oberpfälzer Wald.  Wassergefüllte Vertiefungen wechseln im ausgedehnten Hochmoorbereich mit erhöhten Kuppen aus Torf und Torfmoosen, sogenannten Bulten. Hier wächst in den offenen Wasserflächen der fleischfressende Wasserschlauch. Mit winzigen Fangblasen an seinen Unterwasserblättern erbeutet er Wasserkrebse und andere Kleinstlebewesen.

Ab und an wird der Weg etwas holprig. Die Schritte federn leicht auf dem weichen Torfboden. Aber keine Angst, ihr müsst nicht befürchten, dass ihr irgendwo im Moor versinkt. Allerdings solltet ihr wirklich immer auf den Wegen bleiben. Das dient nicht nur zu eurer Sicherheit, sondern auch zum Schutz der empfindlichen Natur im Prackendorfer und Kulzer Moos. Wenn hier etwas zerstört wird, braucht es ewig, bis sich die Natur wieder erholt, wenn denn überhaupt. Und wir wollen doch alle, dass dieses wunderschöne Kleinod auch noch für nachfolgende Generationen bewahrt bleibt.

Auf den Spuren der Libelle – Moorlehrpfad

Gleich auf den ersten Metern nach dem Parkplatz säumen Fischweiher und Tümpel den Pfad. Dort lauern grün-braune Wasserfrösche auf Beute. Sie sind in der Natur nur selten zu beobachten. Deshalb lohnt es sich, sich geduldig im Uferbereich niederzulassen und ein wenig zu warten. Überall quakt und platscht es, da können doch die Frösche nicht weit sein. Im HIntergrund steht ein idyllisches Holzhäuschen auf Stelzen im Wasser.

Ab hier folgen wir dem Hinweisschild „Erlebnis Kulzer Moos“ mit einer Libelle als Wahrzeichen. Am Waldrand entlang führt uns der Weg über eine weite Wiese. Am gegenüberliegenden Ende entdecken wir bereits ein dreieckiges Naturschutzgebiet-Schild, das uns auf den Blockbohlenpfad leitet.

Spätestens ab hier solltet ihr den Pfad nicht mehr verlassen. Rechts und links begleiten uns Moorbirken und Farne auf dem feuchten Untergrund. Ein bisschen kommen wir uns vor wie in einem schaurigen Urwald, zumal es heute – noch früh am Morgen – sehr neblig ist. Am Ende des Holzweges verändert sich die Vegetation. Nach einem etwas düster erscheinenden Fichtenwald erreichen wir den Erlenwald, der den größten Teil des Jahres unter Wasser steht. Und schließlich erreichen wir das Prackendorfer Moos. Libellen umschwirren die Gräser und Blüten, denn jetzt kommt langsam die Sonne raus.

Nach einem Maisfeld haben wir unsere Runde fast geschafft und kommen jetzt wieder auf den Zuweg, den wir vor über einer Stunde in die andere Richtung gegangen sind.

Route

Höhenprofil

Details

  • Start/Ziel: Parkplatz am Moorlehrpfad (zwischen Kulz und Dautendorf)
  • Markierung: Erlebnis Kulzer Moos (Libelle)
  • Gesamtlänge: etwa 3 km
  • Dauer: mindestens 2 Stunden (ohne Pausen)
  • Schwierigkeit: leicht (keine Steigungen)
  • Anstieg: 136 m
  • für Kinderwagen/Buggy geeignet: ja (mit geländegängigem Modell)
  • Öffnungszeiten: rund um die Uhr geöffnet
  • Eintritt: kostenlos
  • DOWNLOAD Karte als pdf: Moorlehrpfad-Prackendorfer-und-Kulzer-Moos-Wanderkarte.pdf

 PLANDATEN FÜR GPS-GERÄTE

So funktioniert´s: Auf den Link klicken, dann wird euch die Datei angezeigt. Mit der rechten Maustaste irgendwo in den Text klicken. „Speichern unter“ auswählen und an beliebiger Stelle (auf dem Smartphone, PC oder dem mobilen GPS-Gerät) speichern. 

Geführte Touren durchs Kulzer Moos

Wer an einer geführten Tour durch das Moor teilnehmen möchte, kann sich entweder an die Gemeinde Thanstein oder die Touristen-Information Neunburg vorm Wald wenden.

  • Tel. Gemeinde Thanstein: 09672 / 92 05 – 0
  • Tel. Tourist-Information Neunburg: 09672 / 92 08 – 421

Essen und trinken

Direkt auf dem Naturlehrpfad gibt es keine Möglichkeit, irgendwo einzukehren. Nehmt euch am besten ein paar Getränke und eine kleine Brotzeit mit. An dem einen oder anderen Rastplatz lässt es sich gut picknicken. In den umliegenden Ortschaften gibt es aber genügend Gaststätten, um auch den größeren Hunger zu stillen oder sich mit einem Stück Kuchen oder einem kühlen Eis zu versorgen. Die nächstliegende Gaststätte ist das Gasthaus Krämerhof in Kulz.

Anfahrt: So findet ihr zum Kulzer Moos

Gebt am besten Kulz oder Dautersdorf (bei Thanstein) ins Navigationssystem ein. Wenn ihr von Kulz aus kommt, liegt der Abzweig zum Wanderparkplatz rechts, von Dautersdorf aus links. Das Kulzer Moos ist von beiden Ortschaften aus sehr gut ausgeschildert.

Fazit

Das Prackendorfer und Kulzer Moos ist wirklich einen Ausflug wert. Egal, ob mit der Familie und Kindern oder auch ganz alleine. Langweilig wird es hier auf keinen Fall. Auch im Herbst und Winter hat das Moor so seine Besonderheiten. Nehmt euch auf jeden Fall einen Snack und genügend zu trinken mit, denn der kurze Rundweg kann vor lauter Schauen und Staunen länger dauern, als geplant. Auf dem Parkplatz ist – wenn nicht viel los ist – auch Platz für Wohnmobile.

 


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