Zauberwald-Orchideenweg Lichtenegg (Oberpfalz)

Scheinbar im Nirgendwo unweit der Grenze zu Mittelfranken liegt im Norden der Oberpfalz ein ganz besonderes Fleckchen Natur: Lichtenegg. Der weitgehend unzerschnittene Lebensraum in der Kleinregion bei Birgland besticht mit einer Artenvielfalt der Extraklasse. Unter Liebhabern sind die Wiesen und Wälder in ganz Deutschland bekannt, denn hier wachsen in den Sommermonaten seltene Orchideen. Wen wundert es da, dass einer der schönsten Wanderwege in der Oberpfalz nach ihnen benannt ist. Die Rede ist vom Zauberwald-Orchideenweg Lichtenegg.

Überall im Zauberwald wachsen skurrile Felsnadeln aus dem Erdboden

Geheimtipp Sulzbacher Bergland

Bis zum Horizont reihen sich Hügel an Hügel, Natur, so weit das Auge reicht. Und mittendrin romantische Täler mit kristallklaren Bächen. Weiter oben thronen Felszinnen und die Gemäuer alter Burgen auf den Hügelketten, markieren einstige Heer- und Handelsstraßen wie die Goldene Straße. Wie zufällig hingestreut immer wieder kleine Dörfer mit alten Kirchen und langjähriger Tradition. Hier im Sulzbacher Bergland im Bayerischen Jura ist es noch still im sonst so hektischen Deutschland. Mitten durch die Stätten der tausendjährigen Bergbautradition in der Region führt der Erzweg quer durch die Oberpfalz. Im Osten Bayerns, nicht weit von der Grenze zu Tschechien entfernt, trifft man auf idyllische Wälder mit bezaubernden Orchideenhainen.

Im Laub versteckt sich ein Brauner Grashüpfer und der Waldbrettspiel-Schmetterling

Auf Entdeckertour über und unter der Erde – Naturpark Fränkische Schweiz

Das romantische Örtchen Lichtenegg liegt an den südlichen Ausläufern des Naturparks Fränkische Schweiz, der den gesamten Naturraum der nördlichen Frankenalb umfasst. Er reicht vom Obermaintal bei Lichtenfels im Norden bis nach Hersbruck im Süden. Charakteristisch für die Region sind tiefe Täler neben in den Himmel strebenden Felsenklippen, Wacholderheiden und blühende Obstgärten. Mit über 2.000 Quadratkilometer Fläche ist der Naturpark Fränkische Schweiz – Frankenjura einer der größten Naturparke in Deutschland. Über 1.000 Höhlen mit teils gewaltigen Tropfsteinen verstecken sich in den bizarren Felsformationen. Eine perfekte Gegend für alle abenteuerlustigen Wanderer, Kletterer und Radfahrer.

Land der sanften Hügel: das Birgland

Die Natur in der Oberpfalz ist so urig und unterhaltsam wie seine Menschen. Berühmte Persönlichkeiten stammen aus dem stillen Hügelland östlich von Nürnberg zwischen Sulzbach-Rosenberg und Alfeld. Und jede Menge Traditionen erwarten Natur begeisterte Wanderer in der verträumten Landschaft des Birglandes. In geheimnisvollen Wäldern sorgen bizarre Felsen für Überraschungen mit ganz besonderem Charme. Und ganz nebenbei trifft man hier auf eine einzigartige Pflanzenwelt und Spuren uralter Siedlungskultur. An der Europäischen Wasserscheide gelegen, ist das Birgland bereits seit Jahrtausenden besiedelt. Einige Funde sind bis in die Steinzeit zurück verfolgbar. Und natürlich haben auch die Kelten das fruchtbare Land zu schätzen gewusst.

Oben auf dem Hügel liegt die Burgruine über dem gleichnamigen Ort Lichtenegg

Lichtenegg

Ein idyllisches Dörfchen mit rund 10 Häusern, einer Gaststätte und einer Burgruine, das ist Lichtenegg. Mitten auf dem Bayerischen Jura, da, wo die Gemeinden Pommelsbrunn, Weigendorf und Birgland aufeinandertreffen. Oben auf dem Felsen thront die Burg Lichtenegg, die heute nur noch als Ruine Geschichten aus vergangenen Zeiten erzählt. Ringsum das Land der Silberdisteln, Wacholdern und Orchideen, Hügeln und Tälern, dem Hohen Fels, Emil-Felsen und dem Türkenfelsen. Alles umrahmt von einem märchenhaften Zauberwald, in dem gelegentlich zu nächtlicher Stunde die schummrigen Lichter von Fackeln und Laternen über den Waldboden schweben.

Fast wäre sie verfallen, jetzt erstrahlt sie wieder in neuem Glanz – die Burgruine Lichtenegg

Burgruine Lichtenegg

Aus hellem Kalkstein gebaut leuchtet sie hoch über dem gleichnamigen Ort: die Burgruine Lichtenegg. Bewohnt war die einsame Anhöhe auf halbem Weg zwischen Hersbruck und Sulzbach-Rosenberg in der Fränkischen Alb schon in der Steinzeit. Die Burg selbst stammt wahrscheinlich aus dem 12. Jahrhundert. Ihr erreicht die Burg vom Parkplatz aus über die Ortsstraße bergauf, dann durch den Biergarten der Gaststätte Zum Alten Schloß-Wirt. ZUM ARTIKEL Burgruine Lichtenegg

Burgruine Poppberg

Mit 653 Meter ist die Burgruine Poppberg einer der höchsten Punkte im Birgland. Erbaut wurde die zweiteilige Höhenburg vermutlich im 13. Jahrhundert von den Grafen von Sulzbach. Heute befindet sie sich in Privatbesitz.

Langsam geht die Sonne über dem Türkenfelsen auf und wirft lange Schatten auf den Waldboden

Zauberhafter Frauenschuh

Nur ihretwegen kommen sie alle hierher, dem Superstar unter den seltenen Blumen. Der gelbe Frauenschuh zieht sie alle an, und sie kommen in Scharen von Mai bis Juni von nah und fern, die Fotografen und Orchideenliebhaber. Es gleicht einer Pilgerfahrt in die Natur. Und als wisse der Frauenschuh um seine Schönheit, streckt er seine prachtvollen Blüten der Sonne – und den Besuchern – entgegen.

Im Mai sind die Wiesen voll von seltenen Orchideen

Von der Samenkeimung bis zur ersten Blüte benötigt der Frauenschuh ganze 16 Jahre Entwicklungszeit. Halbschatten und magere Böden reichen als Bedingung dabei aus. Ist das Erdreich verdichtet, bedeutet das sein Ende. Deshalb mag er es gar nicht, wenn allzu aufdringliche Fotografen auf den Horsten herumtrampeln. Aus diesem Grund findet ihr überall die Schilder mit der Bitte, auf den Wegen zu bleiben. Neben dem legendären Frauenschuh führen die rund 20 weiteren Orchideenarten, die an der Grenze zu Mittelfranken um den Türkenfelsen im westlichen Teil des Landkreises Amberg-Sulzbach, fast ein Schattendasein.

Faszination Felsen

Es sind nicht nur die Orchideen allein, die diese Landschaft im Norden der Oberpfalz so anziehend machen. Turmhohe, bizarre Felsen mit fantasievollen Namen wie Hänsel und Gretel oder Türkenfelsen locken Kletterbegeisterte an. Und kommen an sonnigen Tagen im Mai und Juni Kletterer und Orchideenfreunde hier zusammen, herrscht reges Treiben in dem sonst so mystisch-stillen Fleckchen Oberpfalz.

An solchen Tagen ziehen sich die Elfen und Kobolde zurück, denen man nachsagt, sie legen Wanderern dicke Steine und Wurzeln in den Weg. Bei Nebel lohnt es sich schon eher, nach einem solchen Fabelwesen Ausschau zu halten.

Doch nicht immer haben die Fabelwesen ihre Finger im Spiel, wenn ein Wanderer auf seiner fieberhaften Suche nach einem seltenen Pflänzchen oder Tier auf dem steilen Weg bergauf oder bergab über eine Wurzel übersieht.

Der Zauberwald-Orchideenweg führt an zahlreichen Felsformationen vorbei – wie dem Türkenfelsen

Türkenfelsen

Über ganze 50 Meter Länge und einer Höhe bis zu 10 Meter erstreckt sich der Türkenfelsen im Zauberwald von Lichtenegg. Aus dem typisch löchrigen Frankendolomit wie eine Mauer geformt, enthält die Felsformation Türkenfelsen mehrere natürliche Felstore. Besonders beliebt ist der Türkenfelsen als Kletterformation für Jung und Alt.

Wandern auf dem Zauberwald-Orchideenweg

Hoch oben auf dem Hügel liegt die Burgruine Lichtenegg hinter mir als ich in den Wald eintauche. Die Augustsonne schimmert durch die hohen Baumkronen und wirft helle Lichtpunkte auf den schmalen Waldweg, der sich leicht den Berg hinaufschlängelt.

Vom Parkplatz am Fuße der Burgruine Lichtenegg halten wir uns links und biegen gleich nach dem alten Schuppen links in den Feldweg ein. Nach wenigen Metern erreichen wir den Wald. Auf dem mal breiter mal schmaler ausfallenden Pfad geht es stetig bergauf bis zum Höhenrücken.

Wenn ihr im Mai oder Juni unterwegs seid, haltet Ausschau nach dem Frauenschuh, der hier überall aus dem Boden sprießt und mit seiner gelb-violetten Blüte ganze Flächen in ein Meer aus bunten Farbtupfern verwandelt. Jetzt ist Hochsommer, die meisten der seltenen Orchideenarten schon längst verblüht. Trotzdem hat der Zauberwald nichts von seinem einzigartigen Zauber verloren. Schon jetzt schießen die ersten Pilze aus dem Waldboden, die Pflanzen haben farbenfrohe Früchte angesetzt und alles unter dem schützenden Blätterdach leuchtet in einem saftigen Grün. Und die überall wie zufällig hingestreuten Felsnadeln werden von tanzenden Lichtern erhellt, die sie fast lebendig erscheinen lässt.

Anfahrt

Mit dem Auto erreicht ihr Lichtenegg über die Bundesstraße 14 zwischen Hersbruck und Sulzbach-Rosenberg. Biegt bei Hartmannsdorf oder Weigendorf Richtung Guntersrieth beziehungsweise Haunritz ab. Ab dort ist Lichtenegg ausgeschildert. Kommt ihr über die A6, nehmt ihr die Ausfahrt Ahlfeld oder Sulzbach-Rosenberg und fahrt von dort aus in nördlicher Richtung nach Lichtenegg. Achtung: Falls ihr im Winter unterwegs seid, nehmt lieber die Route über Haunritz und Högen. Dort ist die Straße etwas besser ausgebaut.

Entfernungen:

  • von Nürnberg (Innenstadt): ca. 60 km
  • von Hersbruck: ca. 17 km
  • von Sulzbach-Rosenberg: ca. 15 km

Parken

Unten an der Hauptstraße in Lichtenegg liegt der kostenlose Parkplatz, von dem aus ihr nach wenigen Metern sowohl die Burgruine als auch den Zauberwald-Orchideenweg erreicht.

Route

Höhenprofil

Details

  • Start/Ziel: Wanderparkplatz an der Hauptstraße in Lichtenegg
  • Markierung: Nr. 34 (schwarze Schrift auf gelbem Grund)
  • Länge: 5 km
  • Dauer: 2 Stunden
  • für Kinderwagen/Buggy geeignet: nein
  • Aufstieg: 213 m
  • Abstieg: 210 m
  • Schwierigkeitsgrad: mittel (zu Beginn längerer Aufstieg)
  • DOWNLOAD Karte als pdf: Wanderkarte-Zauberwald-Orchideenweg

Jetzt neu: PLANDATEN FÜR GPS-GERÄTE

So funktioniert´s: Auf den Link klicken, dann wird euch die Datei angezeigt. Mit der rechten Maustaste irgendwo in den Text klicken. „Speichern unter“ auswählen und an beliebiger Stelle (auf dem Smartphone, PC oder dem mobilen GPS-Gerät) speichern. 

Herzlichen Dank an die Freunde Lichteneggs!

Sie lieben ihren kleinen Ort – und sie setzen sich für den Erhalt seiner Geschichte, Kultur und Natur ein: die Lichtenegger. Seit Jahrhunderten war ihre Burg unaufhaltsam dem Zerfall preisgegeben, denn niemand fühlte sich für sie zuständig, kein Mensch interessierte sich für das Kleinod im nördlichen Zipfel der Oberpfalz. Als der Verfall der uralten Gemäuer bedenkliche Dimensionen annahm und sie schon fast dem Erdboden gleich waren, gründete Hans Seitz mit ein paar Freunden 1998 den Förderverein Burgruine Lichtenegg e.V.

Mit freundlicher Genehmigung der Freunde Lichteneggs, Redaktion Hans Raum

Seit 2001 wurde in mehreren Bauabschnitten die Instantsetzung der Ruine durchgeführt, um so nicht nur für die Lichtenegger, sondern für uns alle ein bedeutsames Baudenkmal zu erhalten. Aber damit nicht genug. Die Freunde Lichteneggs beschäftigen sich ebenso mit der Geschichte, Kultur, Natur und allem, was um Lichtenegg herum so alles interessant erscheint oder die Gemüter bewegt.

So ist aus einer Rettung der Burg inzwischen ein Verein entstanden, der sich mit dem Erhalt von Natur und Artenvielfalt rund um Lichtenegg einsetzt und auf naturverträglichen Tourismus baut. Eine bemerkenswerte Leistung, vor der wir alle nicht nur den Hut ziehen, sondern uns auch ein Beispiel nehmen sollten. Im Info-Flyer findet ihr tolle Anregungen und Informationen rund um Lichtenegg:

Wander-Natur-Kultur-Führer_Lichtenegg.pdf

Essen und trinken

Direkt unterhalb der Burgruine Lichtenegg liegt das gemütliche Gasthaus Alter Schlosswirt. An schönen Tagen hat auch der Biergarten geöffnet. Neben deftigen Brotzeiten und der einen oder anderen süßen Leckerei gibt es auch immer wieder saisonale Besonderheiten wie Karpfen, Wild oder Gans.

Adresse

Alter Schloss-Wirt Lichtenegg

92262 Lichtenegg (Birgland)

Öffnungszeiten

  • täglich außer montags
  • 10:30 bis 22:00 Uhr (sonn- und feiertags ab 9:00 Uhr)
  • warme Küche durchgehend zwischen 11:30 und 21:00 Uhr
  • fällt der Montag auf einen Feiertag, ist geöffnet

Homepage: Alter Schlosswirt Lichtenegg

Es raschelt im Laub und eine junge Gelbbauchunke hüpft über den Weg

Fazit

Am besten wandert ihr zuerst den Zauberwald-Orchideenweg und geht dann rauf zur Burgruine Lichtenegg. Direkt unterhalb der Ruine gibt es einen idyllischen Biergarten und eine hervorragende Gaststätte, in der ihr den Tag in Ruhe ausklingen lassen und euch stärken könnt. Vergesst nicht, für die Wanderung genügend zu trinken mitzunehmen und bei nassem Wetter rutsch- und wasserfeste Schuhe anzuziehen. Die Wege sind teilweise recht schmal und durch das Laub auf dem Waldboden rutschig. Den leichten Anstieg zu Beginn der Wanderung machen immer wieder die versteckten Felsformationen und die besondere Flora und Fauna wett. Nehmt euch genügend Zeit, um den Ausflug in die zauberhafte Region auch tatsächlich genießen zu können!


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