Unterwegs im Fichtelgebirge – Felsenlabyrinth Luisenburg bei Wunsiedel (Oberfranken)

Schon vor über 200 Jahren lockten die riesigen Granitblöcke Johann Wolfgang von Goethe zur Luisenburg. Und bis heute ist das Felsenlabyrinth im Fichtelgebirge eines der beliebtesten Ausflugsziele für Familien mit Kindern in Oberfranken. Ein bisschen schwindelfrei und trittsicher müsst ihr aber schon sein, um die massiven Felsen zu erklimmen und euch durch die engen Spalten zu zwängen.

Europas größtes Felsenlabyrinth liegt in Oberfranken

Das Felsenlabyrinth Luisenburg entführt euch in eine Welt 300 Millionen Jahre alter Granitblöcke. Einige davon türmen sich zu mystisch anmutenden Granitmonstern umrandet von Höhlen auf. Andere bilden nur skurrile Steinhaufen in der einzigartigen Landschaftskulisse. Einst betrachteten die Menschen das Felsenmeer mit Angst und Schrecken. Heute lockt es unzählige Besucher von Nah und Fern an.

Das Felsenlabyrinth Luisenburg hat jede Menge Facetten. Und auch wer den Landschaftsgarten bereits zu kennen glaubt, wird immer wieder Neues entdecken. Je nach Tages- und Jahreszeit wirken die örtlichen Gegebenheiten mal romantisch, mal mystisch.

Die Stadt Wunsiedel im wilden Fichtelgebirge

Im Kern ist das Fichtelgebirge auch heute noch eine recht urwüchsige Landschaft mit Mooren, dichten Wäldern und unzähligen Felsgewirren. Bis ins 12. Jahrhundert war es weitgehend unbesiedelt. Das änderte sich erst, als die Herzöge von Bayern ihre Gebiete ausdehnen konnten. Es entstanden Burgen, um die Straßen gegen Osten abzusichern. Mit Adelbertus de Wunsidil wird der Ort Wunsiedel 1163 erstmals erwähnt. Nachdem der Ort durch Eisen- und Zinnbergbau zu Wohlstand und Ansehen gelangte, wurde Wunsiedel 1326 das Stadtrecht verliehen.

Die Blütezeit kam jedoch knappe 200 Jahre später mit den Hussitenkriegen jäh zum Erliegen. Als 1834 eine Brandkatastrophe die Stadt fast völlig zerstört, wird sie mit neuem Grundriss und geraden Straßen wieder aufgebaut. Als ihre wirtschaftliche Bedeutung ihren Tiefpunkt erreicht hat, beginnt Wunsiedel als erste Stadt in der Region mit der Erschließung des Fremdenverkehrs. Die Luisenburg avanciert zum Touristenmagnet. 1890 wird das erste Schauspiel im Bergtheater aufgeführt. Der Beginn der langen Tradition der heute weitbekannten Luisenburg-Festspiele, die jedes Jahr in den Sommermonaten auf der Freilichtbühne aufgeführt werden.

Regenschirmfelsen auf dem Jean-Paul-Platz auf dem Gelben Pfad durch die Wolfsschlucht im Felsenlabyrinth 

Hier lacht das Abenteuer

Das 18. Jahrhundert brachte eine neue romantische Sehnsucht nach dem Schaurig-Schönen hervor. Tiefe Abgründe und schwindelerregende Höhen sorgten in der gelangweilten High Society wahrscheinlich für einen ähnlichen Kick wie heute Base-Jumping oder Haitauchen. Und deshalb tat man alles daran, die wilde Felsenlandschaft im Fichtegebirge zu „kultivieren“. Dass dieses durchgehbare Naturwunder eigentlich so nicht von der Natur erschaffen wurde, sondern das Ergebnis einer ganz gezielten Inszenierung ist, vergisst man heute leicht, wenn man hindurchläuft. Inspiriert vom Felsengarten Sanspareil bei Bayreuth, erschloss sich hier eine neue Superlative an Landschaftsgarten.

Wenn ihr Glück habt, seht ihr das Moos auf den riesigen Felsblöcken leuchten

Ein Landschaftsgarten ohne Schloss – die Luisenburg

Deshalb machten sich im Jahr 1790 Bürger des Ortes Wunsiedel daran, das Felsengebiet zu erschließen und als romantischen Landschaftsgarten zu gestalten. Denn sieht man genau hin, fallen unter anderem die vielen in die groben Felsbrocken eingearbeiteten Stufen auf, ohne die ein solches Wandeln nicht möglich wäre. Dafür sind ganze Steinblöcke von Hand bearbeitet worden. Die erste Phase des Ausbaus dauerte etwa 10 Jahre und brachte zunächst den Namen Luxburg mit sich. Der Weg war damals wesentlich unkomfortabler als heute. Besucher mussten zum Teil kriechen, um die Naturschönheit zu erkunden. Auf manch einen Adligen übte diese eher seltene Körperhaltung einen ganz besonderen Reiz aus.

Ein königlicher Name muss schon sein

1805 besuchte auch die preußische Königin Luise mit Ihrem Mann Friedrich Wilhelm III. die landschaftliche Schönheit. Man kann sich heute kaum vorstellen, wie die Königin damals mit ihrer edlen Robe auf allen Vieren durch die Felsen gekrochen ist. Trekking-Hosen und Wanderschuhe gab es ja damals noch nicht. Anscheinend übte der Felsengarten einen solchen bleibenden Eindruck auf die Königin aus, dass sie begeistert ihrem Sohn von dem Abenteuer berichtete. Als dann ein paar Jahre später die zweite Ausbauphase begann, bekam die Luisenburg dann ihren jetzigen Namen zu Ehren der Königin Luise.

Mystisch und geheimnisvoll ist es im Wald des Bürgerlichen Landschaftsgartens Luisenburg

Schon 1785 lockten die riesigen Granitblöcke Johann Wolfgang von Goethe zur Luisenburg. Bis zu diesem Zeitpunkt führten die Menschen die Bildung des Felsenlabyrinths auf Katastrophen wie Erdbeben und Vulkanausbrüche zurück. Doch bereits Goethe erkannte die Entstehung durch Verwitterungsprozesse. In den für den Granit typischen vertikalen Klüften kann Wasser eindringen und das Gestein erodiert dort stärker als an den übrigen Stellen. So entstehen im Laufen der Zeit gerundete Steinblöcke. Dort, wo das Gestein nur partiell herausgewaschen wurde, findet man auffällige Formen wie Höhlen und Felstürme.

Adresse

Felsenlabyrinth Luisenburg

Luisenburg
95632 Wunsiedel

Öffnungszeiten

  • Anfang April bis Mitte November (wetterabhängig)
  • täglich 8:30 bis 18:00 Uhr
  • in der Festspielzeit (Juni bis August): bis 19:00 Uhr
  • bei starkem Regen und Schnee geschlossen
  • telefonische Auskunft (Kasse): 09232/5673
  • nicht geeignet für: Rollstuhlfahrer, Buggys und Kinderwagen

Hunde dürfen auch mit ins Felsenlabyrinth. Allerdings sollten sie an der Leine bleiben. Beachtet bitte, dass es gelegentlich Gitterroste und steile Metalltreppen gibt.

Eintrittspreise

  • Erwachsene: 4,50 Euro
  • Kinder (bis 18 Jahre): 2,00 Euro
  • Familienkarte: 9,00 Euro (max. 2 Erwachsene + 3 Kinder)

Verlaufen könnt ihr euch im Felsenlabyrinth nicht, denn der Weg ist mit farbigen Pfeilen markiert

Eine Reise in 300 Millionen Jahre Erdgeschichte

Der Aufstieg beginnt gleich hinter der Kasse, zunächst über knorrige Wurzeln auf dem Waldboden. Aber schon nach wenigen Metern eröffnet sich das wahre Felsspektakel: Es geht über steile Leitern und rutschige Stufen nach oben. Teilweise müsst ihr euch durch enge Felsspalten zwängen, bei denen selbst der kleine Wanderrucksack schon am Durchkommen hindert. Manchmal muss man sich überwinden, durch dunkle Löcher in den Felsen zu kriechen. Denn das Besondere an der Tour ist ihr Abenteuercharakter.

Grüne Wand

Und fast jeder Besucher – außer vielleicht die ganz kleinen – muss sich das eine oder mal bücken, bis er zum höchsten Punkt im Felsenlabyrinth, dem Bundesstein mit Kreuz, aufgestiegen ist. Dafür ist der Ausblick bis ins Fichtelgebirge dann umso schöner. Und im Gipfelbereich ist auch ein großer Rastplatz, an dem ihr euch vom ersten Teil des Abenteuers ein wenig erholen könnt, bevor es dann in aller Frische weiter geht.

Leuchtmoos 

Einzigartig für das Granitmeer sind aber nicht nur die bizarren Felsen. Eine absolute Rarität ist auch das Leuchtmoos, das nur in ganz besonderen Momenten in den Felsnischen und auf den Buckeln der runden Granitriesen zu funkeln scheint.

Auch der Abstieg durch die einzigartige Naturkulisse des Felsenlabyrinths lässt keine Zweifel offen, dass es sich bei der Luisenburg um eines der schönsten Geotope in Oberfranken, ja ganz Bayern handelt. Zwischendrin laden immer wieder Ruhebänke zu einer kleinen Rast ein. Und die hat man ab und an auch wirklich nötig. Und wenn mal eine der engen Felsspalten oder steilen Passagen doch zu abenteuerlich sein sollte, führt auch immer ein moderater Weg drumherum. Wer sich aber überwinden kann, den ganzen Rundweg auf dem regulären Pfad durchzustehen, kann hinterher schon stolz auf sich sein.

Der Rundweg, der es in sich hat

Da immer wieder enge und steile Passagen auf dem Weg durch das Felsenlabyrinth Luisenburg auftreten, ist dieser nur in eine Richtung begehbar. Der Aufstieg ist durch einen blauen Pfeil in Gehrichtung gekennzeichnet, der rote Pfeil weist den Abstieg.

Aufstieg – Blaue Markierung: Alter Theaterplatz, Luisensitz, Burgtreppe, Burgplateau, Ludwigsfelsen, Göthefelsen mit grüner Wand, Prinz-Ludwig-Platz, Burgschlucht, Dianenquelle, Kleines Labyrinth mit Teufelstreppe

Abstieg – Rote Markierung: Bundesstein mit Kreuz, Drei Brüder, Mariannenshöhle, Merck-Gärtchen, Hardenberggrotte, Zuckerhut, Napoleonshut, Insel Helgoland, Reservoir, Duschbad

Alternativer Aufstieg durch die Wolfsschlucht  Gelbe Markierung: Tränengrotte, Louisenruh, Friedrich-Wilhelmsplatz, Jean-Paul-Platz

Rauf und runter, kreuz und quer geht es durch die wirren Felshaufen im Felsenlabyrinth Luisenburg

Routeninformationen

Am Eingang ist gleich eine Tafel mit dem Routenverlauf angebracht, an der ihr euch orientieren könnt. Es ist aber nicht besonders schwierig, denn ihr müsst einfach nur den farbigen Pfeilen folgen.

  • Wegverlauf

    Länge: etwa 1,5 km

  • Dauer: mindestens 2 Stunden
  • Aufstieg: etwa 110 bis zum Bundesstein
  • Schwierigkeit: anspruchsvoll bis schwer
  • keine Kletterausrüstung notwendig
  • auch für ungeübte Wanderer möglich
  • gutes Schuhwerk
  • Mindestalter für Kinder: ab etwa 3 Jahre (wenn sie alleine laufen)
  • Kraxe: an manchen Stellen wird es etwas eng für eine Kraxe
  • Kinderwagen und Buggy könnt ihr getrost im Auto oder an der Kasse lassen.

Macht euch keine Sorgen, wenn ihr mit kleinen Kindern unterwegs seid. Die Erfahrung zeigt, dass die Jüngsten oft weniger Probleme beim Hinaufklettern haben und sich besser durch die engen Passagen quetschen können als die Erwachsenen. Ihr solltet natürlich immer ein waches Auge auf die Zwerge werfen.

Tipp: Wer auf seiner Tour durch die Felsen etwas dazu lernen möchte, kann an einer Führung teilnehmen oder einen Audio-Guide ausleihen.

Essen und trinken

Direkt an der Luisenburg gibt es ein paar Möglichkeiten, sich entweder mit einer Kleinigkeit oder einer kompletten Mahlzeit zu versorgen. Da die Restaurants aber alle außerhalb des Bürgerlichen Landschaftsgartens befinden, solltet ihr zumindest etwas zu trinken mitnehmen. Ein kleines Picknick ist mit Kindern auch immer perfekt. Bänke und Rastmöglichkeiten gibt es im Felsenlabyrinth überall.

  • Luisenburg Selbstbedienungsrestaurant
  • Hotel & Berggasthof Waldlust
  • Luisenburg Theatergastronomie
  • Cafeteria am Eingang zum Felsenlabyrinth

Die schönste Stimmung im Felsenlabyrinth ist am frühen Morgen und späteren Abend

Anfahrt: Wie finde ich zum Felsenlabyrinth Luisenburg?

Das Geotop Luisenburg liegt nahe der Autobahn A93 zwischen Hof und Weiden. Verlasst die Autobahn an der Anschlussstelle Marktredwitz und fahrt auf der Bundesstraße 303 Richtung Wunsiedel und Bayreuth. Nach etwa 5 km kommt ihr an Bad Alexanderbad vorbei. Nach weiteren 1,5 km erreicht ihr eine Abzweigung Richtung Wunsiedel (St 2665). Ab hier ist das Felsenlabyrinth Luisenburg ausgeschildert (nochmal 1,5 km bis zum Parkplatz).

Parkmöglichkeiten am Felsenlabyrinth

Direkt an der Luisenburg ist ein weitläufiges Parksystem angelegt. In der Regel stehen Parkwärter dort, die euch die freien Plätze zeigen und auch gleich die Parkgebühr kassieren. Schaut am besten im Vorfeld mal in den Spielplan der Freilichtbühne, damit ihr nicht zu der Zeit ankommt, wenn eine Theatervorführung beginnt oder endet (die Vorstellungen beginnen teils schon am Vormittag). Dann kann es schon einmal ganz schön voll auf der Straße und dem Parkplatz werden. Für Kinder tragen die zusätzlichen Höhenmeter entlang der Straße nicht unbedingt zur Aufhellung der Stimmung bei.

Wenn ihr mit dem Wohnmobil anreist, stehen euch zusätzlich Übernachtungsplätze (ohne Anschlüsse) zur Verfügung. Der Platz ist weitläufig, bietet aber nur wenig Schatten. Dafür ist es unheimlich ruhig hier. Abends bietet sich noch ein Spaziergang durch den Wald rund um die Luisenburg an.

Burgplateau mit altem Schloss auf der Anhöhe im Felsenlabyrinth

Fazit

Nehmt euch für den Besuch der Luisenburg viel Zeit. Der Rundweg hat es wirklich in sich. Obwohl er nicht lang ist, braucht ihr mindestens 2 Stunden. Um alles ganz genau zu bestaunen, ist deutlich mehr Zeit einzuplanen. Nehmt euch am besten eine zünftige Brotzeit mit, die ihr an einer der zahlreichen Rastplätze genießen könnt. Denn auf dem Weg gibt es keine Einkehrmöglichkeit. Bequeme Kleidung und feste Schuhe sind ein absolutes Muss, um die teils steilen und engen Passagen zu bewältigen. Auf dem Weg sieht man immer wieder auch Familien mit kleinen Kindern, die kaum das dritte Lebensjahr erreicht haben. Mit ein wenig Unterstützung ist das Felsenlabyrinth auch schon für sie ein perfektes Abenteuer.

 


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