Salamanderweg Eckersdorf (Oberfranken)

Wandern durch das Salamandertal beim Schloss Fantaisie

Wer hätte gedacht, dass direkt neben dem Schlosspark Fantaisie in Eckersdorf ein solch wundersames Kleinod liegt? Mitten in der Ortschaft, aber dennoch ganz versteckt, vermittelt das scheinbar abgeschiedene Refugium dem Naturliebhaber, fernab der Zivilisation in freier Natur zu sein. Kein Wunder, dass die kleine aber spektakuläre Schlucht mit ihren bizarren Sandsteinfelsen heute zu den geschützten Geotopen am Rande des Naturparks Fränkische Schweiz im Landkreis Bayreuth gehört. Die Wanderung auf dem Salamanderweg ist nur 1,8 Kilometer lang, hat es dafür aber in sich, denn es gibt unglaublich viel zu entdecken!

In trockenen Sommern versickert der Mühlbach fast im Boden

Rhätsschluchten – eine Besonderheit der Landschaft

In der geologischen Stufe des Rhätolias liegen rund um Eckersdorf einige besonders sehenswerte Schluchten: der Aftergraben bei Neustädlein, der Oberwaizer Graben, das Teufelsloch und eben das Salamandertal. Die Besonderheit dieser sogenannten Rhätschluchten liegt in der kleinklimatischen Situation.

Die schattige Lage und die hohe Luftfeuchtigkeit bilden zusammen mit den kühlen Luftabflüssen aus den vielen Höhlungen im Felsen ein kühl-feuchtes Schluchtenklima aus, das sich deutlich von dem Klima im Umland unterscheidet. Hier kann beispielsweise beobachtet werden, dass sich Schneereste bis weit ins Frühjahr halten und auch nach Mitte Mai noch Spätfröste auftreten.

Durch die speziellen klimatischen Bedingungen unterscheidet sich auch die Vegetation in der Rhätschlucht wie dem Salamandertal ganz erheblich von dem gewohnten Bild im Landkreis Bayreuth. In diesen kleinen Ökosystemen finden sich Arten und Lebensgemeinschaften, die sonst nur in deutlich höheren Lagen anzutreffen sind.

So sind die Tannen-Fichten-Wälder, die in den Schluchten häufig vorkommen, nicht von Menschenhand geschaffen, sondern sind hier natürlich verbreitet. An den Ufern der häufig überfluteten Bäche wachsen Eschen und Schwarzerlen. Aber auch Spitzahorn, Linde, Bergulme und Buchenwälder findet man in diesen Rhätschluchten.

Auf dem Boden wachsen weitere Besonderheiten. Dazu gehört nicht nur die Alpen-Heckenrose, die sonst nur im Gebirge vorkommt, der Europäische Dünnfarn, der in Bayern sehr selten anzutreffen ist, oder auch der ursprünglich subtropische Prächtige Hautfarn. Eine eindrucksvolle Vielfalt an Moosen überwuchert die silikathaltigen Sandsteinfelsen.

Ein kleiner Abstecher ins Salamandertal

Der rund 1,8 Kilometer lange Wanderweg führt vom Schlosspark Fantaisie den Berg hinauf an ein paar Häusern vorbei in eine romantische Sandsteinschlucht. Zwischen steilen Felsen schlängelt sich der Mühlbach als dünnes Rinnsal durch die Schlucht. In regenreichen Zeiten füllt der Mühlbach das Bachbett aus. An den Abhängen bilden sich kleine Wasserfälle – im Winter entstehen eindrucksvolle Eiszapfenwände.

Dicke Brocken haben sich aus dem Sandstein gelöst und ins Tal gefallen

Als der Weg im Jahr 2000 erneuert wurde, sind die Sumpfstellen für die hier häufig vorkommenden Feuersalamander erhalten geblieben und ein verschütteter Quellbrunnen freigelegt worden. Der Boden im Salamandertal ist übersäht mit abgestürzten Sandsteinblöcken, aus denen zum Teil Hohlkehlen bis in den Meterbereich herausgewittert sind.

Mühlweiher

Am Eingang zum Salamandertal liegt der Mühlweiher. Bevor die Mühle in Eckersdorf um 1930 stillgelegt wurde, diente der Weiher als Rückhaltereservoir, um auch in trockenen Zeiten von der Wasserkraft zu profitieren. 1956 Wurde die Mühle abgerissen. Heute zeugen nur noch die Fundamente und ein in einer Mauer verbauter Mühlstein von ihrer Existenz.

Salamander

Nur einen Steinwurf vom vielbesuchten und weitbekannten Schloss Fantaisie hat sich hier ein Stück Waldnatur so rein und unverfälscht erhalten, dass es fast ein wenig entrückt erscheint. Bei feuchtem Wetter kann man hier in der naturbelassenen Sandsteinschlucht mit etwas Glück Feuersalamandern begegnen.

Alle paar Meter stoppe ich: Immer ist etwas in der Schlucht , die der Mühlbach tief in die Landschaft gekerbt hat, zu entdecken. Soeben huscht „Lurchi“ neben meinen Füßen im feuchten Blattgestrüpp von dannen. Im Salamandertal ist die gelb-schwarze Amphibie noch häufig anzutreffen. Salamander  sind wichtige Indikatoren für naturnahe Gewässer mit sehr guter Wasserqualität und deshalb nicht mehr besonders häufig anzutreffen.

Gewöhnlich leben die Salamander so versteckt, dass sie jahrelang einen Lebensraum besiedeln können, ohne dass er von uns Menschen entdeckt wird. Das liegt trotz der auffälligen Farbe daran, dass die Tiere nachtaktiv sind. Tagsüber sind sie nur bei Regenwetter und besonders feuchter Witterung unterwegs. Aus diesem Grund heißt der Feuersalamander im Volksmund auch passenderweise „Regenmännchen“.

Feuersalamander sind typische Laubwaldbewohner und können bis zu zwei Jahrzehnten alt werden. Zur Fortpflanzung benötigen die gelb-schwarzen Lurche frische Quellbäche. Im Gegensatz zu anderen Amphibien wie den Fröschen, legen Feuersalamander keine Eier im Wasser ab, sondern gebären Larven. Über Drüsen in der Haut kann ein Feuersalamander giftige Sekrete absondern, um Fressfeinde abzuschrecken.

Legenden und Sagen

Früher glaubten die Menschen, dass man mit den Hautsekreten des Feuersalamanders Brände löschen könne. Ein tödlicher Aberglaube, der viele dieser wunderschönen Tiere im Feuer enden ließ. Auf diese angebliche Eigenschaft soll übrigens auch der Name Feuersalamander zurückzuführen sein.

Schloss Fantaisie und Schlosspark

Im Schloss Fantaisie befindet sich heute das Gartenkunstmuseum

Durch den Wald wandert ihr wieder zum Schloss Fantaisie, in dessen Mauern sich heute das Gartenkunstmuseum befindet. Hier im weitläufigen Park lustwandelten bereits vor vielen Jahren wichtige Personen der Bayreuther Kulturgeschichte. Unter ihnen Herzogin Elisabeth Friederike Sophie von Württemberg, die Tochter des Markgrafen Friedrich, der 1761 mit dem Bau des Schlosses unweit von Bayreuth begann. ZUM SCHLOSS FANTAISIE

Jean Paul Weg

In diese Gegend hatte sich auch der Dichter Jean Paul auf seinen zahlreichen Wanderungen durch die Natur verliebt. An ihn erinnert nicht nur der Jean-Paul-Stein am Hang unterhalb des Hotels Fantaisie, sondern auch der nach ihm benannte Wanderweg mit zahlreichen Infotafeln. Der fast 200 Kilometer lange Wanderweg führt von Joditz bei Hof über Wunsiedel und Bayreuth bis zum Felsengarten Sanspareil in Wonsees. Damit führt er nicht nur durch das Fichtelgebirge, den Frankenwald und den Norden der Fränkischen Schweiz, sondern eben auch durch das wunderschöne Salamandertal.

Jean-Paul-Wanderweg:
  • Länge: 187 km
  • Dauer: etwa 50 Stunden
  • je nach Kondition 7 bis 10 Tage
  • Höhendifferenz: 3156 m
  • Schwierigkeit: mittel

Der Jean-Paul-Wanderweg ist umsäumt von hinreißenden Aussichten und Landschaften. Links und rechts lässt der bekannte Fernwanderweg unzählige Schlösser, Flüsse, Bäche und Seen, Felsen und Moorlandschaften wie Traumlandschaften am Wegesrand vorüberziehen. Wer das eine oder andere besichtigen möchte, kann ohne Weiteres einen zweiwöchigen Wanderurlaub aus der Tour machen.

Ein schmaler Pfad schlängelt sich durch die Schlucht vorbei am Mühlbach

Wandern auf dem Salamanderweg Eckersdorf

Kleiner Rundweg

Wer das Schloss Fantaisie besucht, darf auf keinen Fall versäumen, einen kleinen Abstecher in die atemberaubende Schlucht des Salamandertals zu machen. Der nur 1,8 Kilometer lange Rundweg lässt sich wunderbar mit einem Besuch im Park verbinden und gehört zu den absoluten Highlights in der Region. Nehmt vor allem bei feuchter Witterung festes Schuhwerk mit, denn in der Schlucht ist es deutlich kälter und nasser als in der Umgebung. Selbst im Hochsommer wärmt sich die Luft zwischen den Sandsteinfelsen kaum auf.

Route

Höhenprofil

Details

  • Start/Ziel: Parkplatz am Schloss Fantaisie
  • Länge: 1,8 km
  • Dauer: etwa 1 Stunde
  • Aufstieg: 46 m
  • Abstieg: 46 m
  • Schwierigkeitsgrad: einfach (nur eine leichte Steigung)
  • DOWNLOAD Karte als pdf: Salamanderweg-Eckersdorf

Jetzt neu: PLANDATEN FÜR GPS-GERÄTE

So funktioniert´s: Auf den Link klicken, dann wird euch die Datei angezeigt. Mit der rechten Maustaste irgendwo in den Text klicken. „Speichern unter“ auswählen und an beliebiger Stelle (auf dem Smartphone, PC oder dem mobilen GPS-Gerät) speichern. 

Im Salamandertal wachsen die Bäume fast ohne Erde auf den Felsen

Fazit

Eine tolle Wanderung auch bei schlechtem Wetter. Zwar brauch ihr dann feste Schuhe und vielleicht eine Regenjacke, dafür steigern sich die Chancen, auf einen der hübschen Feuersalamander zu treffen. Im Frühjahr, etwa so gegen Anfang bis Mitte März, erwachen die Tiere aus ihrer Winterstarre und vermehren sich. Schaut also ruhig mal etwas genauer in die Tümpel oder bleibt ein wenig auf der Bank sitzen und verhaltet euch leise.


Noch mehr Salamander!

Wengleinpark (Lk Nürnberger Land)

Ein Sonntag im Mai. Acht Uhr am Morgen. Als ich auf dem Parkplatz kurz vor dem Ortseingang halte, ist noch nichts los. Etwas hilflos, weil ich keine Hinweisschilder finden konnte, sehe ich mich um. Glücklicherweise hält ein weiteres Auto neben mir, eine Dame steigt aus und öffnet die Heckklappe ihres Wagens, um ihren Hund aus dem Auto zu lassen. Nach dem Weg gefragt antwortet sie freundlich, dass ich einfach die dritte Straße im Ort links hochlaufen soll. MEHR LESEN


Ihr liebt Schluchten und bizarre Sandsteinformationen? Davon gibt es in Franken jede Menge! Hier nur ein paar zur Auswahl:

Schnittlinger Loch bei Spalt

Hinter dem skurrilen Namen Schnittlinger Loch verbirgt sich nichts anderes als eine wunderschöne Sandsteinformation, die der kleine Bach im Laufe der Zeit in den Felsen gekerbt hat. Der Rundweg ist mit 7 km nicht besonders lang und perfekt für einen kurzen Ausflug am Sonntag geeignet. Im Frühling könnt ihr bei der Wanderung die herrliche Kirschblüte im Spalter Hügelland bewundern. Im Spätsommer blüht der Hopfen. Und die dicke Eiche auf dem Kinderspielplatz ist das ganze Jahr über toll. MEHR LESEN

Löwengrube und Teufelskirche bei Altdorf

Im Süden des Landkreises Nürnberger Land in Mittelfranken liegt einer der schönsten Wanderwege der Region. Die Wanderung auf dem Wallenstein Rundweg beginnt in Altdorf bei Nürnberg und führt auf rund 7 Kilometern durch recht abwechslungsreiche Landschaften: Wiesen und Felder, dichte Wälder, beschauliche Ortschaften und das wunderschöne Schwarzachtal mit seinen bizarren Sandsteinformationen. Ein Rundweg, der unvergessliche Eindrücke schafft – egal, ob im Sommer oder Winter. MEHR LESEN

Schwarzachklamm bei Feucht

Zwischen der Raststätte Feucht an der A9 und Schwarzenbruck hat sich die Schwarzach im Laufe von vielen Tausend Jahren ein tiefes Bett in den Sandstein gegraben und eine wildromantische Klamm geschaffen. Eine solche geologische Besonderheit mag man direkt am südöstlichen Ortsrand von Nürnberg kaum vermuten. Der 7 km lange Rundweg führt am Alten Kanal zurück und ist durchgängig mit einem Buggy oder Kinderwagen begehbar. MEHR LESEN

Felsen und Höhlen im Veldensteiner Forst

Wenn´s etwas mehr sein darf: Speziell für alle, die das mystische und vielleicht auch etwas gespenstische Flair von Höhlen und bizarren Felsen lieben: Der Karstkundliche Wanderpfad bei Neuhaus an der Pegnitz sammelt auf 13 Kilometern alle Highlights in der Nähe ein und vereint sie zu einer spektakulären Wanderung, die ihresgleichen sucht. MEHR LESEN

 

 

 

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