Wallenstein-Rundwanderweg Altdorf (Lk Nürnberger Land)

Im Süden des Landkreises Nürnberger Land in Mittelfranken liegt einer der schönsten Wanderwege der Region. Die Wanderung auf dem Wallenstein Rundweg beginnt in Altdorf bei Nürnberg und führt auf rund 7 Kilometern durch recht abwechslungsreiche Landschaften: Wiesen und Felder, dichte Wälder, beschauliche Ortschaften und das wunderschöne Schwarzachtal mit seinen bizarren Sandsteinformationen. Ein Rundweg, der unvergessliche Eindrücke schafft – egal, ob im Sommer oder Winter.

Altdorf und Wallenstein

Obwohl Wallenstein eigentlich keine besondere Rolle für dessen Geschichte und Geschehnisse spielte, so hat ihn die Stadt dennoch dazu auserkoren, in seinem Namen Festspiele zu veranstalten, die alle drei Jahre stattfinden. Doch damit nicht genug: Auch ein Wanderweg – der Wallenstein Rundweg – wurde nach ihm benannt. Doch wie kam es dazu?

Wallenstein hielt sich lediglich 1599 bis 1600 für ein Semester an der Hochschule in Altdorf bei Nürnberg auf. Von seinem Studium ist nicht viel bekannt. Dafür sind bis heute zahlreiche Missetaten überliefert. So veranstaltete der junge Mann nicht nur in angetrunkenem Zustand mit seinen Kommilitonen „Katzenmusik“ vor der Türe seines Theologieprofessors. Er schlug auch einen Kollegen, der statt zu arbeiten aus dem Fenster sah. Einem anderen stach er mit dem Degen in den Fuß. Dafür bekam er nicht nur Zimmerarrest, sondern musste auch ein Bußgeld zahlen. Irgendwann hatte die reichstädtische Universität dann die Nase gestrichen voll und legte dem Raufbold nahe, die Schule doch lieber freiwillig zu verlassen.

Alte Universität Altdorf bei Nürnberg – hier studierte Wallenstein ein Semester

Dieser „Bitte“ ist der Student dann auch notgedrungen nachgekommen. Damals ahnte noch niemand, dass der als Albertus von Waldstein immatrikulierte Prügelknabe später einmal zu den mächtigsten kaiserlichen Generälen seiner Zeit zählen würde.

Löwengrube

Zu den beiden schönsten Naturdenkmälern rund um Altdorf zählt die Löwengrube. Nur wenige Hundert Meter vom Ortsausgang entfernt liegt das Ensemble aus Sandstein, das aus einer Felsengalerie und einem geräumigen Felsenkeller besteht.

Nehmt euch eine Taschenlampe mit, wenn ihr den Felsenkeller besichtigen möchtet!

Ursprünglich diente das Gelände südlich von Altdorf als Steinbruch. In mühevoller Arbeit wurden die Sandsteinblöcke mit Ochsengespannen in die Altstadt von Altdorf transportiert, um damit im 14. Jahrhundert die Stadtmauer und später das ehemalige Universitätsgebäude zu errichten. Dann geriet der Steinbruch in Vergessenheit.

Erst über 100 Jahre später wurde er unter anderem von den Patriziersöhnen und dem Baron von Löwenstern, nach dem übrigens die Löwengrube benannt ist, wiederentdeckt. Die Wildnis wurde kurzerhand gerodet und zu einem Festplatz umgewandelt, der 1686 von den Altdorfer Studenten feuchtfröhlich eingeweiht wurde.

Der Wallensteinweg führt durch die sogenannte „Kegelbahn“ in der Löwengrube bei Altdorf

Als die Universität 1809 geschlossen wurde, legten ein paar brauberechtigte Bürger dort einen Bierkeller an. Der Felsenkeller ist noch heute frei zugänglich. Wenn ihr einen Blick hineinwerfen möchtet, nehmt eine Taschenlampe mit, sonst kommt ihr nicht weit. Die längliche Höhle mit den fensterartigen Bogenöffnungen diente als Kegelbahn.

Auer´scher Bierkeller

Nach der Löwengrube geht es weiter auf dem Wallenstein-Wanderweg durch den Wald. Schon bald liegt rechts der ehemalige Auer´sche Bierkeller, der heute von einer Künstlerin genutzt wird, aber nichts von seinem alten Charme eingebüßt hat. Vom Gebäude ist nur die Front des alten Fachwerkhauses zu sehen. Der Rest des Gebäudes ragt in den Hang hinein und hält sich dort geschützt vor Witterung und fremden Blicken.

 

Prethalmühle an der Schwarzach

Im Ortsteil Prethalmühle, der nur aus ein paar Häusern besteht, befindet sich die gleichnamige Mühle, die bereits im 14. Jahrhundert erstmal erwähnt wurde. Über Jahrhunderte hinweg ließen hier die Altdorfer Bäcker ihr Mehl mahlen. Zeitweilig wurde das Anwesen aber auch als Sägemühle genutzt. Das Wohngebäude stammt aus der Mitte des 17. Jahrhunderts. Es wurde errichtet, nachdem die Mühle im Dreißigjährigen Krieg zerstört wurde.

Die ehemalige Mühle liefert heute Ökostrom ins Netz

Als die Industrialisierung Einzug hielt, wurde die Mühle auf die Produktion von Strom umgerüstet, um eine energieintensive Kupferfolienfabrik zu unterhalten. Bis ins 20. Jahrhundert versorgte sie den Nachbarort Prackenfels mit Gleichstrom. Heute speist die Mühle ihren Ökostrom direkt ins Netz ein. Direkt gegenüber der Prethalmühle liegt das ehemalige Gasthaus der Mühle.

Prackenfels

Gleich hinter Prethalmühle liegt am Südhang des Schwarzachtal die beschauliche Ortschaft Prackenfels. Das Dorf stammt aus der gleichen Zeit wie die Prethalmühle. Leider ist von der bereits 1504 zerstörten Burg von Prackenfels heute nichts mehr zu sehen.

Die Schwarzach mäandert auf über 50 Kilometer durch die Landschaft im Südosten von Nürnberg

Die Schwarzach – mehr als nur ein Fluss

Schon seit Jahrtausenden hat die Schwarzach auf rund 53 Kilometer Länge ein geheimnisvolles Tal in die Landschaft südöstlich von Nürnberg gegraben und dabei wunderschöne Sandsteinformationen freigelegt. Mythen und Sagen bestimmte das Leben der Menschen an ihrem Flusslauf seit jeher.

Und auch ein paar ihrer Zuläufe, deren Namen wahrscheinlich niemand kennt, sind nicht minder faszinierend. Auf dem Wallenstein Rundwanderweg, der sich von Altdorf bei Nürnberg über Grünsberg führt, seht ihr auf rund acht Kilometern Strecke eine ganze Menge atemberaubender Natur. Rund 1,5 Kilometer des Wanderweges führt durch das herrliche Schwarzachtal. Mal verträumt und malerisch, mal mystisch und unwegsam.

Schloss Grünsberg

Nach einer rund 1,5 Kilometer langen Wanderung entlang der Schwarzach geht es hinauf nach Grünsberg. Gleich am Ortseingang trefft ihr auf den Tierfriedhof Anubia. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite thront hoch über dem Schwarzachtal in einer kleinen Senke das Schloss Grünsberg. Die ehemalige Burganlage geht noch auf das 13. Jahrhundert zurück. Seit dem 16. Jahrhundert wurde es von verschiedenen Patrizierfamilien aus Nürnberg zu einem schicken Landsitz umgebaut. Die Erweiterung zu einem Schloss erfolgte wahrscheinlich um 1720 durch das letzte Mitglied der Patrizierfamilie Pamgartner.

Zu diesem Zeitpunkt erhielt das Anwesen auch den Treppenturm, die hübschen Stuckdecken und den Turmbau an der Nordostecke. Aber auch wenn die Umbaumaßnahmen sehr umfassend ausfielen, die Grundgestalt der mittelalterlichen Burg blieben stets beibehalten. Eigentlich völlig untypisch für die Vorlieben dieser Zeit. Seit vielen Jahren ist das Schloss Grünsberg nun im Besitz der Stromer, einer der ältesten Patrizierfamilien Nürnbergs. Seitdem wurde es immer wieder aufwändig renoviert und saniert. Nachdem die Schäden des Zweiten Weltkrieges nur notdürftig behoben wurden, gab es ab 1990 umfassende Sanierungsmaßnahmen.

Ob Burg oder Schloss ist nicht wirklich einfach zu sagen – aber wunderschön restauriert

Der letzte Eigentümer von Schloss Grünsberg hatte in seinem Vermächtnis die Umwandlung in eine öffentliche gemeinnützige Stiftung festgelegt. Seit 2000 ist das Schloss mit seinem kostbaren Inventar für die Öffentlichkeit zugänglich.

Schloss Grünsberg

Burg Grünsberg 3
90518 Altdorf bei Nürnberg

Führungen

Für Interessierte bietet die Stiftung ganzjährig Führungen nach Voranmeldung an.
Die Teilnehmerzahl ist pro Führung auf 20 Personen begrenzt. An einigen Tagen im Jahr sind auch öffentliche Führungen angesetzt. Eine Anmeldung ist aber immer notwendig.

Eintrittspreise

  • Erwachsene: 7 Euro
  • Kinder (unter 13): 3 Euro
  • Dauer: etwa 60 Minuten
  • Veranstaltungskalender (bitte unbedingt voranmelden!).

Der Wald über der Teufelsschlucht steht unter Schutz, also verlasst die Wege bitte nicht!

Teufelsschlucht und Teufelskirche

Nicht die Schwarzach selbst, sondern ein kleiner Zufluss bahnt sich durch die sagenumwobene Teufelsschlucht. Der Bach bahnt sich seinen Weg über Wasserterrassen ans Tageslicht. Geht man vom Wanderweg einen kleinen Abstecher hinunter über zahlreiche Stufen ins Tal, findet man sich plötzlich von einem monumentalen Halbkreis aus fast schwarzen Felsen umgeben, der als Kulisse für die Wasserfälle dient.

Alte, knorrige Bäume, teils mit einer dicken Moosschicht bewachsen, säumen das Felsplateau. Unten im engen Tal kommt nicht viel Sonnenlicht an. Eine fast schon unheimliche Stimmung liegt in der Luft, die mich innehalten und staunen lässt.

Im Winter bilden sich bizarre Eiskaskaden an den zahlreichen Wasserfällen in der Teufelsschlucht

Liegen die Temperaturen im Winter unter Null Grad, kommt es zu einem wunderschönen Naturschauspiel: Das langsam die steilen Felsen herunterlaufende Wasser erstarrt zu atemberaubenden Eiskaskaden an den Felswänden. Der Abstieg ist dann allerdings nur noch mit Spikes möglich. Wer keine dabei hat, kann auch vorsichtig auf dem Hintern herunterrutschen und hoffen, dass er irgendwo bremsen kann.

Wenn ihr in die Schlucht hinabsteigt, macht euch darauf gefasst, dass ihr schmutzig werdet. Denkt an wasserdichte Schuhe mit gutem Profil. Zu mancher Jahreszeit führt der Bach ziemlich viel Wasser – und im Verlauf des Weges in der Schlucht ist der Bach mehrfach zu überqueren.

Teufelsschlucht: Im Sommer schlammig, im Winter spiegelglatt – aber immer wunderschön

Außerdem ist es dort unten meist recht kalt. Aber: Alle, denen Schlamm, kalte oder nasse Füße und ein wenig Kraxelei nichts ausmacht, werden jede Menge Spaß haben – vor allem diejenigen unter euch, die zu den abenteuerlustigen Dreckspatzen zählen. Wer lieber sauber nach Hause kommen möchte oder kleine Kinder dabei hat, sollte auf eine ausgiebige Erforschung der Teufelsschlucht lieber verzichten und nur vorsichtig die Stufen bis zur Teufelskirche hinuntergehen, die im Winter aber durchaus vereist sein können.

Fast ohne Erde wachsen die Bäume auf dem Sandstein im Schwarzachtal, manchmal bilden sie skurrile Symbiosen

Wandern auf dem Wallensteinweg

Der etwa 7 Kilometer lange Rundweg führt durch sehr abwechslungsreiche Landschaften. Start und Ziel sind in Altdorf. Dort ist das Parken ein wenig schwierig. Es gibt zwar ausreichend viele Parkmöglichkeiten, allerdings sind fast alle auf eine oder zwei Stunden Parkdauer beschränkt. Für die Wanderung solltet ihr euch jedoch genügend Zeit nehmen. Entweder ihr nehmt gleich die öffentlichen Verkehrsmittel (Bushaltestelle auf dem Marktplatz) oder ihr sucht euch wie ich einen abgelegenen Platz, an dem ihr euren Wagen unbedenklich auch für eine längere Zeit abstellen könnt. Ich habe glücklicherweise einen Parkplatz direkt vor dem Feuerwehrhaus am Feuerweg gefunden, der weder kostenpflichtig noch zeitlich begrenzt war.

Route

Höhenprofil

Details

  • Start/Ziel: Altdorf bei Nürnberg, Feuerweg Ecke Mühlweg
  • alternativer Startpunkt: Marktplatz Altdorf
  • Markierung: Wallensteinsignet auf gelbem Grund
  • Länge: 7,2 km
  • Dauer: rund 2 Stunden
  • Aufstieg: 139 m
  • Abstieg: 139 m
  • Schwierigkeitsgrad: mittel (meist flach, ein paar steile Stellen, im Winter teils sehr glatt)
  • DOWNLOAD Karte als pdf: Wallenstein-Rundwanderweg-Karte
  • DOWNLOAD Wegbeschreibung als pdf: Beschreibung-Wallenstein-Rundweg

Jetzt neu: PLANDATEN FÜR GPS-GERÄTE

So funktioniert´s: Auf den Link klicken, dann wird euch die Datei angezeigt. Mit der rechten Maustaste irgendwo in den Text klicken. „Speichern unter“ auswählen und an beliebiger Stelle (auf dem Smartphone, PC oder dem mobilen GPS-Gerät) speichern. 

Schaut man über die Mauer, findet man wunderschöne Gärten in der Altstadt von Altdorf

Fazit

Eine tolle Wanderung, die die ganze Schönheit des Schwarzachtals und des Landkreises Nürnberger Land miteinander vereint. Nehmt euch viel Zeit, es gibt jede Menge zu entdecken!

Plan der Altstadt Altdorf

Wer mag, kann gerne noch eine kleine Runde durch die Stadt drehen. Vom Parkplatz aus ist der Marktplatz in nicht einmal fünf Gehminuten entfernt. Neben der ehemaligen Universität könnt ihr hier auch viele alte Fachwerkhäuser bewundern, unter anderem das, in dem Wallenstein während seiner Universitätszeit hier in Altdorf gewohnt hat.

 

Wer inzwischen Hunger oder Durst bekommen hat, findet hier in der Altstadt von Altdorf auch jede Menge Alternativen für einen kleinen Imbiss oder eine zünftige Einkehr.


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