Klosterruine Gnadenberg

Die Oberpfalz gilt als Land der Burgen und Schlösser. Neben den vielen bekannten gibt es auch weniger bekannte. Ein ganz besonderes Schätzchen, das noch weithin als Geheimtipp gilt, liegt in der Nähe von Berg bei Neumarkt. Hier steht die Ruine des ersten Birgittenklosters in Gnadenberg an der Grenze zum Nürnberger Land – keinen halben Kilometer vor den Toren Altdorfs. Von der Klosterkirche stehen zwar noch die Umfassungsmauern, mit ihren beeindruckenden Fensterbögen haben die Reste des Sakralbaus aber dennoch eine unglaubliche Wirkung. Nebenan im ehemaligen Konvent berichtet seit ein paar Jahren eine Ausstellung über das Leben der Heiligen Birgitta und die Klostergeschichte.

Öffnungszeiten

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Gegenüber der Klosterruine steht eine Statue der Heiligen Birgitta

Die heilige Birgitta von Schweden

Birgitta wurde um 1303 in eine begüterte und sehr einflussreiche schwedische Hochadelsfamilie nördlich von Stockholm geboren. Ihr Vater, Birger Persson, war damals Verwaltungschef von Uppland, Großgrundbesitzer und Reichsratsmitglied am königlichen Hofe Schwedens; ihre Mutter, Ingeborg Bengtsdotter, verwandt mit dem amtierenden Königsgeschlecht.

Vor Birgittas Geburt hatte ihre Mutter Ingeborg eine Marienvision, in der ihr ein seliges Kind prophezeit wurde. Leider verstarb die Mutter, als Birgitta 11 Jahre alt war. Bereits im Alter von 7 Jahren hatte Birgitta Visionen. Ihr erschien die Jungfrau Maria, die ihr eine goldene Krone übergab. Etwas später erschien ihr dann zum ersten Mal der gekreuzigte Jesus.

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Innenansicht der ehemaligen Klosterkirche in Gnadenberg im Landkreis Neumarkt

Heirat

Mit 14 Jahren wurde Birgitta mit dem achtzehnjährigen Sohn einer benachbarten Adelsfamilie verheiratet. Sie lebte mit ihrem Mann Ulf Gudmarsson in Östergötland. Innerhalb von wenigen Jahren bekleideten beide eine einflussreiche Stellung im Königreich Schweden: Ulf als Landvogt der Provinz Närke, Birgitta als Verwalterin der Familiengüter, da ihr Mann nur selten zuhause war.

Die beiden lebten über 20 Jahre auf Ulvasa. Während dieser Zeit bekam Birgitta acht Kinder, von denen zwei Söhne als Kinder verstarben. Über die Hauslehrer ihrer Söhne erlangte sie eine für Frauen ihres Standes und ihrer Zeit recht ungewöhnlich gute Bildung. Neben ihren Kindern kümmerte sie sich auch um Frauen, die von der Gesellschaft verstoßen waren. Und so war sie bald für ihre Wohltätigkeit und Frömmigkeit hochgeachtet.

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Auch im Winter hat die Klosterruine Gnadenberg etwas Mystisches

Berufung an den königlichen Hof

Für ihre außergewöhnlichen Kenntnisse bekannt, wurde sie 1335 von König Magnus Eriksson zur Oberhofmeisterin und Beraterin für dessen junge Ehefrau berufen. Ihr Mann bekam gleichzeitig das Amt des Reichsrates. Hier erlangte sie wichtige Erfahrungen im Umgang mit den Reichen und Mächtigen, die ihr später noch zugutekommen sollten.

Dort nahm sie kein Blatt vor den Mund. Denn weil der Lebensstil des Königs nicht ihren Idealen entsprach, konfrontierte sie ihn damit, nannte ihn sogar ein Hasenherz und gekrönten Esel. Es wundert deshalb nicht, dass sie der elitären Hofgesellschaft bald ein Dorn im Auge war, gelegentlich sogar mit Schmutzwasser begossen wurde und im Büßerhemd herumlaufen musste. Das alles hielt sie aber nicht davon ab, ihren Unmut kundzutun.

Erste Pilgerfahrten

Brigitta zog sich zurück, erprobte sich in geistigen Übungen. Vier Jahre nach ihrer Berufung zum königlichen Hof unternahm sie zusammen mit ihrem Ehemann ihre erste Pilgerfahrt. Sie besuchte das damals wichtigste Pilgerziel Skandinaviens, den Nidarosdom im heutigen Trontheim in Norwegen. Hier liegt der Schrein des ehemaligen Wikingerkönigs Olav Haraldsson II., der im Jahr 1031 heiliggesprochen wurde.

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Direkt neben der Straße – und doch fast unsichtbar: die Klosterruine

Der zweite Lebensabschnitt

Kaum zum Hofe zurückgekehrt, macht sich Birgitta wieder auf die Reise. Diesmal pilgert sie rund zwei Jahre auf dem heute noch bekanntesten und beliebtesten Pilgerweg nach Santiago de Compostela in Spanien. Als ihr Mann auf der Heimreise erkrankte und 1344 im Kloster Alvastra im schwedischen Östergötland verstarb, verbrachte sie die nächsten zwei Jahre in diesem Zisterzienserkloster.

Es war schon damals recht ungewöhnlich, dass ihr die Mönche diesen Aufenthalt gestatteten und zeugt davon, dass die Zisterzienser recht flexibel mit den strikten Vorschriften umgingen. Ihre himmlischen Botschaften, die sie in dieser Zeit erhielt, schrieb sie nieder. Die Mönche übersetzten die Schriften dann ins Lateinische. In einer Offenbarung erhielt sie wenig später den Auftrag, einen neuen Orden zu gründen.

Gründung des Erlöserordens

Und obwohl sie den König nicht gerade demütig behandelt hatte, vermachte ihr dieser das Gut Vadstena am Vätternsee. Hier ließ sie ein Kloster errichten, für das sie die Ordensregeln des sogenannten Erlöserordens in Anlehnung an den Augustinerorden schrieb. Die Schwestern dieser Ordensgemeinschaft werden als Birgitten oder Birgittinnen bezeichnet. Neben den 60 Schwestern ergänzten auch 25 Priester und Brüder die Klosterfamilie. In ihren Offenbarungen, die ihr Beichtvater und Prior niederschrieb, kritisierte sie weiterhin den Lebenswandel des Königs sowie von Priestern und Bischöfen und hielt sie zur Besserung an.

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Viel steht heute nicht mehr von der ehemaligen Klosterkirche, aber das ist wirklich beeindruckend

Umzug nach Rom

1349 verließ Birgitta ihr Heimatland und zog ins vom Bürgerkrieg gebeutelte Rom. Zusammen mit ihrer verwitweten Tochter Katharina lebte sie zunächst bei den Klarissen, dann in einer klosterähnlichen Gemeinschaft an der Piazza Farnese. Hier gründeten die beiden gemeinsam ein Hospiz für Pilger aus Schweden und unterstützten Prostituierte dabei, ihrem bisherigen Leben zu entfliehen.

Von hier aus unternahm sie weitere Wallfahrten nach Assisi, dem Geburtsort des Heiligen Franziskus und nach Neapel. Trotz aller Bemühungen, guten Kontakten zum Heiligen Stuhl und enormen Einfluss auf die internationale Politik erreichte sie in dieser Zeit keine offizielle Anerkennung ihres Ordens.

Die letzten Jahre

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Birgitta verstarb 1373 in ihrem Wohnsitz an der Piazza Farnese in Rom. Sie war auf einer Wallfahrt ins Heilige Land erkrankt, die sie mit Katharina und ihren Söhnen unternahm. Sie wurde zunächst in Rom bestattet. Ihre Tochter überführte den Leichnam ihrer Mutter fünf Monate später ins Kloster Vadstena in Schweden.

Erst nach ihrem Tod, nämlich 1378 werden vom Papst Urban VI. die Regeln des Erlöserordens bestätigt. Und nachdem ihre Tochter ihre Berichte über das Leben und die Visionen der Mutter an niederschrieb und dem Papst übergab, wurde Birgitta 1391 heiliggesprochen.

Birgittenkonvent

Sieben Bücher, die sogenannten Himmlischen Offenbarungen, eine Art Fürstenspiegel, liturgische Lesungen für die Andachten und vierzig Gebete bilden die schriftlichen Hinterassenschaften der Heiligen Birgitta, der großen Kämpferin für Tugend und Sittlichkeit. Ergänzt werden sie von den Regeln des Heiligen Erlösers, den Ordensregeln.

Um 1418 wurde in Dänemark das Birgittenkloster Maribo und 1446 das Kloster Mariager gegründet. Irgendwann dazwischen wurde ein Kloster im norwegischen Bergen birgittinisch. Ein Tochterkloster gab es bald auch in Finnland, den Niederlanden, England und im Baltikum.

In Deutschland gab es das erste Birgittenkloster hier in Gnadenberg an der Grenze vom heutigen Mittelfranken zur Oberpfalz. Es folgten rund 50 Jahre später Maihingen und 1472 Altomünster bei Augsburg, das 2015 vom Vatikan aufgelöst wurde.

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Das Kloster war einst ein Doppelkloster – für Männer und Frauen

Ehemaliges Birgittenkloster in Gnadenberg

Das Birgittenkloster in Gnadenberg verdankt seine Errichtung der Pfalzgräfin Katharina von Pommern. Sie war als Mitglied des schwedischen Königshauses von ihrer Großtante Margarethe I., der Königin von Dänemark, Norwegen und Schweden, erzogen worden und verbrachte einige Zeit in im ersten Kloster von Birgitta in Vadstena.

Geplant war eigentlich eine Heirat ins englische Königshaus mit Heinrich V. Als diese jedoch nicht zustande kam, heiratete sie 1407 den Pfalzgraf Johann von Neumarkt. Ihr Gemahl kam ihren Bitten nach einem Kloster hier in Deutschland nach und kaufte den Eichelberg an der Grenze zum Nürnberger Land.

Mit Gnadenberg, dem ersten Birgittenkloster in Deutschland, verbreitete sich der Orden auch hier bei uns. Nur 53 Jahre nach dem Tod der inzwischen heiliggesprochenen Birgitta begann die Gründung des Klosters hier in der Oberpfalz. Das Ganze zog sich natürlich erst einmal ein wenig hin, denn schließlich musste man erst einmal bei Pabst Martin IV. eingeholt werden, die dieser dann 1420 auch tatsächlich erteilte.

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Klosterruine Gnadenberg bei Sonnenaufgang im Winter

Eröffnung

Rund 10 Jahre später kamen dann die ersten Mönche hierher. Birgittenklöster sind von ihrer Gründerin so konzipiert, dass dort immer Männer und Frauen leben. Das geht verständlicherweise nicht in einem Gebäude. Deshalb sind sie immer als Doppelkloster angelegt. Nach Fertigstellung des Frauenklosters folgten den Mönchen 1435 dann erste Nonnen, deren erste Äbtissin Anna Svenson war. Sie kam aus dem Kloster Maribo aus Dänemark nach Deutschland.

1438 legte der Eichstätter Bischof Albert den Grundstein zur Kirche und weihte gleichzeitig das Kloster. Es dauerte allerdings noch bis 1483, bis die Kirche tatsächlich fertiggestellt wurde. Inzwischen wurde die heilige Messe in einer Notkirche abgehalten.

Der Niedergang des Klosters

Im Dreißigjährigen Krieg wurde das Kloster und die Kirche in Brand gesteckt. Besonders tragisch daran ist, dass es ausgerechnet schwedische Truppen, also Landsleute von Birgitta waren, die für das Ende des Klosters verantwortlich waren. Ursprünglich war die Kirche um die 70 Meter lang und 37 Meter breit. Damit gehört sie sicherlich zu den bedeutenden historischen Orten im Landkreis Neumarkt und der ganzen Oberpfalz.

ÜBRIGENS: Birgitta von Schweden wurde von Papst Johannes Paul II. zur Patronin Europas erhoben.

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In neuem Glanz erstrahl seit 2015 das Konventgebäude des Klosters

Das Konventgebäude

Das neu instantgesetzte Konventgebäude beherbergt eine Art Museum über Archäologie, die Baugeschichte des Gebäudes und zum mittelalterlichen Bauen im Allgemeinen. Wer an einer Führung teilnehmen möchte, kann sich an den Kulturhistorischen Verein Gnadenberg e.V. wenden. Das Gebäude wurde über zwei Jahre lang umfassend saniert. 2015 fand die feierliche Eröffnung statt.

Die Baukosten (rund 1,5 Millionen Euro) hatte die katholische Kirchenstiftung St. Birgitta in Gnadenberg aufgetrieben, unter anderem von der Diözese Eichstätt, der Gemeinde Berg, dem Landkreis Neumarkt und des Freistaates Bayern.

Öffnungszeiten
  • Ruine jederzeit begehbar
  • Ausstellung: ab 16. April
  • jeweils sonntags: 14:00 bis 17:00 Uhr
  • Führungen und Infos

HINWEIS: 2023 feiert der Kulturhistorische Verein zusammen mit weiteren Birgittenklöstern den 650. Todestag der Heiligen Birgitta. Geplant ist eine große Sonderausstellung nebst Lesungen, Konzerten und vielen weiteren Highlights.

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Torbogen zum ehemaligen Klostergelände in Gnadenberg

Der Ort Gnadenberg

Am südlichen Hang des Klosterberges mit dem Gnadenberger Wald liegt das heutige Pfarrdorf Gnadenberg, an dessen Fuß die Schwarzach vorbeifließt. Schon rund 100 Jahre vor dem Bau des Klosters ist von einem Hof Eichelberg die Rede. Der Name Gnadenberg stammt aus der Zeit der Gründung des Birgittenklosters. Als der Pfalzgraf Johann von Neumarkt den Hof für 500 Gulden erwarb, nannte er den Ort Gnadenberg.

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Das Kloster hat der Pfalzgraf sicherlich nicht nur für seine Gemahlin an diesem Ort errichten lassen. Es hatte damals auch eine strategische Bedeutung. Denn im direkten Umland herrschte die Reichsstadt Nürnberg. Und deren Patzrizierfamilien übten auch auf seinem Amt Haimburg zahlreiche Ämter aus.

Im Kloster wirkten meist Äbtissinnen aus ebendiesen Familien und brachten deshalb große Besitztümer mit ein. Bis zum Niedergang des Klosters beziehungsweise der Säkularisation war die Geschichte des Ortes eng mit dem des Klosters verbunden. Im Jahr 1650 waren neben der Klosterruine mit einem Wirtshaus ein Bauernhof, eine Bäckerei, eine Schmiede, eine Klostermühle und ein Badhaus gelistet.

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Im 18. Jahrhundert wurde der marode Pfarrhof neu gebaut und ein neuer Friedhof angelegt. Um 1800 bestand der Ort aus etwa 14 Höfen. Außerdem gab es ein gemeindliches Hirtenhaus, ein Mauthaus, ein Försterhaus und das Brauhaus neben einer Wohnung für den Klosterrichter und den Gerichtsdiener.

ÜBRIGENS: Der Brunnen neben der Klosterkirche mit seinem achteckigen Becken stammt aus dem Jahr 1892. Gleich daneben das Klostertor, das mit seinem Rundbogen aus Sandstein wohl im 15. Jahrhundert gebaut wurde.

Eine traurige Geschichte aus dem Krieg

Eine sehr traurige Geschichte weiß eine Zeitzeugin aus Gnadenberg zu berichten. Sie war anwesend, als in den letzten Kriegstagen im April 1945 die SS in den Ort kam. Die bitteren Erfahrungen von Rosa-Maria Höllerl sind auf dem Infoplakat gleich neben der Birgitta-Statue aus Sandstein beschrieben und erinnern noch heute sehr anschaulich und tief bewegend an die Grausamkeiten des deutschen Regimes.

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Gegenüber der Klosterruine liegt der Gasthof zum Kloster in Gnadenberg

Essen und trinken

Gasthof zum Kloster, Gnadenberger Str. 16


Anfahrt: Wie komme ich zur Klosterruine?

Wenn ihr über die A3 Nürnberg-Regensburg kommt, nehmt ihr die Ausfahrt 91 Richtung Oberölsbach/Berg und haltet euch Richtung Altdorf. Die nächste Ortschaft ist bereits Gnadenberg. (Die Ruine liegt übrigens nur ein paar Hundert Meter vom Ortsrand Altdorf im Nürnberger Land entfernt!)

Parken

Direkt gegenüber der Klosterkirche befindet sich an der Hauptstraße (Gnadenberger Str.) ein Parkplatz. Am Sonntagmorgen kann es zu Gottesdienstzeiten etwas voll werden, sonst ist hier eher wenig los.

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Parkbucht gegenüber vom Kloster

Fazit

Ein Besuch der Klosterruine lohnt zu jeder Jahreszeit und ist auch in den Wintermonaten ein echtes Highlight. Die Ruine ist über die Stufen direkt gegenüber vom Parkplatz einfach zu erreichen. Neben dem Parkplatz steht nicht nur die Sandsteinstatue der Heiligen, sondern auch zwei Infotafeln zur Geschichte. Die beste Zeit für Informationen ist jedoch in der Sommersaison zwischen Mitte April und Oktober, denn dann hat das Museum an den Wochenenden geöffnet und ihr könnt euch nicht nur die Ausstellung, sondern auch das wunderschön sanierte Gebäude des Konvents ansehen.



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