SCHMIDMÜHLEN

Nur einem Zufall ist es zu verdanken, dass ich mich in das hübsche Dorf Schmidmühlen südlich von Amberg verirrt habe. Als Ausgangspunkt für meine zweitägige Wanderung auf dem Wacholderwanderweg hatte ich dem Markt eigentlich keine große Beachtung geschenkt – bis ich an einem heißen Freitag Morgen im Juli vor dem Rathaus mein Auto geparkt und den Rucksack für die rund 30 Kilometer Wanderweg gesattelt hatte.

Ein ruhiges Örtchen, scheinbar weit weg von jeder Zivilisation. Heute kaum noch bekannt und von vielen jungen Menschen verlassen, um anderswo zu leben und zu arbeiten. Und doch viel zu bezaubernd, um einfach loszulaufen und das Kleinod hinter sich zu lassen, ohne einen zweiten Blick auf die vielen Sehenswürdigkeiten zu werfen.

Stadtkern mit Blick auf das Hammerschloss

Schmidmühlen

Dort, wo die Lauterach im Landkreis Amberg-Sulzbach in die Vils mündet, liegt der Markt Schmidmühlen. Um 1000 nach Christus war Schmidmühlen im Besitz der Marktgrafen von Hohenburg und wird bereits urkundlich erwähnt. Der Name des Ortes lässt den Schluss zu, dass sich hier eine Schmiedemühle befand. Schon im Mittelalter war Schmidmühlen Kreuzungspunkt verschiedener Handelsstraßen, unter ihnen die Bayerische Eisenstraße. Diese große wirtschaftliche Bedeutung ließ in Schmidmühlen so manchen fleißigen Handwerker Reichtum erlangen. Das Marktwappen mit Hammer und Mühlrad erschien erstmals im Jahr 1311. Heute zählt Schmidmühlen beschauliche 2300 Einwohner und entsprechend ruhig geht es hier zu. Fremde werden hier neugierig betrachtet und gerne auch angesprochen – um mit einem nützlichen Tipp und guten Wünschen weiterzuziehen.

Drei Schlösser zieren Schmidmühlen

Es wirkt fast ein wenig vermessen, denn hier tummeln sich auf engstem Raum drei sogenannte Schlösser, die von einer bewegten Geschichte zeugen. Wie ein magisches Dreieck liegen die drei Schlösser im Ortskern von Schmidmühlen: das Obere Schloss, das Zieglerschloss und das Hammerschloss.

Oberes Schloss

An der Stelle des Oberen Schlosses befand sich ursprünglich eine Wasserburg, auf der sich bis 1270 Ministeriale der Hohenburger Grafen tummelten. Anschließend wurde das Anwesen wittelbachisch und um 1353 einem größeren Umbau unterworfen, bei dem das Schloss weitestgehend neu gestaltet wurde. Das  heutige Schloss wurde um 1600 erbaut.

Im Erdgeschoss befand sich eine kleine Kapelle, die jedoch schon vor langer Zeit zugemauert wurde. Immer wieder wechselten die Besitzer. Um 1900 wohnte oder arbeitete niemand mehr darin. Vielmehr diente das Gebäude zur Aufbewahrung von Hopfen und Getreide.  Erst als das Schloss 1919 an einen Nürnberger Architekten verkauft wurde, wurde es gründlich renoviert und ging 1937 in den Besitz der Marktgemeinde Schmidmühlen über. Seitdem wird es als Rathaus verwendet, litt jedoch im Zweiten Weltkrieg durch die Besatzungsmächte stark. Im Obergeschoss findet sich heute ein Heimatmuseum.

Im Oberen Schloss befindet sich heute das Rathaus

Unteres Schloss – Hammerschloss

1326 fand sich an dieser Stelle eines der bedeutendsten Hammerwerke der Oberpfalz. Nach vielen Jahren der wirtschaftlichen Blüte kam es zu einem mehrfachen Besitzerwechsel, bis 1666 Johann Adam von Senglau das Hammergut kaufte und unterhalb des Werkes eine Papiermühle gründete. Von seinen Nachfolgern wurde 1700 das barocke Hammerschloss errichtet.

Stuckdecken italienischer Künstler, spätgotische Elemente und Einflüsse des Barocks machen das Hammerschloss bis heute zu etwas ganz besonderem. In seiner Geschichte hat das Untere Schloss schon die verschiedensten Zwecke erfüllt: Armenhaus, Lagerhalle, Gefängnis, Schule und natürlich Wohnhaus. Nach der Renovierung, die bis 2003 andauerte, wurde aus dem ehemaligen Hammerschloss ein Kultur-, Pfarr- und Gemeindezentrum.

Hammerschloss in Schmidmühlen

Adresse

Hammerstr. 30
92287 Schmidmühlen

Seit der Restaurierung zur Jahrtausendwende kommt die aufwändige Fassade mit ihrem unterschiedlich rauen Putz besonders schön zur Geltung. Und obwohl man es bei dem Barockbau nicht vermuten mag, steckt innen ein mittelalterlicher Kern. Der Flur und die beiden repräsentativen Räume sind mit mondänen Stuckdecken ausgestattet. Das Hauptmotiv ist der Akanthus. Das Bärenklaugewächs, das ursprünglich zwar aus dem Mittelmeerraum stammt, fand um 1700 jedoch auch in Bayern häufig Verwendung. Zu dieser Zeit waren italienische Künstler in der Oberpfalz sehr gefragt.

Zieglerschloss

Neben dem Hammer- und dem Oberen Schloss gibt es in Schmidmühlen auch das Zieglerschloss, das jüngste der drei Schlösser. Es liegt in der heutigen Kreuzbergstr. 4 und wurde um 1757 nach dem Vorbild eines französischen Landschlosses gebaut. Im Gegensatz zu den beiden anderen Schlössern handelt es sich beim Zieglerschloss jedoch um keinen Adelssitz. Das Zieglerschloss wurde von Josef Georg Felsner im Bereich einer ehemaligen, gemeindeeignen Ziegelei erbaut.

Zieglerschloss in Schmidmühlen

Adresse

Kreuzbergstr. 4
92287 Schmidmühlen

Ursprünglich stammte die Familie Felsner aus Kastl, allerdings siedelte der Ziegler und Großvater des Erbauers nach Schmidmühlen über, um die Bierbrauerstochter Anna Kolb zu heiraten. Josef Georg Felsner, verließ im Alter von 16 Jahren Schmidmühlen und durchwanderte halb Europa. In Frankreich lernte er die Kunst der Schnupftabakdosen-Herstellung. Zu dieser Zeit waren diese Dosen ein unentbehrliches Utensil für jedermann. Als Josef als knapp 30-Jähriger zurück nach Schmidmühlen kam, begann er noch im selben Jahr mit dem Bau des Zieglerschlosses.

Zieglerschloss mit benachbarter Friedhofskirche St. Georg aus dem 16. Jahrhundert

Außerdem gründete er auch eine Fabrik zur Fertigung von Tabakdosen nach geheimer Methode, die er in Frankreich kennengelernt hatte. Seine Tabakdosenproduktion entwickelte sich zu einer ernsthaften Konkurrenz für seinen französischen Lehrmeister, der ihm daraufhin nach dem Leben trachtete. Nur mit viel Glück entrann er einem Attentat durch eine mit Pistolen gefüllten Kiste, die sich beim Öffnen des Deckels entladen hätten.

Lage: Ihr geht vom Oberen Schloss (Rathaus) die Rathausgasse hinunter, über die Brücke. Das Zieglerschloss befindet sich gleich auf der rechten Seite an der Kreuzbergstraße, Ecke Dr.-Pfab-Straße vor dem Friedhof.

Pfarrkirche St. Ägidius im Ortskern

Pfarrkirche St. Ägidius

Direkt in der Ortsmitte prangt der Turm des römisch-katholischen Gotteshauses St. Ägidius. 1486 erbaut, stürzte 1807 am Fronleichnamstag der mit einer barocken Zwiebelhaube besetzte Turm ein und zerstörte dabei auch den Chor. Der Turm wurde erst 1832 neu errichtet und erhielt das heute noch bestehende Flachdach im italienischen Stil. Wir haben hier unsere zweitägige Tour auf dem Wacholderwanderweg gestartet und uns erst einmal mit ein paar Leckereien aus der Dorfbäckerei versorgt.

Den Ortskern von Schmidmühlen säumen Bäckereien und Gaststätten

Wenn ihr noch eine kleine Stärkung für eure Wanderung benötigt, schaut einfach bei einer der beiden Bäckereien um die Ecke vorbei.

Bäckerei Scherl

Poststr. 1
92287 Schmidmühlen


Bäckerei Grosser

Hauptstr. 17
92287 Schmidmühlen


In Gedenken an die Anfangszeiten: der Skulpturenweg

Die Metallskulpturen, die seit 2010 das Ufer der Lauterach unterhalb des Rathauses in Schmidmühlen säumen, hat Franz Schmid gestaltet. Das Material hat er mit Bedacht gewählt. Was läge näher, als auch in den Skulpturen auf die lange Tradition Schmidmühlens in der Eisenverarbeitung Bezug zu nehmen? Verwendet hat der Künstler ausschließlich sechs Millimeter dickes Rundeisen, das er zurechtgeschnitten und miteinander verschweißt hat. Ganze 70 Meter dieses Rundeisens steckt in jedem Moriskentänzer an der Hochwassermauer – und natürlich jede Menge Arbeit.

Skulpturenpfad entlang der Lauterach in Schmidmühlen

Der Gießkannenbaum

Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus. In Schmidmühlen ist es 2018 ist das nicht nur das 40. Marktfest, das Anfang August stattfindet. 2018 jährt sich auch der Todestag des bekanntesten Sohnes Schmidmühlens Erasmus Grasser zum 500. Mal. Da hat sich Schmidmühlen natürlich etwas ganz Besonderes einfallen lassen: Einen mit rund 200 Gießkannen geschmückten Ahornbaum.

Über 200 bunte Gießkannen schmücken den stattlichen Ahornbaum

Der Gießkannenbaum steht direkt neben der Kunstwanderstation am Parkplatz an der Mühlwiese und kann noch für einige Wochen dort bewundert werden.


Bald mehr zu unserer ersten mehrtägigen Wandertour: Wacholderwanderweg in der Oberpfälzer Toskana!

 

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