Rundwanderung um die Tongrube Marloffstein (Landkreis Erlangen-Höchstadt)

Nur sieben Kilometer nordöstlich von Erlangen liegt auf einem Höhenrücken die Gemeinde Marloffstein. Bekannt ist sie nicht nur durch ihr Schloss, sondern auch durch ihre Tongrube am Ortsrand. Die Tongrube Marloffstein wird schon seit vielen Jahren nicht mehr bewirtschaftet. Inzwischen gehört sie zu Bayerns wunderschönen Geotopen und steht unter Schutz, sodass sich ein einzigartiges Biotop entwickeln konnte. Für umsichtige Naturliebhaber und Familien mit Kindern ist sie ein perfektes Ausflugsziel, um die Schönheit der Natur zu entdecken. Wir haben den Besuch der Tongrube gleich mit einer kleinen Wanderung von 3 Kilometern verbunden.

Die Wanderkarte und weitere Details findet ihr weiter unten

Bitte beachtet die Verhaltensregeln bei Betreten der Tongrube Marloffstein, um die empfindliche Natur zu schützen

Marloffstein

Im mittelfränkischen Landkreis Erlangen-Höchstadt liegt die Gemeinde Marloffstein. Ihre Gründung geht auf die gleichnamige Burganlage aus dem 11. Jahrhundert zurück. Bis die Ortschaft jedoch erstmals urkundlich erwähnt wurde, vergingen noch rund 100 Jahre.

Ein wenig Geschichte rund um Marloffstein

Vor fast 1000 Jahren versuchte König Heinrich III. das Gebiet östlich der Regnitz in einem Reichsgut zusammenzufassen. Und dazu benötigte er Burgen, die das Nürnberger Reichsland nach Norden hin abschirmen sollten. Ort und Burg befanden sich im Besitz der Familie von Gründlach. Das änderte sich, als Bischof Leopold I. – selbst ein Familienmitglied – seinen Anteil an das Bistum Bamberg vererbte. Es dauerte nicht lange und Marloffstein war wurde bischöflichliches Amt von Bamberg. Bis 1802 diente sie als Wohnanlage und Verwaltungssitz der bambergischen Vögte.

Schaut mal genauer hin: In der Tongrube Marloffstein gibt es überall etwas zu entdecken

Wie fast alle Schlösser und Burgen wurde auch die Burg Marloffstein im Zweiten Markgrafenkrieg 1552 niedergebrannt. Knappe 20 Jahre sollten vergehen, bis die Anlage wiedererrichtet und dabei zum Amts- und Jagdschloss umgebaut wurde. Gegen Ende des 17. Jahrhunderts versah der Oberamtmann des damaligen Bischofs die Burg mit schicken Barockelementen, die ihr Ansehen im bambergischen Land zu damaligen Zeiten enorm steigerten.

Bei der Säkularisation wechselte die Burg dann ihren Besitzer und gelangte in den Besitz des Königreiches Bayern. Nordflügel, Turm und drittes Obergeschoss wurden abgerissen, mit den Steinen die ehemalige Schlosskapelle zur Dorfkirche umgebaut. Das Schloss selbst bleibt lange Zeit ungenutzt und verfällt. Seit 1883 ist in dem Schloss Marloffstein ein Wirtshaus untergebracht.

Wasserturm am Pass Marloffstein

Hoch oben auf dem Pass Marloffstein ist der Wasserturm schon von Weitem gut sichtbar

Der Pass Marloffstein zwischen den Gemeinden Langensendelbach und Spardorf verläuft durch das Gebiet von Marloffstein. Die Passhöhe von 390 Meter bildet die Grenze der Tongrube Marloffstein und ist mit einem schon von weitem sichtbaren Wasserturm gekrönt. Zwar hat der Marloffsteiner Pass nur wenig mit den üblichen Hochgebirgspässen zu tun, trotzdem ist er ein echter Pass.

Hier verläuft übrigens die Alternativstrecke des Jakobsweges zwischen Forchheim und Nürnberg und auch sonst wird die Strecke gut von Familien mit Kindern und Wanderern jeden Alters frequentiert. Von hier oben hat man einen herrlichen Blick auf das fränkische Umland und kann bei klarem Wetter bis nach Nürnberg und in die Fränkische Schweiz blicken.

Offene Flächen wechseln mit dichten Schilf- und Buschlandschaften in der Tongrube Marloffstein ab

Tongrube Marloffstein

Bis in die 1970er Jahre baute die Ziegelei Schultheiß in der Tongrube Marloffstein Ton ab. Zunächst transportierte man den Ton mit einer Lorenseilbahn, später mit Lastwagen zur Ziegelei in Spardorf, um daraus klassische Tonziegel zu brennen. Inzwischen ist die Tongrube stillgelegt, die Natur in der Grube sich selbst überlassen.

Die Natur erobert die Tongrube Marloffstein langsam zurück

Besucher finden hier eine typische Sukzessionslandschaft. Langsam kehren die für den Standort typischen Pflanzen und Tiere in die ehemalige Tongrube zurück. In den 1980er Jahren war das etwa 450 mal 250 Meter umfassende Areal noch kahl, lediglich in den Senken hatte sich das Grund- und Regenwasser gesammelt, um dort schlammige Seen zu bilden. Zunächst siedelten sich Gräser, Flechten und andere einfache Pflanzen an. Unter den Sträuchern und Bäumen sind es die charakteristischen Pionierarten wie Birke, Kiefer, Weide und Erle, die sich hier als erste ansiedeln. Erst viel später folgen dann andere Arten und das Areal wird früher oder später zu einem Waldgebiet regenerieren.

HINWEIS: Durch seine geschützte Lage einst ein Geheimtipp bei naturbewussten Badefreunden, steht das die Tongrube Marloffstein seit 2013 steht unter Schutz. Deshalb ist das Betreten zwischen April und Ende Juli in Teilbereichen verboten.

Am Eingang zur Tongrube ist ein hölzernes Tor aufgestellt

Inzwischen ist das Wasser stark zurückgegangen, die Seen verlandet. Die meiste Zeit des Jahres erinnert die Tongrube an eine bizarre Mondlandschaft, die auf die nächsten Regenfälle wartet. Ausgedehnte Schilfzonen überwuchern große Teile des Bodens, Weiden, Erlen, Pappeln und Birken nehmen die Uferzonen in Beschlag. Viele weitere Pflanzen und Tiere nennen die Lehmgrube heute ihr Zuhause. Um sie nicht zu stören, solltet ihr euch leise und umsichtig verhalten.

Fenster in die Erdgeschichte: Geotope in Bayern

Seit ein paar Jahren ist die Tongrube Marloffstein als Geotop eingestuft, das tiefgreifende Erkenntnisse über die Erdgeschichte und die Entstehung des Lebens vermitteln kann. Früher fand man hier zahlreiche Fossilien, vor allem pyritisierte Cephalopoden. Das sind Kopffüßer wie Tintenfische und Schalenweichtiere, die ausschließlich im Meer vorkommen. Als sich das tropische Meer vor Millionen von Jahren aus dem Gebiet zurückzog, blieben in dieser Region vor allem Ammoniten und Turmschnecken zurück, die im Laufe der Jahre versteinerten. Leider findet man hier heute nur noch sehr vereinzelt Ammoniten oder andere Fossilien.

Durch die lange Trockenheit zeigen sich die Seen in der Grube nur noch selten

Achtsamer Umgang mit der Natur

Immer wieder kam und kommt es in den Sandgruben, Baggerseen und ehemaligen Steinbrücken zu kompletter Sperrung, weil rücksichtslose Besucher immer wieder große Schäden anrichten. Die Marloffsteiner Tongrube mutierte zeitweise zur Partylocation mit jeder Menge Krach, Zerstörung und Müllbergen. Neben der Belastung der Natur entstanden immer wieder erhebliche Verkehrsbehinderungen, weil sich die beiden Parkplätze an der Staatsstraße als viel zu klein für die Besucherströme an schönen Tagen erwiesen.

Durch den Schilfgürtel in der Marloffsteiner Tongrube führt nur ein schmaler Pfad

Es gab deshalb auch hier die Überlegung, das Biotop gänzlich für den Zutritt zu sperren. Eine schwierige Gratwanderung, denn schließlich ist bekannt, dass der Mensch nur das als wertvoll betrachtet und schützt, was er kennt und schätzt – und nicht, wovon er ausgeschlossen ist. Und deshalb gibt es in der Tongrube Marloffstein seit 2017 nur ein Betretungsverbot für Teilbereiche von April bis Juli, um seltenen Wasservögeln wie der Rohrweihe eine ungestörte Brutzeit zu ermöglichen.

Führt eure Hunde deshalb an der Leine und haltet euch an das Verbot von Zelten, Feuer und lauter Musik. Nehmt nichts mit und lasst nichts zurück. Denn die fragile Balance zwischen Biotopschutz und (sanfter) Freizeitgestaltung funktioniert nur dann, wenn wir alle umsichtig und respektvoll mit der Natur umgehen.

Nochmal in Kürze:

  • Zutrittsverbot zwischen April und Juli (in Teilen der Tongrube)
  • Hunde an der Leine halten
  • keine Übernachtung
  • kein offenes Feuer
  • keine laute Musik
  • keinen Müll hinterlassen

Im Frühsommer nisten hier seltene Rohrdommeln, deshalb ist der Zutritt zu dieser Zeit verboten

Rundwanderung um die Tongrube Marloffstein

Vom Parkplatz am Wasserturm überqueren wir die Staatsstraße und halten uns auf dem Fußgänger- und Fahrradweg kurz nach links und folgen ihm zunächst über eine Rechtskurve und dann einer Linkskurve bis sie auf einen asphaltierten Weg trifft. Hier halten wir uns links und kommen nach ein paar Metern zu einem hölzernen Tor, das gleichzeitig der Eingang zur Tongrube. Dort könnt ihr euch je nach Jahreszeit mehr oder weniger ausgiebig umsehen. Von der Hinweistafel aus halten wir uns anschließend links und gelangen über einen schmalen Pfad ins Wohngebiet auf der Leithenstraße in Marloffstein. Hier biegen wir nach links ab und an der nächsten Kreuzung rechts. Nach 100 Metern gehen wir nach rechts auf den Feldweg. An der nächsten Kreuzung folgen wir dem Marloffsteiner Pass, der uns wieder zurück zum Ausgangspunkt am Wasserturm bringt.

Route

Höhenprofil

Details

  • Start/Ziel: Wanderparkplatz am Wasserturm
  • Markierung: keine
  • Länge: 3 km
  • Dauer: 1 bis 1,5 Stunden
  • Schwierigkeit: leicht
  • für Kinderwagen/Buggy geeignet: ja (Einschränkungen in der Tongrube)
  • Aufstieg: 128 m
  • Abstieg: 127 m
  • DOWNLOAD Karte als pdf: Marloffstein-Tongrube-Karte.pdf

PLANDATEN FÜR GPS-GERÄTE

So funktioniert´s: Auf den Link klicken, dann wird euch die Datei angezeigt. Mit der rechten Maustaste irgendwo in den Text klicken. „Speichern unter“ auswählen und an beliebiger Stelle (auf dem Smartphone, PC oder dem mobilen GPS-Gerät) speichern. 

Auf dem trockenen Tonboden können nur Spezialisten unter den Pflanzen Fuß fassen

Essen und trinken

Auf der Strecke rund um die Tongrube Marloffstein gibt es keine Einkehrmöglichkeit. Wenn ihr in den Ortskern geht, findet ihr dort ein paar Gaststätten.

Striegelwirt und Alter Brunnen

Familie Striegel
Am alten Brunnen 1
91080 Marloffstein

Homepage: alterbrunnen.net

Oben auf dem Pass Marloffstein habt ihr eine fantastische Aussicht über den Landkreis Erlangen-Höchstadt

Anfahrt: Wie komme ich nach Marloffstein?

Aus Richtung Nürnberg oder Bamberg fahrt ihr auf der A73 und nehmt die Ausfahrt 31 Erlangen Nord. Folgt der Bayreuther Straße Richtung Spardorf. Nach 500 Metern biegt ihr links auf die Essenbacher Straße, die nach 300 m in die Spardorfer Straße übergeht. Nach etwa 4 km kommt ihr nach Marloffstein. Fahrt auf der Hauptstraße einmal den Berg hoch durch den Ort. Am Ortsende seht ihr rechts bereits den Wasserturm.

Parken

Rechts und links der Staatstraße 2242, der Verlängerung der Hauptstraße in Marloffstein, liegen direkt am Wasserturm zwei kleinere Parkplätze. Am Wochenende kann es ab dem späten Vormittag hier schon einmal etwas voll werden.

Die Tongrube Marloffstein ist ein beliebtes Ausflugsziel für Familien mit Kindern

Fazit

Am Sonntagmorgen ist die Tongrube Marloffstein ein beliebter Ausflugsort für Familien mit Kindern. Der Rundweg um die Tongrube ist auch für Familien mit kleinen Kindern geeignet, im Geotop sind die Wege jedoch so eng, dass ihr mit einem größeren Buggy oder Kinderwagen nur schwer durchkommt. Für genauere Erkundungen müsst ihr eure Zwerge deswegen womöglich ein kleines Stückchen tragen. Da die Tongrube aber nicht besonders groß ist, sollte das kein Problem sein. Einen Lehrpfad gibt es leider nicht, lediglich ein/zwei Hinweisschilder. Wenn ihr genau hinseht, könnt ihr vielleicht noch ein paar Muscheln oder Versteinerungen finden.

 


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